Die vier Ps der Kreativität – Teil 1

In einem der letzten Posts habe ich zu zeigen versucht, wie schwer sich die Forschung damit tut, eine einheitliche und umfassende Definition von Kreativität zu finden.
Um die verschiedenen Aspekte, die bei der Diskussion über Kreativität eine Rolle spielen, greifbarer zu machen hat Mel Rhodes das Modell der 4Ps der Kreativität entwickelt. Nach diesem Modell lassen sich die verschiedenen Forschungsansätze folgenden vier Kategorien zuordnen: Person, Produkt, Prozess und Umfeld / Klima (auf Englisch "press").

Im ersten Teil meiner Post möchte ich Person und Produkt näher betrachten.

Person
Hieran denken sicherlich die meisten von uns, wenn wir an Kreativität denken. Da die Kreativitätsforschung ihre Wurzeln in der Psychologie hat, ist in diesem Bereich die meiste Arbeit geleistet worden. Interessante Aspekte die unter Person erforscht werden, sind veränderliche und unveränderliche Charaktereigenschaften und deren Wahrscheinlichkeit kreatives Verhalten vorherzusagen. Beispiele hierfür ist die persönliche Präferenz und Wahrnehmung eines Menschen für und von Veränderungen. Außerdem gibt es Charaktereigenschaften, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf kreatives Verhalten in der Zukunft schließen lassen. Die USA nutzten diese Forschungen, die bereits während des zweiten Weltkriegs begonnen wurden, um Personen für die Tätigkeit als Spion auszuwählen.
Heute eingesetzte Instrumente helfen, Kreativitätsstile (adaptiv und innovativ) und Problemlösepräferenzen aufzuzeigen und zu verstehen. Damit kann man z.B. ein Bewusstsein für unterschiedliche Verhaltensweisen („Warum muss die auch immer so viele Fragen stellen?“ oder „Warum muss der immer gleich lospreschen, ohne vorher mal gründlich zu überlegen?“) von Menschen schaffen und die Zusammenstellung von Teams und Arbeitsgruppen erleichtern.

Produkt
Kreativität hat immer auch etwas mit dem Erschaffen eines "Produkts" zu tun. Dies kann ein sichtbarer Gegenstand, eine Dienstleistung oder ein rein geistiges Produkt sein. Hier könnte nun der schöne Spruch zum tragen kommen, dass man sich über manche Dinge nicht streiten braucht, da es schließlich alles reine Geschmackssache ist.
Ob etwas als kreativ anerkannt wird, hängt zum einen von der Kultur und dem vorherrschenden Wertesystem ab, in der ein kreatives Produkt hervorgebracht wurde. Der Kontext (z.B. Forschung oder Politik) spielt eine ebenso wichtige Rolle. Auch hier versucht die Forschung Messverfahren oder Methoden zu entwickeln, um Produkte bewerten zu können, um daraus wieder Empfehlungen abzugeben, wie möglicherweise solche Produkte in Zukunft gezielt herstellen kann. Bekannt geworden ist in diesem Zusammenhang die von Amabile entwickelte Consensual Assessment Technique (CAT), wo eine Art Jury aus anerkannten Experten diese Bewertung vornimmt.

Anbei zwei Fotos wie man auf kreative Weise eine ganze Familie (vier Personen!) auf einem Motorroller unterbringen kann (entstanden hier in Taiwan). Ich finde das sehr kreativ! Für die Taiwaner ist das völlig normal und nichts besonderes mehr. Wie kreativ die deutsche Polizei das finden würde, sei mal dahin gestellt.




Trackbacks

  1. Die vier Ps der Kreativität – Teil 2

    Neben Person und Produkt (vorgestellt im letzten Post), unterscheidet das Modell von Rhodes außerdem noch zwischen Prozess und Umfeld (englisch: Press). Im heutigen Post möchte ich näher auf den Prozess eingehen. Strukturiert und zufällig Mein Eindruc

  2. Die 4Ps der Kreativität – Teil 3: Das Klima (Ende)

    Das Klima (Press in Mel Rhodes 4P-Modell genannt) bildet den Rahmen, der die Elemente Person und Prozess umschließt und die Grundlage dafür schafft oder entzieht. Relevant ist das für alle Menschen, die nicht alleine arbeiten, sondern innerhalb einer Orga

  3. Wunschzettel: Beratung Kreativprozess, Kreativcoaching, Ideenworkshop "Chancen in der Krise"

    Es ist zwar noch nicht Weihnachten, aber trotzdem ist es mal wieder Zeit für einen Projektwunschzettel. Mein letztes Beratungsprojekt zu einem Wissensmanagement-System auf Mind Mapping Basis habe ich mir über das Blog ebenfalls erfolgreich herbei gewünsch

  4. Kreativität der Kern der Innovation: Bericht von der CREA-Konferenz

    Seit gestern bin ich hier in Sestri Levante zur CREA-Konferenz der größten Konferenz zu Creative Problem Solving außerhalb der USA. Und dies im europäischen Jahr der Kreativität und Innovation. Es ist faszinierend mit über 200 Menschen aus der ganzen Welt

  5. It's creativity stupid - Kreativität ist wichtig für jedes Unternehmen

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Kommentare

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  1. Stefan schreibt:

    Hallo Florian!

    Ist das was du über Kreativität geschrieben hast, das was Mel Rhodes sagt oder das was du denkst oder gemixt? Wie empfindest (analysierst, reflektierst) du Kreativität?

    Sind Menschen,:

    1. die unter Zwang Lösungen finden (Not macht erfinderisch) kreativ oder,
    2. sind Menschen, die auf Grund einer guten Wahrnehmung heraus Lösungen sehen kreativ oder,
    3. sind Menschen die losgelöst von der Wahrnehmung Dinge produzieren kreativ (Eher Phantasten, Visionäre)?

    Könnte man sagen, das bei Typ 1. eher das System Kreativ ist?: Die Hilfen für eine Gruppe von Menschen werden gezielt minimalisiert um die Entwicklung von neuen Ideen zu fördern!

    Bei Typ 3 (völlig losgelöst von der EEErde) ist eher das Individuum kreativ

    Produkt 1 < Systemkreat. < SKALA > Individualkreat. > Produkt 3

    Aber an beiden Enden steht das Produkt. Nun hat aber das eine Produkt Konsequenzen, das andere hingegen nicht. M. a. W. Die Kreativität vom Typ 1 befriedigt einen elementaren Bedarf. Die Kreativität vom Typ 3 befriedigt nur ein Bedürfnis; hat als Ergebnis ein Produkt, welches Keiner so recht braucht (zumindest noch nicht, aber in der Zukunft vielleicht schon).

    Die Kreativität scheint mir damit genauso von der Zeit abhängig wie auch systemgerichtet zu sein; zumindest wenn man Kreativität am Bedarf orientiert.

    Damit würde ich folgendes sagen:
    - Gute Lösungen ergeben sich aus dem Bedarf und
    - kreative Lösungen aus einem Bedürfnis

    Viele Grüße nach Taiwan
    Stefan

  2. Stefan schreibt:

    Noch ein Nachtrag!

    Mit Bedarf ist ein echter (körperlicher) Mangelzustand gemeint
    Mit Bedürfnis ist ein emotionaler (geistiger) Mangelzustand gemeint.

    Tschüss

  3. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Stefan,

    das Rhodes Modell ist eine Art Kategorisierung, die hilft, die unterschiedlichen Forschungsperspetkiven zu strukturieren. Die einzelnen Ansätze, die ich unter Person und Produkt genannt habe, sind Beispiele für diese Forschungen.

    Im Sinne eines kreativen Produkts (wer auch immer das bewertet) ist es wohl unerheblich, welcher deiner drei Nummern ein Mensch zuzuordnen ist. In Hinblick auf die Bewertung des Produkts kann der Kontext allerdings sicherlich in die Bewertung mit einfließen.

    Ich denke, die Not eine Lösung zu produzieren, gibt vielen Menschen die Motivation sich auch damit auseinander zu setzen. Deine Trennung zwischen Bedarf und Bedürfnis ist interessant. Ich denke, dies lässt damit auf die Art der Motivation (extrinsisch oder intrinsisch) schließen. Nach einer Definition von Kreativität mit der ich gerne arbeite ("Neues, das Nutzen bietet"), gibt es keine Unterscheidung zwischen einer guten und einer kreativen Lösung, da hier das im "Nutzen bieten" das "gut" enthalten ist.

    Viele Grüße

    Florian

  4. Stefan schreibt:

    Hey Florian!

    Interessant! Dennoch würde ich zwischen guten und weniger guten Lösung, bei gleichem Nutzen unterscheiden wollen. Jedoch ist vom Bedarf oder dem Bedürfniss abhängig ob es sich um eine gute bis weniger gute Lösung auf der einen Seite oder um eine kreative "Lösung" auf der anderen Seite handelt.

    Für die "Messbarkeit" oder die Einordnung ob ich einen kreativen Menschen vor mir habe ist es aber sehr wohl entscheidend, wie die Ideen entstanden: Einmal aus dem Zwang heraus (extrinsisch) oder aus einem Bedürfnis heraus (intrinsisch) ohne zu Werten was besser ist, denn alles hat seine Zeit.

    Also mit anderen Worten: Ob jemand Kreativ ist können nur zukünftige Gesellschaften oder die Person selbst entscheiden. Und zwar auf folgender Grundlage:
    Wenn das Produkt eines Bedürfnisses heute den Bedarf von Menschen in der Zukunft befriedigt war dieser kreativ.

    Oder?

    Ciao!

  5. Stefan schreibt:

    Nachtrag!

    "Neues, das Nutzen bietet" kann sowohl eine Lösung auf ein Bedarf sein. Könnte aber auch als kreative Antwort aus einem Bedürfnis heraus resultieren.

    Wenn das Produkt eines Bedürfnisses "heute" den Bedarf von "morgen" befriedigt war dieser Mensch kreativ.

  6. Florian Rustler schreibt:

    Hi Stefan,

    ich denke, man kann bei jeder Lösung unterscheiden, ob sie relativ gesehen besser als eine andere ist. Beide können kreativ sein, in dem Sinne das sie "neu sind und Nutzen" bieten.

    Bei der Messung oder Bewertung einer Lösung spielt sicherlich der Kontext eine Rolle. Etwas, dass in einer Notsituation als gut bewertet wird, wird möglicherweise in anderen Situation keinen besonderen Zuspruch bekommen.

    Ich denke, die Bewertung einer Lösung muss sich nicht zwangsläufig auf die Zukunft beziehen. D.h. meist wird ein Produkt sofort nach dessen erscheinen bewertet, also nicht notwendigerweise von zukünftigen Generationen. Allerdings ist es natürlich gut möglich, dass sich die Bewertung über die Zeit ändert.

    Gruß

    Florian

  7. Réka schreibt:

    Dieser Eintrag wurde als „Artikel des Tages für Multiprojecter� nominiert. Du kannst bis 23.10.2008. 23:59 die anderen Kandidaten besichtigen und für deinen Lieblingsartikel stimmen. Wir würden uns freuen, deine Meinung zu hören.
    http://www.multiprojecting.com/Artikel_des_Tages

  8. Nathalie schreibt:

    Dein Beispiel ist echt genial! Zeigt auch die kulturellen Unterschiede was die Auffassung von Kreativität angeht.


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