Der Unterschied zwischen Innovation und Kreativität

2009 ist das EU Jahr der Kreativität und Innovation. Falls Sie das nun zum ersten mal hören, geht es Ihnen wie den meisten Menschen.

Interessant am EU Jahr der Kreativität und Innovation finde ich die gemeinsame Verwendung der Begriffe Kreativität und Innovation. Hätte nicht das EU Jahr der Kreativität gereicht, oder das EU Jahr der Innovation? Sind die Begriffe womöglich sowieso Synonyme.
Oft werden Kreativität und Innovation als Synonyme gebraucht und oft lassen sich die beiden wirklich schwer trennen. Es gibt dennoch Kriterien, die eine Unterscheidung erleichtern und auch die Einordnung andere Begriffe ermöglichen, wie z.B. radikale Innovation, kontinuierliche Verbesserung (KVP)

Balance zwischen Originalität und Effektivität
Runco (2007) beschreibt ein Kontinuum zwischen Originalität auf der einen Seite und Effektivität, verstanden als Wirksamkeit (engl. effectiveness), auf der anderen Seite. Unter Originalität wird dabei verstanden, wie neu, einzigartig und ungewöhnlich etwas ist.
Mit Hilfe dieses Kontinuums lassen sich Unterschiede zwischen den Begrifflichkeiten erklären und veranschaulichen.
Am linken äußeren Rand (extreme Originalität) verankert Runco psychotisches Verhalten also einen Verlust des Realitätssinns. Auf dem rechten Rand (starke Effektivität) verankert Runco routinemäßiges Problemlösen. Dabei handelt es sich um Fragestellungen, bei welchen eine Lösungsroutine bereits definiert ist.



In der Mitte dieses Kontinuums sind nun die Begriffe Kreativität und Innovation platziert.
Kreativität befindet sich dabei links von Innovation. D.h. nach Runco ist der Anteil und die Bedeutung der Originalität bei der Kreativität größer als bei der Innovation.
Bei der Innovation spielt immer auch der Aspekt der Vermarktung oder Einführung eines konkreten „Produktes“ eine Rolle. Der Nutzenaspekt hat damit eine stärkere Bedeutung. Bei der Innovation ist die Originalität zwar wichtig, man möchte sich vom Mitbewerber abheben und etwas Neues schaffen, gleichzeitig muss das Produkt aber auch Nutzenkriterien gerecht werden.

Creative Problem Solving als besonders hilfreich für Innovation?
Leser dieses Blogs wissen, dass ich mich in meinen Innovationsworkshops und Kreativtrainings mit dem Creative Problem Solving Prozess arbeite. Der Name spielt bereits darauf an, dass Creative Problem Solving die Aspekte der Kreativität und des Problemlösens vereint. Betrachtet man sich Bild 1 dann schlägt Creative Problem Solving die Brücke zwischen Kreativität und routinemäßigem Problemlösen. Wir landen also in der Mitte zwischen diesen beiden Punkte auf dem Kontinuum: der Innovation.
Ist Creative Problem Solving also besonders geeignet zur Bearbeitung von Innovationsfragen? Ich glaube schon, da es immer eine Balance ermöglicht zwischen freiem, unterbewertetem kreativem Denken und den konkreten Nutzenkriterien, die individuell definiert werden können. Beim Creative Problem Solving geht es also nicht um das kreativ sein, um der Originalität willen, sondern es geht darum originelle Lösungen zu entwickeln, die einen konkreten Nutzen erfüllen.

Eine Matrix der Kreativität und Innovation
Runco spricht auch über die Möglichkeit, mit zwei getrennten Skalen zu arbeiten, die der Originalität und die der Effektivität. Diesen Vorschlag habe ich im folgenden einmal versucht zu visualisieren. Herausgekommen ist eine 9 Felder Matrix auf der ich einige Begriffe aus meiner Sicht einmal abgetragen habe. Diese Matrix ist ein erster Wurf, ich freue mich also über Rückmeldung, besonders, wenn Sie die Begriffe an anderen Stellen platzieren würden.

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Kommentare

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  1. Jörg Oyen schreibt:

    nette Matrix - beschäftige mich schon länger mit den streitbaren Begriffen «effizient» und «effektiv» im Umfeld der systemgestützen Medienproduktion.

    Dank ihrer Visualisierung ist es nun für mich einfacher einzugrenzen ab wann eine Idee besser eine nette Randbemerkung bleiben sollte und ab wann wir professionelle adhoc Workarounds zum Einsatz bringen.

    Viele Prozessoptimierungen mögen zwar die Effizienz von Workflows steigern und Arbeitsschritte in geregelten und meist automatisierten Bahnen ablaufen lassen, doch im Tagesgeschäft der Medienproduzenten sind effektive Problemlösungen eher die Erfolgsgaranten bei just-in-time zu lösenden Aufgabenstellungen.

  2. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Herr Oyen,

    freut mich, dass Sie die Matrix hilfreich finden. Diese befindet sich noch im Entwicklungsstadium.

    Habe ich Sie richtig verstanden, dass es bei Ihnen eher auf Lösungen ankommt, die sich weiter rechts in der Matix befinden? Wo würden Sie die Lösungen für Ihre just-in-time zu lösenden Aufgabenstellungen platzieren?

    Beste Grüße

    Florian Rustler

  3. Jörg Oyen schreibt:

    Hallo Herr Rustler,

    Ja pragmatische, zeit-nahe Lösungen stehen dicht bei radical innovation. Ev. von der Mitte auskommend mit einem Pfeil. Für eine genauere Platzierungen fehlt aus meiner Sicht eine Zeitachse. Ev. Thema für eine weitere Matrix. Je weniger Zeit bleibt bis zur Abgabe einer Aufgabe desto eher setzen sich pragmatische Lösungen durch.

    Einen ausführlichen, bildhaften Vergleich mit den Improvisationskünsten des Huusmeister Kaczmarek (Bläckföös 1984) verkneife ich mir heute an dieser Stelle. Kurz - Es muss nicht immer ein Hammer sein, auch mit einer Zange kann ein Nagel in der Wand versenkt werden.

    Grüße aus Köln

    Jörg Oyen

  4. Joachim Zischke schreibt:

    Ich habe einmal für mich zwei Denksätze formuliert:

    1. Satz der Kreativität
    Kreativität ist ein Schaffen, das Nutzen bringt

    1. Satz der Innovation
    Innovation ist nicht die Idee, sondern das erfolgreiche Umsetzen einer Idee.

    So gesehen haben beide, also Kreativität und Innovation, zunächst nichts unmittelbar miteinander zu tun. Kreativität kann zu Innovation führen, muss aber nicht. Ich kann auch innovieren, ohne kreativ zu schein.

    Nach meiner Erfahrung werden meist die Begriffe Innovation und Idee verwechselt, das dann gerne in einer "innovativen Idee" gipfelt.

    Selten wird von einer "kreativen Innovation" gesprochen, was meines Erachtens noch eher Sinn macht. Es bedeutet, dass eine Idee kreativ umgesetzt wurde.

    Beste Grüße, Joachim

  5. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Joachim,

    ich stimme dir zu, dass Innovation mit der Umsetzung einer Idee zu tun hat. Diese Umsetzung bezieht sich nach den gängigen Definitionen auf einen Organisationskontext. Auch soziale Innovation ist ja ein Begriff, hier spielt allerdings auch wieder das Kriterium der Effektivität mit rein.

    Ich stimme dir auch zu, dass Kreativität nicht zu Innovation führen muss. Ich denke jedoch, dass Innovation ein kreatives Produkt beinhalten muss, damit es als Innovation zählt. Somit wäre innovieren ohne kreativ zu sein aus meiner Sicht nur dann möglich, wenn man das kreative Produkt nicht selbst entwickelt, sondern von jemand anderem nimmt. Allerdings wäre das Neue, das nützlich ist dann trotzdem in der Innovation enthalten, oder?
    Aus meiner Sicht ist Innovation immer kreativ, die Frage ist nur wie sehr.

    Bei Ideen kann man ja z.B. die Kriterien Originalität und Nutzen (für wen auch immer anlegen). Wenn beides hoch ist, dann hat diese Idee das Potenzial zu einer Innovation zu führen. Ich habe mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht ob man diese Idee dann als innovativ bezeichnen könnte.

    Gruß

    Florian

  6. Fennek schreibt:

    Hallo Herr Zischke,

    Danke für Ihre Bestätigung der " Kreativen Innovation ".

    Seit langer-langer Zeit habe ich diese Wortwahl extra so gepaart.

    Dafür wurden mir Schubladen wie von einem anderen Stern kommend geboten.

    Heute msache ich mir nichts mehr daraus.

    Da ich mich darauf eingestellt habe, D + EU mit einer global

    einzigartigen Hochwert Kreativ-Innovation im Rucksack, D + EU

    zwangsläufig verlassen zu müssen.

    Dem von unkreativen Retorten-Elite-Niedergang kann ich nicht mehr

    zusehen.

    Da ich ein etwas anderes Leben ohne vorgewärmtem Teller, ohne Netz

    und ohne Geländer hinter mir habe - erlaube ich mir auch die

    erforderliche Kritik.

    Schade um die jungen Generationen.

    Prof. Richard Münch ( Amazon.de ) hat diese Eliten Fragen bestens

    beschrieben - es ändert sich nichts.

    Alles Gute - MfG

    fennek

    n


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