Anwenderporträt Jörg Müller

Herr Müller, stellen Sie sich bitte kurz vor und sagen Sie ein paar Sätze, was Sie beruflich machen (Aufgaben)

Jörg Müller, ich forsche und unterrichte an einer süddeutschen Universität. Mind Mapping setze ich in diesem Semester erstmals ein.

Wie sind Sie mit Mind Mapping in Berührung gekommen und wie haben Sie es gelernt?

Ein Studierender zeigte mir eine Karte, auf der er zur Examensvorbereitung den Stoff einer ganzen Veranstaltung "gebunkert" hatte, und passte diese während unseres Gesprächs fortlaufend an – fügte zusätzlich Notizen ein etc. Das Mittel erschien mir sofort zur Gestaltung und vor allem permanenten Aktualisierung des Vorlesungsstoffs geeignet. Darauf hin habe ich ein Fortbildungsangebot der Universität mit Herrn Rustler wahrgenommen.

Wie erstellen Sie Mind Maps? Als traditionelle Mind Maps mit Papier und Stift und/oder als Business Maps mittels einer Visualisierungs-Software (z.B. Mindjet Mindmanager)?

Ausschließlich letzteres.

Für welche Einsatzgebiete verwenden Sie Mind Mapping? Geben Sie bitte einige Beispiele.

Zur Unterstützung in der Vorlesung: Visualisierung der Gedankengänge, Einbeziehung von Grafiken, von Literaturangaben, Demonstrationen methodischer Exkurse etc…

Wo sehen Sie die Vorteile beim Einsatz der Mind Mapping Methode?

Im Sammeln und Aktualisieren sowie anschließend punktgenauen Zuführen von Informationen in den Argumentationsgang. Im Sichtbarmachen eines Argumentationsstranges und gleichzeitig seiner Stellung zu anderen Strängen; in der Visualisierbarkeit von Interdependenzen – auch bei mehrdimensionalen Argumentationen. Zurzeit arbeite ich ein Vorlesungskonzept in Mindmap um. Dabei stellt sich als weiterer Vorteil heraus, dass durch die zusätzliche Visualisierung "Unsauberkeiten" oder Mehrdeutigkeiten in der vorhandenen Darstellungslogik auffallen.

Wo haben Sie Schwierigkeiten beim Mind Mapping?

Ganz banale, die nur indirekt der Mindmap-Software zuzurechnen sind: Ich arbeitete mit Wordperfect. Da die Im- und Exportfunktionen inklusive Gliederung etc. der Mindmap-Software nur dann wie erhofft funktionierten, wenn ich mit "100% reinen" Worddateien arbeitete (also nicht konvertierten!) bin ich gezwungen, ich meine ganzen Texte unter Word neu zu erstellen – ausgesprochen nervig, da ich einfach ganz anders denke als Microsoftingenieure! Weitere Kommentierungen würden unter das Strafgesetzbuch fallen.

Wie bereits angesprochen stelle ich derzeit bestehende Texte auf Mind Maps um. Habe ich anfänglich auch noch aus meinem neu angepassten schriftlichen Konzept vorgetragen, so rede mittlerweile nur noch an der Mind Map entlang und löse mich auch bei der Gestaltung immer stärker vom bestehenden – bewährtem - Textgerüst. Andererseits würde ich ohne den vorher erarbeiteten Text nicht die Eindringtiefe in die Probleme gewinnen, da Mind Mapping, wie andere Visualisierungssoftware auch, dazu verführt, zu vereinfachen, Dinge "glatter" zu sehen als Sie sind. Das mag für den Verkauf sehr gut sein, für die Wissenschaft ist es schlecht. Aber vielleicht gilt ja hier, Gefahr erkannt Gefahr gebannt.

Jedenfalls der Zeitaufwand, den ich "nur" für die Umstellung einplanen muss, ist erheblich – was jedoch nicht überraschte.

Erstellen Sie Mind Maps nur für sich, oder teilen Sie diese auch mit Ihren Freunden/Kollegen? Wie reagieren diese darauf?

Nur für mich, Kollegen erkundigen sich vereinzelt nach den Erfahrungen.

Verwenden Sie noch weitere Denk- und Arbeitstechniken? Wenn ja, welche und wie setzen Sie diese ein?

Das Standardprogramm der Geisteswissenschaftler.

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Kommentare

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  1. Andreas Weinberger schreibt:

    ein kleiner Hinweis zum Import von Wordperfect-Dateien:

    Hier kann man sich das Leben evtl. erheblich erleichtern indem man eben genau nicht über den Word-Import (Wordperfect -> Word -> MindManager) geht.

    Man kann stattdessen eher versuchen die Dokumente gegliedert (Tabs/Einzüge) in txt zu exportieren und von dort durch drag and drop in die Map zu bringen (dabei wird nämlich die Baumstruktur übernommen).

    Ansonsten interessantes Anwenderportrait - die Gefahr, Dinge "glatter" zu sehen, finde ich sehr interessant, das ist ein Aspekt den ich bisher so nicht empfunden habe.

  2. Jörg Müller schreibt:

    Zum Import: Danke für den Hinweis. Ich habe ein vergleichbares Verfahren bisher nur mit dem Editor durchgezogen, - was auch Zeitaufwand für die Umstellung des gegliederten Textes in Tabs bedeutete; anschließend konvertieren, exportieren und neues Ordnen in der Map. Mittlerweile mache ich erst die Map, exportiere dann die Map als Worddokument und lege mir anschließend dieses Worddokument in Fensteransicht neben das alte Vorlesungsskript, ziehe sodann ins neue Worddokument die Textblöcke rüber, die stehen bleiben sollen.

  3. Florian Rustler schreibt:

    Ich denke zum "glatter" sehen haben Sie bereits einen wichtigen Aspekt genannt: "Andererseits würde ich ohne den vorher erarbeiteten Text nicht die Eindringtiefe in die Probleme gewinnen". Auf den ersten Blick wirkt ein Mind Map möglicherweise vereinfachend oder zu wenig ausführlich. Die intensive Beschäftigung mit einem Thema führt dann allerdings dazu, dass auch wenige Stichworte ausreichen, um die vorher verarbeiteten Informationen wieder abzurufen oder auszulösen.
    Im Falle eines Vortrags muss man diese Dinge dann dazu erklären oder sagen, wenn man das Map nicht zu detailliert werden lassen möchte.


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