Brainstorming: online und offline

Samstag, 2. August 2008

Durch einen Kommentar auf diesem Blog, bin ich dazu angeregt worden, etwas über die verschiedenen technischen Möglichkeiten zu schreiben, ein Brainstorming durchzuführen.

Brainstorming nach Alex Osborn
Alex Osborn, der den Begriff des Brainstorming geprägt hat, definierte Brainstorming als "den Versuch einer Gruppe, durch das Anhäufen von Ideen Lösungen für eine konkrete Fragestellung zu finden". Als Osoborn damals in den 1950er die Technik entwickelte gab es als Mittel der Umsetzung nur Papier und Stift. Die Ideen wurden also einfach untereinander auf ein Flipchart oder ähnliches geschrieben.

Vier Arten der Umsetzung
Ich möchte für diesen Post insgesamt vier Arten der Umsetzung von Brainstorming unterscheiden.




  • Traditionell
  • Digital und offline
  • Digital und online bei gleichzeitiger Aktion aller Teilnehmer
  • Digital und online bei zeitunabhängiger Aktion der Teilnehmer


Traditionell: Stick' em up
Die damals von Osborn verwendete Variante, alle Ideen untereinander auf Papier zu schreiben, ist heute sehr selten geworden. Heute findet Brainstorming, zumindest in Moderationen, meist mittels Karten statt, die an Stellwände gepinnt werden, oder mit Hilfe selbstklebender Post-It Zettel, die einfach auf Flipchart-Papier geklebt werden. Bei dieser Art schreiben die Teilnehmer eines Brainstormings Ihre Ideen selbst auf die Zettel. Ich persönlich verwende das letzt genannte Vorgehen, da das Umsortieren und Gruppieren der Ideen so am schnellsten geht. Das Vorgehen mit den Post-its wird in der Kreativitäts-Literatur auch Stick'em up Brainstorming genannt.

Digital und offline
Hier wird zum Festhalten der Ideen ein Computer verwendet, in den alle Ideen eingegeben werden. Der Computer dient einfach als Eingabemittel, der es danach erleichtert, die Inhalte umzusortieren und diese leichter weiter zu bearbeiten. Bei diesem Vorgehen ist es oft so, dass es einen Protokollanten (der meist nicht gleichzeitig Moderator ist) gibt, der alle Äußerungen einer Gruppe mitschreibt. Software die man dafür nutzen kann, gibt es viele. Die simpelste und für die meisten Menschen einfachste Variante ist ein Textverarbeitungsprogramm zu verwenden. Ich arbeite gerne mit MindManager, hier habe ich mir spezielle Moderationsvorlagen (Siehe meine Posts zu TO-LO-PO-SO-GO und CPS) erstellt, die ich dafür verwende.
Ein anderes schönes Programm, dass sogar die Klebenotizen grafisch darstellt, ist VUE ein Freewareprogramm entwickelt von der Tufts University, das im Moment speziell für kreative Problemlöseprozesse weiter entwickelt wird. Daneben gibt es auch noch eine Reihe speziell für Moderationen entwickelte Programme.

Digital und online
Bei dieser Variante findet das Brainstorming mittels einer Internetverbindung statt.
Hier möchte ich noch einmal zwei Gruppen unterscheiden.

Online-Brainstorming mit gleichzeitiger Aktion aller Teilnehmer
Bei dieser Art können alle Teilnehmer gleichzeitig über Ihren Computer Eingaben selbst verfassen. Diese tauchen dann gleich im entsprechenden, gemeinsam genutzten Dokument auf. Die Teilnehmer können theoretisch alle im gleichen Raum sitzen und über Rechner Input eingeben. In der Praxis wird es häufiger so sein, dass die Teilnehmer an unterschiedlichen Orten sitzen und gleichzeitig an einem Online-Brainstorming teilnehmen. Um ein solches Brainstorming durchzuführen, kann man speziell dafür erstellte Software nutzen (z.B. hat sich IBM hierfür intern eine eigene Lösung geschrieben), die dann teilweise auch eine Moderatorfunktion vorsieht oder sich selbst eine Lösung basteln. Hier wäre z.B. eine Lösung mit Google-Docs und einer Konferenzsoftware wie z.B. pcvisit denkbar. Seit kurzem ist auch möglich, ein Online-Brainstroming mit mehreren Teilnehmern mit Hilfe von Mindjet MindManager und der neuen Connect-Lösung von Mindjet zu erstellen. Diese sieht auch Tonübertragung vor, so dass das Eingreifen eines Moderators denkbar wäre.
Besonders faszinierend fand ich ein kürzlich statt gefundenes Brainstorming in Second Life bei dem ein Google Dokument in den virtuellen Brainstorming in Second Life projiziert wurde.

Zeitungebundes Online-Brainstorming
Bei dieser Variante können die Teilnehmer Ihre Ideen fast völlig zeitunabhängig in ein dafür vorgesehenes Online-Forum eingeben. Meist wird für eine Ideensession ein gewisser Zeitraum ausgeschrieben, z.B. zwei Wochen. Während dieser Zeit können die Teilnehmer nach Lust und Laune Ihre Ideen eingeben.
Dies kann in der Form geschehen, dass alle Teilnehmer die bereits geschriebenen Ideen sehen können, wie dies bei brainr ermöglicht wird. Anderseits kann es auch geschlossen ablaufen, so dass nur der Auftraggeber die Ideen sieht, die Inputgeber selbst allerdings Ihre Inhalte in eine Art Black Box schieben, wie dies bei brainfloor der Fall ist. Es gibt außerdem eine dritte Variante, bei der man sich mit einer Gruppe von Teilnehmern in ein geschlossenes Forum einmieten kann, wo dann allerdings alle zugelassenen Teilnehmer alles sehen.

Meist noch traditionell
In den meisten Unternehmen finden definitiv noch die traditionellen Brainstormings statt. Dies hat meines Erachtens mehrere Gründe:

  • die Leute sind diese Art einfach gewohnt
  • es ist am einfachsten durchzuführen
  • Gruppendynamiken können sich in solchen persönlichen Sessions am einfachsten entfalten
  • meist fehlt es an den technischen Voraussetzungen für andere Lösungen
  • oft sind die Computerfähigkeiten der Teilnehmern nicht ausreichend genug
    um an einem Online-Brainstorming teilzunehmen.


Unten stehend habe ich eine Evaluationsmatrix erstellt, in der ich die unterschiedlichen Arten aus meiner Sicht nach einigen Kriterien evaluiert habe.


Innovative Lösungen schaffen: Das CPS-Verfahren in der Anwendung

Freitag, 18. Juli 2008

Kürzlich habe ich das CPS-Verfahren vorgestellt. Mit diesem flexiblen und vielfältigen Prozess kann man auf strukturierte Weise in kurzer Zeit umsetzbare Lösungen für Herausforderungen generieren. Der Prozess muss dabei nicht immer als komplett durch exerziert werden, sondern kann flexibel begonnen, unterbrochen und beendet werden.

Mögliche Zuschnitte können sein:


  • Workshops, um umsetzbare Lösungen auf eine Herausforderung zu finden, z.B. im Marketing, Vertrieb oder Produktentwicklung.
    In diesem Fall würde ein der Großteil des Prozesses angewendet.
  • Workshops zur Entwicklung neuer Ideen.
    Hier kommt nur ein Teil zum Einsatz. Der Prozess kann dann zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden.
  • Workshops zur Weiterentwicklung und Stärkung.
    Dieser Zuschnitt könnte interessant werden, wenn es schon Vorschläge gibt, die nun weiterentwickelt werden müssen.
  • Umsetzungsworkshops
    Es gibt schon entwickelte Vorschläge, nun muss Akzeptanz im Unternehmen geschaffen werden und ein Handlungsplan erstellt werden.


Kürzlich habe ich einen sehr schönen Workshop mit einer Gruppe von acht Personen moderiert, bei dem es um ein persönliche Herausforderung ging. Die Klientin möchte sich beruflich nach einer Erziehungspause neu orientieren.

Den Ablauf dieses Workshops möchte ich nun schildern, um ein konkreteres Bild von CPS zu geben.
Bild 1 zeigt noch einmal die Komponenten und Phasen des Prozesses.






Insgesamt hat die Gruppe ca. 4 Stunden gearbeitet.

Die ersten beiden Phasen (Herausforderung identifizieren und Daten sammeln) fanden im Rahmen eines Klientengesprächs zwischen mir und der Klientin statt.
In der Gruppe haben wir dann mit der dritten Phase das Problem klären begonnen. Hierzu hat die Gruppe über 100 Möglichkeiten generiert, das Problem zu betrachten. Bild 2 zeigt die Problem-Cluster, die daraus entstanden sind. Von diesen wurden dann diejenigen ausgewählt, die das Problem am besten beschreiben und einen Zuschnitt ergeben, für den die Klientin Ideen möchte.






In der nächsten Phase wurden in 20 Minuten ca. 120 Möglichkeiten generiert, wird man das Problem lösen könnte (Bild 3), dazu kamen verschiedene Kreativitätstechniken zum Einsatz.





Aus diesen wurden dann die besten Möglichkeiten ausgewählt erneut nach gleichen Kriterien gruppiert (Bild 4).





Da am Ende der Ideenfindungsphase ziemlich viele auf den ersten Blick gleichwertige Alternativen zustande kamen, kam als nächstes eine Bewertungsmatrix (Bild 5) zum Einsatz, um die Optionen anhand verschiedener Kriterien zu betrachten und einen Überblick über die Stärken und Schwächen der jeweiligen Optionen zu bekommen.






In unserem Fall haben wird aus den vorhandenen Optionen einige ausgewählt, die dann systematisch gestärkt (auch hier kamen weitere Techniken zum Einsatz) wurden und so zu einer sogenannten Lösungsaussage formuliert werden konnte. Für diese hat die Gruppen dann einen Handlungsplan entwickelt. Grundlage für die Details des Handlungsplans können dann wiederum die Ergebnisse aus den vorherigen Stufen sein.

Bild 6 zeigt noch einmal die Stufen, die wir durchlaufen haben. Es ist wie gesagt möglich, sehr flexibel nur Teile davon zu durchlaufen und noch weitere Details einzufügen, je nach Aufgabe und Situation des Klienten.






Für mich als inhaltlich neutralen Moderator war es interessant zu sehen, wir die Gruppe innerhalb von vier Stunden aus einem sehr breiten und offenen Problem eine Reihe möglicher und teilweise schon relativ konkreten Handlungsalternativen generiert hat.

Brainfloor: Online-Plattform zur Ideenentwicklung

Dienstag, 27. Mai 2008

Über einen Kommentar zu einem ziemlich alten Eintrag, über eine Kreativitätsfabrik, auf diesem Blog bin ich letzte Woche in Kontakt mit den Machern von Brainfloor gekommen. Das Team aus Österreich hat im April Brainfloor gestartet, eine Plattform zur Entwicklung von Ideen, die sich das Crowdsourcing-Prinzip zu nutze macht. D.h. die Masse wird in den Ideenfindungsprozess eingebunden. Diese vielen Ideengeber heißen bei Brainfloor Brainworker.

Das Prinzip: Ideen von vielen, aber nur für wenige sichtbar
Brainfloor arbeitet mit sogenannten Ideenlounges, ein geschützter Bereich innerhalb der Brainfloor Plattform. Dort können Kunden Aufgaben ausschreiben für die sie Ideen der Brainworker haben möchten. Brainworker können nun Ihre Ideen eingeben. Allerdings sieht diese nur der Auftraggeber, also der Kunde. Das System funktioniert ein wenig wie eine einseitige Membran. Man kann etwas hineingeben, es dringt aber nichts nach außen. Damit soll verhindert werden, dass gute Ideen für einen Kunden von Zuschauern oder Konkurrenten einfach übernommen werden. Somit erhoffen sich die Gründer, Ängste bei Firmen gegenüber öffentlichen Ideenfindungsprozessen abzubauen. Die Kunden spezifizieren auch, wie viele Ideen sie mindestens haben möchten. Wenn diese Zahl erreicht ist, ist die Sitzung beendet.

Der Nutzen für die Brainworker: Bares Geld für gute Ideen
Jede Idee wird in der geschlossenen Lounge vom Kunden mit Schulnoten bewertet. Dazu können bis zu zehn vom Kunden eingesetzte Bewerter gleichzeitig Noten vergeben. Aus den Bewertungen werden dann Durchschnittnoten gebildet. Erhält eine Idee Noten von 1 bis 3, gibt es dafür Geld, sogenannte Brainchips. Diese können dann gegen Sachleistungen oder Geld eingetauscht werden.

Fazit – PMI
Zur umfassenden Betrachten von Ideen, Konzepten etc. eignet sich – wie aufmerksame Leser dieses Blogs wissen – das Denkwerkzeug PMI (Plus – Minus – Interesting). Mit diesem möchte ich den momentanen Stand von Brainfloor aus meiner Sicht nun scannen:

Plus

  • optisch schöne Umsetzung
  • geschlossene Foren für Kunden, dadurch weniger Angst vor Ideenklau
  • Monetäre Belohnungen für Ideen
  • umfangreiche Benotungsfunktion von Ideen, dadurch wird Auswahl erleichtert
  • Bewertung durch mehrere Bewerter möglich
  • Anzahl der gewünschten Ideen einstellbar
  • Brainworker haben weniger Hemmungen wirklich ausgefallene Ideen zu äußern als Mitarbeiter der Auftraggeber
Minus
  • keine Sichtbarkeit bestehender Ideen für Brainworker, dadurch können bestehende Ideen nicht weitergesponnen werden
  • keine Moderator möglich, der in den Prozess unterstützend eingreifen kann
  • lediglich Ideenfindungsphase wird abgebildet, Weiterentwicklung ist nicht mit Unterstützung der Brainworker möglich
Interesting
  • es wäre interessant zu sehen, wie sich die Ideen entwickeln würden, wenn diese für Brainworker sichtbar wären
  • es wäre interessant zu sehen, ob es in Zukunft die Möglichkeit gibt, mit Moderatorfragen eine Richtung für Brainworker vorzugeben
  • es ist interessant zu wissen, wie häufig Ideen doppelt genannt werden, dadurch dass Brainworker bestehende Ideen nicht sehen können
  • es wäre interessant, Brainworker auch in die Weiterentwicklung der Ideen nach einer ersten durch den Kunden einzubinden
  • es ist interessant zu wissen, wie sich Brainchips auf die Motivation und das Engagement der Brainworker auswirken


Die weiteren Pläne – Version 2, dann international
In einem Telefonat mit Herrn Karner beschrieb dieser die weiteren Pläne: Für das Frühjahr 2009 ist die Version zwei geplant. Lassen wir uns überraschen, welche Veränderungen vorgenommen werden. Nach der Einführung von Version 2 in 2009 ist dann die Ausweitung auf den englischen Sprachraum geplant.

Zwei Arten von Kreativität

Mittwoch, 14. Mai 2008

Der britische Forscher Michael Kirton unterscheidet zwei Arten von Kreativität: adaptive (anpassende) und innovative (radikale) Kreativität.

Die erste zeigt sich in Form von kleinen Änderungen, die das bestehende Konzept weitgehend unverändert lassen und durch kleine Verbesserungen Mehrwert und Neues schaffen. Ein Beispiel ist die stetige Weiterentwicklung von Automobilen. Die zweite Art der Kreativität, ist der radikale Durchbruch, durch den etwas völlig Neues entsteht, wie z.B. die Entwickelung des Internets.


Japan vs. USA

Die adaptive Kreativität haben die Japaner perfektioniert und ihr System des Kaizen, der stetigen Verbesserung in aller Welt bekannt gemacht. Miller, Vehar und Firestien glauben, dass die Amerikaner vor allem nach der zweiten Art der Kreativität streben und die kleinen Veränderungen nicht wirklich als Kreativität betrachten. Nachteil dieser Einstellung ist laut den Autoren, dass gute Ideen, die noch nicht marktreif sind, nicht nachhaltig und ausdauernd genug weiter entwickelt werden. Beispiele für Erfindungen, die ihren Anfang in den USA hatten, dort aber nicht zur Marktreife entwickelt wurden sind das Fax und die Videotechnologie.

Ich frage mich gerade, wo Deutschland bei diesen beiden Polen einzuordnen ist? Ich würde uns eher in Richtung Japan platzieren.

Anderes Ergebnis je nach Kreativitätstechnik
Auch bei den Kreativitätstechniken gibt es Techniken, die der jeweiligen Seite (adaptiv oder innovativ) entsprechen. Strukturierte Techniken versprechen (sicher ist das natürlich nicht) schnellere und einfacher umsetzbare Ergebnisse. Beispiel für so eine Technik ist Brainwriting. Bei intuitiv orientierten Techniken ist die Wahrscheinlichkeit (auch hier, garantieren kann man nichts) höher, dass wirklich neue Ideen entstehen, die allerdings auch ihre Zeit zur Reifung und Entwicklung brauchen. Beispiele für diese Techniken sind Zufallsbilder, Zufallswörter oder spezielle Traumreisen.

PPCO – Methode der Ideenbewertung und der Verhaltensrückmeldung

Donnerstag, 8. Mai 2008

PPCO steht für Pluses, Potentials, Concerns und Overcome Concerns. Die Methode bietet sich an, um eine Idee zu bewerten (negativ und positiv), ohne dabei das Potenzial der Idee zu zerstören oder den Urheber zu demotivieren. PPCO ist außerdem eine Möglichkeit, konstruktiv Rückmeldung zum Verhalten von anderen zu geben und diesen dafür zu öffnen, aber auch, um seine eigene Leistung einzuschätzen.

Viele von uns neigen dazu, erst einmal die Schwachpunkte einer Idee oder einer Leistung heraus zu picken und damit möglicherweise, das Ideenpflänzchen zu zerstören, bevor es richtig aufgeblüht ist. Analog dazu kann dieses Verhalten dazu führen, dass das Gegenüber "zu macht". PPCO beginnt damit, die positiven Punkte zuerst zu nennen.

Die vier schriftlichen Schritte:

Pluses (5 – 7 Stück):
Was gefällt Ihnen an der Idee, am Verhalten? Nennen Sie spezifische Punkte!

Potentials (5 – 7 Stück):
Welche zukünftigen Optionen und Möglichkeiten könnten sich daraus ergeben? Eingeleitet mit Es könnte sein, dass...

Concerns:
Welche Schwierigkeiten und Probleme sehen Sie? Versuchen Sie, diese als offene Fragen zu formulieren: Wie könnte man...?
z.B. Wie könnte man verhindern, dass die Leute nur kurze Zeit auf der Website verweilen?

Overcome Concerns:
Hier pickt man sich die wichtigsten Probleme heraus und versucht nun mindestens 15 Ideen zu generieren, wie man diese Probleme lösen könnte. Die erfolgversprechendsten kann man dann so weiter entwickeln, dass daraus eine konkrete zielführende Handlung ableitbar ist.

Noch eindeutiger wird die Methoden, wenn diese entsprechend visualisiert wird, z.B. so:


Die Methode ähnelt der Denktechnik PMI (Plus, Minus, Interesting), mit der man in kurzer Zeit einen ausgewogenen Überblick zu einem Thema, einer Idee oder Frage erhält. PPCO ist jedoch ausschließlich zu Bewertung gedacht und hat als Besonderheit den Teil Overcome Concerns, wo dezidiert Lösungsvorschläge für Schwachstellen erarbeitet werden. PMI ist im Gegensatz nicht zum Bewerten gedacht, sondern lenkt die Wahrnehmung lediglich, um ein Thema zu scannen.

TO-LO-PO-SO-GO: Die PO-Stufe

Sonntag, 13. Januar 2008

Vorherige Posts zu Thema:



PO steht für possibilities oder provocative operation. Die PO-Phase ist die Phase, in der Ideen generiert werden. Ablaufen kann diese Phase wie ein Brainstorming, d.h. in einer Gruppe nennt jeder seine Einfälle und andere können/sollen diese aufgreifen und weiter entwickeln. Möglich ist auch der Einsatz spezieller Kreativitätstechniken, wie z.B. die Fluchtmethode oder die Zufallswortmethode.
Ruth Pink weist in Ihrem Buch Bewusst kreativ darauf hin, dass eine Kreativphase 15 bis 20 Minuten dauern sollte. Dabei wird höchst wahrscheinlich jede Gruppe durch ein Ideen-Tal gehen, eine Phase, in der die Ideen besonders spärlich fließen. Es lohnt sich allerdings durch dieses Tal zu durchschreiten, da oft besonders gegen Ende noch einige sehr gute Einfälle entstehen. In unserer letzten Denkclubsitzung haben wir das auch wieder erleben dürfen.

Wie bei allen Kreativitätstechniken ist es zentral, dass das finden von Ideen und das Bewerten von Ideen getrennt wird. In der PO-Phase werden die gefundenen Ergebnisse nicht kritisiert, analysiert oder sonst irgendwie beurteilt.
Die Verfeinerung und Weiterentwicklung folgt in der nächsten Stufe, der SO-Phase.

Brainstorming: Worauf man achten sollte!

Mittwoch, 28. November 2007

Anfang des Jahres habe ich einen einführenden Post zu Brainstorming geschrieben, in dem ich die Technik allgemein vorstelle. Auch da hat der eine oder andere sicherlich gedacht: Warum macht er das? Brainstorming können wir doch sowieso alle. In der Tat werden in jedem Unternehmen jeden Tag viele "Brainstormings" gemacht, allerdings so, dass diese der Intention der Methode nicht gerecht werden.
Wie es funktioniert und welche Fehler man vermeiden sollte, dazu haben sich zwei Experten zu Kreativprozessen Gedanken gemacht: David Jeggle von Ideentower nennt die drei wichtigsten Gründe, warum Brainstormings scheitern und was man dagegen tun kann. Mario Pricken nennt 11 Gründe, warum Brainstorming lieber lassen sollte... und stattdessen ein Seminar bei ihm besuchen sollte :-)

Die Regeln von Denktechniken – alles nur Dogma?

Samstag, 7. April 2007

Ich halte mich gerade mal wieder in Asien auf und kann einmal mehr erfahren, dass das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern, sowie die Art Dinge zu vermitteln hier ein ganz anderes ist, als bei uns im Westen. Gerade, wenn es um die so traditionelle Künste, wie Kampfkünste und die Teekunst geht, fällt mir sehr stark auf, dass die Regeln nach denen etwas geschieht, erst einmal wenig hinterfragt und selten geändert werden. Die Denkweise, die mir in Asien immer wieder begegnet und dir mir auch ein chinesischer Taiji-Meister immer wieder eingebleut hat, ist es, sich auf alle Fälle an die vorgegebenen Regeln zu halten (auch wenn einem diese vielleicht auf den ersten Blick unsinnig erscheinen). Die Begründung war die, dass ich das erst nach einer gewissen Zeit der Übung nachvollziehen und begreifen könne und dann würde sich mir auch der Sinn dieser und jener Regel erschließen.
In einem Interview mit Martin Röll, das ich heute gelesen habe geht es am Rande auch um Regeln, in diesem Fall um die Regeln des Produktivitätssystems Getting Things Done (GTD). Rölls Credo lautet hierbei Erlaubt ist, was funktioniert. Auch der Kommentar von Andreas Weinberger betonte noch einmal, dass es nicht darum geht sklavisch irgendwelchen Regeln zu folgen.

Das hat mich zum Nachdenken gebracht: Nun frage ich mich, wie wichtig diese Regeln bei Denktechniken eigentlich sind und ob, wie und wann man diese ändern sollte?
In meinen Seminaren erkläre ich natürlich auch immer die Mind Mapping Regeln (auch hier auf diesem Blog) und achte darauf, dass die Leute diese Regeln einhalten, weil ich davon überzeugt bin, dass der Erfolg des Mind Mapping mit von diesen Regeln abhängt. Brainstorming ist ein weiteres Beispiel, auch hier denke ich, dass der Erfolg eines Brainstormings auch davon abhängt, ob die grundlegenden Brainstorming-Regeln beachtet werden, z.B., dass Ideen nicht kritisiert und beurteilt werden.
Natürlich werden Regeln immer wieder geändert und manchmal bringt das auch Fortschritt. Für mich ist nun die Frage, wann jemand die Regeln ändern sollte, um ein System eine Technik noch besser oder passender zu machen? Um wieder am Beispiel des Taiji zu bleiben, hatte der Meister natürlich recht und nach einer gewissen Zeit hat es plötzlich Klick gemacht und ich habe den Sinn der Regel erfahren und verstanden, obwohl ich oft versucht war, es doch einfach anders zu machen und von seiner scheinbar dogmatischen Position abzuweichen.

Ich weiß hier keine genaue Antwort. Meine Beobachtung ist, dass die Regeln besonders am Anfang äußerst wichtig sind und ich – in meiner Rolle als Seminarleiter - auf deren Einhaltung achte (die Hintergründe allerdings auch zu erkläre, um die Regeln sozusagen nicht nur aufzustellen, sondern diese auch richtig zu verkaufen). Ich kann natürlich niemanden hindern, die Regeln nach dem Seminar über den Haufen zu werfen, ich selber überlege bei anderen Techniken auch immer wieder, ob ich das nun wirklich so machen muss und passe das eine oder anderen dann auch für mich an. Ich bin allerdings sehr vorsichtig mit dem Ändern, weil sich der Sinn und Vorteile mancher Dinge erst nach längerer Zeit erschließen und sich das Durchhalten doch schon oft gelohnt hat.

Creativity-Factory: Kollektive Ideenmaschine über das Internet?

Sonntag, 4. März 2007

Ich habe eine Idee, die mir schon lange Zeit im Kopf herumschwirrt, in die ich schon etwas Hirnschmalz hineingesteckt habe, die aber noch wesentlich mehr Zeit und Energie benötigt. Ich möchte das trotzdem einmal vorstellen und bin gespannt auf Meinungen:

Ich denke an eine Online-Plattform zur Ideengenerierung und Entwicklung. Ich sehe eine Mischung aus Forum und Social Network, wo Leute/ Firmen/ Organisationen Ideen einstellen und diese von Usern im Netz weiterentwickeln lassen.
Den Mehrwert, den ich dabei sehe, ist, dass man Ideen von einer großen Menge an Leuten weiterspinnen lassen kann und man dadurch viel mehr Möglichkeiten und Umsetzungsmöglichkeiten sowie am Ende auch bessere Qualität erreichen kann.

Das Besondere an dieser Plattform ist der Einsatz von Denkwerkzeug-Wizards, die einem helfen, das Denken bewusst in bestimmte Richtungen zu lenken. Diese Wizards enthalten Denktechniken z.B. 6 hats von Edward DeBono, SWOT-Analyse etc., die den User leiten.
Welcher Wizard zum Einsatz kommt, könnte der User selbst entscheiden, oder der "Einsteller" einer Idee vorschlagen, weil er z.B. das Denken in eine bestimmte Richtung lenken möchte.

Ein typischer Ideen-Prozess könnte folgendermaßen aussehen:

1. Einstellen einer Idee mit der Bitte um Weiterentwicklung.
2. User entwickeln die Idee weiter, mithilfe des Einsatzes von Wizards oder im Freestyle Modus.
3. Die weiterentwickelten Ideen können wiederum aufgegriffen werden.
4. Aus den vielen Ansätzen greift der „Einsteller“ einige raus, die nun in die nächste Stufe gehen -> Release 1
5. Die Release 1 – Idee kann nun wieder mithilfe bestimmter Wizards und Kriterien verfeinert werden.
6. Der Einsteller schließt irgendwann die Idee.
7. Nun geht es in die Bewertungs- und Diskussionsphase
8. ... habe ich mich noch nicht überlegt...

Ziel soll sein, eine Idee soweit zu entwickeln, dass diese in die Umsetzung gehen kann.
Wie hoffentlich deutlich wird, handelt es sich um eine Mischung aus kreativem und strukturiertem Prozess, der die Denkpower vieler Leute nutzen soll.

Viele Fragen habe ich mir dazu schon gestellt, aber nur teilweise beantwortet, z.B.


  • soll es Userprofile geben?
  • soll es Rollen geben? z.B. Ideensponsor und Teilnehmer
  • wie motiviert man User an Ihre Denkpower zur Verfügung zu stellen? z.B. durch raten der Einfälle und damit ein Punktekonto ähnlich wie bei E-Bay.
  • wie könnte ein Preismodell für Firmen aussehen, die die kollektive Intelligenz nutzen wollen?
  • gibt es einen weiteren Extra-Service, z.B für das Strukturieren und Moderieren des Prozesses?
  • Was kostet die Programmierung etc?


Um das gesamte Konzept niederzuschreiben, bräuchte ich noch viel Zeit. Meine Hauptinteresse wäre erst einmal Meinungen zur Akzeptanz und Umsetzbarkeit eines solchen Tools zu erfahren.
Warum gebe ich eine solche Idee preis? Meine Philosophie ist, dass vielen Ideen nichts wert sind, wenn diese nichts umgesetzt werden. Ideen haben ist leicht, aber Umsetzen sehr schwer.

Ein Denkwerkzeug, dass ich für Ihre Gedankenexperimente vorschlage ist das 6-hats-framework von DeBono. Folgende Fragen können helfen:

  • Wie ist Ihr Gefühl, Ihr Eindruck, wenn Sie das hören (ohne logische Begründung!)
  • Welche Fakten haben wir? Welche Fragen müssen noch beantwortet werden?
  • Warum könnte es scheitern? Wo liegen Schwierigkeiten?
  • Warum könnte es klappen? Was ist positiv daran?
  • Welche weiteren (provokanten) Ideen, Hypothesen etc. gibt es noch, die dem Ganzen eine neue Richtung verleihen könnten?


Ich bin gespannt und hoffe auf Beiträge!

Edward de Bono über Denken und Kreativität

Mittwoch, 14. Februar 2007




Gestern habe ich ein Video von Edward de Bono (leider keine besonders ansprechende Website) bei Youtube entdeckt, in dem er einige seine wichtigsten Thesen über Denken und Kreativität noch einmal kurz darstellt.
Wie in seinen Büchern schon oft beschrieben, sind Denken (im Sinne von neue Lösungen finden und Probleme betrachten) und Kreativität für de Bono Fähigkeiten, die erlernt und verbessert werden können.
Wie im Video dargelegt und in seinen Büchern sehr ausführlich erklärt, hält er das verbissene Festhalten an den Kategorien wahr oder falsch für einen der größten Bremser des Fortschritts. Fortschritt in der realen Welt (im Gegensatz zur theoretischen Welt der Wissenschaft, wo es tatsächlich um die Wahrheitssuche geht) hat mit Möglichkeiten zu tun, die sich nicht mit den Kategorien wahr oder nicht wahr beschreiben lassen. D.h. es gibt immer mehr als eine richtige Antwort.
Kreativität, damit diese nach de Bono als solche bezeichnet werden kann, muss einen Mehrwert im Vergleich zu bestehenden Lösungen bieten. Etwas lediglich anders zu machen, um des Andersseins willen, hat für ihn nichts mit Kreativität zu tun. Ein Weg zu mehr Kreativität führt für de Bono über gezielte Provokationen, die neue "Denkpfade" ermöglichen.

Ein Beispiel für de Bonos Techniken sind die sechs Denkhüte. Diese Technik ist ein Beispiel für de Bonos Konzept des parallelen Denken, das auch in meinem Seminar Denkwerkzeuge zum Einsatz kommt.
Ein Beispiel für so eine Provokation, das ich in meinen Seminaren verwendet habe, ist die Einführung einer Strafsteuer für Übergewichtige. Über diese Provokation kann man dann bei sehr praktischen Lösungen wie einem Bonussystem für Leute mit viel Bewegung ankommen und vielen weiteren praktischen Umsetzungsmöglichkeiten, die mit der anfänglichen Provokation nichts mehr gemeinsam haben. Ausgangspunkt war die von de Bono beschriebene Provokation, die das Denken in andere Bahnen gelenkt hat.