Warum es so schwer ist, neue Ideen und Alternativen zu finden

Sonntag, 11. November 2007

Wahrscheinlich hat es jeder schon einmal erlebt. Man ist auf der Suche nach einer neuen Idee oder einer Alternative zu einem bestehenden Vorgehen, aber irgendwie wollen die Ideen und Alternativen nicht so recht kommen.

Woran liegt das?
In vielen Unternehmen ganz klar am Stress und dem hohen Arbeitspensum. Wer am Ende des Tages froh ist, in seinem großen Aufgabenberg, die wichtigsten Dinge so einigermaßen abgearbeitet zu haben, der hat einfach gar keine Zeit, sich in Ruhe Neues zu überlegen oder auf innovative Gedanken zu kommen. Denn, das wussten schon die Philospohen der Antike: Man braucht Muße! Das ist keine Ausrede der hedonistischen Philosophie, sondern neurowissenschaftliche Tatsache!
Stress führt zu einem erhöhten Anstieg von Adrenalin in unserem Gehirn. In diesem Zustand sind wir in der Lage, effizient routiniert eingeübte Aufgaben zu erledigen. Dies sieht man immer wieder in Krankenhäusern oder auch bei der Feuerwehr. Das ist sehr wichtig, aber die Betonung liegt hier auf routiniert, man könnte auch von eingefahrenen Bahnen sprechen. Neue Lösungen (neue Denkbahnen) und Ideen sind in diesem Moment nicht gefragt und geistig auch nur schwer möglich.
Neue und ungewöhnliche Gedanken kommen den meisten Menschen, wenn im Gehirn die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin ausgeschüttet werden, die entstehen meist in einem Zustand von Entspannung und Freude. Auch das kennen viele Leute: Die besten Ideen kommen meistens nicht am Schreibtisch, sondern abends auf dem Sofa, beim Sport oder kurz vor dem Einschlafen.
Ein Ansatzpunkt, um Neues zu entwickeln ist daher ganz einfach Zeit, Entspannung und eine andere Umgebung mit anderen Eindrücken. Hierzu empfehle ich einen Artikel, der kürzlich in der ZEIT erschienen ist.

Zum anderen liegt es an einer weiteren Funktionsweise unseres Gehirns: Es werden vor allem die Neuronen verstärkt, die bereits besonders stark ausgeprägt sind. Prof. Manfred Spitzer benutzte in einem Vortrag einmal das Bild von einem Trampelpfad in einem schneebedeckten Park zwischen der Glühweinbude und der Toilette. Es gibt einen Pfad und alle Leute nutzen diesen, je mehr ihn nutzen, desto fester und größer wird er. Etwas ähnliches findet in unserem Gehirn statt. Das Denken bahnt sich gerne den Weg durch bereits bestehende Pfade.
Edward deBono spricht vom Gehirn als ein sich selbst organisierendes und selbst verstärkendes Mustersystem. Er benutzt das Bild von einer Schüssel gefüllt mit Gelatine. Wenn man in diese Schüssel aus einer gewissen Höhe eine Metallkugel hineinfallen lässt, dann wird diese etwas in die Gelatine einsinken. Wenn ich nun aus der gleichen Position erneut eine Metallkugel fallen lasse, dann wird diese dem vorgegebenen Pfad der ersten Metallkugel folgen und diese noch tiefer in die Gelatine drücken und damit den Pfad vertiefen und verstärken.
Und genau das passiert beim Denken. Unser Denken ist von Wahrnehmung bestimmt und folgt fast ganz automatisch vorgegebenen Mustern und verstärkt diese dadurch. Um nun bewusst, diesen Prozess zu durchbrechen, hat deBono eine Reihe von Denkwerkzeugen entwickelt, mit denen man ganz gezielt durch das Verändern der Wahrnehmung bestehende Bahnen verlässt und somit eher auf neue Ideen oder zu alternativen Ansätze kommt oder auch einfach ein Problem wirklich ganzheitlich betrachtet.
Am Beispiel der Ideenfindung kann das ganz simpel mit Hilfe eines Zufallswortes passieren. Man versucht dabei zwischen dem Zufallswort und dem Thema eine Verbindung herzustellen und so über einen anderen Weg zur Lösung zu kommen.
Oft genial einfach, aber einfach genial!

Bücher-Mappen

Samstag, 24. März 2007

Ein Punkt, der die Teilnehmer im Seminar immer wieder erstaunt und fasziniert sind Mind Maps, die den Inhalt eines ganzen Buches (vor allem Sachbücher) abbilden. Bild 1 und Bild 2 zeigen zwei Beispiele von Büchern von jeweils über 200 Seiten. Es handelt sich dabei nicht lediglich um einen Überblick oder eine kurze Zusammenfassung, sondern wirklich um alle für den Ersteller des Mind Maps relevanten Inhalte und Details eines Buches.





Um ein solches Buch-Map zu erstellen muss man ungefähr mit zwei bis drei Stunden zusätzlicher Zeit rechnen. Einmal erstellt, hat man dann in Sekundenschnelle wieder Zugriff auf den Inhalt eines Buches, auch nach langer Zeit noch. Der Inhalt bleibt außerdem viel stärker im Gedächtnis haften, als wenn man das Buch lediglich lesen würde. Wenn man also mit dem Inhalt eines Buches wirklich arbeiten muss, sind diese zwei Stunden eine lohnende Investition, die sich vielfach wieder auszahlt und sehr viel Zeit spart. Wie oft kommt es vor, dass man ein interessantes Buch liest, es wieder in den Schrank stellt und dann den Inhalt so gut wie wieder vergessen hat? Aus meiner Erfahrung sehr oft, wenn man sich keine Notizen macht.

Der Prozess
Die hier gezeigten Beispielmaps sind das Endergebnis eines Erstellungsprozesses, den ich nun vorstellen möchte:


  1. Während des Lesens wird von jedem Kapitel parallel zum Lesen ein Mind Map (auf DIN A4 oder DIN A3 Papier) erstellt. Immer wenn ich einen relevanten Inhalt lese, kann ich mein Mind Map erweitern. So habe ich am Ende eines Kapitels eine Mind Map Mitschrift.
    So verfahre ich mit jedem Kapitel, so dass ich am Ende zu jedem Kapitel ein Map habe (siehe Bild 3).
  2. Am Ende nehme ich mir alle meine Kapitel-Maps und vereinige diese zu einem großen Buch-Map (auf DIN A3 oder DIN A2). Dieser Teil ist noch einmal mit etwas Arbeit verbunden, da ich mir eine Struktur für dieses große Map überlegen muss und entscheiden muss, welche Zweige aus den Kapitel-Maps in das finale Map übernommen werden. Einige Inhalte aus den Kapitel-Maps werden sich überschneiden, so dass ich hier kürzen und aussortieren kann.
    Das Bild zeigt, wie sich das endgültige Map aus den verschiedenen Elementen der Kapitel-Maps zusammen setzt.



Was gibt es zu beachten?
Ich beobachte, dass viele Leute die Angewohnheit haben, einen Text erst einmal zu lesen und sich dann wichtige Punkte anzustreichen, um dann am Ende möglicherweise eine Mitschrift zu erstellen. Dieses Vorgehen ist bei einem einseitigen Text möglich, allerdings nicht bei einem Buch, das würde viel zu lange dauern. Beim oben beschriebenen Prozess wird das Map wirklich während des Lesens erstellt und ggf. später überarbeitet und verändert. Es muss nicht beim ersten Mal eine fehlerfreie Map herauskommen, im Gegenteil, der Prozess ist darauf angelegt, dass das Map später noch einmal überarbeitet werden kann.

Mind Mapping oder Business Mapping?
Muss man die Maps wirklich von Hand erstellen und dann wieder überarbeiten, oder kann man diese nicht gleich per Software mitmappen, z.B. mit MindManager?
Kann man schon, dadurch würde man sich auf alle Fälle Zeit sparen. Außerdem kann man das Map viel einfacher nachbearbeiten, weiterversenden etc., das spricht alles für den Computer.

Für das Erstellen eines traditionellen Mind Maps per Hand spricht, dass der Inhalt des Buches meist besser verarbeitet und vor allem besser gemerkt wird, wenn ein Map per Hand erstellt wird. Das selber Schreiben und Zeichnen eines Mind Maps anstelle des Tippens, ist für das Gehirn eine wichtiger Informationskanal, der beim Abspeichern von Informationen unterstützt. Außerdem ist ein handgezeichnetes Mind Map viel individueller und flexibler (Zeichnungen, Symbole etc.) als ein computergeneriertes Map und bleibt dadurch wesentlich besser im Gedächtnis. Deshalb erstelle ich meist ein Mind Maps, dass ich dann am Ende vorne in das Buch legen kann.

Ich empfehle hier, die beiden Herangehensweisen einfach einmal auszuprobieren. Es ist auch möglich, während des Lesens ein Mind Map zu erstellen und am Ende das finale Map am Computer zu erstellen.

Der Mythos der beiden Gehirnhälften

Dienstag, 6. März 2007

Vor mehr als 30 Jahren wurde der amerikanische Mediziner Roger Sperry weltweit mit seiner "Split-Brain"-Forschung bekannt. Grundlage bildete seine Forschung an Epilepsiepatienten, denen die Verbindung zwischen den beiden Hirnhemisphären corpus callosum durchtrennt wurde.
Dadurch konnte herausgefunden werden, dass die Gehirnareale für unterschiedliche geistige Fähigkeiten an verschiedenen Orten der Hemisphären angeordnet sind.
Die Schlussfolgerung, dass der Mensch deshalb mal die eine oder die andere Hemisphäre benutzt bzw. die eine andere oder andere Hemisphäre vernachlässigt, konnte nicht nur nicht bewiesen werden, sondern ist bereits seit mehreren Jahren widerlegt. Der Mythos der Gehirnhälften suggeriert seit Jahren, dass es in unserem Gehirn bei bestimmten geistigen Tätigkeiten, z.B. Sprechen oder Rechnen in der einen Hälfte ganz kräftig knistert, während die andere untätig in unserem Kopf liegt.
Auch die Behauptung das bestimmte Übungen deshalb besonders die eine oder andere Gehirnhälfte stärken oder stimulieren gehört in die Märchenkiste.

Durch moderne Technik kann man unserem Gehirn heute sehr schön beim Denken zusehen. Je länger man das Gehirn beobachtet und je mehr man davon versteht, desto deutlicher wird, dass bei den allermeisten Denkoperation die unterschiedlichsten Bereiche des Gehirns gleichzeitig aktiv sind (vgl. z.B. Spitzer: Lernen, 2003).
Um effektiv zu lernen und zu arbeiten ist es trotzdem äußerst hilfreich, wenn man weiß, wie unser Gehirn lernt und wie das bei verschiedenen Menschen unterschiedlich abläuft. Etwas mehr dazu in meine Post vom Methodenkongress: Teil1, Teil2, Teil 3