Eine Besprechung im Gehen

Es ist nichts Neues, auch nichts wahnsinnig Besonderes. Gerade deswegen bin ich immer wieder erstaunt, wie angenehm überrascht Teilnehmer aus meinen Seminaren und Workshops sind, nachdem wir diese Übung gemacht haben: Die Besprechung im Gehen.

Anstatt am Schreibtisch oder im Besprechungsraum zu sitzen, wie wäre es einmal damit, das Thema im Gehen zu besprechen? Die meisten Menschen schmunzeln oder nehmen es am Anfang nicht ernst und sind dann positiv überrascht, wie gut sie sich danach fühlen und wie produktiv die Besprechung war.

Sauerstoff ins Gehirn
Abgesehen davon, dass eine Besprechung im Gehen, ob innerhalb des Bürogebäudes oder außerhalb im Freien, den buchstäblichen Tapetenwechsel mit sich bringt, gibt es eine weitere sehr wichtige positive Wirkung. In der Bewegung kommt eine Menge Sauerstoff ins Gehirn und dieser hilft unserer grauen Masse, besser zu funktionieren. So einfach ist das. Anstatt müde und erschöpft, kommt man erfrischt aus der Besprechung.

Nicht immer möglich, aber öfter als man denkt
Zugegeben, eine Besprechung im Gehen, macht nicht immer Sinn. Diese ist dann möglich,

  • wenn es sich um eine kleine Gruppe handelt, z.B. zwei bis drei Personen.
  • wenn man keine technische Ausstattung benötigt, sondern ein Notizblock und ein paar Stifte ausreichend sind.
Betrachtet man sich die obigen Voraussetzungen, dann ist das öfter möglich als man denkt.

Viel schwieriger als in Deutschland ist das in asiatischen Großstädten. Hier ist es entweder zu heiß oder zu laut oder schlicht und einfach zu voll. Für meine Workshops hier in Hong Kong haben wir uns deshalb einen nahe gelegenen Park ausgesucht.

Und dann ist da noch der Chef
"Wo kämen wir denn da hin, wenn wir jetzt noch während der Arbeitszeit zum Spazierengehen aufbrechen?" Vermutlich kämen wir öfters produktiver ans Ziel! Viele Menschen haben Bedenken, dass das dem Chef nicht gefallen könnte und er diese Art der Besprechung nicht als Arbeit ansehen könnte. Leider ist das so, da vielen Chefs (und natürlich auch anderen Menschen) einfache Zusammenhänge über unser Gehirn nicht bekannt sind. Besonders in Asien wird von Führungskräften das körperlich anwesend sein noch stärker gefordert als in Deutschland. Daher staunten während des Workshops letzte Woche die Abteilungsleiter meines Kunden hier in Hong Kong nicht schlecht als der CEO persönlich die Besprechung im Gehen eingeführt hat (er hatte diese vor einiger Zeit während eines Trainings in Taiwan bei mir gelernt). Das ist natürlich nachhaltiger, als wenn der Trainer aus Deutschland das macht.



Lernspaziergänge
Nicht nur in Gruppen funktioniert das, sondern auch alleine. Wenn ich mich auf Prüfungen vorbereite, nutze ich sogenannte Lernspaziergänge. Meist nehme ich dazu lediglich meine Mind Map Exzerpte und gehe dann einige Stunden spazieren. Während dieses Spaziergangs wiederhole ich dann den Prüfungsstoff. Ich kann nur empfehlen, dies vor der nächsten Prüfung einmal auszuprobieren. Vielleicht hätten Sie nie gedacht, dass Lernen so viel Spaß machen kann.

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Kommentare

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  1. Florian schreibt:

    Antworten auf mögliche Kommentare kann ich erst wieder ab Mittwoch. Die nächsten Tage sind internetfrei.

  2. Michael Gerharz schreibt:

    Das kann ich absolut bestätigen. Ich empfinde Spaziergänge auch als anregend. Herumgesprochen hat es sich aber auch nach meiner Erfahrung immer noch nicht. Schon in der Schule fanden es die Mitschüler ulkig, wenn wir auf dem Schulhof unsere Runden gedreht haben. Und heute ist es nicht viel besser, komisch finden es die meisten immer noch.

  3. Florian schreibt:

    Es bleibt uns wohl nur es mit anderen spielerisch einzuführen und sie im Gehen vom Nutzen zu überzeugen :-)
    Melde mich im Dezember wegen meines Posts bei dir.

    Gruß

    Florian


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