Machtpolitische Voraussetzungen für Denkwerkzeuge in Teams?

Eine vielleicht auf den ersten Blick etwas komische Frage. Jeder kann Denkwerkzeuge für sich persönlich mit hohem Mehrwert einsetzen, keine Frage. Dazu muss man lediglich vom Mehrwert einer Methode für sein tägliches Arbeiten überzeugt sein.

Interessant wird es, wenn man versucht als Vorreiter Denkwerkzeuge in Gruppen einzusetzen, die vorher noch nicht damit gearbeitet haben. Hier stelle ich mir die Frage, ob es leichter ist, dies von einer Positionen der Stärke heraus zu tun, z.B. als Teamleiter oder Geschäftsführer? Ich denke ja. Die Anfahngshürden sind in diesem Fall niedriger, denn man kann in dieser Position zumindest ohne Probleme einen Versuch starten. Wie schaffe ich es, als "normaler" Mitarbeiter, Teams zum Einsatz von Denkwerkzeugen zu bringen und damit bestehende Vorgehensweisen zu verändern? Das ist sicherlich schwieriger. Das hängt einmal davon ab, wie offen die Kultur eines Unternehmens ist, neue Dinge auszuprobieren. Möglicherweise gibt es rotierende Verantwortliche für Meetings und Workshops, so dass man beim nächsten Mal das einfach ausprobieren kann. Schwierig ist es auf alle Fälle, gegen gewohnte – wenn auch ineffektive Vorgehensweisen – einen Kontrast zu setzen.
Dieses Problem trifft nicht nur auf den Einsatz neuer Vorgehensweisen zu, sondern ist ein allgemeineres Problem in Organisationen.

Als Seminarleiter kann ich die Teilnehmer zumindest in soweit unterstützen, als dass ich es als Transferaufgabe gebe, die neuen Techniken auch in der Gruppe einmal anzuwenden. Somit gibt es eine externe Rechtfertigung es einmal zu versuchen. Oft ist das Eis dann, wenn man es einmal erfolgreich angewendet hat, gebrochen.


Wie sind Ihre Erfahrungen oder auch Meinungen?

Trackbacks

  1. Denken und Intelligenz

    Jemand der über ein hohes Maß an Intelligenz verfügt, ist sicher auch ein guter Denker, oder? Oft setzen wir diese beiden Dinge ja auch gleich. Edward deBono hat hier eine – wie ich finde – sehr interessante These aufgestellt: Intelligenz und Den

Kommentare

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  1. Stefan Moser schreibt:

    Ich schlage als Möglichkeit einen sanften Weg mit kleineren Schritten und absoluter Kongruenz vor.

    Ist der Initiator auch so in seiner Arbeit mit kreativen Methoden beschäftigt? Erstellt er MindMaps zum Meeting? InfoVisuals? BrainStormings? Assoziationslisten? Visuelle Protokolle?

    Meine Erfahrung mit Einzel-Denkwerkzeugen ist es, dass Mitarbeiter und Kollegen erst einmal neugierig beobachten. Irgendwann fragen und dann selbst versuchen. Ich denke es zählt weniger erklären, und mehr machen. Erklärungen wie es geht hören wir Tag für Tag genug. Menschen folgen viel lieber auf Dauer Menschen die "für ihr Wort stehen". D.h. durch Taten sichtbar sind.

    Im nächsten Schritt folgt man auch so auch leichter diesen "fürs Kreative" Stehenden raus aus der (Denk-)Komfortzone und hin zu neuen Methoden und Tools.

  2. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Herr Moser,

    ich denke, der Ihnen vorgeschlagene Weg der kleinen Schritte kann auch zum Erfolg führen. Zumindest werden offene und neugierige Kollegen auf einen zukommen, wenn sie den nutzen sehen. Dies erlebe ich immer wieder beim Einsatz von Mind Mapping und Business Mapping.

    Bei der Anwendung anderer Denkwerkzeuge, wie z.B. Attention Direction Tools von Edward de Bono, ist dieser Weg sehr schwierig, da diese Werkzeuge nichts Sichtbares liefern, wie z.B. ein Mind Map. Da geht es eher darum, die Aufmerksamkeit mit Hilfe von Frameworks auf bestimmte Aspekte zu lenken (die man dann natürlich wieder visualisieren kann). Hier ist es aus meiner persönlichen Erfahrung und den Berichten von Seminarteilnehmern so, dass man diese Tools einfach mal vorschlagen muss. Hier hängt es dann von der Offenheit der anderen Beteiligten ab, ob diese zum Einsatz kommen. In diesem Fall ist es meiner Meinung nach leichter, die Tools zum Einsatz zu bringen, wenn man in einer stärkeren Position ist (z.B. als Lehrer, als Workshopleiter oder als Besprechungsführer).

  3. Stefan Moser schreibt:

    Hmm, ich denke ich stosse mich noch an dem Ausdruck "stärkere Position", und sehe das als ein reines Problem auf meiner Seite an. :-)

    Denn ansonsten kann ich Ihren Gedanken klar folgen. Sie benötigen Moderationsfreiheit bzw. -erlaubnis um diese Tools durchführen zu können. Und die muss man sich entweder selbst holen (Kongruentes Handeln) oder bekommen (Transfer aus dem Training, Leitende Position).

    Helfen vielleicht den "Holern" hierbei Best Practise Beispiele denen Unbedarfte folgen können? Im Sinne externer Unterstützung für das eigene Vorhaben könnte man doch Beispiele von Erfolgen und Abläufen in anderen Unternehmen parat haben.

  4. Florian Rustler schreibt:

    Wir sind inhaltlich ganz nah beisammen. Ich habe da lediglich das Wort Macht verwendet, um die Moderationsfreiheit zu beschreiben, wie Sie es nennen.
    Ob es für diesen Fall Best Practice Beispiele gibt weiß ich nicht, das hängt meiner Meinung nach sehr von der Konstellation und der Kultur im Unternehmen ab, aber ich glaube auf alle Fälle, das Praktiker von ihren gegenseitigen Erfahrungen lernen könnten.
    Mal sehen, vielleicht melden Sie sich ja noch welche...

  5. Timo Off schreibt:

    ja, genau - kleine Schritte.
    Nicht zu viel erwarten nach einem Seminar oder in einem Brainstorming.
    ich finde es besser, klein anzufangen, als sich von einem großen, mächtigen Denkwerkzeug große Dinge zu erhoffen.

    Natürlich machen die fetten Knalleffekte auch viel Spaß, bloß ist für die Firmenkultur eine kongruente, stetige Entwicklung, hin zu einer kreativen Atmosphäre für alle sinnvoller.

  6. Andreas Weinberger schreibt:

    Die Frage ist absolut nicht komisch, sondern sehr berechtigt - ich kommentiere mal zu den einzelnen Punkten:

    "Jeder kann Denkwerkzeuge für sich persönlich mit hohem Mehrwert einsetzen, keine Frage."

    Da stimme ich vollkommen zu, diese Erfahrung kann ich nur teilen. Denkwerkzeuge und -methoden die zum eigenen Persönlichkeitstyp und zur entsprechenden Rolle/Aufgabe passen sind wahre Produktivitätsbooster.

    "Dazu muss man lediglich vom Mehrwert einer Methode für sein tägliches Arbeiten überzeugt sein."

    Und überzeugt ist man, wenn man die Effekte merkt.

    "Interessant wird es, wenn man versucht als Vorreiter Denkwerkzeuge in Gruppen einzusetzen, die vorher noch nicht damit gearbeitet haben."

    Sehr richtig, denn hier passieren mehrere Dinge, die es schwierig machen:

    - unterschiedliche Persönlichkeitstypen und damit unterschiedliche „Verträglichkeit“ der Tools
    - unterschiedliche Rollen/Aufgaben der Personen und damit unterschiedliche Anforderungen an die Tools
    - unterschiedliche „Senioritäten“ und damit u.U. die Einstellung „Wieso will der mir sagen wie ich arbeiten soll?“
    - Notwendigkeit, die Arbeitsweise mit dem Tool/der Methode von Einzelnutzer auf Teamnutzung umzustellen, d.h. gemeinsame Konventionen zu finden

    „Hier stelle ich mir die Frage, ob es leichter ist, dies von einer Positionen der Stärke heraus zu tun, z.B. als Teamleiter oder Geschäftsführer?“

    Ja, das ist durchaus leichter, weil man zumindest eine der Hürde als „Leithammel“ nicht mehr überspringen muss�

    „Wie schaffe ich es, als "normaler" Mitarbeiter, Teams zum Einsatz von Denkwerkzeugen zu bringen und damit bestehende Vorgehensweisen zu verändern?“

    Durch Vorleben/Vormachen/Vorschlagen, denn wenn die Kollegen erstmal sehen dass man mit einer Methode Erfolg hat kommt (bei den Weiterentwicklungsinteressierten) auch das Interesse und die Rückfragen.

    Ich habe in diesem Bereich in den letzten 15 Jahren viel erlebt und mich oft die gleichen Sachen gefragt und mit der Zeit eine Vorgehensweise für mich entwickelt, die das Ganze erträglicher macht. Ich teste jetzt neue Methoden und Werkzeuge ausschliesslich im Alleingang bis ich sie für absolut gut und tauglich befinde. Dann baue ich möglichst praxisnahe Musterlösungen und –beispiele (z.B. mein ITIL-Glossar-Wiki) und bringe darüber den Leuten die Nutzungsmöglichkeiten näher – verbunden mit dem Angebot mich bei Bedarf/Interesse anzusprechen.

    Das hat natürlich den Nachteil, dass die Optimierungsmöglichkeiten nie ausgeschöpft werden – hat aber auch den Vorteil, dass immer noch leicht ausschöpfbares Potential vorhanden ist.

  7. Florian Rustler schreibt:

    Danke für Ihren Beitrag Herr Weinberger.

    Ich habe heute beim Mittagessen diesen Punkt auch mit Teilnehmern meines Seminars diskutiert. Da kamen wir ebenfalls auf Ihren Punkt: "unterschiedliche 'Senioritäten' und damit u.U. die Einstellung 'Wieso will der mir sagen wie ich arbeiten soll?'"

    Wir sind hier ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass man durch die kleinen Schritte versuchen kann, andere schrittweise zu überzeugen und zu begeistern, wie es auch Herr Off und Herr Moser vorschlagen.

    Eine andere Möglichkeit, die von Firmen auch bewusst gewählt wird, ist es, einmal einen externen Facilitator zu holen, der außerhalb des Unternehmens steht und damit eine andere Rolle einnimmt. Dieser tut sich dann leichter und kann ohne Legitimationsschwierigkeiten (Stichwort "Leithammel") solche Tools einmal vorstellen und anstoßen.

    Ich glaube hier liegt in der Praxis auch oft eine Schwierigkeit: Wenn leute im System Unternehmen eine bestimmte Rolle einnehmen, ist es oft schwierig gleichzeitig in einer anderen Rolle aufzutreten, also z.B. als Moderator bzw. seine bestehende Rolle kurzzeitig zu verändern.

  8. Stefan Moser schreibt:

    Ich denke in Ihren Bahnen Hr. Weinberger.

    Ihre persönliche Vorgehensweise des selbst Entdeckens, Belebens und Sinnfüllens ist für mich die langfristige Lösungsmöglichkeit neue Prozesse zu etablieren und integrieren.

    Vorsager, Ansager und Beschwörer gibt es zuhauf. Die haben auch kurzfristig Erfolge. Doch wehe man muss in dieser Rolle etwas beweisen. Aus sich selbst stimmige Menschen verändern mittel- und langfristig. Eben auch weil sie nicht drängen, sondern die Tür aufmachen zu sich und ihrem Wissen. Den Anderen die Wahlmöglichkeit lassen.

    Das Interessante aus meiner inzwischen auch schon längeren persönlichen Geschichte ... es kommen immer mehr auf einen zu und nutzen die offene Tür. Und schlage ich heute denn doch etwas vor, dann wissen die Anderen auch dass da mehr als "schnelle Aktion" dahintersteht, und ich bekomme den nötigen Vertrauensvorschuss eher. Für mich eine Folge meines anderen Handelns.

    Ich merke übrigens gerade, ich wiederhole mich in meinen Beiträgen. Nichts für ungut, und schöne Grüße!

    Stefan Moser


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