Aktuelle Termine: Trendforum im März und offene Seminare im Mai 2012

Montag, 12. März 2012

Uns erreichen öfters Nachrichten, ob wir den auch offene Seminare oder andere Gelegenheiten anbieten unsere Inhalte zu erleben. In nächster Zeit stehen einige Optionen an, auf die ich zum Start der Woche noch einmal hinweisen möchte.

Trendforum am 21. und 22. März in Berlin


Nächste Woche findet im Berliner ewerk das zehnjährige Jubiläum des Trendforums statt. Eine interessante Veranstaltung rund um die Themen Trendforschung und Innovation. Mit dabei auch creaffective mit einem 1,5 stündigen trendlab "Kreativität als zentrale Führungsqualität der Zukunft - Im Unternehmen ein Mindset von Innovatoren realisieren." In diesem sehr interaktiven Format werden meine Kollegin und ich erlebbar machen, wie sich Kreativität für Führungskräfte konkret im Denken und Handeln wiederspiegeln kann und wie Führungskräfte selbst kreativer sein können und ihre Teams unterstützen können, neue Lösungen zu erarbeiten. Es geht uns darum, das kreative Mindset erfahrbar zu machen, das die Grundlage für Kreativprozesse wie Creative Problem Solving oder Design Thinking darstellt. Das inhaltliche Konzept für dieses trendlab entstand aus Gesprächen in denen Menschen immer wieder zum Ausdruck brachten, dass im Unternehmen zwar ständig die Schlagworte Kreativität und Innovation fallen, es aber für viele nicht klar sei, was man denn nun tun könne, um mehr davon zu erzeugen. Da Führungskräfte der wichtigste Hebel für ein Klima der Kreativität und Innovation sind, richten wir uns gezielt an diese.

Offene Seminare: Mind Mapping und systematisch kreativ zu neuen Lösungen


Im Mai gibt es in München zwei offene Seminare in München:
Weitere Informationen und die Möglichkeit sich anzumelden gibt es unter dem jeweiligen Seminarlink.

Kreativität auf dem Lehrplan: Besuch beim Erziehungsministerium in Singapur

Donnerstag, 1. März 2012

Letzte Woche hatte ich die Ehre als ausländischer Experte zu einem Gesprächstermin beim Erziehungsministerium (Ministry of Education) in Singapur eingeladen gewesen zu sein. Das Gespräch fand statt mit den Verantwortlichen für curriculum policy, die sich sowohl um akademische als auch nicht akademische Fächer kümmern.

Grund für die Einladung war, dass Singapur einige Schlüsselfertigkeiten für das 21. Jahrhundert identifiziert hat, bei deren Entwicklung Schulen in Zukunft eine stärkere Rolle spielen sollen. Neben dem Thema global literacy sind kritisches Denken und kreatives Denken mit auf dieser Liste. Interessant ist, dass in einem auf Wirtschaft fokussierten Staat wie Singapur der Begriff kreatives Denken durch den Begriff erfinderisches Denken ersetzt wurde, da dieser eher Assoziationen in Richtung Produktivität und Wirtschaft weckt. Vor einigen Jahren ist mir dieses Vorurteil auch noch bei deutschen Unternehmen begegnet, dies hat sich jedoch in der Zwischenzeit gewandelt. Für das Ministerium war es nun interessant mit jemanden zu sprechen, dessen Tätigkeitsschwerpunkt nicht auf Schulen liegt und der eine ausländische Sicht einbringt.

Verankerung von Kreativität im Lehrplan


Das Ministerium plant, Kreativität in Zukunft als wichtigen Bestandteil im Lehrplan zu verankern und Lehrer so auszubilden, dass diese Schüler dabei unterstützen, ihre kreativen Fertigkeiten zu stärken oder diese nicht wie bisher (unabsichtlich, aber trotzdem aktiv) den Schülern auszutreiben. Dabei soll der Inhalt Kreativität vor allem in akademischen Fächern, wie Sprachen, Natur- und Gesellschaftswissenschaften zur Anwendung kommen.

Vor dem Hintergrund der jetzt aktiven Lehrer ist klar, dass einige Zeit vergehen wird, bis erste Effekte sichtbar werden. Ähnlich wie in Deutschland haben die Lehrer (besonders akademischer Fächer) in Singapur nur begrenzt Interesse und Bereitschaft Kreativität als Inhalt oder als Ansatz zur Vermittlung des bisherigen Stoffes zu verwenden. Dies liegt einerseits daran, dass Lehrer vor allem daran gemessen werden, wie gut ihre Schüler in standardisierten Tests abschneiden und es wie in Deutschland eine große Stofffülle gibt, die Lehrer den Schülern vermitteln sollen und „keine Zeit da ist, noch mehr zu machen“. Bei manchen spielt sicherlich auch mit hinein, dass beim Thema Kreativität ein Rollenwechsel des Lehrers statt finden wird, von einem Lehrer hinzu einem Coach. Auch die Kategorien, richtig oder falsch lassen sich bei Kreativität nur selten anwenden.

Lässt sich Kreativität abprüfen?


Einig waren wir uns darin, dass Kreativität eine Fertigkeit ist, die jeder Mensch hat, die aber andererseits sehr stark durch das erzieherische Umfeld positiv oder negativ beeinflusst werden kann. Dabei sind grundlegende Fertigkeiten des kreativen Denkens so generisch, dass diese auf unterschiedliche Fachinhalte angewendet werden können.

Interessant war für mich auch die Diskussion, ob und wie man Kreativität in Schulen prüfen und testen kann. Bisher gibt es keinen Test und kein Messinstrument, um Kreativität direkt zu messen oder zu testen. Man kann immer nur Elemente testen und messen, die mit Kreativität in Verbindung stehen, wie zum Beispiel die Fähigkeit des divergierenden Denkens.
Sinnvoller als standardisierte Tests erschien uns qualitative Rückmeldung an die Schüler zu Verhaltensweisen, die mit Kreativität in Verbindung stehen.

Kreativität auf dem Lehrplan auch in Deutschland?


Für mich spannend zu wissen wäre es, ob es von Kultusministerien in Deutschland ähnliche Überlegungen wie in Singapur gibt. Bisher gibt es systematische Kreativität (im Gegensatz zu künstlerischer und musischer Ausdrucksfähigkeit) meines Wissens nach in keiner Form in deutschen Schulen, weder als Methode um normalen Stoff zu vermitteln, noch als Inhalt des Unterrichts an sich. Sicherlich gibt es jedoch viele gute Lehrer, die durch ihren Unterricht genau die Dinge fördern, auf die man auch in einem expliziteren Ansatz zur Vermittlung des kreativen Denkens Wert legen würde. Für Schüler ist es im Moment jedoch Zufall und Glück an einen solchen Lehrer zu kommen. Ken Robinson stellt in seinen viel beachteten TED-Reden ja die These auf, dass Schulen der Hauptgrund dafür sind, dass die Fertigkeiten des kreativen Denkens abnehmen statt zunehmen.

Kreativität und Innovation in Unternehmen fördern - Erfolgsfaktoren

Freitag, 17. Februar 2012

Gestern fand hier in Shanghai eine Veranstaltung der Außenhandelskammer zum Thema "Organizational Development, Change Management and Innovation" statt, die sich an Geschäftsführer, Organisationsentwickler und Personalleiter richtete. Ich hatte die Ehre, während der zweiten Hälfte in einem Vortrag "Innovation Training Experience in China" zum Thema Innovation in Unternehmen fördern zu sprechen, da wir von creaffective unsere Kunden mit Kreativitätstrainings und moderierten Innovationsworkshops auch in China dabei unterstützen, ihre Innovationskraft zu stärken. Der Bezug war speziell auf den Kontext in China, allerdings gibt es eine Reihe von Faktoren, auf die es ankommt, die völlig landes- und kulturunabhängig sind.

Vier Aspekte für mehr Innovation: Person, Prozess, Kultur und Struktur


Es gibt vier große Blöcke anhand derer man gliedern kann, auf welche Aspekte man achten muss, um auch mit Hilfe von Innovationstrainings und Innovationsworkshops die Innovationskraft von Organisationen zu stärken.

Person: Mindset und Wissen um Kreativität und Innovation


Der erste Aspekt ist die Person. Hierbei geht es darum, mit Menschen an einem Mindset der Kreativität und Innovation zu arbeiten. Kreative Denker zeichnen sich durch eine Reihe von Verhaltensweisen und Denkstrategien aus, die man verstehen und (wieder) erlernen kann. Zentral im Aspekt Person ist dabei besonders das Verhalten von Führungskräften und deren Wissen, um Kreativität und Innovation.

Prozess: Kreativprozesse verstehen


Im Aspekt Prozess geht es darum, ein Verständnis von kreativen Denkprozessen zu entwickeln. Einerseits finden diese kreativen Denkprozesse sowieso bei jedem automatisch statt, andererseits kann ein explizites und strukturiertes Modell Einzelnen und Gruppen sehr helfen, diesen Prozess möglichst effektiv zu gestalten.
Zwei Kreativprozesse mit denen wir arbeiten ist das Creative Problem Solving Model, wie es am International Center for Studies in Creativity in Buffalo entwickelt wurde und dem Design Thinking Model das in der D-School in Stanford seinen Anfang nahm.

Kultur: Den kreativen Geist leben


Ob der kreative Geist der in den oben genannten Prozessmodellen steckt wirklich gelebt wird und nicht nur auf dem Papier steht, das zeigt sich in der vorhandenen oder nicht vorhandenen Innovationskultur.
Diese wiederum wird vor allem geformt durch die Einstellungen und Werte der Personen und besonders der Führungskräfte in einem Unternehmen und äußert sich in einer Reihe von sichtbaren Artefakten. Um nur einige Beispiele zu nennen: Haben und bekommen Menschen Zeit an Ideen zu arbeiten und diese zu entwickeln? Gibt es die Bereitschaft wohl kalkulierte Risiken einzugehen? Trauen sich Menschen, Ihre Ideen zu äußern?

Struktur: Innovation unterstützen


Auch die Struktur eines Unternehmens kann so gestaltet werden, dass diese Innovation unterstützt und nicht behindert. Aspekte davon können sein, dass abteilungsübergreifendes Arbeiten ermöglicht wird, dass es Menschen in Supportfunktionen gibt, die Innovationsaktivitäten unterstützen, wie zum Beispiel Innovationsmanager oder Innovationskoordinatoren.

Erfolgsfaktoren von Trainingsmaßnahmen um Innovation zu fördern


Neben Innovationsworkshops, in welchen es darum geht konkrete neue Lösungen auf eine Herausforderung zu erarbeiten, können auch Trainings eine Maßnahmen sein, um die obigen Faktoren positiv zu beeinflussen, Verständnis zu schaffen und Fertigkeiten zu entwickeln.
Damit diese Erfolg haben können, gibt es eine Reihe von Faktoren auf die Unternehmen bei der Durchführung achten sollten:

Mit den Führungskräften beginnen


Führungskräfte sind der zentral Stellhebel für eine Kultur der Innovation. Ohne deren Unterstützung, Verständnis und aktives Vorleben geht wenig. Daher sollten Trainings, die darauf abzielen Kreativität und Innovation nicht nur die explizite Unterstützung der Führungskräfte haben, sondern mit diesen beginnen. Oft kann das Wissen aus solchen Trainings besonders in Gruppensituationen leider nur so weit umgesetzt werden, wie Führungskräfte es zulassen.

Mindset und Prozessmodelle kombinieren


Kreativitätstrainings sollten einerseits am grundlegen Mindset des kreativen Denkens arbeiten und falls Kreativitätstechniken vermittelt werden, diese mit einem Prozessmodell des kreativen Denkens verzahnen. So bekommen Teilnehmer ein Verständnis für den ganzen Kreativprozess und verstehen, wann welche Kreativitätstechnik zum Einsatz kommen kann.

Mit realen Herausforderungen arbeiten


Damit Teilnehmer erkennen, dass die Inhalte von Kreativitätstrainings in der täglichen Arbeit wirklich Mehrwert bieten können, ist es wichtig, die Menschen bereits im Training erleben zu lassen, dass sich konkrete Ergebnisse erzielen lassen. Anstatt theoretischer Trockenübungen geht es also darum, mit realen Fragestellungen zu arbeiten, auch wenn diese nicht so gut „kontrollierbar“ sind wie die Trockenübungen. So ist es im Nachgang unserer Trainings immer mal wieder zu Patentanmeldungen gekommen, die aus Ideen entstanden sind oder zu wirklichen Fortschritten in laufenden Projekte, die wir im Training als Beispiel besprochen haben.

Trainings in ein Gesamtkonzept einbetten


Trainings zu Kreativität und Innovation sollten nicht als isolierte Einmalveranstaltungen stattfinden, sondern in einen größeren Kontext eingebettet sein. Dies können darauf anschließende konkrete Innovationsworkshops sein oder unterstützende Veranstaltungen zum Erfahrungsaustausch und zum Vertiefen mancher Inhalte.

Wenn diese Faktoren beachtet werden, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass durch Trainingsmaßnahmen um Innovation zu fördern Erfolge erzielt werden, sehr hoch!

Die aktuelle Brainstorming-Debatte

Sonntag, 5. Februar 2012

Wie ich kürzlich im Artikel Funktioniert Brainstorming? erwähnt habe, hat sich in der Fachwelt gerade wieder einmal eine Debatte zum Thema Brainstorming entsponnen und der Frage, ob Brainstorming funktioniert oder einfach nur ineffektiv ist.
In einem Artikel im New Yorker zum Thema Groupthink hat sich der amerikanische Autor und Wissenschaftler Jonah Lehrer nun eingeschaltet. Lehrer ist Autor des wunderbaren Buches "How we decide", das ich bereits öfters hier im Blog zitiert (zum Beispiel im Artikel Innovation und Erfahrung) habe. In Lehrers Artikel geht es um die Bedeutung von Teamarbeit für Innovation und die negativen Effekte des Groupthink Phänomens. Mit Verweis auf eine wissenschaftliche Studie bügelt Lehrer dabei in einem Nebensatz Brainstorming als eine Methode ab, die nicht funktioniere.

Dies hat nun für einige Aufregung in der Fachwelt gesorgt und die Antworten haben nicht lange auf sich warten lassen. Zwei prominente Vertreter der unterschiedlichen Schulen von Creative Problem Solving und Design Thinking, zwei Modelle eines Kreativprozesses mit welchen creaffective für Innovationsworkshops und Kreativitätstrainings arbeitet, melden sich zu Wort.



Beide Artikel sind sehr höflich und wertschätzend für Lehrers Arbeit, beschäftigen sich jedoch kritisch mit seinem Brainstorming-Verständnis und zeigen, das Brainstorming sehr wohl funktioniert, wenn man es richtig einsetzt.

Ideapaint – alles wird zum Whiteboard

Montag, 30. Januar 2012

Kreativität kann auch durch die richtige Arbeitsumgebung stimuliert und unterstützt werden. Eine Umgebung, die es zulässt, alleine und in Gruppen Dinge aufzuschreiben und zu visualisieren ist hier sicherlich hilfreich.

In vielen Büros und in Besprechungssituationen gibt es dazu die bekannten Möglichkeiten des Flipcharts und von abwischbaren Whiteboards. Eine weitere noch großflächigere papierbasierte Möglichkeit sind Stellwände mit Packpapier etc. In unseren Innovationsworkshops und Trainings verwenden wir eine Kombination aus diesen Methoden, ergänzt durch Post-it Haftklebezettel, da diese es ermöglichen, dass mehrere Leute gleichzeitig schreiben können und Inhalte sehr einfach umsortiert werden können. Im Design Thinking Vorgehen wird gerne auf die sogenannten Kappa-Boards zurück gegriffen, leichte flexible Wände auf die Post-its oder Flipchartpapier geklebt werden.

In einem Mind Mapping Seminar letzte Woche bin ich von einem Kunden auf eine weitere interessante Möglichkeit aufmerksam gemacht worden: Ideapaint.

Ideapaint ist eine aus den USA kommende Wandfarbe mit der jede Fläche zu einem Whiteboard wird, d.h. man kann mit Whiteboardmarkern darauf schreiben und die Fläche trocken abwischen. Dabei ist es egal, ob es sich um Wände, Tische oder andere Flächen handelt. Alles was notwendig ist, ist eine spezielle Grundierung und die Ideapaint Farbe.
Mein Mind Mapping Kunde zum Beispiel hat vor, eine große Wandfläche für eine Aktions-Mind-Map zu nutzen, an der sich viele Mitarbeiter beteiligen können und die über die gesamte Wandfläche entwickelt werden kann.

Quelle: www.Ideapaint.com


Es ist eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten denkbar, wie auch die Ideapaint Flickr-Galerie schön zeigt. Zum Beispiel Visualisierungs-und Notizmöglichkeiten für Einzelne oder für Besprechungs- und Seminarräume. Interessant finde ich es auch Tische (zum Beispiel in Schulen) mit Ideapaint zu bestreichen, so dass der Tisch zur Schreibfläche wird.

Ich hätte große Lust ein Seminar in einem Seminarhotel zu geben, wo ich die gesamte Wandfläche im Raum beschreiben und bezeichnen darf!

Canvanizer – Virtuelle Post-its mit System

Dienstag, 24. Januar 2012

In unseren Kreativtrainings und Innovationsworkshops arbeiten wir meistens mit Post-it Haftklebezetteln, um Ideen festzuhalten und flexibel sortieren zu können. Ein weiterer Aspekt in systematischen Prozessen des kreativen Denkens wie Creative Problem Solving und Design Thinking ist der Einsatz von Kreativitätstechniken und anderer Techniken, die das Denken einer Gruppe organisieren und strukturieren.
Für spezielle Anwendungen, wie zum Beispiel zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle gibt es sehr hilfreiche Vorlagen wie den Business Model Canvas oder den Customer Journey Canvas. Auch hier können die praktischen Haftklebezettel zum Einsatz kommen, um verschiedene Alternativen auf einem Canvas zu generieren.

Es gibt viele Gründe, auch heute im Zeithalter von Smartphones und Computern ab und zu analog zu arbeiten und Papier und Stift zu nutzen. Dennoch machen auch digitale Lösungen Sinn und bieten manchmal große Vorteile, zum Beispiel, wenn die Mitglieder einer Gruppe sich an unterschiedlichen Orten befinden und nur virtuell arbeiten können. Da wäre es praktisch virtuelle Post-its zu haben. Manche unserer Kunden haben sich selbst virtuelle Whiteboards gestrickt, um die Arbeitsweise eines Kreativworkshops ungefähr abbilden zu können.

Kürzlich habe ich eine interessante Lösung entdeckt, die die oben erwähnten Vorlagen von Techniken mit virtuellen Post-its kombiniert: Den Canvanizer. Dort ist es möglich virtuelle Klebezettel mit zum Beispiel dem Business Model Canvas oder dem Service Design Canvas oder auch anderen Denkwerkzeugen, wie der SWOT-Analyse zu verbinden.
Noch befindet sich der Canvanizer, entwickelt von einer Gruppe aus Nürnberg in den Anfangsstadium mit nur rudimentären Funktionen. Ich finde die Benutzung bereits in diesem Stadium sehr einfach und intuitiv und kann mir viele Einsatzmöglichkeiten vorstellen.


Funktioniert Brainstorming?

Sonntag, 15. Januar 2012

Immer wieder lese ich Artikel in (Fach-)Zeitschriften die behaupten, dass Brainstorming nicht funktioniere. Dabei werden immer wieder wissenschaftliche Studien zitiert, die angeblich zeigen, dass Brainstorming nicht funktioniere und dass die Anzahl der Ideen einer Gruppe höher sei, wenn die Leute einzeln arbeiteten und man dann die Einzelergebnisse zusammenzähle oder sogar, dass eine Person alleine mehr Ideen generieren könne als eine Gruppe von Leuten. Nun ist kürzlich wieder eine solche Studie erschienen (Collaborative Fixation: Effects of Others’ Ideas on Brainstorming, NICHOLAS W. KOHN and STEVEN M. SMITH, Applied Cognitive Psychology, 25: 359–371 (2011)) und wieder einige Artikel erschienen, die wiederholen, dass Brainstorming nicht funktioniere. Wir alle haben es schließlich schon einmal erlebt: Wir saßen in einem "Brainstorming" und es ist so gut wie nichts dabei herum gekommen. Auch viele Teilnehmer in einem unserer Kreativitätstrainings berichten am Anfang des Trainings, dass es ihnen bereits schon so ergangen ist.

Brainstorming funktioniert – wenn man es richtig gestaltet


Am Ende des Trainings bestätigen dann alle Teilnehmer, was Profis im Feld der Ideenentwicklung schon lange sagen: Brainstorming funktioniert sehr wohl, man muss es allerdings richtig durchführen.
Was ist eigentlich Brainstorming? Brainstorming ist eine von Alex Osborn entwickelte Gruppentechnik bei der auf unstrukturierte Weise Ideen zu einer vorher definierten Frage angehäuft werden und die gewissen Regeln folgt. In der von Osborn definierten Technik wird die Gruppe außerdem von einem Facilitator / Prozessmoderator geleitet.
In obigen Satz zeigt sich zusammenfasst, das ganze Dilemma, warum sogenannte Brainstormings oft nicht funktionieren und warum auch die Ergebnisse der Brainstormings in der oben zitierten Studie zustande gekommen sind.

Wie sind die Wissenschaftler vorgegangen?
Für die Studie wurden Erstsemestler eines Psychologiekurses genommen, die um den Kurs bestehen zu können, an einer solchen Studie teilnehmen müssen. Vier Studenten bilden eine Gruppe, wobei jeder für sich vor einem Computer sitzt und seine Ideen schweigend in einen Instant Messanger eintippt. Die Studenten wurden explizit darin gehindert sich gegenseitig zu sehen. Immerhin gab es eine kurze Erklärung der Brainstorming regeln. Dann wurde die Frage "Wie könnten wir unsere Universität verbessern?" vorgegeben.

Weiter unten werde ich diese Ausgangssituation diskutieren.

Ergebnis des Experiments: Die Teilnehmer in der Gruppe erlebten ein "Produktivitätsdefizit" gegenüber der Nominalgruppe und erlitten eine kognitive Fixierung, d.h. die Ideen anderer Teilnehmer der Gruppe führten dazu, dass sich die Teilnehmer auf diese Ideen fokussierten und weniger neue und andere Ideen generierten, sondern Ideen, die den bisherigen sehr ähnlich waren.

Wie ein Brainstorming richtig durchgeführt wird und zu Ergebnissen führt


Die Beobachtung der kognitiven Fixierung ist sehr ernst zu nehmen, denn diese kann tatsächlich auftreten, auch wenn das Brainstorming ansonsten gut vorbereitet ist. Das Produktionsdefizit im obigen Experiment verwundert mich überhaupt nicht:

Die Gruppe war untrainiert und höchst wahrscheinlich begrenzt motiviert (Studenten, die verpflichtend an einer Studie teilnehmen müssen), die Teilnehmer saßen alleine vor dem Computer und es gab keinen Facilitator. Die Frage war sehr abstrakt formuliert und es gab keinerlei weitere Hintergrundinfos dazu.

Wie man Brainstormings erfolgreich gestaltet:
  • Die Ideale Gruppengröße sind 5 – 8 Personen.
  • Die Teilnehmer kommen von unterschiedlichen Hintergründen.
  • Die Teilnehmer haben Interesse am Thema und sind motiviert am Brainstorming teilzunehmen.
  • Es gibt einen professionellen Facilitator, der die Gruppe durch den Prozess führt.
  • Die Regeln des divergierenden Denkens werden vorher kurz trainiert und vom Facilitator immer wieder überwacht und wiederholt.
  • Alle Teilnehmer haben die Möglichkeit gleichzeitig zu schreiben und zu sprechen.
  • Die Brainstormingfrage wird vorgestellt und es gibt Kontextinformationen.
  • Teilnehmer haben die Möglichkeit, vor dem Brainstorming Fragen zu gestellten Aufgabe zu stellen.
  • Es finden eine Aufwärmübung statt, um die Teilnehmer in einen Brainstorming-Modus zu bringen.
  • Das Brainstorming findet in einem stimulierenden Umfeld statt.

Brainstorming ist so eingesetzt eine gute Methode, um Ideen aus einer Gruppe herauszubekommen. In unserem Kreativworkshop ist Brainstorming allerdings nur eine von mehreren Techniken, um Ideen zu entwickeln. Mit anderen Techniken und vor allem mit Hilfe des Facilitators lässt sich dann auch die oben angesprochene kognitive Fixierung verhindern.

Wenn Brainstorming so eingesetzt wird, dann führt es auch zu Ergebnissen und zwar zu Ergebnissen, die ein Einzelner alleine oder die Summe von Einzelnen nur schwer erreichen können. Dies lässt sich auch in Studien nachweisen. Eine solche erschien bereits im Jahr 2005 (A Reexamination of Brainstorming Research: Implications for Research and Practice, Scott G. Isaksen and John P. Gaulin, Gifted Child Quarterly 2005 49: 315):

Unmoderierte Gruppen erreichten in einem Brainstrorming nach Abzug der redundanten Ideen, 23 Ideen und damit weniger als die Nominalgruppe. Gruppen mit Facilitator erreichten 143. Und dies lediglich beim Einsatz einer Technik: "However, no individual generating ideas alone outperformed the real interacting group. Further, the two real brainstorming groups using facilitators generated an average of 126.5 nonredundant ideas per group compared to 58 for the nominal group. The two real brainstorming groups using Brainwriting produced an average of 208 nonredundant ideas per group. This represents a 400–600% improvement on fluency, clearly illustrating the impact of having a trained facilitator." (S.9)

Fazit: Brainstorming funktioniert. Damit es funktioniert muss es allerdings richtig durchgeführt werden. Dies ist in den meisten Laborstudien nicht der Fall. Zugegeben, ist dies auch in sehr vielen Gruppensituationen in Unternehmen nicht der Fall. Daher lässt sich nachvollziehen, wie Menschen zur Auffassung kommen, dass Brainstorming nicht funktioniert.

Offenes Kreativitätstraining am 14. und 15. Mai 2012 in München

Dienstag, 10. Januar 2012

Immer wieder erreichen uns Anfragen zu offenen Trainings wie ein Kreativitätstraining oder ein Mind Mapping Training. Unsere Kreativitätstrainings sind fast ausschließlich firmenintern.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Da wir in unseren Kreativitätstrainings Kreativitätstechniken und einen Prozess des kreativen Denkens an realen Fragestellungen üben, möchten viele Firmen mit diesen Fragen unter sich sein und buchen daher interne Kreativitätstrainings. Ein anderer Grund ist, dass es als freier Anbieter eine Herausforderung darstellt, interessierte Menschen zur rechten Zeit zu erreichen.
Dieses Blog hilft uns dabei sehr. Seit kurzem sind wir Partner von Semigator, Deutschlands größtem Seminarportal und nun sehen wir gute Chancen, mit Hilfe von Semigator noch mehr Interessierte an einem Kreativitätstraining zu erreichen.

Kreativitätstraining mit Zertifikat der Universität New York


Am 14. und 15. Mai 2012 bieten wir in München ein zweitätiges Kreativitätstraining an. Die Ausschreibung dazu finden Sie bei Semigator. Als einziges Unternehmen weltweit vergibt creaffective mit Abschluss des zweitätigen Kreativitätstrainings ein Zertifikat des renommierten International Center for Studies in Creativity der Universtität New York, wo alle creaffective Trainer einen Master in creativity studies gemacht haben.

Bis März gibt es einen vergünstigten Frühbucherrabatt. Falls Sie Interesse an unserem Kreativitätstraining haben, nutzen Sie diese Vergünstigung.

Persönliche Jahresplanung statt guter Vorsätze

Mittwoch, 4. Januar 2012

Jetzt in der ersten Januarwoche ist noch die Zeit, in der sich viele Menschen Gedanken über das neue Jahr machen und überlegen, was sie im kommenden Jahr im Leben verändern möchten und welche Ziele neu hinzukommen.

Artikel die erklären, warum gute Vorsätze, wie man diese bei einem Glas Sekt zum Feuerwerk vor sich hinspricht nicht funktionieren, gibt es viele und ich möchte nicht näher darauf eingehen. Womit ich seit Jahren sehr gute Erfahrungen mache, ist es eine konkrete Jahresplanung zu erstellen, mit den wichtigsten Zielen für das kommende Jahr. Meist kommt es nie genauso wie geplant und sollte vielleicht auch nicht genauso kommen, dennoch kann ein systematischeres Nachdenken über die Ziele für das kommende Jahr ein hilfreicher Anker für die Prioritäten sein.

Ich möchte ein Vorgehen vorstellen, das sich dafür gut eignet und das Elemente aus den creaffective Kreativworkshops und Kreativitätstrainings aufgreift. Dieses Vorgehen haben wir auch im Rahmen von Strategieworkshops bei Kunden bereits erfolgreich eingesetzt.
Für die persönliche Planung hat das Vorgehen folgende Schritte:

  • Schritt 1: Wunschdenken
  • Schritt 2: Auswahl der zentralen Wünsche
  • Schritt 3: Anordnen und Clustern der Wünsche
  • Schritt 4: Beziehungen zwischen den Clustern einzeichnen
  • Schritt 5: Festlegen, um welche Art von Herausforderung es sich handelt
  • Schritt 6: Nächste Schritte planen

Schritt 1: Wunschdenken


Für den ersten Schritt nutze ich die Kreativitätstechnik des Wunschdenkens. Bei dieser Technik kommt das divergierende Denken zum Einsatz, d.h. es geht darum, erst einmal unzensiert alle möglichen Wünschen / Ziele / Herausforderungen, die einem einfallen, aufzuschreiben.

Zum Beispiel:
  • "Ich wünschte, ich könnte mich regelmäßigem Sport gesund halten."
  • "Ich wünschte, wir könnten im kommenden Jahr 2 Monate in einem anderen Land leben."

Bild 1 zeigt eine solche Liste (nicht lesbar). Ich habe mir dazu ca. 25 Minuten Zeit genommen und 40 Wünsche gesammelt.

Bild 1: Wunschdenken

Schritt 2: Auswahl der zentralen Wünsche


Im nächsten Schritt geht es darum, aus dieser breiten Liste, die lohnenswertesten Ziele und Wünsche auszuwählen. Nicht alle sind gleich relevant und nicht alle können angegangen werden.
Dazu gehen Sie Ihre Liste anhand von 4 Kriterien nacheinander pro Kriterium durch und markieren jede Aussage auf Ihrer Liste, die dem Kriterium entspricht. Sie gehen als erst die gesamte Liste einmal für das erste Kriterium durch und dann erst beschäftigen Sie sich mit dem nächsten Kriterium. Dieses Vorgehen wiederholen Sie für jedes Kriterium.
Die Kriterien lauten:
  • Entscheidungsbefugnis
  • Motivation
  • Dringlichkeit
  • Wichtigkeit
Im Detail:
  • Entscheidungsbefugnis
    Haben Sie (zumindest teilweise) die Befugnis über Handeln und Nicht-Handeln zu entscheiden? Können Sie bestimmen, ob Sie den Wunsch angehen oder nicht.

    Um bei den obigen Beispielen zu bleiben:
    Vermutlich haben die meisten Menschen beim Thema "regelmäßig Sport machen" Entscheidungsbefugnis. Daher schreiben Sie ein E für Entscheidungsbefugnis neben die Aussage.
    Beim Thema "zwei Monate in einem anderen Land leben" ist dies von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Als Unternehmer und Freiberufler habe ich diese Entscheidungsbefugnis. Als Angestellter müsste ich meinen Arbeitgeber mit ins Boot holen. Es gäbe aber zumindest teilweise Entscheidungsbefugnis und daher könnte ich auch hier ein E neben die Aussage schreiben.

  • Motivation:
    Hier geht es rein nach dem Gefühl. Haben Sie Lust, dieses Thema anzugehen, dieses Ziel zu verfolgen? Wenn ja, können Sie ein M für Motivation neben den entsprechenden Wunsch auf der Liste schreiben, erst einmal unabhängig davon, wo bereits ein E steht.

  • Dringlichkeit:
    Hiermit ist gemeint, dass innerhalb des nächsten Jahres eine Handlung erfolgen sollte, d.h. Sie sollten innerhalb des nächsten Jahres zumindest zu handeln beginnen.

  • Wichtigkeit:
    Für die persönliche Handlungsplanung ist dies das subjektive Gefühl der Wichtigkeit. Ist Ihnen das Thema wirklich wichtig? So wichtig, dass Sie es als eines von wenigen Themen auf Ihre Liste der zu erledigenden Handlungen setzen würden? Wenn ja, dann können Sie ein W für Wichtigkeit neben die Aussage schreiben.
    Die Aussagen, die alle vier Kriterien erfüllen, sind diejenigen die nun in die nächste Runde kommen. In meiner persönlichen Jahresplanung waren dies immerhin noch knapp 40%. Diese sind orange markiert.

Schritt 3: Anordnen und Clustern der Wünsche


In diesem Schritt habe ich jeden der orange markierten Wünsche (erfüllt alle vier Kriterien) auf ein kleines Post-it geschrieben und diese nun nach Gemeinsamkeiten kategorisiert und diese auf einem A3-Blatt angeordnet. Dabei haben sich fünf Cluster mit mehr zwei oder mehr Wünschen pro Cluster ergeben. Drei Wünsche sind einzeln stehen geblieben, da diese zu keinem der Cluster passen.
Die Cluster habe ich dann mit einer Überschrift versehen, die den Inhalt des Clusters ausdrückt. Wenn Sie mehrere Wünsche zum Thema Weiterbildung ausgewählt haben, könnte dieser Cluster also die Überschrift "Weiterbildung" erhalten.

Schritt 4: Beziehungen zwischen den Clustern einzeichnen


In diesen Schritt habe ich geprüft, ob es Beziehungen zwischen den Clustern / Wünschen gibt, ob also das Erreichen eines Ziels ein anderes unterstützt. Diese Beziehungen habe ich dann in Form von Pfeilen eingezeichnet.
Wenn Sie einen Cluster haben, der lautet: "Mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen" und einen Cluster "Eigene Bedürfnisse besser vertreten" dann könnte der Cluster "Eigene Bedürfnisse besser vertreten" Sie dabei unterstützten mehr Zeit mit Ihren Kindern zu verbringen, weil Sie zum Beispiel konsequenter Nein sagen, wenn Sie wieder einmal um einen Gefallen gebeten werden, auf den Sie eigentlich keine Lust haben.

Schritt 5: Festlegen, um welche Art von Herausforderung es sich handelt


Dieser Schritt ist ganz zentral für die Umsetzung. Nicht alle Herausforderungen sind gleich. Es wird auf Ihrer Liste Wünsche geben, die Sie einfach nur tun müssen bzw. planen müssen. Wie sie es tun müssen ist jedoch klar. Es geht nur darum, dass Sie es tun. Man spricht hier von Tun/Planungszielen. "Jede Woche mindestens zwei Stunden Sport machen" ist ein Beispiel hierfür. Hier kann es ausreichen, sich zwei Tage pro Woche zu definieren, an denen Sie jeweils eine Stunde joggen gehen.

Bei anderen Themen wiederum ist nicht klar, was Sie tun müssen oder wie Sie vorgehen. Diese Themen bedürfen des weiteren Nachdenkens und kreativer neuer Ideen. Es handelt sich um Themen, die Kreativität zu weiteren Lösung benötigen. "Ich wünschte, ich könnte mir eine passive Einkommensquelle aufbauen, die ohne mein aktives Zutun monatlich ein paar hundert Euro einspielt". Dies ist ein Wunsch den viele haben, bei dem jedoch für die meisten nicht klar ist, wie dieser umzusetzen ist. Eine von vielen Möglichkeiten könnte sein, ein Buch zu schreiben. Wenn Sie das wissen, dann ist vielleicht immer noch nicht klar, welches Buch und wie Sie das Buch schreiben sollten...

Diese beiden Arten von Herausforderungen habe ich nun farblich auf meinem A3 Blatt eingetragen. Die rot markierten Themen stellen die Tun-Probleme dar, die blau markierten die Kreativ-Probleme.

Bild 2: Cluster mit Beziehungen der Wünsche.

Schritt 6: Nächste Schritte planen


Nun geht es darum konkrete nächste Schritte festzulegen, was Sie nun tun werden, um auf die Erreichung der Ziele hinzuarbeiten. Bei den Tun-Zielen ist das relativ leicht. Bei den Kreativ-Zielen könnte ein erste Schritt lauten: "Mich zwei Stunden hinsetzen und Ideen entwickeln, wie ich das Ziel erreichen könnte."
Wie man nun hier vorgeht, wie man denkt, welche Techniken man sich zu Hilfe nehmen könnte, ist unter anderem Inhalt der creaffective Kreativitätstrainings.

Das Bild (Bild 2) mit meinen Wünschen hängt nun gut sichtbar über meinem Schreibtisch, so dass ich jeden Tag daran erinnert werde.


Das vorgestellte Vorgehen macht definitiv mehr Arbeit als die Vorsätze beim Glas Sekt. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert ist allerdings deutlich höher! Wenn es einmal nicht klappt ist sicherlich folgendes Motto hilfreich, das ich kürzlich in einem Buch über Zielfindung gelesen habe: "Ich lebe flexibel, konsequent und engagiert im Sinne meiner Ziele und ich bin zufrieden, ob ich meine Ziele erreiche oder nicht."

Viel Erfolg in 2012.

Innovation als Selbstzweck? - Vom Schaden der Innovation

Dienstag, 27. Dezember 2011

Wir von creaffective definieren Innovation als die "Einführung von etwas Neuen das Nutzen bringt in einen Markt oder eine Gesellschaft". Dabei haben auch wir zugegebenermaßen die Annahme, dass Innovation per se etwas Positives ist und wünschenswert ist.

Aus wirtschaftlicher Sicht kann man sagen, dass Innovation deshalb gut ist, weil es Fortschritt und Wirtschaftswachstum bringt. Und Fortschritt und Wirtschaftswachstum wollen wir ja schließlich alle. Wir wollen es zwar alle, ob es jedoch in seiner jetzigen Form allerdings wünschenswert ist, bezweifelt Tim Jackson Autor des Buches Wohlstand ohne Wachstum auf English prosperity without growth. In diesem hoch spannenden, aufrüttelnden und streckenweise möglicherweise für die persönlichen Glaubenssätze sehr unangenehmen Buch erklärt Jackson, warum Wirtschaftswachstum und das Mantra der Innovation – wenn wir es so weiter treiben wie bisher - uns in Zukunft in existenzielle Schwierigkeiten bringen werden.

Wachstum um jeden Preis – mit Innovation als Triebfeder


Ausgangssituation des Buches – und in dieser Form nicht neu – ist die Feststellung, dass wir auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen leben bzw. die nachwachsenden Ressourcen eine gewisse Zeit benötigen um sich nachhaltig regenerieren zu können. Außerdem durchläuft unser Planet im Moment Veränderungen des Klimas mit weitreichenden Auswirkungen auf Ökosysteme und alle auf dem Planeten lebenden Lebewesen, die zum Großteil von uns Menschen und unserem Ausstoß von Treibhausgasen verursacht werden.

Gleichzeitig nehmen die Anzahl der auf diesem Planeten lebenden Menschen, der Ausstoß von Treibhausgasen und der Abbau von Ressourcen in hoher Geschwindigkeit zu. Wenn wir als Menschheit es nicht schaffen, den Ressourcenabbau und die Emissionen von Treibhausgasen radikal zu verringern wird dies nach Meinung von Jackson und einem Großteil aller Forscher zu schwerwiegenden negativen Konsequenzen führen.

Ein großes Problem dabei ist, dass weltweit fast alle Wirtschaftssysteme so (von Menschen!) konzipiert sind, dass diese kontinuierliches Wachstum benötigen, um überleben zu können. Um das Zusammenbrechen unserer Wirtschaft zu verhindern und negative Konsequenzen wie weitreichende Arbeitslosigkeit zu verhindern muss die Wirtschaft wachsen. Wirtschaftswachstum wird daher auch von allen als positiv, ja geradezu überlebensnotwendig angesehen, und "um jedem Preis" gefördert, wie wir aktuell beobachten können.

Diese Wachstumsspirale wird dabei nach Jackson von einer sich positiv verstärkenden Feedbackschleife angetrieben: Dem Innovationsdrang von Unternehmen, die sich durch Innovationen Wettbewerbsvorteile und damit Profite erwarten und einer sozialen Logik, die Neues als Kommunikationsmittel betrachtet, um sich Status und Wohlstand anzuzeigen und daher unablässig nach Neuem verlangt. In einem solchen Wirtschaftssystem ist es mit den Worten des Wirtschaftsethikers Karl Hohmann "fast ein Verbrechen nicht zu konsumieren."

Neben dem sozial konditionierten Wunsch ständig Neues besitzen zu wollen, ist das Überleben unserer Wirtschaft auf dieses Verhalten angewiesen: "The throw-away society is not so much a function of consumer greed as a structural prerequisite for survival [...] But neither can we see novelty as entirely neutral in the structural dynamic played out through capitalism" S. 97

Wachstum wohin? Innovation wofür?


Vor diesem Hintergrund kommt es der Häresie gleich dieses System in Frage zu stellen. Wenn der sich selbst verstärkende Kreislauf aus Nachfrage nach Neuem und Innovationen ausbleibt, bricht das System zusammen.
Vor dem Hintergrund eines begrenzten Planeten, drängen sich nach Jackson allerdings viele Fragen auf, die ja auch seit den 1970ern immer wieder gestellt werden: Gibt es eine Grenze des Wachstums? Wohin wollen wir wachsen? Ist dieses Wachstum für den menschlichen Wohlstand überhaupt notwendig? Gibt es Wirtschaftssysteme, die Wohlstand (im Sinne eines guten Lebens) ermöglichen, ohne unseren Planeten zu zerstören? Klar ist, dass das jetzige System trotzt ständiger technologischer Verbesserungen und höherer Ressourceneffizienz nicht in der Lage sein wird, eine Reduktion an Treibhausgasen und Ressourcennutzung herbeizuführen, die notwendig wäre, um unseren Planeten nachhaltig zu bewirtschaften. Vor allem auch deshalb, weil wir in absoluten Zahlen weiter wachsen, auch wenn wir relativ gesehen die Umwelt weniger stark belasten. Um mit den Worten der Autoren von Cradle to Cradle (auf deutsch) Michael Braungart und William McDonough zu sprechen, bemühen sich Unternehmen zwar öko-effizienter zu werden, aber nicht öko-effektiv. Damit sind sie zwar etwas weniger schlecht als vorher (sie zerstören unseren Planeten etwas langsamer), aber noch lange nicht gut (öko-effektiv).

Die Antworten auf diese Fragen legt Tim Jackson in seinem Buch auf sehr interessante Weise dar.
Vorweg genommen, gibt es denkbare Alternativen, die den Menschen die notwendige materielle Grundlage schaffen und auch zukünftigen Generationen ein Leben auf diesem Planeten ermöglichen. Diese sind allerdings aus dem jetzigen Dogma des fortlaufenden Wirtschaftswachstums nur schwer vorstellbar und durchsetzbar. Kreativität und Innovation würden auch in diesen alternativen Systemen eine wichtige Rolle spielen, weil öko-effektive Technologien und die konkrete Ausgestaltung des Wirtschaftssystems ständiger Innovation bedürfen. Das Kriterium der Profitabilität wird auch bei zukünftigen Innovationen eine Rolle spielen, jedoch wird es nicht das zentrale Kriterium sein.

Für einen kurzen Einstieg in das Thema Wohlstand ohne Wachstum empfehle ich den TED-Vortrag von Tim Jackson, in dem er einige seiner Argumente zusammengefasst hat.