5 Tipps um Ideen auszuwählen

Donnerstag, 4. August 2011

Hinweis: Dieser Artikel ist vor einigen Monaten im creaffective Newsletter erschienen.

Um erfolgreich Neues zu schaffen, braucht es zuerst einmal Ideen, wie das Neue aussehen könnte. Bevor Ideen umgesetzt werden können, müssen aus vielen möglichen Ideen die vielversprechendsten identifiziert werden. Es nützt nichts, wenn wir zwar viele interessante Ideen entwickelt haben, diese dann jedoch nicht auswählen. In diesem Artikel möchte ich einige Tipps vorstellen, wie die Auswahl gelingen kann.

Ideen mit einfachen Kriterien vorauswählen


Ein wichtiges von uns angewandtes Prinzip ist es bei der Entwicklung von Ideen nach Quantität zu streben. Je mehr Ideen, desto besser. So wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, gute Ideen zu finden. In von uns moderierten Innovationsworkshops können nach 30 Minuten dann schnell einmal 100 – 150 Ideen im Raum stehen. Es ist meist nicht praktikabel, jede dieser Ideen mit einer detaillierten Kriterienliste zu betrachten. Stattdessen, bedarf es einer Vorgehensweise, die es erlaubt, in überschaubarer Zeit eine Vorauswahl von Ideen zu treffen.

Eine Methode, die zum Beispiel zum Einsatz kommen kann ist die COCD-Box-Technik, die Ideen in diesem Stadium nach den Kriterien Einfachheit der Umsetzbarkeit und Originalität beurteilt. Es sind natürlich auch andere Kriterien möglich. Wichtig ist, diesen ersten Schritt der Ideenauswahl noch möglichst einfach zu halten, um den Aufwand überschaubar zu machen.
Aus einer Liste von 120 Ideen bleiben sollten nach einer ersten Vorauswahl nicht mehr als 15 – 20% zur weiteren Betrachtung ausgewählt werden.

Nach Kombinationsmöglichkeiten von Ideen suchen


Manchmal mag eine Idee alleine noch nicht zum gewünschten Ziel führen oder besonders vielversprechend aussehen. Möglicherweise sieht das jedoch ganz anders aus, wenn sie mit anderen Ideen kombiniert wird. Achten Sie daher bei der Ideenauswahl auch auf Möglichkeiten, mehrere Ideen zu einem größeren Ganzen zusammen zu fügen.

Kriterien für eine ausführliche Bewertung definieren (allgemein, oder per Thema)


Zu einem späteren Zeitpunkt wird es womöglich nicht mehr ausreichen, Ideen einfach nach Bauchgefühl zu wählen. Besonders deshalb nicht, weil Erfahrung und Bauchgefühl besonders bei der Entwicklung von Neuem schnell in die Irre führen können, weil das Neue per Definition nur begrenzt mit dem bisher bekannten (Erfahrungen) anschlussfähig ist. Daher sollten weitere Kriterien definiert werden, um Ideen fundierter auszuwählen. Wie diese aussehen hängt von der jeweiligen Fragestellung ab.

Bei Innovationsprojekten ist zu beachten, dass bei Fragestellungen für wirklich neue und langfristige Themen nicht die gleichen Kriterien angelegt werden können, wie bei Projekten der inkrementellen Verbesserung. Sonst führt die schnell dazu, dass keine der Ideen den Bewertungsprozess überlebt und dies nicht deshalb, weil die Ideen nicht gut genug wären, sondern weil der Entwicklungsstand und das Wissen noch nicht ausreichen, um diese entsprechend zu beurteilen.

Eindeutige Kriterien definieren


Damit eine detailliertere Bewertung von Ideen auch wirklich funktioniert, sollten die Kriterien eindeutig und genau definiert werden. Sobald ein Kriterium Interpretationen zulässt, werden verschiedene Menschen verschiedene Auslegungen eines Kriteriums zu Bewertung anlegen. Lautet ein Kriterium zum Beispiel „Wird die Idee unsere Qualitätsanforderungen erfüllen?“, dann sollte genauer definiert werden, was hiermit gemeint ist.
Auch eine mögliche Bewertungsskala (zum Beispiel Zahlenwerte von 1 – 3) sollten vor der Bewertung genau definiert werden. So sollte festgelegt und ausformuliert werden unter welchen Umständen eine 1, eine 2 oder eine 3 vergeben wird. Zum Beispiel „3 bedeutet: Wir können das Konzept mit den bestehenden Maschinen realisieren.“

An Schwachstellen von Ideen arbeiten bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird


Irgendwann muss es harte Entscheidungskriterium geben, die eine Lösung entweder erfüllt oder nicht erfüllt. Wir warnen jedoch davor, diese zu früh anzulegen. Stattdessen sollten Sie versuchen an Schwachstellen von Ideen zu arbeiten und diese zu verbessern. Eine erste detaillierte Bewertung von Ideen kann so aus Überblick über Stärken und Schwächen von Ideen dienen und Hinweise aufzeigen, an welchen Stellen weiter gearbeitet werden muss.

Ein Patentrezept zur Ideenfindung

Freitag, 19. März 2010

Die letzten Tage war ich hier im schönen Penang (Malaysia) für einen Innovationsworkshop zur technischen Produktentwicklung.
Dabei wurde ich von einem Entwicklungsingenieur gefragt, ob es ein Patentrezept gibt, um auf gute Ideen zu kommen.
Ja das gibt es und es funktioniert immer. In diesem Artikel möchte ich es verraten.

Das Patentrezept für gute Ideen besteht darin möglichst viele Ideen zu suchen. Quantität vor Qualität! Bei der Ideenfindung gilt das Prinzip „weniger ist mehr“ nicht. Es ist wie beim Gold schürfen. Um die Goldklumpen zu finden, muss eine ganze Menge Schutt mit in den Trichter gekippt werden, denn man weiß ja leider nicht, wo genau sich die Goldstückchen befinden.

Die guten Ideen: Im Nachhinein logisch, im Vorhinein durch Logik alleine nicht zu finden


Wenn man für ein Problem mit unbekannter Lösung endlich eine funktionierende Lösung gefunden hat, dann erscheint diese im Nachhinein, sobald sie also sichtbar ist, als einleuchtend. Man fasst sich an den Kopf und denkt sich, da hätte ich doch auch früher drauf kommen können.
Leider ist kommt man im Vorhinein einfach nur durch logisches Nachdenken nicht auf die Lösung. Die beste Möglichkeit die Perlen unter den Ideen zu identifizieren, ist es also möglichst viele davon zu haben, immer mit in dem Bewusstsein, dass man nur einige davon wirklich brauchen kann. Und hier genau liegt die Krux. Die Perlen sind unbedingt die, die man auf den ersten Blick dafür hält oder glaubt im Kopf zu haben. Oft entstehen diese durch puren Zufall. Wichtig ist dann diese auch zu erkennen und dafür braucht man wiederum die intensive Beschäftigung mit dem Thema. Denn: Der Zufall begünstigt den vorbereiteten Geist.
Man weiß vorher auch nie genau, wo unter den vielen generierten Ideen sich die guten befinden. Das unten stehende Bild zeigt eine Szene aus dem Innovationsworkshop von dieser Woche. Mit 10 Leuten haben wir in 35 Minuten über 200 Ideen generiert, die dann anhand von vorgegebenen Kriterien bewertet wurden. Wie erkennbar ist befinden sich die gewählten Ideen über alle Flipcharts verteilt. Die erste Hälfte des ersten Flipcharts war das Ende des normalen „Brainstormings“, wie es in vielen Organisationen statt findet. Danach wird meistens Schluss gemacht. Denn uns fällt ja nichts mehr ein. In meinem letzten Video: Ideenfindung mit Kreativitätstechniken habe ich gezeigt, wie man noch wesentlich mehr Ideen entwickeln kann. Wie das Foto zeigt, lohnt es sich!

Ideenfindung

Die richtigen Fragen stellen und die Suchrichtung der Ideenfindung festlegen


Dennoch findet Ideenfindung nicht ins Blaue hinein statt. Obwohl es darum geht, möglichst viele Ideen und in "alle Richtungen" Ideen zu suchen, muss trotzdem vorher die Suchrichtung festgelegt werden. Dieses wird dadurch erreicht, dass die Ausgangsfrage genau festgelegt wird, um dadurch die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, das Problem wirklich zu lösen und zum Beispiel ein neues Produkt zu entwickeln.

Das richtige Vorgehen bei der Auswahl und Bewertung der Ideen


Die beste Ideenentwicklung nützt jedoch nichts, wenn das Auswählen und bewerten der Ideen so abläuft, dass nur die "realistischsten" Ideen den Auswahlprozess überleben. Zumindest bei einem Innovationsworkshop würden dadurch meist nur die Ideen übrig bleiben, an die man vorher mehr oder weniger schon gedacht hat und die schon bekannt waren. Zentral ist es bei der Auswahl die sogenannte verfrühte Schlussfolgerungen zu vermeiden. Deshalb gehe ich mit Kriterien vor, die auch die Originalität und den Neuigkeitswert von Ideen berücksichtigen und bewusst mehr die Potenzial von Ideen als nur die Probleme in Betracht ziehen.
Denn eine Idee noch keine Lösung, sondern wie ein Rohdiamant, der weiter geschliffen werden muss.
Auch dieser schrittweise Verbesserungsprozess ist Teil des Patentrezeptes, um von Ideen zu richtig guten Ideen zu kommen.