Die Geheimwaffe kreativer Denker: Ein Notizbuch (mit Ablagesystem)

Letzte Woche stand ich im Aufzug eines Hotels hier in Shanghai auf dem Weg von einem Innovationsworkshop zum Mittagessen, in der Hand wie immer mein kleines Notizbuch. Eine amerikanische Geschäftsfrau steigt zu, sieht das Notizbuch und fragt: "Auf dem Weg in eine Besprechung?". "Nein, auf dem Weg zum Mittagessen." Verwundert fragte sie mich dann, für was ich denn zum Essen mein Notizbuch mitnehme. Weil dort sicher viel gesagt wird, was es wert ist, dort eingetragen zu werden! Die Dame lachte.

Es ist nicht der erste Artikel, den ich zu diesem Thema schreibe (siehe Gewohnheiten kreativer Menschen), da die Bedeutung des Themas aus meiner Sicht allerdings sehr unterschätzt wird möchte ich es noch einmal aufgreifen. Viele Gesprächspartner bestätigen mir zwar, dass es sehr praktisch sei, so ein Büchlein immer bei sich zu haben, allerdings verlangt dies für die meisten eine Veränderung ihrer bisherigen Gewohnheiten und diese dauern meistens lange. Deswegen tragen nach wie vor nicht viele Leute ständig so ein Notizbuch mit sich herum.

Unerwartete Verknüpfungen ermöglichen


Verschiedene (Produktivitäts-)Methoden setzen ein Notizbuch als ständigen Begleiter voraus, wie zum Beispiel Getting Things Done des Amerikaners David Allen oder das Ideen-Marathon Vorgehen des Japaners Takeo Higuchi.
Die Vorteile, ein Notizbuch immer bei sich zu haben sind vielfältig:
  • Man vergisst keine Dinge mehr, die erledigt werden müssen
  • Man verliert keine guten Ideen mehr, die einem spontan einfallen
  • Man hat den Kopf frei für andere Dinge, z.B. für weitere Ideen
  • Man kann bei Bedarf wieder auf diese Informationen zurückgreifen
  • Das Notizbuch dient als Sammelbehälter für Gedanken und Ideen. Zu einem späteren Zeitpunkt ermöglichen die Inhalte vielleicht unerwartete Verbindungen, die zu neuen und interessanten Ideen führen.


Kollege Tim Hurson hat während einer TEDx Konferenz einen Vortrag zum Thema unerwartete Verknüpfungen und die daraus entstandenen Innovation gehalten.


Sofort festhalten und regelmäßig übertragen


Damit das Notizbuch gute Dienste leistet, ist es zentral, dieses wirklich immer und überall dabei zu haben. Es bringt nichts mit einer Mischung aus losen Zetteln und einem Notizbuch zu arbeiten, dass ich nur zufällig bei mir habe. Es bedarf eines zentralen Sammelcontainers (=Notizbuch) in das ich alle Aufgaben, Ideen etc., die mir zu einem beliebigen Zeitpunkt durch den Kopf gehen, eintrage.

Eine zweite Gewohnheit, damit das Notizbuch wirklich funktionieren kann, ist es die Dinge, sobald sie mir durch den Kopf gehen sofort dort einzutragen. Andernfalls ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich es doch vergesse.

Aufgaben und Gedanken unstrukturiert in ein Notizbuch einzutragen ist allerdings nur die halbe Miete. Ganz nach Getting Things Done müssen die Inhalte des Buches regelmäßig in geordnete andere Systeme übertragen werden, wo ich diese jederzeit nach bestimmten Kriterien wieder finden und gegebenenfalls etwas damit tun kann. Regelmäßig heißt dabei zum Beispiel einmal pro Tag.
Bei mir persönlich sind dies im Moment drei unterschiedliche Systeme:
  • Remember the milk: In diese elektronische Aufgabenliste kommen all die Elemente aus meinem Notizbuch hinein, die ich möglichst bald erledigen muss.
  • Ideen-Marathon Liste: Hier kommen all die Ideen hinein, die ich in Zukunft vielleicht einmal umsetzen werde. Diese Ideen sehe ich einmal im Monat durch, um zu entscheiden, was damit passiert. Das Vorgehen habe ich in einem Artikel über den Ideen-Marathon beschrieben.
  • Seit einem Jahr dient mir Evernote als mein virtuelles Gedächtnis. Hier kommen alle Dinge hinein, die ich als Referenz aufbewahren möchte und auf dich ich zu einem späteren Zeitpunkt bei Bedarf zugreifen möchte. Sehr praktisch bei Evernote ist für mich, dass ich jede Notiz mit unterschiedlichen Schlagworten versehen kann. Neben einer Volltextsuche lassen sich je nach Schlagwort unterschiedliche Themengebiete generieren.
Wichtig ist aus meiner Erfahrung ebenfalls, dass das Notizbuch aus heraustrennbaren Seiten besteht, so dass ich die Seiten deren Inhalte bereits in andere Systeme übertragen wurden heraustrennen kann und immer nur die aktuellsten Seiten sehe.

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Kommentare

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  1. Tanja Handl schreibt:

    Evernote ist wirklich eine super Sache. Ich nutze für spontane Notizen allerdings ein klassisches altes Ringbüchlein, aus dem ich dann meine ToDos in die Wunderlist übertrage. Das hab ich einfach immer dabei, und handschriftlich bin ich 10x schneller als am Smartphone. Außerdem regt das Kritzeln meine Kreativität an. :-) Kann ich allen empfehlen, die gern was zum Angreifen haben.

  2. Antonia Contato schreibt:

    Für meine Notizen nutze ich MindManager 9 in Form einer visuellen Map. Mit einer Map kann man Ideen und Infos besser visualisieren und kreativer strukturienen, finde ich. MindManager ist wirklich ein cooles Tool.

  3. Ivan Blatter schreibt:

    Ich bin via GTD dazu übergegangen, immer etwas zu schreiben dabei zu haben.

    Entscheidend sind wohl zwei Dinge:
    - Immer etwas zu schreiben dabei zu haben.
    - Regelmässig die Notizen ins "richtige" System einzuflicken.

    Nach vielen vielen Experimenten bin ich wieder bei Stift und Papier gelandet. Ich habe einen schönen Notizblock im Lederetui gekauft (so gross wie ein Portemonnaie), damit es auch Spass macht, Dinge zu notieren.

    Ich übertrage dann die Dinge in "Things" (nur für Mac).

  4. Florian Rustler schreibt:

    GTDler haben den Vorteil, dass sie diese Gewohnheit immer etwas zum Schreiben dabei zu haben bereits geschaffen haben.

    Auch ich habe für mich festgestellt, dass trotz aller elektronischen Hilfsmittel zum ersten schnellen und einfachen Erfassen der Inhalte ein Notizbuch aus Papier einfach am praktischsten ist.

    Viele Grüße

    Florian

  5. Stefan schreibt:

    Hey Florian, ich möchte deinen Artikel zum Anlass nehmen um kurz über den Einsatz meines Informationssystems auf der Basis von "Wordpress" zu berichten.

    Zuvor möchte ich vorausschicken, dass ich das Notizbuch wie im Kommentar unter http://www.creaffective.de/blog/permalink/gewohnheiten-kreativer-menschen-notizbuch.html beschrieben auch heute immer noch mit der gleichen Begeisterung verwende. Hier werden alle wichtigen Dinge und die Meilensteine zu den Projekten notiert und ich bin immer auf dem neusten Stand.

    Darüber hinaus habe ich für die Erkenntnisse, Quellen, Formulare, Gesetzen, Verordnungen und ähnliches Beiwerk zu den Projekten einen internen Blog aufgebaut und die Artikel hierarchisch und relational verlinkt.

    Dabei fällt auf, dass deine Überschriften übertragbar sind:

    - (Die Geheimwaffe kreativer Denker:) Ein Notizbuch (der Blog)
    - Unerwartete Verknüpfungen ermöglichen (Suchfeld,Plugin)
    - Sofort festhalten und regelmäßig übertragen (der User)

    Auch hier ist das Zettelkastenprinzip nach Niklas Luhmann sehr gut umsetzbar; -aber für ALLE Teilnehmer des Intranets!!! Jeder der sich berufen fühlt kann so Artikel schreiben oder kommentieren.

    Neben der Hauptanwendung "Suchfeld" finde ich vor allem die Möglichkeiten Artikel zu verlinken unersetzlich:
    1. manuell
    2. automatisch (Text-, Schlagwort- und Überschriftenvergleich)

    Somit hast du 3 Möglichkeiten die gesuchte Information zu finden.

    Voraussetzung ist die Installation eines Webservers und die Einrichtung des CMS auf dem eigenen Computer oder auf einem Server. Mit "Xampp" ein Aufwand, der sich in Minuten bemisst.

    Gruß Stefan

  6. Florian Rustler schreibt:

    Hi Stefan,

    ich erinnere mich an deinen ersten Kommentar. Hattest du nicht auch einmal mit Evernote gearbeitet? Ich dachte, dass ich das von dir kennen gelernt haben.

    Geht dein Notizbuch auch offline? Oder benötigt es immer eine Internetverbindung.

    Viele Grüße

    Florian

  7. Stefan schreibt:

    Hey Florian,

    ich habe bisher intensiv mit "Wikipad" gearbeitet, allerdings nie mit Evernote! Die Stärke von Wikipad in Verbindung mit sqlite als Datenspeicher liegt in der extrem hohen Geschwindigkeit der Datenanzeige bei Massentext.

    A B E R Wikipad ist ein Single Wiki und wurde nur für den Offlinemodus programmiert.

    Für den Onlinmodus werden andere Wiki's bzw. Programme (CMS-Systeme) genutzt, die alle einen Webserver benötigen.

    Wenn du aber einen Webserver (z. B. Apache) auf deinem Notebook installierst kannst du unter Localhost (127.0.0.1) ein Wiki oder Blog gewissermaßen "offline" betreiben.

    N U R ist diese Vorgehensweise allein für wenige Notizen überdimensioniert. Bei einem Firmennetzwerk wiederum ist dieses "Notizbuch für Alle" aus o. g. Gründen äußerst sinnvoll.

    Somit ist diese "Notizbuch" auch im Offlinemodus verwendbar.

  8. Ramona J. schreibt:

    ich hab auch immer ein notizbuch dabei, damit ich auch ja nichts vergesse. schließlich kommen einem gerade unterwegs die besten ideen. beim essen, in der u-bahn ...

    gerade hab ich mir ein echt cooles teil zugelegt - nennt sich swop book. das ist ein notizbuch, das statt leerer seiten bilder mit weißen flächen zum skizzieren, kritzeln, notizen machen ... bietet. z.b. ein große plakat-leinwand. ein cooles teil. haben mich schon einige leute im cafe und auch bei der arbeit drauf angesprochen. auch eine tolle geschenkidee :-)

    ist von brandbook.de. ich hab's vor ca. 10 tagen bei amazon entdeckt und gleich bestellt

  9. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Ramona,

    vielen Dank für diesen Tipp. Das kannte ich noch gar nicht.
    Wirklich eine tolle Geschenkidee.
    Ich werde es einmal ausprobieren, um zu sehen, ob mir andere Ideen beim Zeichnen kommen.

    Viele Grüße

    Florian

  10. Jürgen schreibt:

    hm, hast Du einen Kauftipp in Sachen Notizbuch mit heraustrennbaren Seiten?

  11. Florian Rustler schreibt:

    Ich persönliche nutze das x17 System und habe damit gute Erfahrungen gemacht: http://www.x17.de/


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