Methoden der Produktentwicklung – Fluchtmethode

Der creaffective Innovationsworkshop hat in den letzten Monaten oft den Schwerpunkt auf der Produktentwicklung. Ein bestehendes Produkt oder eine Dienstleistung soll verbessert werden oder es müssen völlig neue Ideen entwickelt werden, wie das Produkt oder die Dienstleistung in Zukunft aussehen könnte.
Nachdem die genaue Ausgangsfrage definiert wurde, arbeiten wir in einem Innovationsworkshop mit verschiedenen Kreativitätstechniken um neue Ansätze zu entwickeln.

Gegebenes in Frage stellen


Eine Kreativitätstechnik, die sich besonders dafür eignet, radikale Innovation hervorzubringen ist die von Edward de Bono vorgestellte Fluchtmethode. Es handelt sich dabei um eine Technik des lateralen Denkens mit dem Ziel einen bewussten Spurwechsel im Denken zu vollziehen. Genau das ist ja oft besonders schwer, da wir mit der Zeit automatisch ablaufende Muster in unserem anlegen, die wir nur wenig hinterfragen.

De Bono Fluchtmethode hilft Annahmen auf systematische Weise in Frage zu stellen und eignet sich besonders für die Produktentwicklung und die Entwicklung neuer Dienstleistungen, da es hier eine "Vorlage" - ein bestehendes Produkt – gibt, an dem man sich orientieren kann.

Das Vorgehen ist dabei ganz einfach:
  1. Wir betrachten ein gegebenes Produkt, z.B. ein Telefon
  2. Nun werden Grundcharakteristika gelistet, die wir beim vorliegenden Produkt als gegeben hinnehmen. z.B. ein Telefon hat eine Tastatur oder ein Telefon muss man ans Ohr halten
  3. Von jeder Grundannahme wird das Gegenteil gebildet.
    Um am Beispiel zu bleiben:
    Ein Telefon ohne Tastatur
    Ein Telefon, dass man nicht ans Ohr halten muss
  4. Aus dem Gegenteil werden konkrete Ideen abgeleitet. Zum Beispiel
    Ein Telefon mit einem multifunktionalen Bildschirm (ich weiß, gibt es schon)
    Ein Telefon, das ausschließlich über Kopfhörer funktioniert.


Die Abbildung zeigt das Beispiel eines Restaurantkonzepts mit der Fluchtmethode.


Die Flucht im Alltag


Die Fluchtmethode ist auch interessant, um einmal bewusst Elemente aus seinem Alltag zu hinterfragen. Sie können sich einen beliebigen Aspekt nehmen und mit der Fluchtmethode nach neuen Ideen suchen. Ein Beispiel könnte die tägliche Fahrt zur Arbeit sein. Was nehmen Sie als gegeben hin?

Trackbacks

  1. Ideenfindung mit Kreativitätstechniken: über 100 Ideen in 30 Minuten

    Am ersten Tag eines Kreativitätstrainings oder eines Innovationsworkshops bekomme ich am Ende meistens die Rückmeldung, dass die Teilnehmer sehr überrascht waren, wie viele Ideen wir mit Hilfe von Kreativitätstechniken entwickelt haben und dass sie nicht

Kommentare

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  1. Gitte Härter schreibt:

    ... wieder ein super Artikel - habe eben bei uns drauf verwiesen.

    Schöne Grüße
    Gitte

  2. Philip May schreibt:

    Keine Trennung zwischen Küche und Essbereich

    Was da wohl das Gesundheitsamt zu sagt?

  3. Florian Rustler schreibt:

    Könnte man sich im nächsten Schritt dann genauer ansehen, zum Beispiel mit PPCO: http://www.creaffective.de/blog/permalink/PPCO-Methode-der-Ideenbewertung-und-der-Verhaltensrueckmeldung.html
    Damit kann man solche möglichen Schwachpunkte adressieren.

    Gruß

    Florian

  4. Ulrike Langbehn schreibt:

    Dann gibt es noch weitere Methoden:
    - die bestehenden Eigenschaften stark verstärken
    - die bestehenden Eigenschaften stark reduzieren
    - bestehende Eigenschaften weglassen (aus wenn diese branchenüblich sind)
    - neue Eigenschaften, die noch nie berücksichtig wurden, hinzu nehmen

    Weitere Informationen hierzu unter www.tinyurl.com/produktentwicklung

  5. Florian Rustler schreibt:

    Danke für den Hinweis auf das Buch Ihres Mannes.
    Vermutlich gibt es bei diesen Methoden einige Überschneidungen mit SCAMPER (http://www.creaffective.de/blog/archives/21-02-2010.html).
    Sobald ich wieder in Deutschland bin, werde ich mir das Buch ansehen.

    Beste Grüße

    Florian Rustler

  6. Jannes schreibt:

    Normalerweise bin ich vielen solcher Leitfäden eher kritisch gegenüber, aber diese Methode sieht sehr eingängig aus! Gerade um neuartige Produkte zu erstellen, die stark von bisherigen Standards abweichen können (wenn es Sinn macht), bietet dieses systematische In-Frage-Stellen einige Vorteile. Natürlich funktioniert das auch für viele andere Produkte und Dienstleistungen. Gerade in Märkten, wo sich Produkte nur über Preis und techn. Details unterscheiden, kann so eine Methode zu wirklichen Innovationen führen. Schöner Beitrag! :-)

  7. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Jannes,

    mir hat die Fluchtmethode schon gute Dienste geleistet. Es funktioniert natürlich nicht immer. Für die von dir genannten Produkte könnte das four actions framework auch interessant sein.
    Dieses habe ich hier beschrieben: http://www.creaffective.de/blog/permalink/different.html

    Viele Grüße

    Florian


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