Wie die Lehre an den Universitäten sein könnte

Samstag, 12. Dezember 2009

Als ehemaliger Politikwissenschaftler hatte ich in diesem Semester die Ehre einen Kurs "wissenschaftliches Arbeiten" an meiner ehemaligen Alma Mater der LMU München genauer gesagt dem Geschwister-Scholl-Institut für politische Wissenschaften zu geben.

4 x Blockseminar, samstags von 10 – 18 Uhr. Der Albtraum eines jeden Studenten, wie mir versichert wurde. Dadurch hat sich zu meinem Vorteil, die Anzahl der Anmeldungen deutlich im Rahmen gehalten.
Heute war der letzte Termin und das Abschlussfeedback war sehr positiv: "So sollte Uni eigentlich sein!" Mir geht es nicht darum, mich selbst zu beweihräuchern!
Gespräche mit Studenten zeigen mir jedoch, dass Lehrveranstaltungen anscheinend oft anders ablaufen. An einer Universität lehren verständlicherweise Wissenschaftler. Ein guter Wissenschaftler ist noch kein guter Lehrer und umgekehrt. Ich habe in das Kursdesign viele Elemente aus meiner Tätigkeit als Trainer für Mind Mapping Seminare und Kreativtrainings einfließen lassen, nur das es diesmal um wissenschaftliche Inhalte ging.
Ich habe mit einigen einfachen Rezepten gearbeitet, die für alle "Lehrer" einsetzbar sind, ohne dass man dazu eine Trainerausbildung gemacht haben muss.

Das Accelerated Learning Modell
Ziel dieses Lehr- und Lernansatzes ist es, die Lernergebnisse des Lernenden zu erhöhen. Der Ansatz arbeitet dabei mit vielen Elementen, die gehirn- und lerngerecht sind, dabei gleichzeitig aber sehr spielerisch sind. In Deutschland findet man diesen Ansatz in der Suggestopädie wieder.
Unten stehend finden sich die Präsentationsfolien, die ich für ein Dozentencoaching an der Universität verwendet habe.




Elemente von Accelerated Learning
  • Der Lernende wird mit allen Sinnen und mit dem ganzen Körper in die Lernerfahrung einbezogen.
  • Lernen muss Spaß und Freude machen. Es ist Aufgabe des Lehrenden dafür zu sorgen.
  • Spaß und Freunde entstehen besonders dann, wenn Lernen spielerisch abläuft. Kinder machen dies ganz natürlich. Das Lernen sollte damit wieder kindlicher werden (nicht kindischer!). So habe ich zum letzten Termin die Teilnehmer mit Lego und anderen Bastelmaterialien die Essenz des Kurses bauen lassen (siehe Bilder).
  • Der Lehrer ist dazu da, das Lernen anzuregen und dann aus dem Weg zu gehen. Es nicht Aufgabe des Lehrers, das Wissen löffelweise in die Lernenden reinzutrichtern.





Das Konzept läuft auf viele Weise "traditionellen" Vorstellungen von Lernen und Lehre zuwider und wird gerne als Quatsch und Spielerei abgetan. Die Erfahrung zeigt, dass es funktioniert und die Lernergebnisse besser werden, d.h. die Lernenden können in kürzerer Zeit, mehr behalten und Inhalte tiefer durchdringen und verstehen.

In einem anderen Artikel habe ich erläutert, warum diese Art des Lernens und Lehrens für das 21. Jahrhundert angemessen ist.

Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehle ich das Buch: The Accelerated Learning Handbook von Dave Meier.

Wie könnte die Lehre an Universitäten anders aussehen?
Ich habe kein Patentrezept und nicht der Weisheit letzten Schluss. Viel in der Lehre läuft deshalb so, weil man es "halt schon immer so gemacht hat". Eine Möglichkeit aus den eingefahrenen Denkbahnen auszubrechen, die auch bei meinen Kreativtrainings und Innovationsworkshops oft zum Einsatz kommt, ist Edward de Bonos Fluchtmethode. Die Fluchtmethode ist eine Technik des lateralen Denkens, die einmal bewusst Grundannahmen hinterfragt, um daraus neue Ideen abzuleiten. (siehe Bild)



Angewandt auf die universitäre Lehre könnte die Frage so lauten: Was nehmen wir als gegeben hin bei der universitären Lehre?

Dinge die mir einfallen:

  1. Frontalunterricht
  2. Kurseinheiten sind in 1,5 Studenhäppchen über das Semester verteilt
  3. Es gibt schriftliche Prüfungen
  4. Meist gibt es einen Dozenten und viele Studenten


Wenn ich nun zu jedem Punkt das Gegenteil bilde, dann lautet z.B. Punkt 1: Eine Lehre ohne Frontalunterricht.

Nun lassen sich zu jedem Punkt Ideen entwickeln, was man statt dessen machen könnte:

Zum Beispiel:

zu 1.:
  • Gruppenarbeit
  • der Professor als Coach
  • Lehrveranstaltungen als Open Space
  • Lehrveranstaltungen mit Workshop-Charakter
  • Lehrveranstaltungen als Projektarbeit mit Kurzinputs im Frontalstil
  • Lehrveranstaltungen als Kaminrunden
zu 2.:
  • Blockseminare
  • Projektwochen die das Semester strukturieren
  • längere Zeiten als 1,5 Stunden
zu 3.:
  • Studierende arbeiten in Projekten, die benotet werden
  • Studierende erstellen "Produkte"
zu 4.:
  • Jeder Dozent hat Studenten als Teaching Assistent(s). Dieses Glück hatte ich dieses mal.
  • In einem Kurs sind mehrere Dozenten
  • Der Kurs läuft als Open Space ab.
Alles erst einmal nur Ideen und noch keine Lösungen. Aber es gibt definitiv viele Möglichkeiten, Dinge positiv zu verändern. Den entsprechenden Workshop, um diese Möglichkeiten auszuarbeiten moderiere ich gerne :-)

Bewusst oder unbewusst entscheiden?

Freitag, 19. September 2008

In der gestrigen (18.09.08) Ausgabe des Handelsblatts erschien der Artikel Der Bauch ist kein guter Ratgeber von Ulrich Kraft, der sich mit einer neuen wissenschaftlichen Studie zum Einfluss des unbewussten Denkens auf Entscheidungen beschäftigt.

Da ich beide im Artikel zitierten Studien nicht gelesen habe (und aus Zeitgründen auch nicht lesen werden), kann ich diese nicht einschätzen und mich nur auf die Angaben im oben erwähnten Artikel aus dem Handelsblatt stützen.

Von unbewusst wieder zurück zu bewusst
Bis 2006 waren die meisten die Auffassung, man sollte wichtige und komplexe Entscheidungen durch Nachdenken und Abwägen treffen. Nach 2006 hat sich daran bei den meisten wohl auch nicht viel geändert, aber es kamen zumindest Stimmen und dann Buchtitel ins Spiel, die dazu rieten komplexe Entscheidungen dem unbewussten Denken zu überlassen, dem Bauch wie Ulrich Kraft das nennt. Der Wissenschaftler Ap Dijksterhuis von der Universität Amsterdam hat 2006 in einer Studie nachgewiesen, dass Menschen die komplexe Entscheidungen dem Unbewussten überlassen, die besserenEntscheidungen treffen. Definitv besser können Entscheidungen wohl nur in wissenschaftlichen Experimenten sein, in der Welt außerhalb dieser Experimente kann man besser meist gar nicht eindeutig definieren. Das unbewusste Denken sei dem bewussten Denken überlegen. "Erklärt wird die angebliche Überlegenheit des Unbewussten damit, dass die Fähigkeit, Informationen bewusst zu verarbeiten, beschränkt ist. Gilt es, viele Faktoren zu berücksichtigen, gerät diese Kapazität an ihre Grenzen. 'Menschen, die sich Entscheidungen sehr genau durch den Kopf gehen lassen, beurteilen die relative Wichtigkeit verschiedener Pro und Kontra oft falsch', meint Dijksterhuis. Unbewusstes Denken sieht er hingegen als aktiven Prozess, der Informationen optimal organisiert und gewichtet – ohne Limit."

Dieses Ergebnis ist einerseits im wahrsten Sinne des Wortes intuitiv, da wir uns auf die Intuition (nicht auf Reflexion beruhende Erkennen, Erfassen eines Sachverhalts od. eines komplizierten Vorgangs) verlassen sollen. Andererseits kontraintuitiv, da die meisten Menschen wohl dazu neigen, bei wichtigen Entscheidungen gewissenhaft zu überlegen. Laut Dijksterhuis sollten wir dies unterlassen.

Nun hat ihn Ben Newell von der University of New South Wales in Australien in einer kürzlich veröffentlichten Studie vorläufig widerlegt. Er hat in seinen Experimenten nachgewiesen, dass die unbewussten Entscheider keineswegs die besseren Entscheidungen treffen (zumindest laut Handelsblatt-Artikel). Im Gegenteil, das Unbewusste ist sehr anfällig für irrelevante Einflüsse wie z.B. den recency effect (den man auch von Vorträgen kennt). Ein sehr schönes Beispiel für weitere Einflüsse liefert auch ein Post aus dem letzten Jahr auf dem Ideentower Blog.

Bewusst die Aufmerksamkeit lenken
Die nun neu veröffentliche Studie von Ben Newell argumentiert in die selbe Richtung wie andere Forscher und Denker, wie z.B. Edward de Bono. De Bono entwickelte seine sogenannten Direct Attention Thinking Tools (DATT). Diese Denkwerkzeuge (es gibt noch eine menge anderer) lenken ausgehend von bestimmten Situationen die Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte. De Bonos These ist die, dass durch das bewusste Lenken der Aufmerksamkeit die Wahrnehmung einer Sache verändert werden kann und es absolut notwendig ist, die Aufmerksamkeit bewusst zu lenken. Man kann sich das ähnlich vorstellen wie das betrachten der gesamten Landkarte, bevor man sich für einen Weg entscheidet (siehe Bild).

Dies hat sich auch gestern im Münchner Denkclub wieder gezeigt, wo das Denkwerkzeuge PMI (Plus – Minus – Interesting) Thema des Abends war.
Denn, wenn wir die Aufmerksamkeit nicht gezielt steuern oder diese unbewusst nur auf bestimmte Elemente konzentrieren (z.B. warum etwas nicht funktioniert), kann es sein, dass uns wichtige Elemente entgehen. Unsere Logik fußt auf Wahrnehmung und logische Argumente sind meist nur so gut, wie die Wahrnehmung auf der sie basieren. Bekannt geworden sind in diesem Zusammenhang die Gorilla-Videos von Daniel Simons, Professor an der University of Illinois. Auch in der Zeitschrift GEOkompakt Nr. 15 gibt es einen Artikel von Henning Engeln (Die Erfindung des Ich), der sich mit Aufmerksamkeit beschäftigt. Dort wird Wolf Singer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung zitiert: "Ins Bewusstsein gelangt nur das, worauf die Aufmerksamkeit liegt".

Das Unbewusste ist eines von mehreren Kriterien
De Bono und auch Ben Newell betonen, dass das Unbewusste (wie Intuition oder Ahnungen, die man nicht erklären kann) einen Platz im bewussten Denken haben und berücksichtigt werden sollten, aber eben auch nur ein Aspekt unter mehreren sind. In seinem bekannten Denk-Verfahren (ein Verfahren moderiert einen Denkprozess und setzt einen großen Rahmen um einzelne Denkwerkzeuge) die 6 Hüte hat de Bono mit dem roten Hut den Ahnungen und Intuitionen einen wichtigen Platz eingeräumt.

Ich bin gespannt, wann der Gegenbeweis des Gegenbeweises aus Amsterdam kommt.

Geistige Landkarten – ein Interview mit Roland Kopp-Wichmann

Donnerstag, 12. Juni 2008

Florian Rustler: Sie verwenden in Ihren Veröffentlichungen häufig den Begriff der geistigen Landkarte. Was ist das?

Roland Kopp-Wichmann: Der Begriff kommt aus dem Konstruktivismus und wurde geprägt von Alfred Korzybski), der gesagt hat, "die Landkarte ist nicht die Landschaft". Damit ist gemeint, dass wir die Welt nicht direkt erleben oder erkennen können – das wird auch schon beim platonischen Höhlengleichnis erwähnt -, sondern dass wir uns ein Bild machen von der Realität. Dieses innere Bild von etwas in der Realität nenne ich Landkarte. Diese ist eine Art innere Repräsentation, die sich ein Mensch macht von dem, was er außerhalb von sich selbst wahrnimmt. Diese Landkarten sind sehr subjektiv, das kann man z.B. daran sehen, wenn man zwei Leute durch das gleiche Fenster schauen lässt und sie dann nach fünf Minuten bittet, das Gesehene zu berichten. Dieser Bericht wird niemals identisch sein.

Hängt das mit den bisherigen im Gehirn angelegten Assoziationen zusammen?

Es hängt an den bisherigen Landkarten. Insofern kann man auch nur erkennen, was schon bekannt ist. Die Neurobiologie, mit der ich mich in letzter Zeit verstärkt beschäftige, bestätigt dies. Man braucht eine innere Landkarte, um etwas zu erkennen. So wie man auf seinem Spezialgebiet, sei es Fußball oder Rotwein, eine detaillierte Landkarte hat und dann in diesem Gebiet feine Nuancen erkennt. Jemand, der keine Landkarte hat, würde beim Beispiel Rotwein einfach keinen Unterschied schmecken. Insofern sind diese mentalen Landkarten ungeheuer wichtig. Das Problematische daran ist, dass Menschen dieser Mechanismus des Landkartenbildens nicht bewusst ist. Viele Menschen denken, dass das was sie sehen, objektiv ist.

Kann es dann Objektivität überhaupt geben?

Nein, das gibt es nicht. Es gibt sicherlich eine Art Realität "da draußen", nur - wir können sie nicht erkennen.

Die Realität ist nicht erkennbar?

So ist es. So kann man allerdings als Mensch nicht leben, man muss sich ja ständig auf die Realität beziehen und Entscheidungen treffen. Dafür braucht es innere Repräsentation, und das sind die Landkarten. Diese erklären auch, warum zwei Menschen bei einer identischen Situation diese völlig unterschiedlich bewerten. Hier gibt es das bekannte Beispiel des Optimisten und des Pessimisten. Der eine sagt, das Glas ist halb voll, der andere sagt, es ist halb leer. Was sicherlich objektiv da ist, ist ein Glas mit einem bestimmten Wasserinhalt. Was das nun bedeutet, ist damit nicht gesagt.

Am Beispiel des Wasserglases, das entweder halb voll oder halb leer ist, denke ich an die Wahrnehmung, die darüber entscheidet, wie es interpretiert wird. Gibt es – ähnlich, wie es wahrnehmungsleitende Denkwerkzeuge gibt - Möglichkeiten, diese Landkarten bewusst zu erkunden, die Grenzen der Karten zu finden und diese zu erweitern?

Bei meiner Arbeit geht es viel darum, sich die Landkarten, die im Unbewussten gespeichert sind, bewusst zu machen. Landkarten sind z.B. auch Gewohnheiten und Verhaltensroutinen, wie das Autofahren. Sobald man ein paar Jahre Fahrpraxis hat – und damit die Landkarte ausgebildet ist – fährt man praktisch nur mit dieser unbewussten Landkarte. Das ist der "innere Autopilot". Man kann sich in der Regel nicht erinnern, wo z.B. die letzte Kreuzung war. Diese Unbewusstheit der Landkarten ist auch ein großer Vorteil, denn sie reduziert Komplexität, indem viele Dinge automatisch passieren. Problematisch ist nur, dass man die Landkarte nicht mit der Landschaft verwechseln darf. Wenn ich glaube, meine Landkarte ist ein Abbild der Realität, dann bekomme ich Probleme. Ein Vorurteil ist beispielsweise auch eine Landkarte.


"Geistige Landkarten – ein Interview mit Roland Kopp-Wichmann" vollständig lesen

Symposion Lernen lernen: Prof. Bauer – Motivation durch Beziehung

Freitag, 2. Mai 2008

Folgende Artikel zum Symposion sind bereits erschienen:
Teil 1: Prof. Martin Korte - Wie lernt der Mensch?
Teil 2: Interview mit Dr. Andreas Gößling


Das Wichtigste in Kürze:

  • Motivation ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für den Erfolg des Schulsystems
  • Motivation führt zu höherer Leistung und ermöglicht kreatives Denken
  • Beziehungen sind eine notwendige Bedingung für Motivation
  • Der Mensch verfügt über Spiegelneurone, die bei abhängig von den Handlungen anderer aktiviert werden



Das Wissenschaft motivieren kann, zeigte der Vortag von Prof. Joachim Bauer, der nach seinem Vortrag von Wolfgang Endres den Spitznamen Prof. Aufbauer verliehen bekam.
Grundgedanke des Vortrags war, dass die Leistungsbereitschaft und der Lernerfolg eines jeden Menschen neben anderen Faktoren besonders von seiner Motivation abhängt. Ist Motivation vorhanden, kommt es im Gehirn zur Ausschüttung einiger wichtiger Botenstoffe, wie Dopamin und körpereigener Opioide, die für Freude und Wohlbefinden sorgen.
Stimuliert werden kann das Motivationssystem durch Musik, durch Bewegung (wer sich für neurobiologische Hintergründe interessiert, dem empfehle ich Brainule #1 von John Medina) und Beziehungen.

Beziehungen als Ziel jedes Handelns
Positive Beziehungen zu anderen Menschen sind einerseits Grundvoraussetzung für Motivation. Sind diese nicht vorhanden, führt dies zu dauerhaften Stressreaktionen und damit zu Angstzuständen und Aggression.
Gleichzeitig sind Beziehungen immer auch mit Ziel unserer Handlungen. Wir alle benötigen Zuwendung (z.B. durch Gespräche oder auch nur Blickkontakt), Anerkennung und Bestätigung durch andere Menschen.

Spiegelneurone und das Potenzial positiver Ansteckung
Seit einigen Jahren weiß man von so genannten Spiegelneuronen in unserem Gehirn. Diese werden durch Handlungen anderer aktiviert und ermöglichen Empathie (Verständnis für das Innenleben anderer Menschen) sowie Modellernen, indem wir den Handlungen und Bewegungen anderer zusehen, um dann eigene Verhaltensweisen zu formen.
Durch Spiegelneurone kann gut erklärt werden, warum jeder durch sein Verhalten und sein Auftreten andere anstecken kann, im positiven wie im negativen Sinne. Sichtbar wird eine solche Ansteckung z.B. beim Gähnen. Ich musste einmal einen Vortrag aushalten, indem sich der Redner 90 Minuten ununterbrochen geräuspert hat. Man konnte ich richtig sehen, wie sich bei den Zuhörern ein Unwohlsein und Kratzen im Hals entwickelte.

Nicht nur auf den Inhalt kommt es an
Durch diese Ansteckungsmöglichkeit ergeben sich vielfältige Chancen, wie Trainer, Lehrer aber selbstverständlich auch Führungskräfte in Unternehmen Ihre Schüler, Kursteilnehmer oder Mitarbeiter positiv beeinflussen können und somit deren Motivation steigern können. Allein durch entsprechendes positives Auftreten, Beachtung und Aufmerksamkeit für jeden einzelnen ist hier viel möglich. Durch wohl gemeinte (konstruktive) Rückmeldung zur individuellen Leistung erhalten Schüler und Seminarteilnehmer wichtige Hinweise zur Verbesserung. Im Gegenzug sollte es selbstverständlich sein, dass jeder Schüler, jeder Seminarteilnehmer oder Mitarbeiter absoluten Schutz vor Beschämung und Vorführen vor dem Rest der Gruppe hat. Hier reicht eine Beschämung, um einem Menschen für den Rest seines Lebens negativ zu prägen. Mit Grauen, aber gleichzeitig so, als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich an eine Musikstunde in der vierten Klasse, in der ich gezwungen wurde alleine vor der gesamten Klasse zu singen.
Solche grundlegenden Verhaltensweisen von Lehrern, Trainern und Führungskräfte sind genauso wichtig wie interessante und gut strukturierte Inhalte oder Fachkompetenz.

Von kindlichen und erwachsenen Unternehmen

Freitag, 18. April 2008

Das Handelsblatt vom 16.4. berichtet im Artikel "Nimmerland ist zu entspannt..." über das Google Forschungszentrum in Zürich. Nach dem Artikel steckt Google im Moment in der Krise und um dieser zu entrinnen, müsse das Unternehmen "endlich erwachsen werden". Dass es so schlimm nicht sein kann, haben die gestrigen Quartalszahlen gezeigt.
So wie ich den Artikel interpretiere – vielleicht liege ich ja komplett falsch – wird das Kindliche vor allem an Googles Verspieltheit und der für ein ernsthaftes Büro ungewöhnlichen Freiheiten und der ungewöhnlichen Art und Weise, seine Arbeitsstätten auszustatten, festgemacht.
Genannt werden die ominpräsenten Whiteboards in den Büros, damit jede Idee sofort festgehalten und von anderen weiterentwickelt werden kann, Besprechungskabinen, Verbindungsrutschen, ein Ruheraum mit Aquarien usw. Vor der Einrichtung des Büros wurden Mitarbeiter nach Ihren Wünschen und Träumen befragt, um so ein "IT-Nimmerland" zu schaffen.

Nach dieser Beschreibung zu urteilen hat Google aus meiner Sicht sehr viel richtig gemacht, um eine Umgebung zu schaffen, die Kommunikation und Bewegung ermöglicht und vor allem die Kreativität der Mitarbeiter anregt und freisetzt. Die Freiheit auch mal ohne großen Druck an Ideen zu arbeiten, diese auszuprobieren und zu verwerfen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende etwas innovatives dabei heraus kommt. Die im Artikel beschriebene Büro klingt sehr danach als hätte man sich bemüht, eine gehirngerechte Arbeitsumgebung zu schaffen. Was gehirngerecht bedeuten kann, vermittelt das Buch und die Website Brainrules.

Kreativität alleine ist zwar keine hinreichende Bedingung für unternehmerischen Erfolg, aber in vielen Branchen eine zunehmend notwendige. Die Krux der kreativen Ideen ist, dass man diese im Voraus meist selten planen und sich logisch erschließen kann, sondern dass diese nachdem sie entdeckt wurden erst im Nachhinein als logischer Schritt erscheinen. So muss man einfach ausprobieren und spielen! Daher ist für viele Unternehmen zu hoffen, dass sie wieder etwas kindlicher werden.

Symposion Lernen lernen: Prof. Martin Korte – Wie lernt der Mensch?

Dienstag, 15. April 2008

Teil 1 der Artikelserie zum Symposion Lernen lernen in Bad Wörishofen vom 11. bis 13 April 2008.

Das Wichtigste in Kürze

  • Einflussfaktoren des Lernens:

    • Aufmerksamkeit/ Konzentration
    • Motivation
    • Gefühle (positive und negative)

  • Das Gehirn kalkuliert im Voraus die Erfolgswahrscheinlichkeit des Lernprozesses.
  • Intrinsische Motivation kann durch künstlich erzeugte extrinsische Motivation gesenkt werden und damit den Lernerfolg mindern.




Wie angekündigt möchte ich einige der Vorträge des Symposions hier auf dem Blog zusammenfassen und vorstellen.
Den Einstieg beim 10. Symposion Lernen lernen in Bad Wörishofen machte Prof. Dr. Martin Korte mit seinem Vortrag Wie lernt der Mensch? Konzentration und Motivation im Kontext der neurobiologischen Lernforschung. Korte ist Professor für zelluläre Neurobiologie an der TU Braunschweig und forscht über die Grundlagen von Lern- und Gedächtnisvorgängen.

Was beeinflusst lernen?
Neben den grundlegenden Voraussetzungen von genügend Sauerstoff, Energie, Bewegung und Flüssigkeit sind es vor allem drei Dinge: Aufmerksamkeit/ Konzentration, Motivation und damit verbundene Gefühle. Ähnlich hat es auch Prof. Wahl bei einem Vortrag in 2006 beschrieben, von dem ich ebenfalls berichtet habe.

Aufmerksamkeit – ein gehirninterner Kampf um Ressourcen
Ob man einer Sache folgen kann hängt davon ab, ob diese so interessant ist, dass das Gehirn ausreichend Ressourcen zuweist, um uns damit weiter zu beschäftigen. Bei all den auf uns eintreffenden Reizen findet ein ständiger Verteilungskampf um die kostbare Ressource Aufmerksamkeit statt. Je klarer eine Aufgabe formuliert ist und je mehr Strukturen zu einem Thema bereits in unserem Gehirn angelegt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf etwas lenken können. Grundsätzlich selektieren wir ständig, es ist sogar Aufgabe unseres Denkens andauernd bewusst und unbewusst zu selektieren. Dies kann dazu führen, das wir bei der Konzentration auf eine Sache, die uns stark in Anspruch nimmt, andere Faktoren völlig ausblenden. Um das zu verdeutlichen zeigte Prof. Korte die bekannten Gorillaversuch von Daniel Simons.

Motivation: Bitte herausfordernd, aber auch erreichbar
Ob jemand motiviert ist oder nicht, hängt auch davon wie herausfordernd eine Aufgabe ist. Sowohl Überforderung als auch Unterforderung sind dabei zu vermeiden. Bei Überforderung entsteht ein Gefühl von Ohnmacht, was zu einer Stressreaktion führt. In diesem Zustand können wir lediglich gut verankerte Routinen ausführen, allerdings nichts dazu lernen. Außerdem besteht die Gefahr, dass wir einen Lerninhalt zusammen mit negativen Emotionen abspeichern, was dazu führt, dass wir in Zukunft versuchen, diese Themen zu meiden. Jeder der in der Schule schon mal gezwungen wurde vor der ganzen Klasse vorzusingen, weiß wovon ich spreche.
Wenn ein herausforderndes Ziel (überraschend) erreicht wird, dann reagiert das Gehirn mit der Ausschüttung von Dopamin, einem Glückshormon. Davon können wir nie genug bekommen und deshalb schaffen wir damit beste Voraussetzungen noch mehr lernen zu wollen, um wieder eine kleine Dopamindusche zu erhalten.

Der Hippocampus – der Dirigent des Gedächtnisses
Bei der Frage, ob wir Lerninhalte speichern können, spielt der Hippocampus eine entscheidende Rolle. Besonders nachts wiederholt und verarbeitet dieser die am Tag erhaltenen Eindrücke. Je mehr bestehende Assoziationen oder Ankerpunkte zu einem Thema bereits vorhanden sind, desto besser können wir daran anknüpfen und desto eher geht das Gehirn von einer hohen Erfolgswahrscheinlichkeit beim Lernen aus. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass unser Oberstübchen besonders im Schlaf aktiv ist, da es die Tageseindrücke verarbeitet. Deshalb ist ausreichend Schlaf sehr wichtig. Man konnte sogar zeigen, dass ungenügender Schlaf oder Unterbrechungen des Schlafes uns daran hindern, uns Dinge zu merken.

Tipps für Lerner
  • Der Lernende sollte versuchen, vor allem Zusammenhänge und Muster zu verstehen. Durch das Verständnis der zugrunde liegenden Muster können viele Dinge erschlossen werden.
  • Lerninhalte sollten möglichst ausprobiert werden, um unserem Gehirn verschiedene Lernkontexte zu bieten.


Hinweise für Lehrer
  • Die individuellen Vorerfahrungen des Lernenden sollten ermittelt/ verstanden werden. Nur wenn der Einzelne Informationen mit seinen Vorerfahrungen sinnvoll verknüpfen kann, kann er neue Inhalte lernen.
  • Metaphern helfen, neue Inhalte schneller zu verankern, da sie Anknüpfungspunkte zu bestehendem Wissen liefern.
  • Ist ein Lernender erkennbar intrinsisch motiviert, sollte man vermeiden, diesem zusätzlich noch externe Anreize zu geben, da sonst die ursprünglich intrinische Motivation zerstört werden könnte.

Warum Bambi gefährlicher ist als der Weiße Hai

Sonntag, 6. April 2008



Was glauben Sie, wodurch mehr Menschen sterben (wählen Sie jeweils eine der beiden Möglichkeiten aus):


  • Durch Mord oder Selbstmord?
  • Durch Überschwemmungen oder Tuberkulose?
  • Durch Tornados oder Asthma?
  • Durch Haie oder Rehe?


Die Antworten für die USA:
Durch Selbstmord, durch Tuberkulose, durch Asthma und Rehe. (In den USA ereignen sich weit häufiger Autounfälle mit Wildtieren als Angriffe von Haien auf Schwimmer oder Surfer).
Alle Beispiele habe ich aus dem Buch made to stick entnommen.

Haben Sie das eine oder andere Mal grob daneben gelangt? Finden Sie die Ergebnisse nicht besonders intuitiv? Dann könnte das daran liegen, dass unsere Intuition uns des öfteren einen Streich spielt. Wir halten oft das für richtiger, an das wir uns besser erinnern können. Die Psychologie spricht hier vom Verfügbarkeits-Bias. Wir halten dasjenige für wahrscheinlicher, das stärker in unserem Gedächtnis verankert ist, also verfügbarer ist. Meist sind die Dinge besser verankert, die besonders starke Emotionen hervorrufen und uns deshalb lebhafter in Erinnerung bleiben, wie z.B. Bilder von Haien, grausamen Morden, Bildern von Überschwemmungen oder Tornados.

Dieser Verfügbarkeits-Bias ist ganz natürlich, wir können ihn also nicht unterdrücken. Man kann jedoch versuchen, bewusst noch andere Erklärungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Dabei helfen können uns – wie könnte es auf diesem Blog auch anders sein – einfache und schnelle Vorgehensweisen, die unsere Aufmerksamkeit noch einmal bewusst auf andere Aspekte lenken: Denkwerkzeuge. Wer mehr dazu wissen möchte, dem empfehle ich das Schlagwort Denkwerkzeuge rechts in der Seitennavigation anzuklicken.

Analoge Kreativität

Donnerstag, 28. Februar 2008

Letzte Woche habe ich endlich das lang ersehnte Buch Presentation Zen (wie das gleichnamige Blog) von Garr Reynolds bekommen.
Reynolds zeigt in diesem wunderbaren Buch wie man mit Powerpoint & Co. wieder das erreicht, wozu es ursprünglich gedacht war: Den Redner in seiner Rede zu unterstützen (nicht zu ersetzen), einen inspirierenden und anregnenden (keinen quälend langweiligen) Vortrag zu halten.

Ein Abschnitt des Buches widmet sich der Vorbereitung eines Vortrags. Dabei machte Reynolds eine interessante Beobachtung: Richtig gute Redner und kreative Köpfe arbeiten besonders am Anfang erst einmal völlig ohne Computer, während sich unerfahrene und/ oder verfahrene Präsentatoren sofort an die Kiste setzen und anfangen, Folienvorlagen zu sortieren.

Das weg vom Computer ermöglicht uns erst einmal einen Fokus auf das eigentliche Problem, auf die Hauptfragen und die Kernbotschaft. Wir werden nicht von den ganzen technischen Möglichkeiten abgelenkt.
Das Herumspielen und Herumzeichnen ist dabei keineswegs verlorene Zeit, die man sich hätte sparen können, wenn man sich gleich an den Computer gesetzt hätte. Im Gegenteil, Kreativität benötigt Zeit (siehe hierzu diesen Post)! Das Überarbeiten ist Teil des wichtigen Prozesses des Verarbeitens von Gedanken­strukturen und Assoziationen. Für viele Menschen – Sie vielleicht eingeschlossen? - ist es darüber hinaus einfach ein anderes Gefühl, ein anderes Erleben, mit Papier und Stift zu arbeiten, als lediglich auf Tastatur und Maus beschränkt zu sein. Dieses Gefühl ist besonders für Kreativität sehr wichtig! In diesem Zusammenhang bin ich einem anderen Beitrag auch darauf eingegangen, warum ich Mind Mapping mit Papier und Stift trotz der vielen hilfreichen und sinnvollen Möglichkeiten von Software nach wie vor für wichtig und in vielen Fällen für angebracht halte.

Effektivität und Effizienz – wie Denkwerkzeuge dabei helfen können

Sonntag, 17. Februar 2008

Im Moment lese ich gerade das Buch The 4-Hour Workweek von Timothy Ferriss. Äußerst provokativ geschrieben, aber Provokationen sind ja bekanntlich eine Methode, um bestehende Denkbahnen zu verlassen und neue Möglichkeiten zu entdecken und über das Gewohnte nachzudenken.

Es gibt einen schönen Abschnitt zum Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz:

Effectiveness is doing the things that get you closer to your goals. Efficiency is performing a given task (whether important or not) in the most economical manner possible. Being efficient without regard to effectiveness is the default mode of the universe.
S. 67
What you do is infinitely more important than how you do it. Efficiency is still important, but it is useless unless applied to the right things.
S. 68

Oft ist wird die Frage nach dem Ziel, die Frage, wo die Reise überhaupt hingehen soll, ausgelassen. Einmal, weil wir uns dann, wie Ferriss schreibt, so manch unbequemer Einsicht stellen müssten, andererseits weil wir oft glauben, dass es sowieso klar ist, was das Ziel ist. Oft ist es das nicht! AGO ist ein Denkwerkzeug, das hier unterstützen kann. AGO steht für Aims – Goals – Objectives und soll für die Dauer des Werkzeugs die Aufmerksamkeit bewusst auf das Ziel lenken und mögliche Alternativen durchspielen. Solange bis das Ziel geklärt ist. In dieser Form kommt es auch in der TO-LO-PO-SO-GO-Methode zum Einsatz.
Ist ja total simpel! Gut so! Es geht nur darum, unsere Aufmerksamkeit bewusst auf diese Frage zu lenken. Die Krux mit der Aufmerksamkeit ist, dass wir diese meist nicht bewusst steuern, sondern diese durch Emotionen und Interesse geleitet wird. Hier hilft AGO.
Idealerweise schaffen wir es, dass AGO zu einer Gewohnheit wird und am Anfang jedes Denkprozesses, jeder Besprechung etc. steht.

Glück – eine Fähigkeit, die erlernt und trainiert werden kann!?

Donnerstag, 27. September 2007

Komisch ist die Frage für manche auf den ersten Blick sicherlich. Kann man Glück – im Sinne von glücklich sein – als Fähigkeit bezeichnen, die man erlernen kann bzw. sich durch Training annähern kann? In diesem Blog beschäftige ich mich ja bekanntlich sehr gerne mit Techniken und Methoden, die man trainieren und erlernen kann, um bestimmte Fähigkeiten zu erlangen. So glaube ich, dass man mit Hilfe von Arbeitstechniken seine Arbeit effektiver gestalten kann und dass jeder mit Hilfe von Denkwerkzeugen sein Denken verbessern kann, eine Behauptung auf die auch viele beim ersten Hinhören sehr skeptisch reagieren. Daher passt die Frage ganz gut: Kann man Glück erlernen?

In seinem vor kurzem auf Deutsch erschienen Buch "Glück" behauptet Matthieu Ricard genau das. Der Franzose Ricard hält einen Doktor in Biologie, ist buddhistischer Mönch und fungierte und fungiert seit vielen Jahren als Begleiter und Übersetzer des Dalai Lama. Er gründete ein Kloster in Nepal und unterstützt mit einer Hilfsorganisation Projekte in Süd-Ost-Asien. Man kann ihm also schon zutrauen, dass er qualifiziert etwas dazu sagen kann. Er versucht in seinem Buch sowohl die buddhistische Perspektive als auch die Positionen der Glücksforschung in der Psychologie und Ökonomie zu berücksichtigen.

Glück: Ein nachhaltiger Zustand ohne innere Konflikte
Ricard definiert Glück als ein nachhaltiges Gefühl der Zufriedenheit und Erfüllung, das sich dadurch auszeichnet, dass keine inneren Konflikte vorherrschen und belastende Gedanken verschwinden. Ricard unterscheidet Glück von Freude und Vergnügen, die nur kurzzeitiges Wohlgefühl bringen, nicht nachhaltig sind und meist von äußeren Faktoren abhängen. Für ihn ist Glück ein innerer Zustand, eine positive Geisteshaltung, eine Weltsicht die vor allem von der Wahrnehmung abhängig ist. Aus diesem Grund ist Glück auch trainierbar, den Wahrnehmung kann man ändern und im Fall von Glück bewusst in eine Richtung verändern. Dass Wahrnehmung durch gezielte Techniken geschult und gelenkt werden kann, habe ich im Rahmen zahlreicher Posts über Edward de Bono und Denktechniken bereits mehrmals angesprochen.

Die Gedanken: Sorgenquelle und Lösungsansatz
Ursache dafür, dass viele von uns anhaltend unzufrieden oder zumindest nicht glücklich – im Sinne Ricards – sind, sind negative Gedanken oder "Geistesgifte". Mark Twain hat es einmal schön formuliert: "Es gab viele Probleme in meinem Leben, die meisten davon nur in meinem Kopf".
Gedanken können sich oft verselbstständigen und schaffen damit Probleme und Unzufriedenheit. So ist das beste Mittel garantiert unglücklich zu werden, sich ständig mit anderen zu vergleichen. Es gibt immer jemanden, der besser, schöner, reicher etc. ist. Der relative Unterschied macht uns unzufrieden. Jeder von uns kennt es, wenn er z.B. von jemandem angerempelt oder dumm angeredet wird und sich Stunden danach noch darüber ärgert, obwohl z.B. der körperliche Schmerz schon nach ein paar Sekunden vorbei war. Das Problem: Das Ego. Dadurch, dass bei den meisten Menschen die Gedanken ausschließlich um das „Selbst“ kreisen entstehen eine Menge Blockaden und Verletzlichkeiten und im Endeffekt schränken wir uns in unserer Freiheit ein. Negative Gedanken verengen die Wahrnehmung und lassen uns die Welt durch eine negative Brille sehen und interpretieren und lösen dadurch oft eine Negativspirale aus.
Ziel muss es sein, eine innere Weite zu erlangen und die Dinge aus der Distanz zu sehen, um uns nicht so stark von ihnen beeinflussen zu lassen. Diese Technik ist z.B. auch aus dem NLP (neurolinguistisches Programmieren) bekannt, wo man sich durch dissoziieren bewusst vorstellt, dass man das aktuelle Geschehen aus Sicht eines unbeteiligten Dritten betrachtet und es nicht auf sich selbst bezieht.

Die Methode: Meditation
Die buddhistische Technik, die uns mit viel Übung und Geduld auf dem Weg zum Glück behilflich sein kann, ist die Meditation: "Spiritual practice can be enormously beneficial. The fact is, it is possible to undergo serious spiritual training by devoting some time every day to meditation. More people than you might think do so, while leading regular family lives and doing absorbing work." S. 55

Meditation ist dabei nicht an eine Religion gebunden, sondern kann als Technik verstanden werden, die jeder einsetzen kann. Ziel der Meditation, egal welche Art man praktiziert, ist die innere Transformation. Durch die Innenschau erlebt man zuerst einmal eine Beruhigung seiner ständigen Gedankenströme sowie ein besseres Verständnis seiner selbst, seiner Gedanken und die Entstehung dieser Gedanken. Nach und nach kann man dann lernen, diese Gedanken zu kontrollieren und Geistesgifte gar nicht erst entstehen zu lassen: "By gradually acquiring through introspective experience a better understanding of how thoughts are born, we learn how to fend off mental toxins. Once we have found a little bit of inne peace, it is much easier to lead a flourishing emotional and professional life." S. 56

Wie (leider) alle Techniken, sind diese theoretisch schnell erklärt. Um davon zu profitieren, hilft allerdings nur machen und üben. Auch bei der Meditation ist das so und hier wohl länger und ausdauernder als bei anderen Techniken.

Spirituelle Weiterbildung
Ricard beschreibt sehr schön, dass es sich lohnt, etwas Energie und Zeit in das Training und die Übung spiritueller Techniken zu stecken und beklagt aber auch, dass diese Denkweise vor allem in der westlichen Welt überhaupt nicht vorhanden ist. Wenn jemand sagt, er macht ein einjähriges MBA Studium, dann ist das völlig normal. Wenn jemand sagt, er macht ein zweiwöchiges Meditationstraining wird er – zumindest bei uns – von den allermeisten schief angesehen. Und dabei sei doch Glück in unserem kurzen Leben das allerwichtigste überhaupt, wichtiger als Geld, Macht, und ein MBA-Studium: "We willingly spend a dozen years in school, then go on to college or professional training for several more; we work out at the gym to stay healthy; we spend a lot of time enhancing our comfort, our wealth, and our social status. We put a great deal into all this, and yet we do so little to improve the inner condition that determines the very quality of our lives." S.34