Fallbeispiel: Breaking the Ice – das richtige Problem lösen und Innovation ermöglichen
Ich wiederhole es auf diesem Blog immer wieder: Um die Chance auf Innovation zu erhöhen, ist es nicht nur wichtig, dass neue und umsetzbare Lösungen generiert werden. Es ist von zentraler Bedeutung, dass Lösungen auf das richtig definierte Problem erarbeitet werden. Bisher konnte ich keine konkreten Beispiele von Kunden zeigen, da ich bei allen Kunden der Geheimhaltungspflicht unterliege.
Nun habe ich einen Coaching-Kunden, dessen Fall ich zeigen kann.
Breaking the Ice – gewaltfreie Konflikttransformation
Vergangene Woche war ich zwei Tage als Trainer und Coach auf der ersten internationalen Sommerakademie für Visionautik in Berlin. Neben einem kurzen Training in Kreativitätstechniken, stand ich den Visionären als Coach zur Verfügung. Ich hatte das Vergnügen Torsten Sewing zu unterstützen, der bei der Nichtregierungsorganisation (NRO) Breaking the Ice mitarbeitet. Die NRO will zeigen, dass von gewaltätigen Konflikten traumatisierte Menschen in der Begegnung mit vermeintlichen "Feinden" Respekt und Verständnis voreinander entwickeln können. Dazu hat Breaking the Ice eine Reihe von Aktionen mit Konfliktparteien durchgeführt, die auch filmisch festgehalten wurden.
In der Akademie für Visionautik ging es Torsten Sewing darum, zu überlegen, wie Investoren und Unternehmen gewonnen werden können, um das Bestehen von Breaking the Ice nachhaltig zu sichern. Das allgemeine Problem war es also, einen Businessplan zu schreiben.
Zu den Kernproblemen vordringen – Challenge Mapping
Ausgehend von der Frage "Wie könnte ich einen Businessplan für eine NGO entwickeln?" habe ich Herrn Sewing mit Hilfe der Technik Challenge Mapping oder Netz der Abstraktion dabei unterstützt, die Ausgangsfrage und damit zusammenhängende Probleme zu analysieren. Beim Challenge Mapping geht es darum, das Problem sowohl abstrakter als auch handlungsorientierter zu formulieren und durch gezielte Fragen andere Sichtweisen und Definitionsmöglichkeiten auf das Problem zu bekommen.
Nach einer guten Stunde haben wir ein Netz der Abstraktion erarbeitet (siehe Bild 1), das den Problemrahmen aufzeigt (dieses Bild ist nicht vergrößerbar).

Aus diesen unterschiedlich abstrakten Problemfragen hat Herr Sewing dann drei wichtige Fragen auf unterschiedlichem Abstraktionsniveau identifiziert. Aus diesen drei Fragen wurde dann die zentrale Frage mit der größten Hebelwirkung herausgearbeitet, deren Lösung das ganze Projekt einen großen Schritt voranbringen kann.
Dieses lautet: "Wie könnte BTI ein Vertrauen bei Unternehmen herstellen, das für ein Engagement im Bereich Konfliktttransformation erforderlich ist?"
Bild 2 (zum Vergrößern klicken) zeigt, wie diese sehr spezielle Frage mit dem übergeordneten Ziel die Organisation wirtschaftlich nachhaltig zum Laufen zu bringen zusammen hängt.

Oft ist es jedoch nicht sinnvoll, an der abstraktesten Formulierung eines Problems zu arbeiten, z.B. Wie können wir unsere Produktivität steigern? oder Wie können wir mehr Kunden gewinnen?, sondern an wichtigen Teilproblemen anzusetzen. Es ist wesentlich einfacher auf diese spezifisch formulierten Fragen passende Lösungen zu entwickeln.
Ich freue mich Breaking the Ice auch im weiteren Prozess als Innovationscoach zu begleiten.
Um auch eine andere Sichtweise als nur die meine zu haben, habe ich Herrn Sewing um eine kurze Beschreibung unseres Vorgehens gebeten:
Für mich ist es immer wichtig, den Blick von außen zu bekommen. Das "challenge mapping" stellt dabei eine Herausforderung im doppelten Sinne dar: zum Einen muss man die "Fragen hinter den Fragen" denken; zum Anderen können diese wiederum die Formulierung der Ausgangsfragen in Frage stellen. Beides klingt einfacher, als es ist.
Die Kommunikation mit Unternehmen zu einem komplexen und für Unternehmen in der Regel unbekannten Thema erfordert es, sich dezidiert auf mögliche Fragestellungen vorzubereiten und im Idealfall Antworten vorab bereit zu halten. Die im Kreativitätstraining mit Herrn Rustler formulierten Lösungsansätze weisen den Weg dorthin. Wir freuen uns, dass Herr Rustler uns auch weiterhin mit seiner Arbeit unterstützt.
Kostenloses Beratungsgespräch für Münchner Unternehmen
Im September biete ich Münchner Unternehmen an, ein solches Vorgehen zur Definition von wichtigen Strategie- und Innovationsfragen in kostenlos in Anspruch zu nehmen. Den entsprechen Blogartikel finden Sie hier.



Im Artikel gar nicht erwähnt wurde das Problem der richtigen Ausgangsfrage. Diese ist jedoch zentral. Eine schöne Quelle ist hier VanGundys Buch
Seit einigen Monaten setze ich vor und nach den die Basadur Ideation-Evaluation Präferenz-Skala in Trainings ein, ein wissenschaftlicher Fragebogen, der die Einstellungen von Menschen gegenüber Ideenentwicklung und Ideenbewertung misst. In den Fragebögen, die vor dem Training eingesetzt werden, zeigten sich die Unterschiede zwischen Chinesen und Europäern sehr deutlich.
Ein deutlicher Unterschied ist der Herdeneffekt, der in China einfach stärker sichtbar ist. Sobald sich ein gewisse Anzahl an Leuten, z.B. eine Idee interessant findet, neigen die restlichen Personen dazu, aufzuspringen. Wie so etwas bei der Auswahl von Ideen aussieht zeigt das Bild.
Wie kann man mehr junge Münchner für das Thema Energieeffizienz interessieren? Um diese und andere Ziele geht es beim dritten München Klimaherbst, der im Oktober in München statt finden wird.
All diese Aspekte finden sich in der Formel für qualitative Besprechungen wieder, die ich in diesem Beitrag vorstellen möchte. Nach dieser Formel, erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, qualitative Ergebnisse in Besprechungen zu erzielen ganz erheblich, wenn drei Faktoren vorhanden sind: Die richtigen Inhalte, ein Prozess, der die Besprechung steuert und der Einsatz von kreativen Prinzipien.
Bild: DRIVE-Tabelle