Wie kindliches Denken zu mehr Innovation verhilft

Seit kurzem gibt es auf der TED-Website eine Rede der 12 (zwölf!) jährigen Adora Svitak, einer Bloggerin und Autorin, über die Besonderheit des kindlichen Denkens. Kaum zu glauben, dass Adora erst 12 Jahre alt ist.



In ihrer Rede beschreibt sie einige Unterschiede zwischen dem kindlichen und dem erwachsenen Denken.

Kinder: Offen und ohne Begrenzungen


Das kindliche Denken zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es nur wenige Beschränkungen und Begrenzungen gibt und es offen in alle Richtungen ist. Nichts scheint erst einmal unmöglich, nur selten hört man von Kindern den Satz, „das geht nicht, weil...“.Gerade dieses Fehlen von Begrenzungen lässt das Denken von Kindern für uns Erwachsene so erfrischend erscheinen, negativ ausgedrückt naiv und realistisch.

Erwachsene: Bewertend und kritisch


Die Denkweise von Erwachsenen dagegen ist ganz anders. Erwachsene denken kritisch und "realistisch" und wissen was möglich ist und was nicht. Das heißt, im Gegensatz zu Kindern, haben Erwachsene viele Begrenzungen in den Köpfen, die das Gedachte sofort bewerten und beurteilen können. Je mehr Erfahrung ein Mensch hat, desto mehr geistige Skripten bilden sich in einem Gehirn und desto schwerer fällt es uns, uns von diesen vorhandenen Mustern zu lösen.

Innovation benötigt beides, das kindliche und das erwachsene Denken


In meinen Kreativitätstrainings und Innovationsworkshops führe ich die Teilnehmer am Anfang immer in das wichtigste Prinzip der erfolgreichen kreativen Problemlösung ein. Die Trennung von divergierendem und konvergierenden Denken.

Wie die Namen bereits verraten, handelt es sich beim divergierenden Denken um, eine breite Suche nach vielen unterschiedlichen und neuen Alternativen.

Beim konvergierenden Denken geht es um eine fokussierte positive/ bejahende Evaluation der Alternativen.

Diese beiden Arten entsprechen grob dem kindlichen Denken und dem erwachsenen Denken, mit dem Zusatz, dass das konvergierende Denken nach bestimmten Regeln erfolgt und auch Schwachpunkte und Bedenken auf konstruktive Weise formuliert und behandelt werden.

Zentral für das Entwickeln neuer Lösungen, die funktionieren ist dabei, dass diese beiden Arten des Denkens von einander getrennt werden und nacheinander erfolgen. Genau das bleibt in vielen Köpfen von Erwachsenen und in 99% aller Gruppenbesprechungen mit Erwachsenen aus. Die beiden Arten werden vermischt, was dazu führt, dass kindlichen Denken ohne Begrenzungen sofort wieder vom kritischen Denken eingefangen wird und wir uns immer im Bereich dessen bewegen, was wir schon immer gedacht haben. Wir Erwachsenen können uns nur schwer aus unserem "erwachsenen" Denken lösen und betrachten das divergierende Denken oft als unangebracht und kindisch.
Für Innovation ist daher eine Balance zwischen dem kindlichen (nicht kindischen!) und verspielten Denken (divergierend) und dem kritischen Denken (konvergierend) und eine strikte Trennung dieser beiden Denkarten zentral.



In einer schon etwas älteren, aber genialen TED-Rede zeigt Ken Robinson, wie vor allem die Schule aus Kindern, die ihre Kreativität auf ganz natürliche Weise ausdrücken schrittweise "Erwachsene" macht, die vor allem kritisch denken und immer wissen, warum etwas nicht gehen kann und wo das Problem liegt.

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Kommentare

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  1. Julian schreibt:

    Hallo, klasse Fundstücke! Die Rede von Adora Svitak macht einem wieder einiges klar. Allerdings verfällt man immer wieder leicht in das kritische Denken. Im Prinzip müsste man für kreative Phasen extra einen Raum einrichten, um ein Feeling zu bekommen und sich immer wieder bewusst machen, dass alle Ideen zunächst mal interessant sind. Das muss ja nicht einmal ein kindlich eingerichteter Raum sein, viel mehr charakteristisch um immer wieder das Feeling zu erhalten, was man benötigt, wenn man ihn betritt... z.B. ein Raum der komplett inkl. Decke und Boden als Weltraum angestrichen ist, so dass man das Gefühl hat man fliege durch den Weltraum... etwas utopisches eben ;-)

    VG Julian

  2. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Julian,

    es gibt bereits einige zaghafte Ansätze von Organisationen die beiden Phasen der Kreativität auch räumlich darzustellen, ähnlich wie du es beschrieben hast. Das sind natürlich noch Ausnahmen.
    Ich weiß von einem Beispiel aus Skandinavien die 6 Hut Methode von Edward de Bono räumlich umgesetzt haben.

    Gruß

    Florian

  3. Julian schreibt:

    Wow, das hört sich interessant an... Bilder dazu gibt es sicherlich so nicht oder?

    VG Julian

  4. Florian Rustler schreibt:

    Leider habe ich keine Bilder :-(
    Ich habe auch nur Artikel darüber gelesen.

    Gruß

    Florian


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