Ein Patentrezept zur Ideenfindung

Freitag, 19. März 2010

Die letzten Tage war ich hier im schönen Penang (Malaysia) für einen Innovationsworkshop zur technischen Produktentwicklung.
Dabei wurde ich von einem Entwicklungsingenieur gefragt, ob es ein Patentrezept gibt, um auf gute Ideen zu kommen.
Ja das gibt es und es funktioniert immer. In diesem Artikel möchte ich es verraten.

Das Patentrezept für gute Ideen besteht darin möglichst viele Ideen zu suchen. Quantität vor Qualität! Bei der Ideenfindung gilt das Prinzip „weniger ist mehr“ nicht. Es ist wie beim Gold schürfen. Um die Goldklumpen zu finden, muss eine ganze Menge Schutt mit in den Trichter gekippt werden, denn man weiß ja leider nicht, wo genau sich die Goldstückchen befinden.

Die guten Ideen: Im Nachhinein logisch, im Vorhinein durch Logik alleine nicht zu finden


Wenn man für ein Problem mit unbekannter Lösung endlich eine funktionierende Lösung gefunden hat, dann erscheint diese im Nachhinein, sobald sie also sichtbar ist, als einleuchtend. Man fasst sich an den Kopf und denkt sich, da hätte ich doch auch früher drauf kommen können.
Leider ist kommt man im Vorhinein einfach nur durch logisches Nachdenken nicht auf die Lösung. Die beste Möglichkeit die Perlen unter den Ideen zu identifizieren, ist es also möglichst viele davon zu haben, immer mit in dem Bewusstsein, dass man nur einige davon wirklich brauchen kann. Und hier genau liegt die Krux. Die Perlen sind unbedingt die, die man auf den ersten Blick dafür hält oder glaubt im Kopf zu haben. Oft entstehen diese durch puren Zufall. Wichtig ist dann diese auch zu erkennen und dafür braucht man wiederum die intensive Beschäftigung mit dem Thema. Denn: Der Zufall begünstigt den vorbereiteten Geist.
Man weiß vorher auch nie genau, wo unter den vielen generierten Ideen sich die guten befinden. Das unten stehende Bild zeigt eine Szene aus dem Innovationsworkshop von dieser Woche. Mit 10 Leuten haben wir in 35 Minuten über 200 Ideen generiert, die dann anhand von vorgegebenen Kriterien bewertet wurden. Wie erkennbar ist befinden sich die gewählten Ideen über alle Flipcharts verteilt. Die erste Hälfte des ersten Flipcharts war das Ende des normalen „Brainstormings“, wie es in vielen Organisationen statt findet. Danach wird meistens Schluss gemacht. Denn uns fällt ja nichts mehr ein. In meinem letzten Video: Ideenfindung mit Kreativitätstechniken habe ich gezeigt, wie man noch wesentlich mehr Ideen entwickeln kann. Wie das Foto zeigt, lohnt es sich!

Ideenfindung

Die richtigen Fragen stellen und die Suchrichtung der Ideenfindung festlegen


Dennoch findet Ideenfindung nicht ins Blaue hinein statt. Obwohl es darum geht, möglichst viele Ideen und in "alle Richtungen" Ideen zu suchen, muss trotzdem vorher die Suchrichtung festgelegt werden. Dieses wird dadurch erreicht, dass die Ausgangsfrage genau festgelegt wird, um dadurch die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, das Problem wirklich zu lösen und zum Beispiel ein neues Produkt zu entwickeln.

Das richtige Vorgehen bei der Auswahl und Bewertung der Ideen


Die beste Ideenentwicklung nützt jedoch nichts, wenn das Auswählen und bewerten der Ideen so abläuft, dass nur die "realistischsten" Ideen den Auswahlprozess überleben. Zumindest bei einem Innovationsworkshop würden dadurch meist nur die Ideen übrig bleiben, an die man vorher mehr oder weniger schon gedacht hat und die schon bekannt waren. Zentral ist es bei der Auswahl die sogenannte verfrühte Schlussfolgerungen zu vermeiden. Deshalb gehe ich mit Kriterien vor, die auch die Originalität und den Neuigkeitswert von Ideen berücksichtigen und bewusst mehr die Potenzial von Ideen als nur die Probleme in Betracht ziehen.
Denn eine Idee noch keine Lösung, sondern wie ein Rohdiamant, der weiter geschliffen werden muss.
Auch dieser schrittweise Verbesserungsprozess ist Teil des Patentrezeptes, um von Ideen zu richtig guten Ideen zu kommen.

Innovationsworkshop als Video

Donnerstag, 4. März 2010

Vor kurzem habe ich in einem Artikel beschrieben, wie ein Innovationsworkshop abläuft. Nun habe ich auch ein kurzes Video dazu erstellt, wo ich in knapp fünf Minuten das Wichtigste erkläre.



Leider funktionieren die Kommentarfunktionen im Moment (4.3.10) nicht, ich hoffe, der Fehler wird bald behoben.

Fredmund Maliks Irrtümer der Innovation

Dienstag, 2. März 2010

In der gestrigen Ausgabe des Handelsblatts (1.3.2010) ist ein ökonomischer Gastkommentar von Fredmund Malik erschienen: "Fünf Irrtümer stehen vielen Innovationen im Wege".

In diesem Kommentar legt der St. Gallener Professor fünf Irrtümer dar, denen zu viele Unternehmen aufsäßen und deshalb oft mit Innovationsprojekten scheiterten.

Diese Irrtümer sind:

  1. Innovation entsteht in Forschungslaborien und Entwicklungsabteilungen.
    Dies sei nicht so, im Gegenteil "Innovation hingegen muss kompromisslos vom Markt her definiert werden … Die Schlüsselfrage muss vielmehr lauten 'Was wäre zu tun, und was ist erforderlich, um diese Entwicklung, Erfindung oder Entdeckung erfolgreich in den Markt zu bringen?'"

  2. Kreativität sei wichtig
    Dahinter stecke die falsche Annahme, dass „es im Unternehmen einen Mangel an Ideen“ gebe. Das Problem sei nicht der Mangel an Ideen, sondern der Mangel an realisierten Ideen.

  3. Nur kleine Unternehmen seien innovativ.
    Laut Malik sind kleine Unternehmen zwar gute Sprinter, d.h. sie kommen schnell bis zur Prototyp-Phase, aber dann sieht es oft schlecht aus. Das liege daran, dass diese kleinen Unternehmen schlecht finanziert und schlecht geführt seien.

  4. Innovation habe vorzugsweise mit Hochtechnologien zu tun.
    Auch hier gebe es viele Möglichkeiten zu Innovation in nicht technischen Feldern.

  5. Zum Innovieren brauche man einen bestimmten Persönlichkeitstyp, "nämlich, den initiativen, kreativen, unternehmerischen und risikofreudigen Pionier."
    Das sei der größte Irrtum, denn die meisten Pioniere waren vor allem Menschen die ihr Handwerk beherrschten und sich durch systematische Arbeitsweise auszeichneten und genau das könne man von Ihnen lernen.
Der Kommentar legt sicherlich den Finger in die eine oder andere Wunde und enthält viele aus meiner Sicht richtige Argumente. Meine zweideutige Überschrift zeigt, dass ich diesen Irrtümern nicht völlig zustimmen kann.

Irrtum 1: Innovation entsteht in Forschungslaborien und Entwicklungsabteilungen


Herr Malik schreibt, dass Innovation kompromisslos vom Markt definiert werden muss. Wenn Innovation verstanden wird als das Einführen eines neuen und nützliches "Produktes" in einen Markt, dann kann Innovation per Definition nur vom Markt als solche definiert werden. Der Markt entscheidet, ob es sich um eine Innovation handelt oder nicht, da er die Nützlichkeit beurteilt.
Die große Frage aus meiner Sicht ist, ob Unternehmen bei der Schaffung von Innovation ausschließlich - oder kompromisslos wie Malik schreibt - aus der Sicht des Marktes heran gehen sollten. Das bekannte Zitat von Henry Ford zeigt, dass der Markt nicht unbedingt eine spätere Innovation erkennt oder auch nur fordert. Die meisten Marktteilnehmer bewegen sich mental im Paradigma des bisher bekannten.
Ich habe einige Innovationsworkshops moderiert, wo man sich von der anderen Seite her genähert hat und wo es sehr viel Sinn macht in Entwicklungsabteilungen einmal zu überlegen, wie etwas wirklich neues Aussehen könnte. Allerdings – und da hat Herr Malik völlig recht – muss dann möglichst schnell die Marktakzeptanz getestet werden und die Sicht des Marktes eingebunden werden. Daher ist die Folgefrage richtig, sich dann zu fragen, wie eine Entwicklung erfolgreich in den Markt gebracht werden kann.

Irrtum 2: Kreativität ist für Innovation nicht wichtig


Hier sitzt Herr Malik einem Irrtum über Kreativität auf, dem leider viele aufsitzen. Kreativität wird in seinem Kommentar reduziert auf das Generieren von Ideen.
Diese Sicht ist zwar verbreitet, aber greift viel zu kurz und entspricht nicht dem, was die Kreativitätsforschung in den letzten 50 Jahren hervorgebracht hat. Kreativität ist die Fertigkeit ein neues und nützliches materielles oder immaterielles Ergebnis hervorzubringen. Kreativität ist nicht beschränkt auf das divergierende Denken, d.h. dem Entwickeln von Optionen.
Kreativität ist unter anderem auch ein Prozess der beginnt mit der Definition einer sinnvollen Ausgangsfrage und der diese Frage beantwortet, in dem ein neues und nützliches Ergebnis geschaffen wird. Dazu habe ich bereits dutzende von Artikel hier veröffentlicht. Die Entwicklung von Ideen ist nur ein Element, das divergierende Denken ein Aspekt davon. Genauso wichtig ist die andere Seite, nämlich das Auswählen und weiter entwickeln dieser Ideen hinzu belastbaren Lösungen. Hier genau krankt es aus meiner Erfahrung in vielen Unternehmen. Diese bleiben im Stadium der Ideen stehen, wobei Idee definiert wird als ein möglicher Ansatz ein Problem zu lösen. Und genau deshalb sind die von Malik abgelehnten Kreativitätstrainings und Kreativitätstechniken so wichtig, weil es hier darum geht von einer Idee zur einer realisierbaren Lösung zu kommen. Hier wiederum stimme ich völlig zu. Günter Faltin hat es in seinem Buch Kopf schlägt Kapital schön beschrieben. Das Ideenkind muss weiter entwickelt werden und nicht lediglich als gegeben hingenommen werden.

Irrtum 3: Nur kleine Unternehmen sind innovativ


Ich stimme zu, dass dem nicht so sein muss. Dennoch gehen viele große Unternehmen genau den Weg, für Innovationsprojekte Ausgründungen zu schaffen, die sich vorbei an den großen und komplexen Organisationsstrukturen schneller bewegen können. Es ist durchaus so, dass große und gewachsene Strukturen Innovation nicht unbedingt förderlich sind. Nach Malik seien kleine Unternehmen außerdem oft nicht ausreichend finanziert. Wenn wir uns im Hochtechnologie-Paradigma befinden, das Malik selbst als Irrtum Nr. 4 bezeichnet, dann ist dieses Argument sicher richtig. Um nochmal auf Faltins Buch Kopf schlägt Kapital zurück zu kommen. Innovation außerhalb des Hochtechnologiefeldes braucht oft erstaunlich wenig Kapital, wenn man genug Zeit in die Entwicklung der Ideen steckt. Hier wiederum braucht es die Kreativität.

Irrtum 4: Innovation hat vorzugsweise mit Hochtechnologien zu tun


Ich stimme völlig zu, das dem nicht so ist. Innovation ist lediglich die Einführung eines neuen und nützlichen Ergebnisses in den Markt und das ist nicht auf Hochtechnologie beschränkt.

Irrtum 5: Innovation braucht einen bestimmten Persönlichkeitstyp


Laut Malik muss dieser nicht unbedingt initiativ, kreativ und unternehmerisch sein, sondern vor allem sein Handwerk beherrschen und systematisch sein.
Die meisten Innovation sind keine Einzelleistungen sondern Teamleistungen! Hier zeigt die Forschung sehr klar (vgl. Min Basasur, Gerard Puccio), dass für die kreative Lösung eines Problems unterschiedliche Präferenzen braucht. Dazu gehört sehr wohl und ausdrücklich der initiative, entwickelnde und unternehmerische Geist. Dieser alleine wird aber womöglich in der Phase der Erstideen stecken bleiben. Deshalb braucht es genauso einen optimierenden, weiter entwickelnden Typus und am schließlich einen umsetzenden und organisatorisch starken Typus. Diese Kombination macht es.
In meinen Innovationsworkshops zeigt sich immer wieder, dass der systematische Fachkenner zwar notwendig aber definitiv nicht hinreichend ist.

Innovationsentscheidungen würfeln

Dienstag, 2. Februar 2010

Der Start eines neuen Innovationsprojektes will gut überlegt sein. Schließlich geht es dabei in den meisten Unternehmen um viel Geld, viel Aufwand und hohes Risiko. Dennoch kann man im Vorhinein meist nur schwer abschätzen, wie sich das Projekt entwickeln wird, ob es ein Erfolg wird oder floppen wird, wie so viele Innovationsprojekte.
Da könnte man doch gleich würfeln, oder?
Ja, könnte man nicht nur, Siemens macht das sogar. Wie es funktioniert erklärt Ulf Pillkahn in einem Interview in der aktuellen Brand Eins (02/10).

Anwendung bei ausgereiften Lösungen


Gewürfelt wird nun nicht beliebig bei jeder Idee zu neuen Produkten und Dienstleistungen, sondern bei ausgereiften Ideen. Ich spreche dabei immer von Lösungen im Gegensatz zu Ideen. Das heißt diese Lösungen sind bereits soweit ausgearbeitet und ausdetailliert worden, das diese anhand von Kriterien bewertet werden können. Es handelt sich also um weit mehr als nur eine erste Idee. In meinem Post über den Ablauf von Innovationsworkshops habe ich beschrieben, wie solche Lösungen aussehen können.
Nun ist es gut möglich, dass es eine Reihe solcher Lösungen mit unterschiedlichen Stoßrichtungen gibt, die alle für machbar und viel versprechend befunden wurden.

An diesem Punkt, wenn mehrere Lösungen möglich erscheinen, ist es oft schwierig zu entscheiden, welche nun in ein Projekt gegossen wird. Pillkahn beschreibt im Interview, dass solche Entscheidungen dann oft langwierig und von persönlichen Animositäten geprägt sind. Oft setzten sich schließlich die konservativsten Lösungen durch, was mit einem grundlegenden Spagat von größeren Unternehmen zu erklären ist.

Für Unternehmen ist es naheliegend nicht innovativ zu sein


In jedem großen Unternehmen gibt es laut Ulf Pillkahn die Spannung zwischen Effizienzdenken auf der einen Seite und der Notwendigkeit zur Innovation auf der anderen Seite. Das Effizienzdenken führt dazu, das man Fehler möglichst vermeiden möchte: "Sobald Sie in Ihrer Firma etwas Neues ausprobieren, und es geht schief, gilt das als Ihre Fehlleistung. Das heißt, in normalen Zeiten ist es für alle Beteiligten naheliegend, nicht innovativ zu sein." (Brand eins 02/10 S. 131)
Diese Einstellung steht im Gegensatz zur Innovation, die nur schwer kalkulierbar ist und oft scheitert, da man eben im Vorhinein nicht mit Sicherheit sagen kann, was raus kommt. Im Nachhinein ist es oft einleuchtend und klar, aber eben nicht im Vorhinein.
Diese Angst vor Fehlern führt dann dazu, dass sich doch immer wieder die konservativsten - weil relativ gesehen sicheren und kalkulierbaren – Ideen durchsetzen. In meinen Innovationsworkshops arbeite ich daher mit einer Bewertungstechnik zur Erstauswahl von Ideen, mit der man neben "umsetzbaren" Ideen auch bewusst sehr originelle aber möglicherweise "schwer umsetzbare" Ideen auswählt, um zu vermeiden, dass wieder nur die sicheren Ideen gewählt werden und damit Innovation möglicherweise schon in der ersten Phase der Konzeptentwicklung ausgesiebt wird: "Das Unbekannte lässt sich nur schwer planen. Deshalb setzten sich vor allem weniger innovative Projekte durch, da sich diese leichter planen lassen" (S. 130).

Gesteuerter Zufall


Die Würfelmethode kommt somit nicht blind und völlig zufällig zum Einsatz, sondern ab einem gewissen Reifegrad von Ideen, um zu vermeiden, dass sich Tunnelblick und Konservativismus durchsetzen und so Innovation erschweren. Es handelt sich sozusagen um einen gesteuerten Zufall, der sehr bewusst eingesetzt wird, nämlich dann wenn analytisches und kritisches Denken nicht mehr weiter hilft. Wie lautet der Witz aus der Werbebranche so schön, der den Chef eines großen Unternehmens zitiert: "I know that half of our advertising budget is wasted, but I don’t know which half." Vielleicht verhält es sich ja bei Innovationsentscheidungen ab einem gewissen Reifegrad ähnlich. Pillkahn jedenfalls schildert, dass durch das Würfeln der Entscheidungsprozess wesentlich einfach, schneller und fairer abläuft, da das Verfahren für alle transparent ist und vorher festgelegt wurde, welche Innovationsideen am Würfelvorgang teilnehmen.

Wie ein Innovationsworkshop abläuft

Mittwoch, 27. Januar 2010

In den letzten Wochen was es etwas ruhiger hier auf dem Blog. Ich war zwei Wochen in China um das zu tun, worüber ich hier oft schreibe: Innovationsworkshops moderieren.
In nur drei Tagen ist es dem Kunden in einem Innovationsworkshop gelungen, mehrere neue technische Design-Konzepte für ein neues Produkt auszuarbeiten.
Der Kunde ist sehr zufrieden mit dem Ausgang des Workshops und hat mir daher auch offen gesagt, dass es große Vorbehalte gegenüber mir und den Methodiken gab. Ich bin kein Techniker, ich habe keine Vorerfahrung mit dem konkreten Produkt und während der ersten Videokonferenz war wohl noch zu abstrakt, wie der Workshop genau ablaufen wird.
Für diese Rückmeldung bin ich sehr dankbar. Ich merke immer wieder, dass es nicht einfach ist, rein mündlich zu erklären, wie ein Innovationsworkshop ablaufen kann und was konkret dort passieren wird.
In diesem Post möchte ich versuchen, die groben Schritte darzustellen.

Trennung zwischen Prozess und Inhalt


Wichtig für das grundlegende Verständnis ist die Trennung zwischen Prozess und den Inhalten. Ich als Moderator für einen Innovationsworkshop kümmere mich nur um den Prozess der kreativen Problemlösung. Ich muss kein Expertenwissen hinsichtlich des Inhalts haben. Mir ist es egal, ob der Kunde Cornflakes oder ein Antriebssystem entwickelt. Der grundlegende für Innovation relevante Denkprozess der kreativen Problemlösung ist immer ähnlich. Daher kann ein Moderator mit den entsprechenden Methoden bei vielen Fragestellungen helfen.

Modell der kreativen Problemlösung als Rahmen für einen Innovationsworkshop


Jeder Workshop folgt einem expliziten Prozess der kreativen Problemlösung. Es handelt sich um ein Modell, das einerseits sehr flexibel ist, andererseits aber einen Orientierungsrahmen darstellt, der für alle Beteiligten eine Struktur gibt und explizit macht, wo innerhalb des Prozesses wir uns gerade befinden. Dies stellt sicher, dass alle auf das gleiche Ziel ausgerichtet sind und nicht eine Person Ideen entwickelt, während die andere Person versucht das Problem zu definieren.

Vor dem Innovationsworkshop: Das Vorgespräch


Damit der Workshop erfolgreich sein kann, ist vorab in meinem Fall ein 2 – 3 stündiges Vorgespräch mit dem Auftraggeber(n) nötig.

Ziel: Hier geht es darum, viele Informationen zum Problem zu bekommen
Das hilft dem Moderator den Workshop sinnvoll vorzubereiten. Die im Vorgespräch gefundenen Informationen dienen dann dazu gemeinsam im Workshop das genaue Problem gemeinsam zu definieren.

Die Schritte während des Innovationsworkshop


Während des Innovationsworkshops laufen dann grob vereinfacht (!) gesagt, die folgenden Schritte ab.

  1. Herausforderungen formulieren: Das Problem eingrenzen

    Ziel: Die Gruppe erhält einen Überblick über den Rahmen des Problems und kann dann entscheiden, welches die wichtigsten Ansatzpunkte sind, um nach einer Lösung zu suchen.

    Ich setze sehr oft das Denkwerkzeug des Challenge Mapping ein, um herauszuarbeiten welche Fragestellungen beantwortet werden müssen, um dem Ziel des Workshop näher zu kommen. Interessant ist hierbei für den Kunden, dass das gewählte Problem meist ein anderes es ist, oder einen anderen Zuschnitt hat, als er vorher dachte.

    Das Bild 1 zeigt eine anonymisierte Challenge Map mit bereits ausgewählten Schlüsselfragen.

  2. Ideen erkunden

    Ziel: Die Gruppe erarbeitet eine Liste von ausgewählten Ideen, die das Problem lösen könnten.

    Hier stecken mehrere wichtige Aspekte drin:
    • Eine Idee ist noch keine Lösung
    • Bevor ich auswählen kann, muss ich erst einmal Ideen entwickeln


    In diesem Schritt kommen nun ausgewählte, zum Problem passende, Kreativitätstechniken zum Einsatz, um eine Gruppe auf viele und viele neue Ideen zu bringen. Das Ergebnis können z.B. 200 Ideen auf eine Frage sein.
    Dann werden die Ideen wiederum mit bestimmten Denkwerkzeugen bewertet (siehe Bild 2) und kategorisiert (Bild 3), so dass am Ende des Schritte eine Liste von Ideen steht, die das Problem lösen könnten.




  3. Lösungen formulieren

    Ziel: Ausgefeilte Lösungen, die umgesetzt werden können.

    Bei technischen Fragestellungen beginnt nun die eigentliche Arbeit. Aus den möglichen Ideen muss herausgearbeitet werden, welche Ideen oder welche Kombinationen weiter ausdetailliert werden.
    Steht eine Grobrichtung fest, geht es darum, diese mit Leben zu füllen und auf Stärken und Schwächen abzuklopfen. Wichtig in einem Innovationsworkshop ist, dass wir die Schwächen nicht lediglich feststellen, sondern in mehreren Schleifen versuchen, diese auszuräumen.
    Am Ende dieses Schrittes, der in einem dreitägigen Workshop gut 1,5 Tage einnehmen kann, stehen eine Reihe (4 – 5) ausgearbeitete Lösungen (Bild 4 zeigt ein Beispiel für eine ausgearbeitete Lösung mit technischen Konstruktionszeichnungen), die nun noch einmal anhand definierter Kriterien bewertet werden können. Nach dieser Bewertung kristallisieren sich dann möglicherweise 2 – 3 Optionen heraus, die nach dem Workshop weiter verfolgt werden.


  4. Plan formulieren

    Ziel: Ein Handlungsplan mit einer detaillierten und spezifischen Aufstellung, wer was bis wann erledigt.

    Für diesen Teil am Ende plane ich immer noch einmal 1,5 bis 2 Stunden ein. Die Planerstellung ist anstrengend und gerade gegen Ende oft ermüdend aber essenziell, damit im Workshop gefundenen Lösungen auch umgesetzt werden können.

Flexible Schleifen


In einem Workshop wird es meist so sein, dass am Ende von Schritt 1 (Herausforderungen formulieren) mehrere Schlüsselfragen ausgewählt werden, die nacheinander oder parallel gelöst werden müssen, um zu einer Lösung zu kommen. In diesem Fall werden die Schritte 2 und 3 für jede Problemfrage durchgeführt, so dass am Ende eine Gesamtlösung entsteht. Das unten stehende Schaubild verdeutlicht das vielleicht (zum vergrößern klicken).

Innovationskultur - Die Kreativität des Menschen im Mittelpunkt

Mittwoch, 6. Januar 2010

Wenn man bei Google zum Thema Innovation sucht fällt auf, dass das Stichwort Innovationsmanagement wesentlich mehr Ergebnisse liefert und auch stärker nachgefragt wird als das Stichwort Innovationskultur. Auch die Autoren des Buches "Innovationskultur: Vom Leidensdruck zu Leidenschaft" Jürgen Jaworski und Frank Zurlino sind der Auffassung, dass Unternehmen dem Thema Innovationsmanagement sehr viel Aufmerksamkeit schenken, der Frage der Innovationskultur meist zu wenig.
Im Gegensatz zu den mechanischen und gut fassbaren Methoden und Hilfsmitteln des Innovationsmanagements sei Innovationskultur ein weiches Thema, das wesentlich schwerer zu fassen sei und daher gern vernachlässigt werde.

Nach Meinung der Autoren entsteht Innovation nicht durch das mechanische Anwenden von Methoden des Innovationsmanagements. Diese seien zweifelsohne wichtig, jedoch alleine nicht ausreichend. Ein Ideenmanagementsystem alleine nütze wenig, wenn niemand Interesse daran zeige, auch Ideen dort einzubringen. Doch genau so sieht die Situation leider oft aus.

Innovationskultur - mühsam entwickelt schnell zerstört


Die Krux mit der Innovationskultur ist, dass diese nur langsam und mühsam entwickelt werden kann. Ich habe vor einigen Monaten über das Beispiel Rich Products berichtet, die nach eigenen Aussagen in Hinblick auf Ihre Innovationskultur einen 10 jährigen Entwicklungsprozess hinter sich haben.

Leider ist die Innovationskultur nach Jaworski und Zurlino ein sensibles Pflänzchen, dass sehr schnell wieder zerstört werden kann, z.B. durch Sanierungs-und Restrukturierungswellen oder auch übertriebenes Trimmen auf Effizienz, wie z.B. in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Verordnen kann man eine Kultur nicht, sondern diese muss gelebt werden: "Damit rangiert das Thema Innovationskultur weit vor der reinen Verbesserung von Innovationsprozessen und -strukturen. Dingen also, die in den meisten Unternehmen bereits in dicken Handbüchern beschrieben sind, meist auch gar nicht so schlecht. Nur sie werden nicht "gelebt". Und damit verpuffen diese gut gemeinten Ansätze." S. 20
Dieses "leben" beinhaltet meist ein langsames Ändern von Einstellungen und Verhaltensweisen, darum dauert es auch eine Zeit, bis eine kritische Masse an Menschen erreicht ist, die es vorleben und andere mitnehmen.

Woran man Innovationskultur erkennt


Es gibt nach den Autoren des Buches keine Schablone, die man auf alle Unternehmen stülpen könne, das Innovationskultur ein Teil der Unternehmenskultur ist, muss diese zum Unternehmen passen und sich aus dieser entwickeln. Im Buch "Innovationskultur" wird ein 9 Stufen Prozess beschrieben, wie es gehen könnte.

Artefakte einer Innovationskultur sind z.B. interdisziplinäre vernetzte Teams, der zunehmende Einbindung von Externen in den Innovationsprozess (open innovation), Freiräume für die Mitarbeiter, um Ideen zu entwickeln und voranzutreiben. Trotz alledem müsse es trotzdem klar definierte Innovationsprozesse (Stichwort: Innovationsmanagement) geben, um die Kreativität zu kanalisieren.

Aus meiner eigenen Erfahrung mit Kunden die ein Kreativitätstraining besucht haben, das als ein Baustein zur Schaffung einer Innovationskultur genutzt werden kann, hat sich etwas wirklich etwas verändert, wenn es in der täglichen Arbeit weniger "Ja, aber"-Phrasen gibt, die Menschen sich mehr auf Potenziale, denn auf Schwierigkeiten konzentrieren und Probleme nicht als unverrückbare Aussage formuliert werden, sondern als "Wie könnte...?"-Frage gestellt werden.

Prozesse für die Kreativität der Menschen


Hier glaube ich persönlich, gibt es dann doch wieder eine wichtige Verbindung zwischen Methoden und Prozessen und der Kultur der Kreativität. Wenn Methoden (ich spreche von Prozessen der kreativen Problemlösung und Kreativitätstechniken) richtig eingesetzt werden, stecken hinter diesen Vorgehensweisen Grundprinzipien der Kreativität, die von den Menschen nicht nur theoretisch verstanden werden müssen, sondern auch akzeptiert und gelebt werden müssen. Der Einsatz von expliziten Vorgehensweisen, wie ich diese in meinen Kreativitätstrainings vermittle wiederum kann dazu führen, dass die dahinter stehenden Prinzipien internalisiert und gelebt werden können, auch deshalb weil die Menschen erleben, dass das Vorgehen Mehrwert bietet.

Seien Sie Batman, nicht Superman – Wege zu mehr Kreativität und Innovation

Dienstag, 22. Dezember 2009

Wir allen kennen die beiden Comic Helden, Batman und Superman. Beide retten ständig ihre jeweilige Welt und sind den "normalen" Weltbewohnern in ihren Fähigkeiten überlegen.
Was unterscheidet die beiden?
Superman ist was er ist aufgrund seiner übernatürlichen Kräfte. Das kann ihm niemand nachmachen.
Batman ist ein ganz normaler Mensch, der mit Hilfe einer Vielzahl technischer Unterstützer seine Taten vollbringt. Jeder könnte, wenn er Zugang zu diesen Hilfsmitteln hätte, ein Batman sein und das gleiche vollbringen.

aufgenommen von nhussein
http://www.flickr.com/photos/nhussein/3416854920/

In Hinblick auf Kreativität ist jeder ein Batman


Gregg Fraley machte auf seinem TEDxNasa Vortrag diesen schönen Vergleich. Jeder kann Kreativität leben, kreativ denken und in seiner Tätigkeit kreativ sein.
Die Grundlage dafür das leben der kreativen Grundprinzipien, die Trennung zwischen Entwickeln und Bewerten und das zurückhalten vorschneller Beurteilung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die technischen Hilfsmittel zu denen jeder Mensch Zugang hat. Bei diesen Hilfsmitteln handelt es sich um Prozesse der kreative Problemlösung wie Creative Problem Solving, TRIZ und Synectics und dem bewussten Einsatz von Kreativitätstechniken.



Genau diese Elemente sind Kern von Kreativitätstrainings und kommen zur Anwendung in meinen Innovationsworkshops.
Wie sagte es Gregg so schön: Innovation ist in Flaschen abgefülltes Wasser. Kreativität ist die Quelle aus der das Wasser kommt.

Erfolgsfaktoren von Innovationsworkshops

Freitag, 4. Dezember 2009

Vor kurzem bin ich von einer Studentengruppe angeschrieben worden, die sich in einem Projekt mit den Erfolgsfaktoren von Ideenworkshops oder Innovationsworkshops beschäftigt. Ich bin gefragt worden, was aus meiner Sicht die Erfolgsfaktoren von Innovationsworkshops seien.
Unter einem Innovationsworkshop oder Kreativworkshop verstehe ich die Zusammenkunft einer Gruppe von Leuten, die auf ein Problem neue Lösungen generieren möchte, die umsetzbar sind und in einen Markt oder eine Organisation eingeführt werden können (=Innovation).

Die TOP 7 Faktoren aus meiner Sicht, es gibt noch weitere, möchte ich einmal vorstellen.

  1. Ausreichend Zeit
    "Können wir das nicht in ein paar Stunden machen?" In einem Innovationsworkshop kann eine Gruppe in vergleichsweise kurzer Zeit zu wirklich neuen Lösungen kommen, die durchdacht und bereits über einen hohen Detaillierungsgrad verfügen. Vergleichsweise kurz heißt, dass eine Gruppe innerhalb von wenigen Tagen etwas erreicht, was vorher in Wochen oder Monaten nicht geschafft wurde. Das ist kurz!
    Trotzdem dauert es mehr als ein paar Stunden, besonders bei technischen Fragestellungen. Aus der Erfahrung dauern Innovationsworkshops meist zwischen 2 und 3 Tagen, je nach Thema und Komplexität auch noch länger. Im Sinne der Lösung, macht es keinen Sinn, die Zeit zu stark einzuschränken. Wenn es wirklich wichtig ist, muss diese Zeit einfach möglich sein. Falls nicht, muss ich die Ernsthaftigkeit des Themas schon im Vorhinein in Frage stellen.

  2. Die richtigen Teilnehmer
    Ein erfolgreicher Innovationsworkshop hängt sehr von der richtigen Zusammensetzung der Workshopteilnehmer ab. Es sollten zuerst einmal alle notwendigen Wissensträger dabei sein. Trotzdem ist es wichtig, eine Mischung aus unterschiedlichen Leuten zu haben, d.h. hinsichtlich ihrer Funktion und ihres Hintergrundes. Bei Themen, wo es einen Kunden gibt, kann es sinnvoll sein, auch jemand von Kundenseite im Workshop zu haben. Es sollten Vertreter unterschiedlicher Stakeholder dabei sein, um eine Umsetzung der Lösung möglichst reibungslos zu gewährleisten.

  3. Einbinden der Stakeholder
    Dieser Punkt hängt mit dem vorherigen zusammen. Bei vielen Fragestellungen, z.B. bei der Weiterentwicklung von Produkten oder Dienstleistungen haben viele Personengruppen ein Interesse an der Lösung, nicht nur diejenigen, die das Produkt oder die Dienstleistung entwickeln. Das ist einmal der Kunde, der es nachher nutzen soll, aber auch interne Stakeholder wie z.B. Vertrieb oder Marketing. Diese Stakeholder sollten frühzeitig eingebunden werden.Wenn es Sinn macht, sollten diese bereits in einem Workshop dabei sein. Damit lässt sich die not invented here-Reaktion vermindern und die Unterstützung und reibungslose Umsetzung der Lösung verbessern.

  4. Vorbereitung
    Ein Innovationsworkshop ist immer nur so gut wie die Vorbereitung. D.h. einmal, dass es unbedingt ein ausführliches Vorbereitungsgespräch geben muss und zwischen Erstgespräch und dem Workshop genügend Zeit sein sollte, um die Hausaufgaben zu machen. Bei einem zweitägigen Workshop ist es durchaus realistisch vorab zwei bis drei Tage Vorbereitung einzuplanen von Moderator und Kunden.

  5. Methodik – Duschen alleine reicht nicht
    Ein Teilnehmer eines Innovationsworkshops sagte einmal den schönen Satz: "Duschen hilft der Kreativität, aber Duschen alleine reicht nicht."
    Anders gesagt, die Methodik alleine, ohne die anderen Faktoren hilft nichts, aber ein Workshop ohne die richtige Methodik kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht zum Erfolg.

    Ich arbeite in meinen Workshops mit dem Creative Problem Solving Verfahren, ein Orientierungsmodell, dass eine Gruppe auf sehr systematische Weise durch dein Einsatz von kreativen Prinzipien und Denkwerkzeugen und Kreativitätstechniken durch einen Problemlöseprozess führt. Denn um nichts anderes geht bei sämtlichen Workshops, egal ob diese nun Innovationsworkshop, Kreativworkshop, Ideenworkshop oder Strategieworkshop heißen.



    Zentral ist dabei die Trennung zwischen divergierendem und konvergierenden Denken, also die delikate Balance zwischen dem generieren von Optionen und der bewussten Auswahl und Filterung der Optionen. Für den Workshop heißt das, dass man dieses in die Breite schauen aushalten können muss. Besonders Ingenieuren fällt dies schwer, diese sind es gewohnt schnell zu einer Lösung zu kommen, was dazu führen kann, vorschnelle Schlussfolgerungen zu ziehen.



  6. Motivation
    Die Motivation der Teilnehmer ist Grundlage für alle Bemühungen zu neuen Lösungen zu kommen. Am besten ist diese intrinsisch und speist sich aus dem Interesse für dich Sache. Das wird wiederum ist oft bei den Ingenieuren besonders sichtbar.

  7. Management
    Nichts ist frustrierender als ein Workshop nach dem danach nichts passiert. Die Unterstützung des Managements und dessen Ernsthaftigkeit ist daher von zentraler Bedeutung. Hier sind wir wieder beim Thema Zeit. Nicht nur für den Workshop selbst braucht es Zeit, sondern auch nach dem Workshop müssen die notwendigen zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um das Ergebnis wirklich umzusetzen. Sonst verliert die Lösung an Momentum und versandet.
Aus meiner Sicht, ist es für einen erfolgreichen Innovationsworkshop hilfreich, diese Faktoren sicherzustellen und auch dem Kunden bewusst zu machen.

Der Unterschied zwischen Innovation und Kreativität

Donnerstag, 24. September 2009

2009 ist das EU Jahr der Kreativität und Innovation. Falls Sie das nun zum ersten mal hören, geht es Ihnen wie den meisten Menschen.

Interessant am EU Jahr der Kreativität und Innovation finde ich die gemeinsame Verwendung der Begriffe Kreativität und Innovation. Hätte nicht das EU Jahr der Kreativität gereicht, oder das EU Jahr der Innovation? Sind die Begriffe womöglich sowieso Synonyme.
Oft werden Kreativität und Innovation als Synonyme gebraucht und oft lassen sich die beiden wirklich schwer trennen. Es gibt dennoch Kriterien, die eine Unterscheidung erleichtern und auch die Einordnung andere Begriffe ermöglichen, wie z.B. radikale Innovation, kontinuierliche Verbesserung (KVP)

Balance zwischen Originalität und Effektivität
Runco (2007) beschreibt ein Kontinuum zwischen Originalität auf der einen Seite und Effektivität, verstanden als Wirksamkeit (engl. effectiveness), auf der anderen Seite. Unter Originalität wird dabei verstanden, wie neu, einzigartig und ungewöhnlich etwas ist.
Mit Hilfe dieses Kontinuums lassen sich Unterschiede zwischen den Begrifflichkeiten erklären und veranschaulichen.
Am linken äußeren Rand (extreme Originalität) verankert Runco psychotisches Verhalten also einen Verlust des Realitätssinns. Auf dem rechten Rand (starke Effektivität) verankert Runco routinemäßiges Problemlösen. Dabei handelt es sich um Fragestellungen, bei welchen eine Lösungsroutine bereits definiert ist.



In der Mitte dieses Kontinuums sind nun die Begriffe Kreativität und Innovation platziert.
Kreativität befindet sich dabei links von Innovation. D.h. nach Runco ist der Anteil und die Bedeutung der Originalität bei der Kreativität größer als bei der Innovation.
Bei der Innovation spielt immer auch der Aspekt der Vermarktung oder Einführung eines konkreten „Produktes“ eine Rolle. Der Nutzenaspekt hat damit eine stärkere Bedeutung. Bei der Innovation ist die Originalität zwar wichtig, man möchte sich vom Mitbewerber abheben und etwas Neues schaffen, gleichzeitig muss das Produkt aber auch Nutzenkriterien gerecht werden.

Creative Problem Solving als besonders hilfreich für Innovation?
Leser dieses Blogs wissen, dass ich mich in meinen Innovationsworkshops und Kreativtrainings mit dem Creative Problem Solving Prozess arbeite. Der Name spielt bereits darauf an, dass Creative Problem Solving die Aspekte der Kreativität und des Problemlösens vereint. Betrachtet man sich Bild 1 dann schlägt Creative Problem Solving die Brücke zwischen Kreativität und routinemäßigem Problemlösen. Wir landen also in der Mitte zwischen diesen beiden Punkte auf dem Kontinuum: der Innovation.
Ist Creative Problem Solving also besonders geeignet zur Bearbeitung von Innovationsfragen? Ich glaube schon, da es immer eine Balance ermöglicht zwischen freiem, unterbewertetem kreativem Denken und den konkreten Nutzenkriterien, die individuell definiert werden können. Beim Creative Problem Solving geht es also nicht um das kreativ sein, um der Originalität willen, sondern es geht darum originelle Lösungen zu entwickeln, die einen konkreten Nutzen erfüllen.

Eine Matrix der Kreativität und Innovation
Runco spricht auch über die Möglichkeit, mit zwei getrennten Skalen zu arbeiten, die der Originalität und die der Effektivität. Diesen Vorschlag habe ich im folgenden einmal versucht zu visualisieren. Herausgekommen ist eine 9 Felder Matrix auf der ich einige Begriffe aus meiner Sicht einmal abgetragen habe. Diese Matrix ist ein erster Wurf, ich freue mich also über Rückmeldung, besonders, wenn Sie die Begriffe an anderen Stellen platzieren würden.

Wie Innovation gelingt – Erfolgsfaktoren von Innovationsinitiativen

Mittwoch, 12. August 2009

In der heutigen (12.08.09) Ausgabe des Handelsblattes ist ein interessanter Artikel von Johannes Pennekamp zum Thema Innovationsforschung erschienen: "Gute Ideen allein sind nicht viel wert".
Er beginnt mit einem Seitenhieb auf Ideenprofis, die angeblich Firmen mit Sprüchen wie "150 Ideen in 30 Minuten" ködern. Verknüpft wird das ganze dann mit unglaubwürdigen Trommelworkshops und Meditationsseminaren, worüber Wissenschaftler und der Autor nur den Kopf schütteln können.

Wann gute Ideen viel wert sind
Wie der Titel des Artikels bereits andeutet, sind Ideen alleine nicht unbedingt viel Wert. Damit Innovation ermöglicht wird, müsse die Unternehmenskultur stimmen und vor allem die Führungskräfte diese Innovationskultur leben. Ein Beispiel, wie das aussehen könnte, habe ich vor Kurzem am Beispiel von Firma Rich Products gezeigt. Welche Dimensionen diese Kultur der Innovation hat, hat der schwedische Forscher Gören Ekvall erarbeitet, er spricht vom Innovationsklima. Er war es auch, der gezeigt hat, welchen großen Einfluss das Verhalten der Führungskräfte auf das Klima hat.

Innovation als Ergebnis von komplexen Prozessen
Auch die im Artikel zitierten Wissenschaftler betonen, dass ein marktfähiges Produkt, dass einem Unternehmen Mehrwert bietet, meist nicht einfach vom Himmel fällt, sondern Ergebnis eines Prozesses ist. Teil eines Innovationsprozesses ist der Kreativitätsprozess. Innerhalb dieses Prozesses spielen dann die guten Ideen eine wichtige Rolle. Allerdings sind die guten Ideen nur einer von mehreren Schritten innerhalb dieses Prozesses. Im richtigen Moment sind dann auch 150 Ideen in 30 Minuten überaus hilfreich und alles andere als unseriös. In meinem Innovationsworkshops generieren wir diese ganz ohne Trommeln und Meditation (allerdings könnte Meditation durch aus eingesetzt werden, wie mir Franca Leeson in einem Interview über Kreativität und Meditation erklärt hat).

Die richtigen Leute für den Innovationsprozess
Damit Innovation entstehen kann müssen in einem Innovationsprozess die richtigen Leute zusammen kommen. Im Handelsblattartikel wird z.B. von Unternehmensvertretern und Kunden gesprochen, die gemeinsam an der Innovation arbeiten.
Innerhalb des Unternehmens ist es wichtig, dass Menschen aus verschiedenen Unternehmensbereichen beteiligt sind, dies erhöht aus meiner Erfahrung auch die Chance, dass das Ergebnis dann wirklich umgesetzt wird, auch deshalb, weil die Leute an der Entstehung beteiligt waren.
Die richtigen Leute kann sich laut Artikel auch auf die Denkweise der Menschen beziehen, die eingestellt werden. Die Kreativitätsforschung spricht hier von unterschiedlichen Stilen der Kreativität. Wenn ich ganze Teams bei Kunden trainiere, arbeite ich mit einem Instrument zur Messung der Problemlösepräferenzen, um unterschiedliche Herangehensweisen bewusst zu machen und für die Zukunft auch ausgewogenere Teams zu ermöglichen. Forschungen von Min Basadur haben gezeigt, dass heterogene Teams in Hinblick auf Innovation eine bessere Leistung abliefern, allerdings oft bei geringerer Arbeitszufriedenheit.

Gute Ideen für die richtige Frage – die Rolle der Fragestellung und die Erfolgswahrscheinlichkeit von Innovationsinitiativen
Im Artikel gar nicht erwähnt wurde das Problem der richtigen Ausgangsfrage. Diese ist jedoch zentral. Eine schöne Quelle ist hier VanGundys Buch Getting to Innovation: How Asking the Right Questions Generates the Great Ideas Your Company Needs. Er geht darin auf die niedrige Umsetzungsquote von Innovationsinitiativen ein: "However, Doblin, Inc. estimated in late 2005 that only about 4.5 percent of innovation initiatives succeed!" Mit ein Grund aus VanGundys Sicht für diese schlechte Quote ist, dass die Innovationsfrage nicht richtig formuliert wurde. Dann nützen auch viele gute Ideen nichts, wenn diese sich auf die falsche Frage beziehen.
In meinen Workshops nimmt die Definition des Problems und damit die Formulierung der Ausgangsfrage eine wichtige Rolle ein. Wenn die Frage falsch oder unklar gestellt ist, kommt im harmlosesten Fall nichts dabei raus, im schlimmsten Fall, laufen die Bemühungen in die falsche Richtung und man stampft nach einiger Zeit alles wieder ein. Um einen meiner Workshop-Kunden zu zitieren: "Besonders hat es mich fasziniert, dass hinter dem vordergründigen Problem das eigentliche Thema liegt, das wir dann bearbeitet haben. Ansonsten läuft man in der Praxis Gefahr, Lösungen für Probleme zu entwickeln, die es nicht gibt."

Angenommen eine Konsumgüterhersteller möchte ein neues Shampoo entwickeln. Die Frage für die Innovationsinitiative könnte nun lauten: Wie könnte ein neues Shampoo aussehen?
Möglicherweise ist aber ein anderer Zuschnitt des Problems viel aufschlussreicher und vor allem zielführender.
Alternative Fragen könnten z.B. lauten:

  • Wie könnten wir dem Kunden ein Gefühl von Frische vermitteln?
  • Wie könnte ein Shampoo aussehen, das nur ganz kurze Zeit zum einwirken benötigt?

Es gibt keine objektive Formel um das beste Framing auszuwählen, das entscheidet sich von Fall zu Fall und im Gespräch mit den Teilnehmern einer Innovationsinitiative.

Eine Methode die sehr hilfreich sein kann, die richtige(n) Fragen zu finden ist das Challenge Mapping. Oft gibt es dann während der Formulierung unterschiedlicher Fragen ein Aha-Erlebnis und es kristallisieren sich interessante Fragen heraus.

Und wer weiß, vielleicht hilft manchen dann auch meditieren und trommeln um auf Antworten zu kommen.