Methoden der Produktentwicklung – Fluchtmethode

Samstag, 13. Februar 2010

Der creaffective Innovationsworkshop hat in den letzten Monaten oft den Schwerpunkt auf der Produktentwicklung. Ein bestehendes Produkt oder eine Dienstleistung soll verbessert werden oder es müssen völlig neue Ideen entwickelt werden, wie das Produkt oder die Dienstleistung in Zukunft aussehen könnte.
Nachdem die genaue Ausgangsfrage definiert wurde, arbeiten wir in einem Innovationsworkshop mit verschiedenen Kreativitätstechniken um neue Ansätze zu entwickeln.

Gegebenes in Frage stellen


Eine Kreativitätstechnik, die sich besonders dafür eignet, radikale Innovation hervorzubringen ist die von Edward de Bono vorgestellte Fluchtmethode. Es handelt sich dabei um eine Technik des lateralen Denkens mit dem Ziel einen bewussten Spurwechsel im Denken zu vollziehen. Genau das ist ja oft besonders schwer, da wir mit der Zeit automatisch ablaufende Muster in unserem anlegen, die wir nur wenig hinterfragen.

De Bono Fluchtmethode hilft Annahmen auf systematische Weise in Frage zu stellen und eignet sich besonders für die Produktentwicklung und die Entwicklung neuer Dienstleistungen, da es hier eine "Vorlage" - ein bestehendes Produkt – gibt, an dem man sich orientieren kann.

Das Vorgehen ist dabei ganz einfach:
  1. Wir betrachten ein gegebenes Produkt, z.B. ein Telefon
  2. Nun werden Grundcharakteristika gelistet, die wir beim vorliegenden Produkt als gegeben hinnehmen. z.B. ein Telefon hat eine Tastatur oder ein Telefon muss man ans Ohr halten
  3. Von jeder Grundannahme wird das Gegenteil gebildet.
    Um am Beispiel zu bleiben:
    Ein Telefon ohne Tastatur
    Ein Telefon, dass man nicht ans Ohr halten muss
  4. Aus dem Gegenteil werden konkrete Ideen abgeleitet. Zum Beispiel
    Ein Telefon mit einem multifunktionalen Bildschirm (ich weiß, gibt es schon)
    Ein Telefon, das ausschließlich über Kopfhörer funktioniert.


Die Abbildung zeigt das Beispiel eines Restaurantkonzepts mit der Fluchtmethode.


Die Flucht im Alltag


Die Fluchtmethode ist auch interessant, um einmal bewusst Elemente aus seinem Alltag zu hinterfragen. Sie können sich einen beliebigen Aspekt nehmen und mit der Fluchtmethode nach neuen Ideen suchen. Ein Beispiel könnte die tägliche Fahrt zur Arbeit sein. Was nehmen Sie als gegeben hin?

Wie die Lehre an den Universitäten sein könnte

Samstag, 12. Dezember 2009

Als ehemaliger Politikwissenschaftler hatte ich in diesem Semester die Ehre einen Kurs "wissenschaftliches Arbeiten" an meiner ehemaligen Alma Mater der LMU München genauer gesagt dem Geschwister-Scholl-Institut für politische Wissenschaften zu geben.

4 x Blockseminar, samstags von 10 – 18 Uhr. Der Albtraum eines jeden Studenten, wie mir versichert wurde. Dadurch hat sich zu meinem Vorteil, die Anzahl der Anmeldungen deutlich im Rahmen gehalten.
Heute war der letzte Termin und das Abschlussfeedback war sehr positiv: "So sollte Uni eigentlich sein!" Mir geht es nicht darum, mich selbst zu beweihräuchern!
Gespräche mit Studenten zeigen mir jedoch, dass Lehrveranstaltungen anscheinend oft anders ablaufen. An einer Universität lehren verständlicherweise Wissenschaftler. Ein guter Wissenschaftler ist noch kein guter Lehrer und umgekehrt. Ich habe in das Kursdesign viele Elemente aus meiner Tätigkeit als Trainer für Mind Mapping Seminare und Kreativtrainings einfließen lassen, nur das es diesmal um wissenschaftliche Inhalte ging.
Ich habe mit einigen einfachen Rezepten gearbeitet, die für alle "Lehrer" einsetzbar sind, ohne dass man dazu eine Trainerausbildung gemacht haben muss.

Das Accelerated Learning Modell
Ziel dieses Lehr- und Lernansatzes ist es, die Lernergebnisse des Lernenden zu erhöhen. Der Ansatz arbeitet dabei mit vielen Elementen, die gehirn- und lerngerecht sind, dabei gleichzeitig aber sehr spielerisch sind. In Deutschland findet man diesen Ansatz in der Suggestopädie wieder.
Unten stehend finden sich die Präsentationsfolien, die ich für ein Dozentencoaching an der Universität verwendet habe.




Elemente von Accelerated Learning
  • Der Lernende wird mit allen Sinnen und mit dem ganzen Körper in die Lernerfahrung einbezogen.
  • Lernen muss Spaß und Freude machen. Es ist Aufgabe des Lehrenden dafür zu sorgen.
  • Spaß und Freunde entstehen besonders dann, wenn Lernen spielerisch abläuft. Kinder machen dies ganz natürlich. Das Lernen sollte damit wieder kindlicher werden (nicht kindischer!). So habe ich zum letzten Termin die Teilnehmer mit Lego und anderen Bastelmaterialien die Essenz des Kurses bauen lassen (siehe Bilder).
  • Der Lehrer ist dazu da, das Lernen anzuregen und dann aus dem Weg zu gehen. Es nicht Aufgabe des Lehrers, das Wissen löffelweise in die Lernenden reinzutrichtern.





Das Konzept läuft auf viele Weise "traditionellen" Vorstellungen von Lernen und Lehre zuwider und wird gerne als Quatsch und Spielerei abgetan. Die Erfahrung zeigt, dass es funktioniert und die Lernergebnisse besser werden, d.h. die Lernenden können in kürzerer Zeit, mehr behalten und Inhalte tiefer durchdringen und verstehen.

In einem anderen Artikel habe ich erläutert, warum diese Art des Lernens und Lehrens für das 21. Jahrhundert angemessen ist.

Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehle ich das Buch: The Accelerated Learning Handbook von Dave Meier.

Wie könnte die Lehre an Universitäten anders aussehen?
Ich habe kein Patentrezept und nicht der Weisheit letzten Schluss. Viel in der Lehre läuft deshalb so, weil man es "halt schon immer so gemacht hat". Eine Möglichkeit aus den eingefahrenen Denkbahnen auszubrechen, die auch bei meinen Kreativtrainings und Innovationsworkshops oft zum Einsatz kommt, ist Edward de Bonos Fluchtmethode. Die Fluchtmethode ist eine Technik des lateralen Denkens, die einmal bewusst Grundannahmen hinterfragt, um daraus neue Ideen abzuleiten. (siehe Bild)



Angewandt auf die universitäre Lehre könnte die Frage so lauten: Was nehmen wir als gegeben hin bei der universitären Lehre?

Dinge die mir einfallen:

  1. Frontalunterricht
  2. Kurseinheiten sind in 1,5 Studenhäppchen über das Semester verteilt
  3. Es gibt schriftliche Prüfungen
  4. Meist gibt es einen Dozenten und viele Studenten


Wenn ich nun zu jedem Punkt das Gegenteil bilde, dann lautet z.B. Punkt 1: Eine Lehre ohne Frontalunterricht.

Nun lassen sich zu jedem Punkt Ideen entwickeln, was man statt dessen machen könnte:

Zum Beispiel:

zu 1.:
  • Gruppenarbeit
  • der Professor als Coach
  • Lehrveranstaltungen als Open Space
  • Lehrveranstaltungen mit Workshop-Charakter
  • Lehrveranstaltungen als Projektarbeit mit Kurzinputs im Frontalstil
  • Lehrveranstaltungen als Kaminrunden
zu 2.:
  • Blockseminare
  • Projektwochen die das Semester strukturieren
  • längere Zeiten als 1,5 Stunden
zu 3.:
  • Studierende arbeiten in Projekten, die benotet werden
  • Studierende erstellen "Produkte"
zu 4.:
  • Jeder Dozent hat Studenten als Teaching Assistent(s). Dieses Glück hatte ich dieses mal.
  • In einem Kurs sind mehrere Dozenten
  • Der Kurs läuft als Open Space ab.
Alles erst einmal nur Ideen und noch keine Lösungen. Aber es gibt definitiv viele Möglichkeiten, Dinge positiv zu verändern. Den entsprechenden Workshop, um diese Möglichkeiten auszuarbeiten moderiere ich gerne :-)

Europäische Konferenz der Kreativität und Innovation

Freitag, 9. Oktober 2009

2009 ist das EU Jahr der Kreativität und Innovation. Auch in diesem Jahr findet wieder die Europäische Konferenz für Kreativität und Innovation (ECCI) statt. Diesmal vom 28. - 30. Oktober in Brüssel.
Fokus der diesjährigen Konferenz ist nicht das Finden von neuen Ideen, was die meisten Menschen mit Kreativität assoziieren, sondern die Umsetzung. Wie kommen wir von ersten Ideen zu Lösungen und zur Umsetzung.

Edward de Bono mit von der Partie
Die Rednerliste besteht aus einer Reihe illusterer Namen, die wohl hauptsächlich nur in der Szene der Creativity-Practitioners bekannt sein dürften. Über diese Szene hinaus ist vielen Menschen Edward de Bono ein Begriff, der in diesem EU Jahr der Kreativität und Innovation auch offizieller EU-Botschafter ist. Er wird uns erklären, warum unser Denken unzureichend ist.

Storytelling Workshops nach der Konferenz
Auf der Konferenz werden auch die beiden Trainer Marcel van der Pol and Amy Frazier Workshops zum Thema Storytelling geben. Für alle, die sich dafür interessieren, aber nicht zur Konferenz können oder wollen, wird es am 2. November im Hub in Brüssel einen Tagesworkshop mit den beiden geben. Alle die regelmäßig vor Publikum sprechen müssen und eine gute Geschichte rüber bringen möchten, sind in diesem Workshop richtig.

War es ein evolutionärer Vorteil, nicht kreativ zu sein?

Freitag, 30. Januar 2009

Gestern Abend bei unserer Denkclubsitzung hat sich eine hoch spannende Diskussion entwickelt. Die These lautet: Es brachte dem Menschen lange Zeit einen evolutionären Vorteil, nicht kreativ zu sein!

Schnelles Urteil anstelle der Suche nach Alternativen
Hintergrund und Ausgangspunkt der Diskussion war die Unterscheidung zwischen divergierendem und konvergierendem Denken, also einem Denken das unzensiert in die Breite geht und nach Quantität strebt (divergierend) und einem Denken, dass eng, fokussiert und bewertend vorgeht (konvergierend).
Die Trennung dieser beiden Phasen des Denkens divergierend und konvergierend ist essentiell für die Entwicklung neuer Ideen und Lösungen und sollte Grundbestandteil eines jeden Kreativtrainings oder Kreativworkshops sein.

Wir kennen es alle, dass die meisten Menschen (das kann man ohne Übertreibung sagen) sehr schnell eng und fokussiert denken und schnell ein Urteil fällen und große Schwierigkeiten haben, die Beurteilung zurück zu stellen und offen für Alternativen zu bleiben. Während meiner Facilitator-Ausbildung in den USA habe ich dafür den Begriff "Krokodil-Reaktion" gelernt. Eine Krokodil-Reaktion spielt auf die Metapher des Reptiliengehirns an, ein evolutionär älterer Teil unseres Gehirns, in dem z.B. die Amygdala sitzt, die aktiviert wird, wenn Angst und negative Emotionen im Spiel sind. In solchen Situationen, z.B. wenn ich auf dem Waldboden eine Schlange sehe, brachte es einen evolutionären Vorteil, schnell und sozusagen automatisch zu handeln. Es ist sozusagen eine Überlebensreaktion. Diese zeigt sich heute noch schön in Diskussionen, wenn Menschen den Status quo in Gefahr sehen und nun alle Mittel darauf verwenden, diesen zu verteidigen.
Die Hirnforschung hat auch gezeigt (siehe das Buch Lernen von Prof. Manfred Spitzer), dass in Situationen, in welchen die Amygdala aktiviert wird, ein enger und routinenhafter Stil des Denkens aktiviert wird und geistige Transferleistungen oder das Entwickeln neuer Lösungen nur sehr eingeschränkt funktionieren.

Gezielt in neuen Bahnen denken
Ein weiterer Faktor, der hinzu kommt und auf den auch Edward de Bono in seinem Buch lateral thinking hingewiesen hat, ist, dass sich im Gehirn angelegte Denkmuster mit der Häufigkeit ihrer Benutzung verstärken. Je öfter man also eine Spur im Schnee austritt, desto tiefer und fester wird diese. In der Psychologie spricht man hier auch von sogenannten "Skripten", die ablaufen, wenn ich in einen bestimmten Kontext gerate.

Aus diesen hirnbiologischen Gründen neigen wir schnell dazu schnell, bestehende Denkmuster abzurufen (das ist effizient) und neue Dinge schnell auch in bereits angelegten Kategorien zu beurteilen. Die brachte in der Evolution durchaus viele Vorteile, besonders wenn sehr schnelle Entscheidungen (Überlebensreaktionen) gefordert waren.
Das Problem heute ist, dass diese Denkeffizienz oft keine Vorteile mit sich bringt, sondern im Gegenteil: Wenn wir immer so denken, wie wir schon immer gedacht haben, werden wir auch genau das wieder erhalten, was wir schon immer gemacht haben.

Vor diesem Hintergrund hat Edward de Bono auch seine Techniken des lateralen Denkens entwickelt (z.B. Erzwungene Verbindung), die den Denker bewusst aus der Denkbahn werfen und ihn sozusagen zwingen, einen neuen Weg zu suchen. De Bono und auch sein ehemaliger Partner Michael Hewitt-Gleeson argumentieren außerdem, dass die westliche kulturelle Software, das konvergierende Denken in besonderem Maße betont und wir hier im Westen von klein auf auf schnelles Urteilen sozialisiert werden.

Zum Glück lässt sich eine Haltung, in der vorschnelles Beurteilen verhindert und divergentes Denken ermöglicht wird, trainieren und durch den Einsatz von Denkwerkzeugen gezielt ermöglichen.

Das europäische Jahr der Kreativität und Innovation

Donnerstag, 1. Januar 2009

Für das Jahr 2009 hat die Europäische Union das Jahr der Kreativität und Innovation ausgerufen. Das freut mich natürlich als Trainer und Moderator für kreative Problemlöseprozesse besonders und ich hoffe, dass ich im Rahmen meiner Möglichkeiten etwas zu den offiziellen Zielen dieses Jahres beitragen kann. Für mich besonders relevant ist das Ziel "developing a wider understanding of the innovation process", weil es dasjenige ist, zu dem ich am ehesten beitragen kann und wo meiner Meinung nach der größte Aufklärungsbedarf herrscht.

Auch in 2009 werde ich weiterhin mit ein bis zwei Artikeln pro Woche rund um die Themen Kreativität, die Entwicklung neuer Ideen und kreative Problemlösung schreiben. Eine grobe Themensammlung ist bereits erfolgt, die großen Brocken sind also bereits eingezogen.

Auch der Münchner Denkclub, der sich in einem kleineren Kreis mit dem Einsatz und der Anwendung von Denkwerkzeugen, d.h. Techniken des bewussten Denkens zur Entwicklung von Ideen und Problemlösung beschäftigt, wird in das zweite Semester gehen.

Schließlich habe ich für 2009 noch ein paar weitere Überraschungen in Hinblick auf den Einsatz von Techniken für mehr Kreativität und Innovation geplant, die ich ankündigen werde, sobald diese in trockenen Tüchern sind.

Europäische Botschafter für Kreativität und Innovation

Für das Jahr der Kreativität und Innovation hat die Europäische Union einige Botschafter benannt, von denen zwei den Lesern dieses Blogs bekannt sein dürften.
Der eine ist Richard Florida, der mit seinem Buch The Rise of the Creative Class für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat und der Bedeutung der Kreativen neuen Auftrieb gegeben hat.

Der zweite ist – und das freut mich ganz besonders – Edward de Bono, den ich in mindestens in jedem zweiten Post erwähne, weil er so unglaublich viel für den bewussten Einsatz von Denkwerkzeugen und damit Techniken für die Entwicklung neuer Ideen und Betrachtung von Problemen beigetragen hat. Auf der EU-Website gibt es bereits ein Interview mit ihm, in dem er noch einmal betont, dass Kreativität als Grundvoraussetzung für Innovation nicht auf "Künstler" und künstlerische Aktivitäten beschränkt ist, sondern das jeder Mensch kreativ ist und Kreativität in vielen Bereichen ausgedrückt werden kann und sollte. Er plädiert außerdem dafür, Kreativität nicht nur als hohles Schlagwort zu begreifen, sondern besonders die bewusste Entwicklung von Ideen und die Planung von deren Umsetzung ernst zu nehmen. Nach de Bono sollte das Thema Kreativität in Unternehmen genauso ernst genommen werden, wie Finanzen und Recht und es sollte eine zuständige Person geben, die sich mit Kreativität, Kreativitätstrainings und der Organisation des Umsetzungsprozesses befasst.

In diesem Sinne wünsche ich einen guten Start in das Jahr der Kreativität und Innovation 2009.

Adventskalender der Denkwerkzeuge 24: Besser denken mit Denkwerkzeugen

Mittwoch, 24. Dezember 2008

So, das wars, so schnell sind 24 Folgen des Adventskalender der Denkwerkzeuge vorbei. Ich hoffe, es war der eine oder andere hilfreiche Anregung für Sie dabei! Mir ist bewusst, dass man diese vielfältigen Denkwerkzeuge nicht vom lesen alleine lernt. Viele Menschen brauchen konkrete Übungen und Anwendungsbeispiele, deshalb gebe ich ja auch Trainings zu diesen Themen und deshalb habe ich unter anderem dem Münchner Denkclub ins Leben gerufen (Für alle, die in der Nähe von Würzburg leben, hier gibt es den Würzburger Denkclub).
Dennoch hoffe ich, dass Sie beim Lesen etwas über Denkwerkzeuge und Verfahren der kreativen Problemlösung gelernt haben.

Als Weihnachtsgeschenk gibt es heute noch einmal eine Zusammenfassung mit Links zu den jeweiligen Artikeln.

Zu Anfang habe ich mich mit einer Einführung und Definition von Denkwerkzeugen beschäftigt, damit klar wird, was ich darunter verstehe.

Grundlagen des Denkens
Kreative Problemlöseprozesse zeichnen sich durch zwei getrennte Denkoperationen aus, einem in die breiten gehenden spielerischen Denken, und einem ernsthafteren und fokussierten Denken. Beide haben unterschiedliche Grundregeln ohne die es nicht funktioniert.

Verfahren, die Denkwerkzeuge strukturieren
Neben einzelnen Denkwerkzeugen, die zumindest ursprünglich für einen bestimmten Zweck entwickelt wurden, gibt es Verfahren, die kreative Problemlöseprozesse strukturieren und organisieren. Diese habe ich nach dem Grad Ihrer Komplexität und Feinheit vorgestellt. Zwei eher einfachere Frameworks wie diese Verfahren im Englischen so schön heißen wurden von Edward de Bono entwickelt: Die 6 Hüte und TO-LO-PO-SO-GO. Das ausgefeilteste und am besten erforschte Verfahren ist das Creative Problem Solving (CPS) Verfahren.
Innerhalb dieser Verfahren kommen verschiedene Denkarten zum Einsatz, die die Wissenschaft kategorisiert hat.

Ein Baukasten der Denkwerkzeuge
Den Hauptteil dieses Adventskalenders machten die Kurzvorstellung einzelner Denkwerkzeuge aus, die wiederum grob nach Ihrem Zweck geordnet werden können.

Finden der Herausforderung und Klären des Problems

Finden von IdeenBewerten und stärken von IdeenSchaffen von AkzeptanzAllgemein zur Visualisierung des Denkens kann die Technik des Mind Mapping helfen.

Jetzt bleibt mir nur noch Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Start in das neue Jahr zu wünschen. Eine Schreibpause bis zum 05.01.09 habe ich mir jetzt verdient :-)

Adventskalender der Denkwerkzeuge 23: Consequence & Sequel (C&S)

Dienstag, 23. Dezember 2008

C&S ist wieder ein Werkzeug von Edward de Bono, um bewusst die möglichen Konsequenzen einer Entscheidung oder Handlung in vier unterschiedlichen Zeitabständen zu betrachten. Ziel ist es, vor einer Handlung über das reine kurzfristige Denken hinaus auch langfristigere Konsequenzen zu bedenken.

Meist werden, wenn überhaupt, nur die unmittelbaren und kurzfristigen Konsequenzen einer möglichen Entscheidung bedacht. Wichtige weitere mögliche mittelfristige und langfristige Auswirkungen werden oft nicht betrachtet. Dies liegt unter anderem daran, dass über die Konsequenzen nur spekuliert werden kann und es keine absolute Gewissheit gibt.

So funktioniert es:
C&S arbeitet mit den folgenden vier Zeithorizonten: unmittelbar, kurzfristig, mittelfristig und langfristig.

  1. Zu Beginn werden die Zeithorizonte definiert. Wie lange diese jeweils sind, hängt vom Thema ab. Bei einer Fragestellung zu aktueller Mode werden die Zeitabstände generell kürzer sein als z.B. zum Thema erneuerbare Energien.
  2. Nun werden die Zeiträume nacheinander durchgegangen und die möglichen Konsequenzen gesammelt.
  3. Nachdem eine Vielzahl an Konsequenzen gesammelt wurden, können die wichtigen und relevanten markiert werden und ggf. darauf reagiert werden.


Wann setzt man C&S ein?
Wenn C&S im Rahmen eines kreativen Problemlöseprozesses eingesetzt wird, dann kommt es meist dann zum Einsatz, wenn meine Lösung schon ziemlich entwickelt ist und man vor der Handlungsplanung noch einmal über Konsequenzen und Implikationen der Lösung nachdenken möchte.

Adventskalender der Denkwerkzeuge 19: PMI

Freitag, 19. Dezember 2008

Nachdem wir in den letzten Posts Denkwerkzeuge zur Ideenentwicklung kennen gelernt haben, möchte ich nun einige evaluative Werkzeuge vorstellen, deren Ziel es ist, Themen/ Vorschläge/ Ideen von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu bewerten.

PMI ist ein wahrnehmungslenkendes Werkzeug entwickelt von Edward de Bono, das dem Denker hilft, eine Situation ganzheitlich zu erkunden und zu erforschen, bevor er ein Urteil fällt. PMI steht für Plus – Minus – Interessant.

PMI ist deswegen besonders wichtig, da gerade Erwachsene, besonders in westlichen Kulturen, dazu neigen, sehr schnell zu urteilen und sich auf eine Position fest zu legen. PMI hilft, das Schema Reiz – Reaktion (Vorschlag – sofortiges Urteil) zu unterbrechen und zwischen Reiz und Reaktion eine Phase des Erkundens zu schalten. In der Kreativitätsforschung spricht man hier davon das Phänomen des premature closure (das gedankliche zumachen) zu vermeiden, eines der Haupthindernisse für Kreativität. Dadurch, dass wir die Aufmerksamkeit einmal bewusst auf die Aspekte Plus – Minus – Interessant lenken, kann sich die Wahrnehmung auf ein Thema ändern und somit auch die Meinung und Reaktionen verändern. PMI kann uns besonders bei unsicheren Entscheidungssituationen helfen, oder auch als Vorstufe einer Diskussion (ähnlich wie die 6 Hüte, nur reduzierter und kürzer).

So funktioniert es:

  • Nehmen Sie sich alleine oder als Gruppe ein Thema und betrachten Sie es nacheinander nach den Aspekten, Plus – Minus – Interessant
  • Für jede Denkrichtung (P-M-I) gibt es ein Zeitlimit von z.B. 2 Minuten.
  • Wichtig ist, dass alle zur gleichen Zeit sich mit der gleichen Richtung beschäftigen und Ihre Einfälle zum Thema bringen.
  • Während die Gruppe in eine Richtung denkt, gibt es keine Diskussion und kein Springen zwischen den Denkrichtungen. Diese werden von einer Person schriftlich festgehalten.
  • So werden nacheinander gemeinsam die Punkte Plus – Minus – Interessant durchgegangen.
Ergebnis eine PMI ist oft, dass eine umfassendere Sicht auf ein Thema entsteht, dass Menschen Ihre ursprüngliche Meinung verändern und dass es nun leichter fällt in einem zweiten Schritt zu reagieren.

Eingesetzt haben wir PMI auch zum Auftakt des ersten Semesters des Münchner Denkclubs, um den Interessenten einen Einstieg in das Thema Denkwerkzeuge zu vermitteln.

Adventskalender der Denkwerkzeuge 17: Erzwungene Verbindung

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Erzwungene Verbindung ist eine Methode des lateralen Denkens. Der Begriff laterales Denken stammt von Edward de Bono und beschreibt den bewussten Spurwechsel im Denken, das Herauswerfen aus bestehenden Denkbahnen, das zu neuen Ideen führt.
Bei dieser Technik wird ein zufälliges Bild, Wort oder Objekt genutzt, um weitere Einfälle im Hinblick auf die Problemstellung zu erhalten.

Diese Technik ist deshalb notwendig und hilfreich, da das menschliche Gehirn immer versucht, Neues in bestehende Muster einzuordnen bzw. in bestehenden Mustern zu denken. Dies ist einerseits sehr sinnvoll, da wir so das Rad nicht immer neu erfinden müssen und wir so unsere Handlungsgeschwindigkeit erhöhen. Wenn es um die Ideenentwicklung geht, also darum, neue Vorgehensweisen in Hinblick auf ein Problem zu generieren, erschwert diese automatische Mustererkennung unseres Gehirns das Finden neuer Ideen.

So funktioniert es:

  1. Nehmen Sie ein zufälliges Wort, Bild oder Objekt, das mit dem Problem in keinerlei Zusammenhang steht und fragen Sie: "Welche Ideen erhalte ich, dieses Problem zu lösen, wenn ich dieses Wort, Bild oder Objekt sehe?"
  2. Erzwingen Sie eine Verbindung / einen Zusammenhang zwischen dem Bild und dem Problem, um so mehr Ideen zu generieren. Auf diese Weise führt die Technik oft zu neuen oder ungewöhnlichen Optionen.
Beispiele:
Das Problem lautet: "Wie könnte ein ungewöhnliches Weihnachtsgeschenk für meine Mutter aussehen?"

Bild 1: Das Weizenfeld.
Hier denke ich an Natur, an Freiheit an draußen sein.

Ideen, die mir beim Betrachten einfallen:
  • Eine Woche Ferien auf dem Bauernhof.
  • Eine gemeinsame Woche auf dem Jakobsweg.



Bild 2: Die Stühle
Hier denke ich an schönes Ambiente, an ein schönes Haus oder an Handwerkskunst, an zwei Leute, die sich Gegenüber sitzen.

Ideen, die mir beim Betrachten einfallen:
  • Einen Polstermöbelkurs im Haus der Eigenarbeit in München.
  • Ich bezahle einen Einrichtungsberater, der meine Mutter bei der Umgestaltung der Wohnung berät.
  • einen Gutschein für den Astrologen.



Jeder wird andere Assoziationen haben, die obigen Beispiele zeigen, was mir spontan dazu einfällt. Die Beschäftigung mit einem Objekt, das mit dem Problem in keiner Verbindung steht führt meist zu Einfällen, an die man vorher nicht Gedacht hat. Man ist im positiven Sinne gezwungen eine Verbindung zum Problem herzustellen.

Adventskalender der Denkwerkzeuge 6: TO-LO-PO-SO-GO

Samstag, 6. Dezember 2008

Regelmäßige Leser dieses Blogs haben diesen schönen kryptischen Namen schon einmal gehört. TO-LO-PO-SO-GO ist der Name eines Frameworks (eines Vorgehens, um einen Problemlöseprozess zu strukturieren) von Edward de Bono.

Die Abkürzungen TO, LO, PO, SO, GO stehen für die einzelnen Stufen des Vorgehens, die sich im Großen und Ganzen an den Phasen (siehe Tag 4 dieses Adventskalenders) der kreativen Problemlösung orientieren.

Die Stufen im Detail
Jede der Phasen steht für eine bestimmte Richtung des Denkens und lässt sich in der Anwendung mit verschiedenen, für den Zweck des Denkens passenden, Denkwerkzeugen kombinieren, um so schneller ans Ziel zu kommen.

Die Bedeutung der Phasen:

  • TO: Finden des Ziels.

    Was ist das Ziel des Denkens, was soll am Ende herauskommen
  • LO: Finden der Fakten (LO steht für look out)
  • PO: Finden von Ideen zur Lösung (PO steht für de Bonos Techniken der Provokation)
  • SO: Finden von Lösungen (SO für so what?)

    Die gefundenen Ideen müssen nun bewertet und verbessert werden
  • GO: Handlungsplanung
Ich habe diesem Framework zu Anfang des Jahres bereits eine sehr ausführliche Artikelserie mit Anwendungsbeispiel und Visualisierung mit MindManager gewidmet. Für alle Interessierten geht es hier zum Anwendungsbeispiel, von dem aus alle Teile der Artikelserie erreichbar sind.