Mind Map-Mitschriften bei Vorträgen und Besprechungen

Von ehemaligen Seminarteilnehmern erhalte ich immer wieder die Rückmeldung, dass sie besonders die Möglichkeit schätzen, Mitschriften von Vorträgen und vor allem Besprechungen oder Telefonaten mit Hilfe von Mind Mapping zu erstellen.
Der große Vorteil einer Mind Map-Mitschrift ist, dass ich am Ende eine gut strukturierte Mitschrift eines Themas habe, wohingegen ich mit normalen linearen (d.h. alles wird nach einander untereinander hingeschrieben) Mitschriften oft ein ziemliches Durcheinander habe.

Wie kommt das?
Es hilft, sich zuerst einmal die unterschiedlichen Strukturen von linearen und nicht-linearen Mitschriften (hier am Beispiel eines Mind Maps) deutlich zu machen. Bei linearen Mitschriften schreibe ich die Information meist so wie sie bei mir ankommt nacheinander auf das Blatt, oder tippe Sie in den PC (Bild 1)

Bild1: Eine lineare Mitschrift im Vergleich zu einer nicht-linearen Mitschrift (hier am Beispiel eines Mind Maps)


Das heißt, ich bilde den zeitlichen Verlauf des Vortrags / der Besprechung ab (Bild 2 und 3).


Besonders Gespräche und Besprechungen folgen meist jedoch nicht einer stringenten inhaltlichen Abfolge (wie in Bild 2), sondern springen mehr oder weniger wild von einem Thema zum anderen und dies meist auch wenn Besprechungen inhaltlich vorbereitet werden. Dies liegt wiederum an der natürlichen Funktionsweise unseres Denkens: Dieses ist assoziationsgetrieben, man spricht auch von Punkt-zu-Punkt-Denken. Jemand sagt ein bestimmtes Stichwort und dieses löst eine bestimmte Assoziation aus und darauf hin wird das Gespräch in eine anderen Richtung gelenkt. Unterbinden kann man das durch einen disziplinierten Moderator, was jedoch in den seltensten Fällen passiert. Idealtypisch werden die beiden Mitschriften mit Bild 3 veranschaulicht.

Bild 3: Die Anordnung der linearen Mitschrift folgt dem zeitlichen Ablauf.


Wenn ich nun lineare Mitschriften mache, dann bilde ich diese sprunghafte Denken ab, d.h. in vielen Fällen, sieht die Mitschrift genau so chaotisch aus, wie das Gespräch (Bild 4). Das bedeutet z.B. bei einem Vortrag, dass man der Strukturiertheit oder Unstrukturiertheit des Vortragenden meist völlig ausgeliefert ist. In der Universität kann man das manchmal beobachten. Da werden seitenlange Mitschriften angefertigt, die aufgrund des inhaltlichen Durcheinanders danach wertlos sind.

Bild 4: Der unstrukturierte Verlauf einer Besprechung spiegelt sich meist in der linearen Mitschrift wieder.


Ganz anders hingegen bei einer Mind Map-Mitschrift!
Diese funktioniert nach dem gleichen Prinzip, wie eine Mitschrift aus Büchern. Hier kann ich auf Grund der nicht-linearen Struktur eines Mind Maps das Gesagte immer an den Zweig anhängen, wo es inhaltlich hingehört, egal wann im zeitlichen Verlauf es gesagt wird. D.h., egal wie sprunghaft ein Gespräch / ein Vortrag ist, ich kann das für meine Mitschrift immer wieder einfangen und das Map an der richtigen Stelle erweitern (die Mitschrift sieht dann aus wie in Bild 3)

Mind Mapping zwingt zur Konzentration
Ein weiterer Vorteil einer Mind Map-Mitschrift ist, dass der Mapper sich ganz automatisch konzentrieren muss. Andernfalls wüsste er nicht, wo er welchen Zweig hinschreiben muss. Beim Erstellen eines Mind Maps bin ich mir immer im Klaren darüber, warum ein Zweig dort hinkommt, wo ich ihn hinmache, warum er also inhaltlich dort verortet wird. Ganz anders bei der linearen Mitschrift. Hier kann (ich unterstelle nicht, dass es bei jedem so abläuft) man das Gesagte zum einen Ohr rein, über die Hand aufs Papier leiten und es zum anderen Ohr wieder hinaus schicken, ohne etwas davon geistig wirklich aufgenommen zu haben.

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Kommentare

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  1. Patrick Fritz schreibt:

    Vielen Dank für den hilfreichen Beitrag. Ich verwende hin und wieder MindMaps um Besprechungen festzuhalten. Dabei habe ich festgestellt, das es gerade bei Besprechungen recht schwierig ist, das gesagte unmittelbar einem Thema zuzuordnen. Gerade wegen der freien Assoziationen (manche einer würden sagen Sprechdenken) ist es aufwendig das Gesagte einzuordnen. Wenn es dafür eine Lösung geben würde, wäre ich sofort dabei.

  2. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Patrick,

    ich gebe zu, dass ist oft nicht ganz einfach, besonders wenn die Besprechung sehr sprunghaft verläuft. Das Wichtigste aus meiner Sicht ist es, die Hauptthemen zu erkennen und die entsprechenden Hauptzweige dazu zu erstellen. Möglicherweise sind die Hauptthemen ja bereits vorgegeben. So hat man schon einmal einen groben Rahmen. Dann ist es hilfreich zu den Hauptzweigen wiederum Unterzweige zu finden, die als Sortierkategorien für viele Beiträge gelten können. Angenommen der Hauptzweig lautet "Konferenzvorbereitung", dann könnten Unterzweige wie "Organisatorisches", "Inhalte", "Referenten" etc. hilfreich sein. Hier lässt sich dann sehr viel des Gesagten zuordnen. Man muss diese Unterzweige erst anlegen, wenn etwas entsprechendes gesagt wird, das man darunter kategorisieren könnte. So verhindert man, überflüssige Kategorien einzurichten. Dann ist es jedoch hilfreich, wenn man sich überlegt, ob es einen sinnvollen Oberbegriff gibt unter den man das ganze fassen könnte und der außerdem als Behälter für weitere Punkte dienen könnte.
    Ich habe festgestellt, dass dieses Oberbegriffe finden mit der Zeit immer schneller geht und man kaum mehr überlegen muss, welcher Oberbegriff sich denn nun anbietet.
    Ich hoffe, das hilft weiter und freue mich über einen Erfahrungsbericht nach der nächsten Mitschrift :-)


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