Methoden der Produktentwicklung – SCAMPER

Sonntag, 21. Februar 2010

Eine weitere Kreativitätstechnik, die ich gerne in einem Innovationsworkshop mit dem Schwerpunkt auf Produktentwicklung einsetze, ist SCAMPER.



SCAMPER ist ein Akronym und steht für die folgenden Begriffe:


  • Substitute (ersetzen)
  • Combine (kombinieren)
  • Adapt (anpassen/angleichen)
  • Modify (modifizieren)
  • Put to other uses (anders einsetzen)
  • Eliminate (weglassen)
  • Rearrange (neu anordnen)

SCAMPER ist eine Weiterentwicklung und Kategorisierung der Osborn Checkliste. Alex Osborn, der "Erfinder" des Brainstormings entwickelte zusammen mit Sidney Parnes die erste Version des Creative Problem Solving Prozesses. Zur Ideenfindung verwendete er neben Brainstorming eine Liste von Fragen, die Denkanstöße bei der Lösung des Problems geben sollte.

Diese Frageliste wurde später weiter entwickelt und kategorisiert, um die Anwendung der Technik zu verbessern. Zur leichteren Merkbarkeit entstand das Akronym SCAMPER. SCAMPER gehört somit zur Familie der Checklistentechniken.

Besonders hilfreich in der Produktentwicklung


Besonders hilfreich ist SCAMPER, wenn es auf eine bestehende Vorlage, das heißt ein bereits existierendes Produkt oder Dienstleistung angewandt wird anhand derer die Fragen einmal durchgespielt werden. Denn dann machen diese Fragen Sinn. Wenn Sie also überlegen, wir die Stabilität des Bauteils XY verbessern, können diese Fragen hilfreich sein.

Die unten stehenden Folien aus meinem Kreativitätstraining zeigen am Beispiel der Supermarktkasse, wie SCAMPER zum Einsatz kommen kann.



SCAMPER detailliert


Die Erfahrung zeigt, dass die reinen Überschriften vielen Menschen zu abstrakt sind, um darauf Ideen zu generieren, deshalb arbeite ich gerne mit detaillierten Unterfragen, die ich abhängig von der konkreten Problemstellung einsetze:

Ersetzen

  • Was kann man ersetzen?
  • Was kann man statt dessen nutzen?
  • Wer kann statt dessen eingebunden werden?
  • Welchen Prozess könnte man statt dessen nutzen?
  • Welches andere Material könnte man statt dessen nutzen?

Kombinieren

  • Was kann kombiniert werden?
  • Was kann man vermischen?
  • Wie könnte man bestimmte Teile verbinden?
  • Welche Zwecke könnte man kombinieren?

Anpassen/ Angleichen

  • Welche anderen Ideen suggeriert das?
  • Gibt es etwas, das ähnlich ist, dass man auf das bestehende Problem anwenden kann?
  • Gibt es aus der Vergangenheit ähnliche Situationen?

Modifizieren

  • Welche Veränderung könnte man einführen?
  • Kann man die Bedeutung verändern?
  • Wie könnten man Farbe oder Form verändern?
  • Was kann man vermehren?
  • Was kann man verringern?
  • Was könnte man modernisieren?
  • Kann man es vergrößern?
  • Kann man es verkleinern?

Anders einsetzen

  • Wofür könnte es im jetzigen Zustand noch eingesetzt werden?
  • Wofür könnte man es einsetzen, wenn man es verändert?

Weglassen

  • Was könnte man weglassen?
  • Ohne was würde es auch funktionieren?

Neu anordnen

  • Welche anderen Muster würden auch funktionieren?
  • Welche Veränderungen könnte man einführen?
  • Was könnte man austauschen?
  • Was könnte man neu anordnen?

Aus meiner Erfahrung ist es wichtig, zuerst ein Beispiel zu sehen und dann die detaillierten Fragen kurz durchzugehen. Allerdings ist habe ich auch bemerkt, dass SCAMPER für viele wesentlich anstrengender ist als andere Kreativitätstechniken und die Anzahl der Ideen bei SCAMPER geringer ausfällt.

Geschäftsideen entwickeln und Entrepreneur werden

Sonntag, 17. Januar 2010

Auf dem Blog des Labor für Entrepreneurship findet sich eine toller Vortrag von Prof. Yunus anlässlich des Citizen Entrepreneurship Workshops in Berlin.
Seine Botschaft: every human being can be an entrepreneur. Statt den immer weniger werdenden Jobs hinterherzulaufen und sollten wir mehr Energie darauf verwenden, etwas eigenes zu schaffen.

Auch Günter Faltin, der Gründer des Labors für Entrepreneurship, zeigt in seinem Buch Kopf schlägt Kapitel eindrucksvoll, wie im Zeitalter des Internet und hochspezialisierter Dienstleister, jeder mit geringem Kapital zum Entrepreneur werden kann.

Beide betonen, dass die Idee zentral ist und es weniger um betriebswirtschaftlichen Kenntnisse geht. Diese werden erst zu einem späteren Zeitpunkt relevant und dann kann man diese bei Bedarf zukaufen.

Worauf kommt es beim Entwickeln einer Geschäftsidee an?
Immer wieder finde ich folgende Punkte:

  • man muss sich seiner Stärken bewusst sein
  • man muss wissen, was man "wirklich wirklich will", was einem Sinn und Freude bereitet
  • man muss in der Lage sein, eine erste Idee beharrlich weiter zu entwickeln, bis hin zu einer umsetzbaren Lösung.
Alles wichtige Kompetenzen, die in unserem Erziehungssystem nicht vermitteln werden.

Das Problem in kleine Häppchen aufteilen


Im Moment bin ich wieder einmal in China. Neben meinen Kreativitätstrainings und der Moderation von Innovationsworkshops habe ich die Gelegenheit, einem Bekannten bei seinem Gründungsvorhaben zu helfen. Ähnlich, wie bei den Teilnehmern der Akademie für Visionautik fällt mir in meinen Coachings dabei immer wieder auf:
  • Das Problem ist oft so breit bzw. so schwammig, dass nicht klar ist, wo man beginnen soll, bzw. in welcher Reihenfolge man die Einzelbausteine bearbeiten soll
  • Bei der Entwicklung von Ideen wird zu schnell bewertet und eingeschränkt. Es muss ja schließlich "realistisch" sein.
Auch für Einzelcoaching nutze ich das Creative Problem Solving Verfahren. Dabei können wir beide Barrieren durchbrechen:
  • Mit Hilfe der Technik des Challenge Mapping, lässt sich ein schwammiges Problem schrittweise untersuchen, bis bearbeitbare Kernfragen gefunden werden.
  • Durch den Einsatz von kreativen Prinzipien und die systematische Trennung von Entwickeln von Optionen und Bewerten von Optionen lassen sich schrittweise "realistische" Möglichkeiten entwickeln, die vor nicht denkbar (am wahrsten Sinne des Wortes) waren.

Dokumentation einer Unternehmensgründung


Zusammen mit einem Partner befinde ich mich gerade in einem Gründungsprozess für ein kleines Unternehmen. Natürlich haben wir uns bei der Entwickelung unserer Geschäftsidee eines systematischen kreativen Problemlöseprozesses bedient. Ich bin sicher, dass dieses Vorgehen jedem dabei helfen kann, von einer vagen Idee zu einem konkreten Vorhaben zu kommen. Sobald unsere Website live ist, werde ich die Dokumentation unseres Gründungsprozesses hier auf dem Blog veröffentlichen.

Seien Sie Batman, nicht Superman – Wege zu mehr Kreativität und Innovation

Dienstag, 22. Dezember 2009

Wir allen kennen die beiden Comic Helden, Batman und Superman. Beide retten ständig ihre jeweilige Welt und sind den "normalen" Weltbewohnern in ihren Fähigkeiten überlegen.
Was unterscheidet die beiden?
Superman ist was er ist aufgrund seiner übernatürlichen Kräfte. Das kann ihm niemand nachmachen.
Batman ist ein ganz normaler Mensch, der mit Hilfe einer Vielzahl technischer Unterstützer seine Taten vollbringt. Jeder könnte, wenn er Zugang zu diesen Hilfsmitteln hätte, ein Batman sein und das gleiche vollbringen.

aufgenommen von nhussein
http://www.flickr.com/photos/nhussein/3416854920/

In Hinblick auf Kreativität ist jeder ein Batman


Gregg Fraley machte auf seinem TEDxNasa Vortrag diesen schönen Vergleich. Jeder kann Kreativität leben, kreativ denken und in seiner Tätigkeit kreativ sein.
Die Grundlage dafür das leben der kreativen Grundprinzipien, die Trennung zwischen Entwickeln und Bewerten und das zurückhalten vorschneller Beurteilung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die technischen Hilfsmittel zu denen jeder Mensch Zugang hat. Bei diesen Hilfsmitteln handelt es sich um Prozesse der kreative Problemlösung wie Creative Problem Solving, TRIZ und Synectics und dem bewussten Einsatz von Kreativitätstechniken.



Genau diese Elemente sind Kern von Kreativitätstrainings und kommen zur Anwendung in meinen Innovationsworkshops.
Wie sagte es Gregg so schön: Innovation ist in Flaschen abgefülltes Wasser. Kreativität ist die Quelle aus der das Wasser kommt.

Kreativitätstraining

Samstag, 19. Dezember 2009

Neulich wurde ich wieder einmal mit folgender Aussage konfrontiert: Kreativ ist man oder ist man nicht, aber lernen kann man das nicht. Daher ist es mir schleierhaft, was man in einem Kreativitätstraining macht.

Definition: Kreativität ist die Fähigkeit ein materielles oder immaterielles Produkt hervorzubringen, das nützlich ist.
Ein Produkt kann dabei alles mögliche sein, ein Bild, eine Theorie oder eine Maschine. Für wie viele Menschen es nützlich sein muss, ist in meiner Definition nicht festgelegt. Hier gibt es in der Kreativitätsforschung unterschiedliche Auffassungen.
Worüber absolute Einigkeit besteht ist die Tatsache (!), dass Kreativität eine Fähigkeit ist, die trainiert und verbessert werden kann und die nur zu einem geringen Teil von Veranlagung abhängt. Jeder Mensch, der über normale Intelligenz verfügt hat das gleiche Potenzial kreativ zu sein.

Was passiert in einem Kreativitätstraining?


Trainer, die ein Kreativitätstraining anbieten, gibt es viele. Auch das Verständnis von Kreativität und was in einem Kreativitätstraining passiert ist sehr unterschiedlich. Viele bieten, wie das Handelsblatt kürzlich verächtlich geschrieben hat "Trommelworkshops" an und verkaufen das dann als Kreativitätstraining.
Diese Art von Kreativitätstraining hat sicher auch ihre Berechtigung. Wenn es um Kreativitätstrainings für Organisationen und Unternehmen geht, wird sich dadurch jedoch sicherlich kein kreativer Output (im Sinne der obigen Definition) in der Organisation einstellen.
In einem viel beachteten Buchbeitrag aus dem Jahr 1994* hat Min Basadur die bis heute relevanten Faktoren zusammengetragen, die es benötigt, damit ein Kreativitätstraining Wirkung in einer Organisation entfalten kann, damit also die Menschen kreativ im Alltag handeln und es in ihre Arbeit übertragen.
Auf diesen Faktoren bauen das Kreativitätstraining von creaffective auf:

Vermittlung der Grundprinzipien von Kreativität


Die Grundlage der Kreativität ist die Trennung von zwei Prinzipien im Denken:
  1. dem Entwickeln von Optionen
  2. dem Bewerten von Optionen. Im Kontext der Ideenfindung spricht man von Ideen finden und Ideen bewerten.

Kreativität ist jedoch mehr als Ideen entwickeln. Die Ideenentwicklung ist nur ein Teil eines Kreativprozesses (siehe unten). Deshalb spricht man auch von zwei Arten des Denkens, dem divergierenden und dem konvergierenden Denken.
In einem Großteil der Besprechungen, die ich beobachte, findet diese Trennung nicht statt. Statt dessen laufen "ja, aber" - Runden ab, die meist langwierig und unproduktiv sind.
Wie Basadur herausgearbeitet hat, geht es nicht nur darum, dass Menschen diese Trennung von divergierendem und konvergierendem Denken theoretisch verstehen, sondern diese auch akzeptieren - indem sie im Training erleben, dass man dadurch schneller zu besseren Ergebnissen kommt – und diese dann auch im Alltag praktizieren.

Kreativitätstechniken


Auch wenn die Grundprinzipien der Kreativität beachtet werden, ist es oft trotzdem schwer, eingefahrene Denkbahnen zu verlassen und neue Sichtweisen auf Fragestellungen zu bekommen oder neue Ideen zu entwickeln. Dazu gibt es praktische Helferlein, Kreativitätstechniken oder Denkwerkzeuge. Diese können einem Individuum oder einer Gruppe helfen das Denken zu strukturieren und kreativ zu denken, z.B. dadurch, dass Denkrichtungen vorgegeben werden.





Einsatz eines Kreativprozesses


In einem Kreativitätstraining ist den Teilnehmern nicht geholfen, wenn der Trainer Ihnen an einem Tag 15 Kreativitätstechniken unsortiert um die Ohren haut. Dann passiert das, was mir ein Kunde zu Beginn eines meiner Trainings berichtet hat: "Nach dem damaligen Training waren wir noch verwirrter als vorher. Das möchte ich in diesem Training vermeiden."
Kreativität folgt einem Prozess bzw. ist ein Prozess! Dieser implizite und vielen Menschen nicht bewusste Prozess muss, besonders in Gruppen, explizit gemacht werden. Dazu gibt es Modelle der kreativen Problemlösung, wie Creative Problem Solving, Design Thinking und TRIZ-Modelle, die sich alle ähneln und denen man sich orientieren kann.
Grob vereinfacht kann man sagen, dass alle Modelle einen Kreativitätsprozess als einen Problemlöseprozess begreifen, der sich in die drei große Elemente einteilen lässt:
  • Problemfindung / Problemdefinition
  • Problemlösung
  • Lösungsimplementation
Auch die Arbeit eines Bildhauers kann man so darstellen!

Der Einsatz solcher expliziter Verfahren sorgt dafür, dass sich Menschen bewusst werden, wo innerhalb eines Kreativprozesses sie sich befinden. Die Modelle geben auch Hinweise, wann welche Kreativitätstechnik zum Einsatz kommt und sie strukturieren den Denkprozess einer Gruppe und helfen, qualitative Ergebnisse zu erzielen.
Im creaffective Kreativitätstraining für viele Teilnehmer neu ist der Aspekt, dass die oben genannten Prinzipien der Kreativität nicht nur bei der Problemlösung zum Einsatz kommen, sondern in allen drei Elementen eines Kreativprozesses, also auch bei der Problemdefinition und der Planung der Umsetzung einer Lösung.
Basadur drückt es so aus: "Thus, the notion is that it is not sufficient to merely "solve" a problem creatively. Creativity must also be applied to the implementation of a solution and to the discovery of the problem in the the first place." (S. 239)

Zwei weitere Faktoren üben einen Einfluss auf den Effekt von Kreativitätstrainings aus.
  1. Die Dauer: Wissenschaftlich lässt sich keine optimale Dauer bestimmen. Es hat sich nur gezeigt, dass es mindestens einen Tag benötigt, um die oben genannten Elemente ausreichend zu üben und damit nicht nur für das Verständnis, sondern auch für die Akzeptanz zu sorgen. Ein zweistündiges Kreativitätstraining ist also definitiv zu kurz.

  2. Die Teilnehmer: Wenn es sich um für offene Trainings in einer Organisation handelt, ist es wichtig mit den Führungskräften zu beginnen. Wenn das Training einen Effekt über das Individuum hinaus haben soll, dann bedeutet dies einen Kulturwandel innerhalb einzelner Teams. Ein Kulturwandel ist ein Prozess, der von oben nach unten statt findet. Daher sollten in einem offenen Kreativitätstraining zuerst Menschen mit Führungsverantwortung im Training sitzen. Eine andere Alternative ist ein Kreativitätstraining für ein ganzes Team, dass danach auch so weiter zusammen arbeiten wird.
Um wieder zum Anfang zu kommen: Kreativität kann man bewusst verbessern. Dafür kann ein Kreativitätstraining sinnvoll sein, besonders in einem Organisationskontext. Damit diese eine positive Wirkung haben können, müssen diese auf den obigen Grundlagen aufbauen.


"Kreativitätstraining" vollständig lesen

Wege zu höherer persönlicher Arbeitsproduktivität – Tipps für effektiveres Arbeiten

Donnerstag, 10. Dezember 2009

In Teil 1 dieser Serie, habe ich mich entschlossen die Frage nach der höheren Arbeitsproduktivität in zwei Unterfragen aufzuteilen.

Die Frage nach dem effizienteren Arbeiten und die Frage nach dem effektiveren Arbeiten.

Was bedeutet diese Unterscheidung für mich?
Effizient heißt, die Dinge die man tut möglichst schnell oder mit wenig Aufwand zu erledigen.
Beim Effizienzgedanken wird nicht hinterfragt, ob die Dinge, die man tut, überhaupt die richtigen sind.
Das ist für mich die Frage der Effektivität: Tue ich die richtigen Dinge?

Im persönlichen Kontext gibt es hierauf keine vorgegebene Antwort, diese muss wohl jeder für sich selbst finden.
Im beruflichen Kontext, zumindest als Angestellter, sind die Oberziele meist mehr oder weniger vorgegeben. Die Oberziele (z.B. die Mission eines Unternehmens oder ganz einfach das Ziel Geld zu verdienen) sind jedoch zu abstrakt und in ihrer Abstraktheit nur schwer direkt zu erreichen. Deshalb werden diese meist noch einmal herunter gebrochen. Auf dieser Detail-Ebene stellt sich nun trotz des vorgegebenen Oberziels immer wieder die Frage nach der Effektivität. Tue ich das richtige, um das Oberziel, z.B. in 2009 X% mehr Kunden zu gewinnen?

Aus dem bei brainr gestarteten Brainstorming hier nun meine persönliche TOP-Liste zum effektiven Arbeiten.

  1. Wissen, was Erfolg ist – Ziele setzen
    Bevor ich beurteilen kann, ob ich effektiv arbeite, muss ich erst einmal wissen, was Erfolg überhaupt darstellt. Besonders relevant finde ich das auch für eigene Leben, in dieser Serie geht es jedoch um die Arbeitsproduktivität.
    Wie immer bediene ich mich einer Reihe von Denkwerkzeugen, die mir helfen können. Zum Finden und Auswählen von Zielen und zur Frage, woran man erkennt, ob man seinem Ziel näher kommt, habe ich auf diesem Blog schon einmal die Denkwerkzeuge Wunschdenken, Erfolgszonen und DRIVE vorgestellt.

  2. Ziele systematisch analysieren und priorisieren
    Gerade im Beruflichen hat man meist mehr Ziele oder potenzielle Ziele als realistischerweise erledigt werden können. Auch hier finde ich es wieder hilfreich zu überlegen, welche der vielen möglichen Herausforderungen ich nun mit hoher Priorität angehen sollte. Auch hier hilft mir grundsätzlich das Denkwerkzeug Erfolgszonen.
    Bei sehr breiten Zielen wie, z.B. meine Firma creaffective weiter voranbringen geht es vorher noch einmal darum, genau zu klären, was das nun eigentlich heißt. Im Rahmen eines kreativen Problemlöseprozesses befinden wir uns hier beim Formulieren von Herausforderungen.
    Eines der hilfreichsten Denkwerkzeuge dazu ist das Challenge Mapping. Aus dem Oberziel creaffective voranzubringen lassen sich daraus eine Reihe von konkreteren Detailzielen ableiten. Mit dieser Technik arbeite ich vor allem in moderierten Strategieworkshops und Innovationsworkshops.


  3. Bei der Wochenplanung die 20% der Tätigkeiten identifizieren, die 80% des Erfolgs ausmachen
    Leo Babauta verwendet in seinem e-book zen to done den Begriff der Wochenbrocken, also die großen Aufgaben, die mich meinen Zielen näher bringen. Diese wenigen (2 – 3) Wochenbrocken sollten immer Priorität haben und jede Woche im Rahmen einer Wochenplanung mit den Jahreszielen abgeglichen werden. Zwischendurch kann man nach Babauta dann die kleinen Steinchen erledigen, wie z.B. Mails schreiben etc., die einen sonst oft den ganzen Tag beschäftigen können.
    Diese Vorgehen finde ich sehr hilfreich, um während des effizienten Arbeitens immer wieder einmal Perspektive zu gewinnen und zu überlegen, was wirklich wichtig ist.


  4. Morgenreflektionen durchführen
    In einem Interview mit dem Handelsblatt vom 25.10.2009 hat Henry Minzberg einmal von seinem Vorgehen der Morgenreflexion berichtet. Diese kommt bei den MBA Studiengängen zum Einsatz:
    "Was sind denn morgendliche Reflektionen? [Handelsblatt]

    [Mintzberg] Die Teilnehmer haben ein leeres Buch, darin steht nicht mehr als ihr eigener Name. Jeden Morgen sitzen sie in einer Runde zu viert oder fünft zusammen und schreiben Gedanken des vergangenen Tages auf, die im Kurs aufkamen, oder Probleme im Beruf oder etwas, das sie gehört haben. Nach etwa zehn Minuten tauschen sie sich untereinander über das aus, was sie geschrieben haben. Dann kommen alle Teilnehmer zusammen und die Gruppen teilen allen ihren jeweils besten Gedanken mit. Wir fügen auf der ersten Seite noch ein Zitat einer Absolventin ein. Sie hat gesagt: 'Das ist das beste Buch über Management, das ich je gelesen habe.' "
    Dieses Vorgehen kann ich mir auch gut vorstellen, um immer wieder durch Rückmeldung von anderen zur erfahren, ob wir noch das richtige tun.

  5. Aus Fehlern lernen
    Diese Idee fand ich klasse und hat mich an ein Vorgehen erinnert, dass ich während einer RealAcad-Fortbildung vor Jahren kennen gelernt habe.
    RealAcad arbeitet mit persönlichen Verbesserungslisten. Dort trägt man die Dinge ein, die nicht gut funktioniert haben und versucht diese beim nächsten Mal besser zu machen. Außerdem wird in die Liste geschrieben, wie man versuchen wird, es beim nächsten Mal besser zu machen.

  6. Regelmäßig unproduktive Zeiten festlegen um nichts zu tun und aufzutanken
    Anselm Bilgri schreibt in seinem neuen Buch von der verlorenen Stunde, die man sich nehmen solle. Eine Stunde täglich, die man sich bewusst für sich selbst reserviert, in der man nichts machen muss, sondern einfach nur den Gedanken nachhängen kann. Das ist dann vielleicht wie die Ideen, die beim Duschen kommen.


Eine absolut subjektive Liste, vielleicht sind ja für den einen oder anderen Leser noch weitere lohnenswerte Ideen in der brainr-Liste.

Erfolgsfaktoren von Innovationsworkshops

Freitag, 4. Dezember 2009

Vor kurzem bin ich von einer Studentengruppe angeschrieben worden, die sich in einem Projekt mit den Erfolgsfaktoren von Ideenworkshops oder Innovationsworkshops beschäftigt. Ich bin gefragt worden, was aus meiner Sicht die Erfolgsfaktoren von Innovationsworkshops seien.
Unter einem Innovationsworkshop oder Kreativworkshop verstehe ich die Zusammenkunft einer Gruppe von Leuten, die auf ein Problem neue Lösungen generieren möchte, die umsetzbar sind und in einen Markt oder eine Organisation eingeführt werden können (=Innovation).

Die TOP 7 Faktoren aus meiner Sicht, es gibt noch weitere, möchte ich einmal vorstellen.

  1. Ausreichend Zeit
    "Können wir das nicht in ein paar Stunden machen?" In einem Innovationsworkshop kann eine Gruppe in vergleichsweise kurzer Zeit zu wirklich neuen Lösungen kommen, die durchdacht und bereits über einen hohen Detaillierungsgrad verfügen. Vergleichsweise kurz heißt, dass eine Gruppe innerhalb von wenigen Tagen etwas erreicht, was vorher in Wochen oder Monaten nicht geschafft wurde. Das ist kurz!
    Trotzdem dauert es mehr als ein paar Stunden, besonders bei technischen Fragestellungen. Aus der Erfahrung dauern Innovationsworkshops meist zwischen 2 und 3 Tagen, je nach Thema und Komplexität auch noch länger. Im Sinne der Lösung, macht es keinen Sinn, die Zeit zu stark einzuschränken. Wenn es wirklich wichtig ist, muss diese Zeit einfach möglich sein. Falls nicht, muss ich die Ernsthaftigkeit des Themas schon im Vorhinein in Frage stellen.

  2. Die richtigen Teilnehmer
    Ein erfolgreicher Innovationsworkshop hängt sehr von der richtigen Zusammensetzung der Workshopteilnehmer ab. Es sollten zuerst einmal alle notwendigen Wissensträger dabei sein. Trotzdem ist es wichtig, eine Mischung aus unterschiedlichen Leuten zu haben, d.h. hinsichtlich ihrer Funktion und ihres Hintergrundes. Bei Themen, wo es einen Kunden gibt, kann es sinnvoll sein, auch jemand von Kundenseite im Workshop zu haben. Es sollten Vertreter unterschiedlicher Stakeholder dabei sein, um eine Umsetzung der Lösung möglichst reibungslos zu gewährleisten.

  3. Einbinden der Stakeholder
    Dieser Punkt hängt mit dem vorherigen zusammen. Bei vielen Fragestellungen, z.B. bei der Weiterentwicklung von Produkten oder Dienstleistungen haben viele Personengruppen ein Interesse an der Lösung, nicht nur diejenigen, die das Produkt oder die Dienstleistung entwickeln. Das ist einmal der Kunde, der es nachher nutzen soll, aber auch interne Stakeholder wie z.B. Vertrieb oder Marketing. Diese Stakeholder sollten frühzeitig eingebunden werden.Wenn es Sinn macht, sollten diese bereits in einem Workshop dabei sein. Damit lässt sich die not invented here-Reaktion vermindern und die Unterstützung und reibungslose Umsetzung der Lösung verbessern.

  4. Vorbereitung
    Ein Innovationsworkshop ist immer nur so gut wie die Vorbereitung. D.h. einmal, dass es unbedingt ein ausführliches Vorbereitungsgespräch geben muss und zwischen Erstgespräch und dem Workshop genügend Zeit sein sollte, um die Hausaufgaben zu machen. Bei einem zweitägigen Workshop ist es durchaus realistisch vorab zwei bis drei Tage Vorbereitung einzuplanen von Moderator und Kunden.

  5. Methodik – Duschen alleine reicht nicht
    Ein Teilnehmer eines Innovationsworkshops sagte einmal den schönen Satz: "Duschen hilft der Kreativität, aber Duschen alleine reicht nicht."
    Anders gesagt, die Methodik alleine, ohne die anderen Faktoren hilft nichts, aber ein Workshop ohne die richtige Methodik kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht zum Erfolg.

    Ich arbeite in meinen Workshops mit dem Creative Problem Solving Verfahren, ein Orientierungsmodell, dass eine Gruppe auf sehr systematische Weise durch dein Einsatz von kreativen Prinzipien und Denkwerkzeugen und Kreativitätstechniken durch einen Problemlöseprozess führt. Denn um nichts anderes geht bei sämtlichen Workshops, egal ob diese nun Innovationsworkshop, Kreativworkshop, Ideenworkshop oder Strategieworkshop heißen.



    Zentral ist dabei die Trennung zwischen divergierendem und konvergierenden Denken, also die delikate Balance zwischen dem generieren von Optionen und der bewussten Auswahl und Filterung der Optionen. Für den Workshop heißt das, dass man dieses in die Breite schauen aushalten können muss. Besonders Ingenieuren fällt dies schwer, diese sind es gewohnt schnell zu einer Lösung zu kommen, was dazu führen kann, vorschnelle Schlussfolgerungen zu ziehen.



  6. Motivation
    Die Motivation der Teilnehmer ist Grundlage für alle Bemühungen zu neuen Lösungen zu kommen. Am besten ist diese intrinsisch und speist sich aus dem Interesse für dich Sache. Das wird wiederum ist oft bei den Ingenieuren besonders sichtbar.

  7. Management
    Nichts ist frustrierender als ein Workshop nach dem danach nichts passiert. Die Unterstützung des Managements und dessen Ernsthaftigkeit ist daher von zentraler Bedeutung. Hier sind wir wieder beim Thema Zeit. Nicht nur für den Workshop selbst braucht es Zeit, sondern auch nach dem Workshop müssen die notwendigen zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um das Ergebnis wirklich umzusetzen. Sonst verliert die Lösung an Momentum und versandet.
Aus meiner Sicht, ist es für einen erfolgreichen Innovationsworkshop hilfreich, diese Faktoren sicherzustellen und auch dem Kunden bewusst zu machen.

Elementare Umformungen: Den Lebensstil gestalten

Dienstag, 13. Oktober 2009

Letzte Woche habe ich den TED-Vortrag von Stefan Sagmeister gesehen (siehe Video), in dem er über die Wirkung von regelmäßigen Auszeiten sprach.



Sagemeister, ein in New York lebender – und anscheinend sehr gefragter - Designer hat sich entschlossen, seine Firma alle sieben Jahre für ein Jahr komplett zu schließen und sich eine Auszeit zu gönnen.
Seine Überlegung ist sehr ähnlich, wie die von Tim Ferriss, Autor des Buches 4-hour Workweek.
Anstatt das Leben in die drei großen Phasen Lernen und Ausbildung, Arbeiten und Ruhestand einzuteilen (siehe Bild) könnte man diese Phasen doch miteinander vermischen, um so für eine bessere Balance zu sorgen.


Im Fall Sagemeister wird ein Teil der Ruhestandsphase in Form von Jahreshäppchen in die Arbeitsphase eingefügt. Tim Ferriss spricht von einem Mini-Ruhestand von einigen Monaten, den man sich in regelmäßigen Abständen gönnen sollte und nennt das Ganze dann Lifestyle Design.

Das Prinzip der Elementaren Umformungen
Besonders oben stehendes Bild hat mich an eine Denkwerkzeug aus der TRIZ-Methodik erinnert, die ich in meinen Innovationsworkshops einsetze.

Ein Schlüsselaspekt bei TRIZ ist, dass man bei der Formulierung eines Problems (als ein Schirtt eines kreativen Problemlöseverfahrens) versucht, in Widersprüchen zu denken und Widersprüche zu formulieren.
Im Beipsiel von Stefan Sagemeister könnte das Problem folgendermaßen formuliert werden: Wie lauten alle Möglichkeiten für ein Lebensmodell, dass längere Ruhezeiten ermöglicht? Im Sinne der TRIZ Methodik könnten wir es auch so formulieren: Wie lauten alle Möglichkeiten für ein Lebensmodell, in dem Ruhezeiten vorhanden und nicht vorhanden sind? Vorhanden sollen die Ruhezeiten sein während der Arbeitsphase des Lebens (da sind sie bis jetzt zu wenig vorhanden) und teilweise nicht vorhanden sein während der Ruhestandsphase des traditionellen Lebensmodells (denn da sind sie zu viel vorhanden). Der Widerspruch lautet also: Finde eine Alternative, die es ermöglicht, dass Ruhezeit vorhanden und nicht vorhanden ist.

Der Faktor der vorhanden und nicht vorhanden sein soll ist der gleiche: die Ruhezeit. Es handelt sich also um nur einen Parameter. TRIZ spricht hier von einem Widerspruch mit nur einem Parameter oder eine physikalischen Widerspruch.
Eine Suchrichtung für Lösungen, die TRIZ bei physikalischen Widersprüchen vorschlägt ist das Prinzip der Elementaren Umformungen.
Hierbei versucht man das störenden Parameter zu separieren (deshalb heißt die Technik auch Separationsprinzipien) und zwar in den Kategorien Raum, Zeit, Struktur und Bedingungen.

Den Lebensstil elementar umformen
Stefan Sagemeister und Tim Ferriss haben nun genau das gemacht. Sie haben den störenden Faktor (Ruhezeit) zeitlich separiert, in dem sie einen langen Zeitblock in kleine Häppchen aufgeteilt haben.

Wendet man diese Separationsprinzipien an, dann lassen sich auf das obige Problem noch weitere Ideen finden:

Zeitliche Trennung

  • eine 10 Jahrespause in der Mitte des Lebens (hat einer der Kommentatoren zum obigen Video gemacht)
  • einmal im Monat wenige Tage extra frei
  • einen ganzen Monat pro Jahr frei nehmen
Räumliche Trennung
  • Ein Ort für Arbeit und Ruhe gleichzeitig
  • Eine Kombination von Ruheempfinden und Arbeitsmöglichkeit, z.B. eine inspirierende Arbeitsumgebung für Autoren, Berater, Trainer
Strukturelle Trennung
  • In Unternehmen: Kompetenzteams, die so organisiert werden, dass zu bestimmten Zeitpunkten immer eine Person fehlen kann.
  • Teams, die so organisiert werden, dass standardmäßig immer einer zu viel vor Ort ist und daher immer einer Ruhephasen hat und die Arbeit trotzdem weiter geht.
  • Jahreszeitkonten mit einer definierten Anzahl von Arbeitstagen pro Jahr, so dass es möglich ist, einige Zeit frei zu nehmen.
  • Arbeitszeitkonten, die es ermöglichen für Ruhezeiten anzusparen
Änderung der Bedingungen
  • Die Bedingungen für das Nehmen von Ruhezeit verändern: Bei ruhiger Auftragslage Ruhezeiten ermöglichen. Bei voller Auftragslage keine ermöglichen.
  • Die Bedingungen der Anwesenheit ändern: Die Arbeit so aufteilen, dass jeder chronologisch gesehen für einen Abschnitt zuständig ist und während anderer Abschnitte nicht anwesend sein muss.

Es gibt viele weitere Möglichkeiten. Wichtig ist mir, das Prinzip einmal zu verdeutlichen und Beispiele zu zeigen, wie es geht.
Für alle, die jetzt im Kopf viele "ja, aber..." haben, möchte ich meinen Artikel über PPCO empfehlen.

Europäische Konferenz der Kreativität und Innovation

Freitag, 9. Oktober 2009

2009 ist das EU Jahr der Kreativität und Innovation. Auch in diesem Jahr findet wieder die Europäische Konferenz für Kreativität und Innovation (ECCI) statt. Diesmal vom 28. - 30. Oktober in Brüssel.
Fokus der diesjährigen Konferenz ist nicht das Finden von neuen Ideen, was die meisten Menschen mit Kreativität assoziieren, sondern die Umsetzung. Wie kommen wir von ersten Ideen zu Lösungen und zur Umsetzung.

Edward de Bono mit von der Partie
Die Rednerliste besteht aus einer Reihe illusterer Namen, die wohl hauptsächlich nur in der Szene der Creativity-Practitioners bekannt sein dürften. Über diese Szene hinaus ist vielen Menschen Edward de Bono ein Begriff, der in diesem EU Jahr der Kreativität und Innovation auch offizieller EU-Botschafter ist. Er wird uns erklären, warum unser Denken unzureichend ist.

Storytelling Workshops nach der Konferenz
Auf der Konferenz werden auch die beiden Trainer Marcel van der Pol and Amy Frazier Workshops zum Thema Storytelling geben. Für alle, die sich dafür interessieren, aber nicht zur Konferenz können oder wollen, wird es am 2. November im Hub in Brüssel einen Tagesworkshop mit den beiden geben. Alle die regelmäßig vor Publikum sprechen müssen und eine gute Geschichte rüber bringen möchten, sind in diesem Workshop richtig.

Der Unterschied zwischen Innovation und Kreativität

Donnerstag, 24. September 2009

2009 ist das EU Jahr der Kreativität und Innovation. Falls Sie das nun zum ersten mal hören, geht es Ihnen wie den meisten Menschen.

Interessant am EU Jahr der Kreativität und Innovation finde ich die gemeinsame Verwendung der Begriffe Kreativität und Innovation. Hätte nicht das EU Jahr der Kreativität gereicht, oder das EU Jahr der Innovation? Sind die Begriffe womöglich sowieso Synonyme.
Oft werden Kreativität und Innovation als Synonyme gebraucht und oft lassen sich die beiden wirklich schwer trennen. Es gibt dennoch Kriterien, die eine Unterscheidung erleichtern und auch die Einordnung andere Begriffe ermöglichen, wie z.B. radikale Innovation, kontinuierliche Verbesserung (KVP)

Balance zwischen Originalität und Effektivität
Runco (2007) beschreibt ein Kontinuum zwischen Originalität auf der einen Seite und Effektivität, verstanden als Wirksamkeit (engl. effectiveness), auf der anderen Seite. Unter Originalität wird dabei verstanden, wie neu, einzigartig und ungewöhnlich etwas ist.
Mit Hilfe dieses Kontinuums lassen sich Unterschiede zwischen den Begrifflichkeiten erklären und veranschaulichen.
Am linken äußeren Rand (extreme Originalität) verankert Runco psychotisches Verhalten also einen Verlust des Realitätssinns. Auf dem rechten Rand (starke Effektivität) verankert Runco routinemäßiges Problemlösen. Dabei handelt es sich um Fragestellungen, bei welchen eine Lösungsroutine bereits definiert ist.



In der Mitte dieses Kontinuums sind nun die Begriffe Kreativität und Innovation platziert.
Kreativität befindet sich dabei links von Innovation. D.h. nach Runco ist der Anteil und die Bedeutung der Originalität bei der Kreativität größer als bei der Innovation.
Bei der Innovation spielt immer auch der Aspekt der Vermarktung oder Einführung eines konkreten „Produktes“ eine Rolle. Der Nutzenaspekt hat damit eine stärkere Bedeutung. Bei der Innovation ist die Originalität zwar wichtig, man möchte sich vom Mitbewerber abheben und etwas Neues schaffen, gleichzeitig muss das Produkt aber auch Nutzenkriterien gerecht werden.

Creative Problem Solving als besonders hilfreich für Innovation?
Leser dieses Blogs wissen, dass ich mich in meinen Innovationsworkshops und Kreativtrainings mit dem Creative Problem Solving Prozess arbeite. Der Name spielt bereits darauf an, dass Creative Problem Solving die Aspekte der Kreativität und des Problemlösens vereint. Betrachtet man sich Bild 1 dann schlägt Creative Problem Solving die Brücke zwischen Kreativität und routinemäßigem Problemlösen. Wir landen also in der Mitte zwischen diesen beiden Punkte auf dem Kontinuum: der Innovation.
Ist Creative Problem Solving also besonders geeignet zur Bearbeitung von Innovationsfragen? Ich glaube schon, da es immer eine Balance ermöglicht zwischen freiem, unterbewertetem kreativem Denken und den konkreten Nutzenkriterien, die individuell definiert werden können. Beim Creative Problem Solving geht es also nicht um das kreativ sein, um der Originalität willen, sondern es geht darum originelle Lösungen zu entwickeln, die einen konkreten Nutzen erfüllen.

Eine Matrix der Kreativität und Innovation
Runco spricht auch über die Möglichkeit, mit zwei getrennten Skalen zu arbeiten, die der Originalität und die der Effektivität. Diesen Vorschlag habe ich im folgenden einmal versucht zu visualisieren. Herausgekommen ist eine 9 Felder Matrix auf der ich einige Begriffe aus meiner Sicht einmal abgetragen habe. Diese Matrix ist ein erster Wurf, ich freue mich also über Rückmeldung, besonders, wenn Sie die Begriffe an anderen Stellen platzieren würden.

Kreativität – spontan oder absichtlich?

Dienstag, 15. September 2009

Ist Kreativität etwas, das ausschließlich spontan passiert oder kann man diese absichtlich steuern?
Je nachdem mit wem man sich unterhält, wird man hier unterschiedliche Auffassungen hören. Auch Bücher zum groben Thema der Kreativität oszillieren zwischen diesen beiden unterschiedlichen Auffassungen.
Runco (2007) hat in seinem wissenschaftlichen Buch Creativity. Theories and Themes: Research, Development, and Practice, diese beiden Ansichten als die entgegengesetzten Richtungen eines Kontinuums beschrieben.



Kreativität als spontaner Ausdruck des Selbst
Auf der der linken Seite des Kontinuums befindet sich Kreativität als ein spontaner so gut wie nicht bewusst beeinflussbarer Ausdruck eines Menschen. Der Geistesblitz ereilt einen durch Zufall und unbeabsichtigt und man kann wenig dafür oder dagegen tun. Einige wichtige Entdeckungen und Erfindungen sind Ergebnis solcher Zufälle.

Kreativität als der bewusste Einsatz von Taktiken und Techniken
Auf der anderen Seite des Kontinuums befindet sich Kreativität als Ergebnis einer bewussten Steuerung und Lenkung des Denkens durch Techniken (Denkwerkzeuge) und Prozesse. Runco spricht hier von "es möglich machen" (make it happen). Am äußersten Rand des Kontinuums, wenn diese Sicht also zu weit getrieben wird, wird Kreativität zu etwas, das man durch den Einsatz von Techniken erzwingen kann. Kreativität wird dann zu einem mechanischen Prozess.

Es geschehen lassen – die Hürden der Kreativität vermindern
In der Mitte dieses Kontinuums befindet sich die Sichtweise, dass man Kreativität stimulieren und fördern kann, indem man Hürden der Kreativität gezielt abbaut. Runco spricht hier vom let it happen-Ansatz. Tony Proctor beschreibt in seinem Buch Creative Problem Solving for Managers, verschiedene Blockaden, die Kreativität negativ beeinträchtigen: Wahrnehmungshürden, strategischen Hürden, Informationshürden, sowie kulturellen und emotionalen Hürden. Eine emotionale Hürde könnte z.B. die Angst einer Person sein, ihr Selbstbild zu ändern, was dazu führt, dass sich dieser Mensch kreatives Denken nicht erlaubt, da es an seinem Selbstbild rütteln könnte. Eine kulturelle Hürde, die ich bei meinen Innovationsworkshops in China beobachte und adressieren muss, ist die Tatsache, dass in einer konfuzianisch geprägten Kultur das unzensierte Äußern von Ideen und Möglichkeiten nicht wert geschätzt wird.
Bei diesem Ansatz wird somit versucht, das spontane Entstehen von Kreativität zu gezielt und bewusst zu unterstützen, indem man Hürden der Kreativität erst einmal bewusst macht und dann versucht, diese zu minimieren.
Für einige der Hürden, z.B. bei den Wahrnehmungshürden, helfen wiederum die vorhin erwähnten Denkwerkzeuge. Edward de Bono mit seinen Techniken des lateralen Denkens hat dazu eine Vielzahl an Vorgehensweisen entwickelt, um Wahrnehmungshürden zu überkommen.

Ich mit dem Ansatz meiner Kreativtrainings und Innovationsworkshops befinde mich auf diesem Kontinuum sicherlich zwischen dem "let it happen" und "make it happen" Ansatz. Trotz dem Einsatz von Prozessmodellen der kreativen Problemlösung und Denktechniken versuche ich ein mechanisches Bild der bewussten angewandten Kreativität zu vermeiden. Für einen Workshop, in welchem innerhalb einer fest gelegten Zeit ein Ergebnis produziert werden soll, ist das Hoffen auf spontane Geistesblitze allerdings nicht ausreichend. Man sollte jedoch versuchen, diese zu fördern.

Runco beschreibt die Vereinbarkeit der Ansätze folgendermaßen:

"It suggests how creativity can be a result of both tactical creativity and serendipitous, accidental, and chance encounters. Deliberate creativity does not preclude serendipity, nor do the various serendipitous discoveries in history (e.g., the Post-It note) mean that creative work cannot be intentional or tactical." S. 373