Die Pyramide des Bücherlesens – Teil 2

In Teil 1 habe ich die ersten beiden Stufen meiner Pyramidenmetapher vorgestellt. In diesem zweiten Teil möchte ich mich zur Spitze der Pyramide hocharbeiten.
Stufe 3: Regelmäßig wiederholen
Der Psychologe Ebbinghaus hat vor über 100 Jahren mit seiner Vergessenskurve bereits gezeigt, dass wir viel der neu gelernten Inhalte bereits nach kurzer Zeit wieder vergessen. Wie hoch dieser Prozentsatz des Vergessens genau ist, darüber gibt es keine genauen Angaben, fest steht jedoch, dass der Mensch vieles wieder vergisst und das schon nach sehr kurzer Zeit nach dem Lernen. Deshalb betonen Lernforscher die große Bedeutung der Wiederholung. Sowohl Prof. Stangl als auch John Medina, Autor des Buches "brainrules" (siehe hier seine Regeln zum Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis), weisen darauf hin, dass neue Lernstoff innerhalb von 24 Stunden wiederholt werden sollte und dann in regelmäßigen Abständen. Was genau regelmäßig heißt, lässt sich auch nicht definitiv sagen. Sicherlich nicht jeden Tag, aber sicherlich auch nicht einmal alle drei Jahre.

Da ich von jedem Sachbuch, das ich lese, eine Mind Map Mitschrift anfertigen, kann ich diese in kurzer Zeit (ca. 10 – 15 Minuten) wiederholen und mir so die Inhalte des Buches sofort wieder präsent machen. Dieses regelmäßige Wiederholen ist besonders für die Prüfungsvorbereitung wichtig, durch das Wiederholen der Mind Map Mitschriften, lässt sich sehr viel Zeit sparen, da ich für die Prüfung nicht die Bücher noch einmal lesen muss. Ich persönlich habe mir ein Buchwiederholungsschema angelegt. Dieses besteht aus einer nach Kalenderwochen sortierten Liste aller meine Buchmitschriften. Pro Woche wiederhole ich 2 – 3 meiner Mitschriften, pro Jahr habe ich somit jedes meiner gelesenen Bücher ein bis zweimal wiederholt.

Eine besondere Art der Wiederholung, die sich besonders zur Prüfungsvorbereitung anbietet oder wann immer ich viele Inhalte wiederholen muss, ist der Lernspaziergang. Hierbei verbindet man körperliche Bewegung an der frischen Luft mit dem Wiederholen des Lernstoffs.

Stufe 4: Es anderen erklären
Ob Sie die Inhalte eines Buches wirklich beherrschen und verstanden haben, merken Sie spätestens dann, wenn Sie es anderen Menschen erklären. Deshalb kann es eine tolle Übung sein, die Inhalte des gelesenen anderen vorzustellen. Dies kann ganz einfach in einem zehnminütigen Gespräch mit einem Freund oder Kollegen passieren. Wenn Sie mit Mind Mapping arbeiten, dann empfehle ich, Ihre Mind Map Mitschrift des Buches als Redemanuskript zu verwenden (Teilnehmer meiner Seminare kennen diese Übung). Dieser Vortrag lässt sich sehr schön mit dem Vorgehen des Lernspaziergangs verbinden.


Die Grundlagen anwenden
Ich bin sicher, wenn Sie das grundlegende Vorgehen der Pyramide anwenden, lassen sich bereits große positive Veränderungen erzielen. Das Vorgehen alles mit Mind Maps zu machen, ist dabei nicht zwingend notwendig, bringt allerdings großen Mehrwert.
Gewöhnen Sie sich als ersten Schritt an, bei Sachbüchern grundsätzlich Mitschriften anzufertigen. Wenn Sie das geschafft haben, können Sie die anderen Pyramidenstufen aufsetzen.

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Kommentare

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  1. Ruth Pink schreibt:

    Ein sehr guter Beitrag, Florian. Noch eine Ergänzung, die mir persönlich oft hilft: Ich erkläre mir selbst laut, was ich von dem neuen Stoff verstanden habe, bevor ich es anderen erklären will/muss/kann. Ich denke also nicht nur, ich rede laut zu mir selbst. Dann merke ich oft am besten, was ich nicht verstanden habe. Und dann nutze ich dieses Nichtwissen, um weiter zu recherchieren, um so vielleicht auf bessere Erklärungen oder Beispiele zu stoßen.
    Gruß. Ruth

  2. chiochip schreibt:

    Guten Morgen Ruth und Florian!

    Irgendwie hat dieses Thema auch einen Zusammenhang mit Florians Vorschlag, Wortwolken in Mind Maps zu implementieren (siehe: Mind Mapping Software mit Tagcloud-Funktion).

    Die Wortwolke ist ein Produkt der Mind Map und der Anwender hat nun die Aufgabe, aus der Wortwolke die ursprüngliche Mind Map, die er möglicherweise selbst entwickelt hat zu rekonstruieren.

    Ich stelle mir also eine Art Lernmodus vor, bei dem die Map im Hintergrund transparent bis unsichtbar wird.
    Der Anwender ist nun gezwungen die Pfade innerhalb der Wortwolke wieder herzustellen und kann sein Ergebnis mit der ursprünglichen Mindmap vergleichen und noch besser, anschließend die ursprünglichen Mindmap, je nach Gusto, ersetzen. Gerade beim reproduzieren zeigt sich nämlich was wesentlich war.

    Das je nach fortschreitender Zeit bestimmte Knoten oder Äste in der Mindmap transparenter werden ("visueller count down"), erscheint mir auch ein Vorschlag zur Unterstützung von Lernprozessen. Hier ist nun der Anwender gefordert die stark transparenten Knoten unter mehr oder weniger großer Anstrengung zu lesen, oder.... besser diese zu behalten (lernen).

    Auch könnten die Softwareentwickler Mind Maps als Lückentext darstellen und deine Aufgabe ist es die Knotenwörter zu reproduzieren.

    Hier gibt es also einiges zu tun und es wäre sicherlich dringlicher als irgendwelche Projektmanagementtools, wie etwa Gantt-Diagramme, in Mindmaps zu integrieren.

    All dies ersetzt natürlich nicht den Vorschlag von Ruth.

    Was meint Ihr zu meinem Gutenmorgenimpuls?

    Gruß chiochip

  3. chiochip schreibt:

    Hallo!

    Zur Verdeutlichung meines Kommentares über Mindmaps mit Trainingsfunktion könnt ihr euch die passenden Bilder anschauen unter:

    http://stefan-scheurer.blogspot.com/2009/01/lernmaps.html

    Gruß
    Chiochip

  4. Florian Rustler schreibt:

    Das ist eine sehr gute Idee und sicherlich eine sehr interessante Erweiterung um Mind Mapping für das Lernen einzusetzen.
    Ich werde gleich mal auf deinen Post verweisen, indem ich einen EDIT in dem Tagcloud-Artikel einfüge.

    Gruß

    Florian

  5. Florian Rustler schreibt:

    Das wäre dann sozusagen Stufe 4a während meines zu 4b wird :-)
    Ich nutze dieses Vorgehen, bevor ich einen Vortrag halte, indem ich mir den Vortrag selbst ein paar mal halte.

    Gruß

    Florian


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