Gewohnheiten kreativer Menschen: Ein Notizbuch für alle Ideen und Gedanken

Samstag, 27. Februar 2010

Der amerikanische Autor Stephen Covey ist in den 90ern Jahren mit seinem Buch "7 habits of highly successful people" bekannt geworden in dem er sieben Gewohnheiten von vorstellt, die "erfolgreiche" Menschen besonders oft haben.

Ich möchte mich in einer Artikelserie mit den Gewohnheiten kreativer Menschen beschäftigen. Wer das Buch von Stephen Covey gelesen hat, wird merken, dass es Überschneidungen zwischen den Gewohnheiten gibt, einfach deshalb weil Kreativität ein Faktor für Erfolg ist, wie auch immer jeder einzelne seinen persönlichen Erfolg definiert.
In dieser Serie stelle ich eine Liste von Gewohnheiten vor, die kreative Menschen besonders auszeichnet.

Die erste Gewohnheit kreativer Menschen ist es, immer und wirklich immer ein Notizbuch dabei zu haben, in welches jederzeit Ideen und Gedanken geschrieben werde können.
Die hat drei Gründe:

  • Ideen werden dadurch nicht vergessen.
    Oft ist eine Idee genau so schnell wieder aus dem Kopf, wie sie gekommen ist.

  • Ideen können so weiter entwickelt werden und reifen.
    Das menschliche Gehirn ist nicht gut darin mit zu vielen Informationen gleichzeitig zu jonglieren und die Aufmerksamkeit darauf zu richten. Ideen aufzuschreiben ermöglicht es, immer wieder draufzuschauen und diese schrittweise zu überarbeiten und zu verbessern.

  • Der Kopf wird frei.
    Das ist das bekannte Prinzip aus David Allens Getting Things Done. Wir schreiben Dinge auf, um den Kopf frei zu bekommen und nicht ständig daran denken zu müssen, dass da doch noch etwas war. Ein freier Kopf wiederum bietet Raum für Kreativität.




Grundsätzlich ist es egal welches Notizbuch Sie nutzen, ich empfehle ein hochwertiges Notizbuch, bei dem Sie Lust verspüren, es zu nutzen. Ich persönlich nutze gerne das X17 System.
Dieses modulare Notizbuch hat folgende Vorteile:

  • Man kann mehrere Notizbücher in einem haben.
    Ich nutze ein "Buch" für meine Todos und spontane Ideen und ein weitere Buch in dem ich spezifische Ideen ausdetailliere und weiterentwickle.

  • Man tauscht nur die Einlegeblätter aus, nicht das ganze Buch
    Unterschiedliche Notizbücher können zu unterschiedlichen ausgetauscht.

  • Ein vollgeschriebene Seite kann durch eine Perforation sehr einfach herausgetrennt werden, so dass nur noch die Info im Buch steht, die ich auch wirklich noch benutzen möchte.

  • Im Gegensatz zu den Moleskine Büchern ist X17 wirklich langlebig und stabil

Ich empfehle ein Notizbuch das so groß ist, dass Sie es wirklich immer dabei haben können. Ich benutze ein DIN A5 Buch, das für die meisten wohl zu groß ist, allerdings kann ich in dieses Buch auch Notizen in Mind-Mapping-Form anlegen.

Falsche Darstellung des Blogs in Feed-Readern

Freitag, 26. Februar 2010

Ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Dankenswerterweise hat mich ein Abonnent des Blogs darauf aufmerksam gemacht, dass es Probleme mit diesem Blog bei Feedreadern, wie z.B. Google Reader gibt.
Dort werden sämtliche alte Artikel wieder als neu angezeigt. Dies hängt mit einem Update zusammen, dass ich kürzlich gefahren habe. Ich bitte dies zu entschuldigen! Die richtige Reihenfolge findet sich auf meinem Blog – ohne Feedreader betrachtet.

Methoden der Produktentwicklung – SCAMPER

Sonntag, 21. Februar 2010

Eine weitere Kreativitätstechnik, die ich gerne in einem Innovationsworkshop mit dem Schwerpunkt auf Produktentwicklung einsetze, ist SCAMPER.



SCAMPER ist ein Akronym und steht für die folgenden Begriffe:


  • Substitute (ersetzen)
  • Combine (kombinieren)
  • Adapt (anpassen/angleichen)
  • Modify (modifizieren)
  • Put to other uses (anders einsetzen)
  • Eliminate (weglassen)
  • Rearrange (neu anordnen)

SCAMPER ist eine Weiterentwicklung und Kategorisierung der Osborn Checkliste. Alex Osborn, der "Erfinder" des Brainstormings entwickelte zusammen mit Sidney Parnes die erste Version des Creative Problem Solving Prozesses. Zur Ideenfindung verwendete er neben Brainstorming eine Liste von Fragen, die Denkanstöße bei der Lösung des Problems geben sollte.

Diese Frageliste wurde später weiter entwickelt und kategorisiert, um die Anwendung der Technik zu verbessern. Zur leichteren Merkbarkeit entstand das Akronym SCAMPER. SCAMPER gehört somit zur Familie der Checklistentechniken.

Besonders hilfreich in der Produktentwicklung


Besonders hilfreich ist SCAMPER, wenn es auf eine bestehende Vorlage, das heißt ein bereits existierendes Produkt oder Dienstleistung angewandt wird anhand derer die Fragen einmal durchgespielt werden. Denn dann machen diese Fragen Sinn. Wenn Sie also überlegen, wir die Stabilität des Bauteils XY verbessern, können diese Fragen hilfreich sein.

Die unten stehenden Folien aus meinem Kreativitätstraining zeigen am Beispiel der Supermarktkasse, wie SCAMPER zum Einsatz kommen kann.



SCAMPER detailliert


Die Erfahrung zeigt, dass die reinen Überschriften vielen Menschen zu abstrakt sind, um darauf Ideen zu generieren, deshalb arbeite ich gerne mit detaillierten Unterfragen, die ich abhängig von der konkreten Problemstellung einsetze:

Ersetzen

  • Was kann man ersetzen?
  • Was kann man statt dessen nutzen?
  • Wer kann statt dessen eingebunden werden?
  • Welchen Prozess könnte man statt dessen nutzen?
  • Welches andere Material könnte man statt dessen nutzen?

Kombinieren

  • Was kann kombiniert werden?
  • Was kann man vermischen?
  • Wie könnte man bestimmte Teile verbinden?
  • Welche Zwecke könnte man kombinieren?

Anpassen/ Angleichen

  • Welche anderen Ideen suggeriert das?
  • Gibt es etwas, das ähnlich ist, dass man auf das bestehende Problem anwenden kann?
  • Gibt es aus der Vergangenheit ähnliche Situationen?

Modifizieren

  • Welche Veränderung könnte man einführen?
  • Kann man die Bedeutung verändern?
  • Wie könnten man Farbe oder Form verändern?
  • Was kann man vermehren?
  • Was kann man verringern?
  • Was könnte man modernisieren?
  • Kann man es vergrößern?
  • Kann man es verkleinern?

Anders einsetzen

  • Wofür könnte es im jetzigen Zustand noch eingesetzt werden?
  • Wofür könnte man es einsetzen, wenn man es verändert?

Weglassen

  • Was könnte man weglassen?
  • Ohne was würde es auch funktionieren?

Neu anordnen

  • Welche anderen Muster würden auch funktionieren?
  • Welche Veränderungen könnte man einführen?
  • Was könnte man austauschen?
  • Was könnte man neu anordnen?

Aus meiner Erfahrung ist es wichtig, zuerst ein Beispiel zu sehen und dann die detaillierten Fragen kurz durchzugehen. Allerdings ist habe ich auch bemerkt, dass SCAMPER für viele wesentlich anstrengender ist als andere Kreativitätstechniken und die Anzahl der Ideen bei SCAMPER geringer ausfällt.

Methoden der Produktentwicklung – Fluchtmethode

Samstag, 13. Februar 2010

Der creaffective Innovationsworkshop hat in den letzten Monaten oft den Schwerpunkt auf der Produktentwicklung. Ein bestehendes Produkt oder eine Dienstleistung soll verbessert werden oder es müssen völlig neue Ideen entwickelt werden, wie das Produkt oder die Dienstleistung in Zukunft aussehen könnte.
Nachdem die genaue Ausgangsfrage definiert wurde, arbeiten wir in einem Innovationsworkshop mit verschiedenen Kreativitätstechniken um neue Ansätze zu entwickeln.

Gegebenes in Frage stellen


Eine Kreativitätstechnik, die sich besonders dafür eignet, radikale Innovation hervorzubringen ist die von Edward de Bono vorgestellte Fluchtmethode. Es handelt sich dabei um eine Technik des lateralen Denkens mit dem Ziel einen bewussten Spurwechsel im Denken zu vollziehen. Genau das ist ja oft besonders schwer, da wir mit der Zeit automatisch ablaufende Muster in unserem anlegen, die wir nur wenig hinterfragen.

De Bono Fluchtmethode hilft Annahmen auf systematische Weise in Frage zu stellen und eignet sich besonders für die Produktentwicklung und die Entwicklung neuer Dienstleistungen, da es hier eine "Vorlage" - ein bestehendes Produkt – gibt, an dem man sich orientieren kann.

Das Vorgehen ist dabei ganz einfach:
  1. Wir betrachten ein gegebenes Produkt, z.B. ein Telefon
  2. Nun werden Grundcharakteristika gelistet, die wir beim vorliegenden Produkt als gegeben hinnehmen. z.B. ein Telefon hat eine Tastatur oder ein Telefon muss man ans Ohr halten
  3. Von jeder Grundannahme wird das Gegenteil gebildet.
    Um am Beispiel zu bleiben:
    Ein Telefon ohne Tastatur
    Ein Telefon, dass man nicht ans Ohr halten muss
  4. Aus dem Gegenteil werden konkrete Ideen abgeleitet. Zum Beispiel
    Ein Telefon mit einem multifunktionalen Bildschirm (ich weiß, gibt es schon)
    Ein Telefon, das ausschließlich über Kopfhörer funktioniert.


Die Abbildung zeigt das Beispiel eines Restaurantkonzepts mit der Fluchtmethode.


Die Flucht im Alltag


Die Fluchtmethode ist auch interessant, um einmal bewusst Elemente aus seinem Alltag zu hinterfragen. Sie können sich einen beliebigen Aspekt nehmen und mit der Fluchtmethode nach neuen Ideen suchen. Ein Beispiel könnte die tägliche Fahrt zur Arbeit sein. Was nehmen Sie als gegeben hin?

Innovationsentscheidungen würfeln

Dienstag, 2. Februar 2010

Der Start eines neuen Innovationsprojektes will gut überlegt sein. Schließlich geht es dabei in den meisten Unternehmen um viel Geld, viel Aufwand und hohes Risiko. Dennoch kann man im Vorhinein meist nur schwer abschätzen, wie sich das Projekt entwickeln wird, ob es ein Erfolg wird oder floppen wird, wie so viele Innovationsprojekte.
Da könnte man doch gleich würfeln, oder?
Ja, könnte man nicht nur, Siemens macht das sogar. Wie es funktioniert erklärt Ulf Pillkahn in einem Interview in der aktuellen Brand Eins (02/10).

Anwendung bei ausgereiften Lösungen


Gewürfelt wird nun nicht beliebig bei jeder Idee zu neuen Produkten und Dienstleistungen, sondern bei ausgereiften Ideen. Ich spreche dabei immer von Lösungen im Gegensatz zu Ideen. Das heißt diese Lösungen sind bereits soweit ausgearbeitet und ausdetailliert worden, das diese anhand von Kriterien bewertet werden können. Es handelt sich also um weit mehr als nur eine erste Idee. In meinem Post über den Ablauf von Innovationsworkshops habe ich beschrieben, wie solche Lösungen aussehen können.
Nun ist es gut möglich, dass es eine Reihe solcher Lösungen mit unterschiedlichen Stoßrichtungen gibt, die alle für machbar und viel versprechend befunden wurden.

An diesem Punkt, wenn mehrere Lösungen möglich erscheinen, ist es oft schwierig zu entscheiden, welche nun in ein Projekt gegossen wird. Pillkahn beschreibt im Interview, dass solche Entscheidungen dann oft langwierig und von persönlichen Animositäten geprägt sind. Oft setzten sich schließlich die konservativsten Lösungen durch, was mit einem grundlegenden Spagat von größeren Unternehmen zu erklären ist.

Für Unternehmen ist es naheliegend nicht innovativ zu sein


In jedem großen Unternehmen gibt es laut Ulf Pillkahn die Spannung zwischen Effizienzdenken auf der einen Seite und der Notwendigkeit zur Innovation auf der anderen Seite. Das Effizienzdenken führt dazu, das man Fehler möglichst vermeiden möchte: "Sobald Sie in Ihrer Firma etwas Neues ausprobieren, und es geht schief, gilt das als Ihre Fehlleistung. Das heißt, in normalen Zeiten ist es für alle Beteiligten naheliegend, nicht innovativ zu sein." (Brand eins 02/10 S. 131)
Diese Einstellung steht im Gegensatz zur Innovation, die nur schwer kalkulierbar ist und oft scheitert, da man eben im Vorhinein nicht mit Sicherheit sagen kann, was raus kommt. Im Nachhinein ist es oft einleuchtend und klar, aber eben nicht im Vorhinein.
Diese Angst vor Fehlern führt dann dazu, dass sich doch immer wieder die konservativsten - weil relativ gesehen sicheren und kalkulierbaren – Ideen durchsetzen. In meinen Innovationsworkshops arbeite ich daher mit einer Bewertungstechnik zur Erstauswahl von Ideen, mit der man neben "umsetzbaren" Ideen auch bewusst sehr originelle aber möglicherweise "schwer umsetzbare" Ideen auswählt, um zu vermeiden, dass wieder nur die sicheren Ideen gewählt werden und damit Innovation möglicherweise schon in der ersten Phase der Konzeptentwicklung ausgesiebt wird: "Das Unbekannte lässt sich nur schwer planen. Deshalb setzten sich vor allem weniger innovative Projekte durch, da sich diese leichter planen lassen" (S. 130).

Gesteuerter Zufall


Die Würfelmethode kommt somit nicht blind und völlig zufällig zum Einsatz, sondern ab einem gewissen Reifegrad von Ideen, um zu vermeiden, dass sich Tunnelblick und Konservativismus durchsetzen und so Innovation erschweren. Es handelt sich sozusagen um einen gesteuerten Zufall, der sehr bewusst eingesetzt wird, nämlich dann wenn analytisches und kritisches Denken nicht mehr weiter hilft. Wie lautet der Witz aus der Werbebranche so schön, der den Chef eines großen Unternehmens zitiert: "I know that half of our advertising budget is wasted, but I don’t know which half." Vielleicht verhält es sich ja bei Innovationsentscheidungen ab einem gewissen Reifegrad ähnlich. Pillkahn jedenfalls schildert, dass durch das Würfeln der Entscheidungsprozess wesentlich einfach, schneller und fairer abläuft, da das Verfahren für alle transparent ist und vorher festgelegt wurde, welche Innovationsideen am Würfelvorgang teilnehmen.