Innovative Problemlösung in der Politik

Montag, 24. August 2009

Meine moderierten Innovationsworkshops finden fast ausschließlich in Firmen und anderen Organisationen statt. Kürzlich habe ich einen Vortrag zu Methoden der strukturierten kreativen Problemlösung vor dem Managerkreis einer parteinahen Stiftung gegeben. In der anschließenden Diskussion kam die Frage auf, in wie weit der von mir geschilderte Prozess der kreativen Problemlösung auch in der Politik zum Einsatz kommen könne.

Probleme mit offenem Ende erfordern kreative Problemlösung
Grundsätzlich lassen sich Verfahren der strukturierten kreativen Problemlösung auf alle Probleme mit offenem Ende anwenden, d.h. Fragestellungen, bei denen der Weg zu einer Lösung nicht klar ist oder die Lösung selbst noch unklar ist. Bei geschlossenen Problemen gibt es eine Standardprozedur zur Lösung des Problems, sobald man dieses einmal definiert hat, z.B. die Reparatur eines kaputten Fahrradreifens. Viele Fragestellungen im politischen Prozess sind offene Probleme, die Themen Opel-Verkauf und Finanzkrise allgemein sind Beispiele dafür.



Unter Politik verstehe ich hierbei den Prozess zwischen politischen Gegnern und den damit verbundenen Interesses- und Zielkonflikten (engl. politics, in Abgrenzung zu polity und policy). Staatliche Institutionen an sich sind durchaus offen und interessiert an Innovation. Besonders im militärischen Bereich gibt es traditionell Programme für Ideenfindungsworkshops und Trainings zur innovativen Problemlösung. Offen kommuniziert wird dies z.B. vom Verteidigungsministerium in Singapur. Mit Politik meine ich hier allerdings etwas anderes.

Die Besonderheiten des politischen Prozesses

Politik und "politische Spielchen" gibt es in jedem Unternehmen, allerdings selten in Reinform, wie in der Politik. Was zeichnet diese aus?

  1. 1.In der Politik gibt es oft eine Fokussierung auf bestimmte Positionen, die wiederum Ergebnis von parteiinternen Abstimmungsprozessen sind. Im Gegensatz zu Interessen beharren Positionen auf einer bestimmten festgelegten Aussage, z.B. "Wir wollen einen Mindestlohn". Ein Interesse könnte z.B.folgendermaßen formuliert werden "Wir möchten eine bessere Bezahlung für Menschen mit niedrigen Löhnen ermöglichen". Für die zweite Aussage gibt es auch noch andere Möglichkeiten als den Mindestlohn. Die Fokussierung auf Positionen macht es schwer, andere Lösungsmöglichkeiten anzudenken, anders sieht es bei Interessen aus.
  2. Zumindest in der öffentlichen Darstellung verbindet man mit Parteien und Personen bestimmte Rollen und Aussagen. Dies wiederum erschwert es, bei einer Problemlösung in alle Richtungen zu denken, da oft automatisch sofort ein Abgleich mit den bisherigen Aussagen statt findet. Die Bahnen innerhalb derer gedacht werden kann sind bereits sehr festgelegt. Damit wird divergierendes und konvergierendes Denken vermischt, was die Formulierung neuer Lösungen erschwert.
Einsatzmöglichkeiten in der Politik
Ich denke, ein Einsatz von kreativen Problemlöseprozessen kann auch in der Politik sehr hilfreich sein, allerdings müssen die Voraussetzungen stimmen:
  • Es muss die Bereitschaft da sein in verschiedene Richtungen zu denken, auch außerhalb bestehender Parteipolitik. Keine hidden agenda.
  • Es muss die Motivation bestehen, bei einem Problem wirklich zu handeln und Veränderungen herbei zu führen.

Klingt alles selbst verständlich, ist es aber keineswegs.

Das bedeutet natürlich nicht, dass dabei alle bisherigen Grundsätze aufgegeben werden müssen. Diese werden sich als Kriterien in der Bewertung von gefundenen Lösungen sicherlich wieder finden. Die Suche nach neuen Lösungen ist allerdings grundsätzlich erst einmal ergebnisoffen. Es ist viel leichter eine "verrückte" Idee "realistisch" zu machen, als eine langweilige Idee mit Leben zu füllen.
Ein weiterer Aspekt, wo Verfahren der kreativen Problemlösung sehr hilfreich sein können, ist bei der Problemdefinition. Oft kann ein leicht veränderter Problemfokus bereits viele Knoten lösen und scheinbar unüberwindbare Interessensgegensätze (nicht Positionen) vereinen, indem ein Problem so formuliert wird, dass sich bei einer Lösung verschiedene Interessen befriedigt würden.

Besonders interessant wäre meiner Meinung nach der Einsatz von Prozessen der innovativen Problemlösung, wenn es sich um nicht öffentliche interne Treffen handelt, bei denen ein geschützter Raum vorhanden ist – zumindest zu einem gewissen Grad –, der es den Teilnehmern ermöglicht sich "frei" zu äußern.

Palomar5 – ein sechswöchiger Do-Tank in Berlin

Dienstag, 18. August 2009

Am Ende sollte mehr rauskommen als ein Konzeptpapier. So stelle ich mir einen Do-Tank vor.
Die Initiative Palomar5 organisiert einen einen sechswöchigen Do-Tank in Berlin im Oktober/ November 2009. Ziel ist es "to propose new working environments fit for the skills and needs of a digital generation."
Dabei werden sich 30 Teilnehmer unter 30 Jahren aus aller Welt für sechs Wochen in einem Innovationscamp zusammenfinden, um Vorschläge für diese neuen Arbeitswelten gemeinsam zu entwickeln.
Besonders interessant finde ich, dass das Organisationsteam versuchen wird, der Gruppe Experten zu organisieren, falls während der Arbeit ein Bedarf für eine bestimmte Expertise entsteht.

Für alle die nun Lust auf mehr bekommen haben, empfehle ich einen Blick auf die Website und besonders das Video.
Bewerbungsschluss zur Teilnahme ist am 31.08.09.

Wie Innovation gelingt – Erfolgsfaktoren von Innovationsinitiativen

Mittwoch, 12. August 2009

In der heutigen (12.08.09) Ausgabe des Handelsblattes ist ein interessanter Artikel von Johannes Pennekamp zum Thema Innovationsforschung erschienen: "Gute Ideen allein sind nicht viel wert".
Er beginnt mit einem Seitenhieb auf Ideenprofis, die angeblich Firmen mit Sprüchen wie "150 Ideen in 30 Minuten" ködern. Verknüpft wird das ganze dann mit unglaubwürdigen Trommelworkshops und Meditationsseminaren, worüber Wissenschaftler und der Autor nur den Kopf schütteln können.

Wann gute Ideen viel wert sind
Wie der Titel des Artikels bereits andeutet, sind Ideen alleine nicht unbedingt viel Wert. Damit Innovation ermöglicht wird, müsse die Unternehmenskultur stimmen und vor allem die Führungskräfte diese Innovationskultur leben. Ein Beispiel, wie das aussehen könnte, habe ich vor Kurzem am Beispiel von Firma Rich Products gezeigt. Welche Dimensionen diese Kultur der Innovation hat, hat der schwedische Forscher Gören Ekvall erarbeitet, er spricht vom Innovationsklima. Er war es auch, der gezeigt hat, welchen großen Einfluss das Verhalten der Führungskräfte auf das Klima hat.

Innovation als Ergebnis von komplexen Prozessen
Auch die im Artikel zitierten Wissenschaftler betonen, dass ein marktfähiges Produkt, dass einem Unternehmen Mehrwert bietet, meist nicht einfach vom Himmel fällt, sondern Ergebnis eines Prozesses ist. Teil eines Innovationsprozesses ist der Kreativitätsprozess. Innerhalb dieses Prozesses spielen dann die guten Ideen eine wichtige Rolle. Allerdings sind die guten Ideen nur einer von mehreren Schritten innerhalb dieses Prozesses. Im richtigen Moment sind dann auch 150 Ideen in 30 Minuten überaus hilfreich und alles andere als unseriös. In meinem Innovationsworkshops generieren wir diese ganz ohne Trommeln und Meditation (allerdings könnte Meditation durch aus eingesetzt werden, wie mir Franca Leeson in einem Interview über Kreativität und Meditation erklärt hat).

Die richtigen Leute für den Innovationsprozess
Damit Innovation entstehen kann müssen in einem Innovationsprozess die richtigen Leute zusammen kommen. Im Handelsblattartikel wird z.B. von Unternehmensvertretern und Kunden gesprochen, die gemeinsam an der Innovation arbeiten.
Innerhalb des Unternehmens ist es wichtig, dass Menschen aus verschiedenen Unternehmensbereichen beteiligt sind, dies erhöht aus meiner Erfahrung auch die Chance, dass das Ergebnis dann wirklich umgesetzt wird, auch deshalb, weil die Leute an der Entstehung beteiligt waren.
Die richtigen Leute kann sich laut Artikel auch auf die Denkweise der Menschen beziehen, die eingestellt werden. Die Kreativitätsforschung spricht hier von unterschiedlichen Stilen der Kreativität. Wenn ich ganze Teams bei Kunden trainiere, arbeite ich mit einem Instrument zur Messung der Problemlösepräferenzen, um unterschiedliche Herangehensweisen bewusst zu machen und für die Zukunft auch ausgewogenere Teams zu ermöglichen. Forschungen von Min Basadur haben gezeigt, dass heterogene Teams in Hinblick auf Innovation eine bessere Leistung abliefern, allerdings oft bei geringerer Arbeitszufriedenheit.

Gute Ideen für die richtige Frage – die Rolle der Fragestellung und die Erfolgswahrscheinlichkeit von Innovationsinitiativen
Im Artikel gar nicht erwähnt wurde das Problem der richtigen Ausgangsfrage. Diese ist jedoch zentral. Eine schöne Quelle ist hier VanGundys Buch Getting to Innovation: How Asking the Right Questions Generates the Great Ideas Your Company Needs. Er geht darin auf die niedrige Umsetzungsquote von Innovationsinitiativen ein: "However, Doblin, Inc. estimated in late 2005 that only about 4.5 percent of innovation initiatives succeed!" Mit ein Grund aus VanGundys Sicht für diese schlechte Quote ist, dass die Innovationsfrage nicht richtig formuliert wurde. Dann nützen auch viele gute Ideen nichts, wenn diese sich auf die falsche Frage beziehen.
In meinen Workshops nimmt die Definition des Problems und damit die Formulierung der Ausgangsfrage eine wichtige Rolle ein. Wenn die Frage falsch oder unklar gestellt ist, kommt im harmlosesten Fall nichts dabei raus, im schlimmsten Fall, laufen die Bemühungen in die falsche Richtung und man stampft nach einiger Zeit alles wieder ein. Um einen meiner Workshop-Kunden zu zitieren: "Besonders hat es mich fasziniert, dass hinter dem vordergründigen Problem das eigentliche Thema liegt, das wir dann bearbeitet haben. Ansonsten läuft man in der Praxis Gefahr, Lösungen für Probleme zu entwickeln, die es nicht gibt."

Angenommen eine Konsumgüterhersteller möchte ein neues Shampoo entwickeln. Die Frage für die Innovationsinitiative könnte nun lauten: Wie könnte ein neues Shampoo aussehen?
Möglicherweise ist aber ein anderer Zuschnitt des Problems viel aufschlussreicher und vor allem zielführender.
Alternative Fragen könnten z.B. lauten:

  • Wie könnten wir dem Kunden ein Gefühl von Frische vermitteln?
  • Wie könnte ein Shampoo aussehen, das nur ganz kurze Zeit zum einwirken benötigt?

Es gibt keine objektive Formel um das beste Framing auszuwählen, das entscheidet sich von Fall zu Fall und im Gespräch mit den Teilnehmern einer Innovationsinitiative.

Eine Methode die sehr hilfreich sein kann, die richtige(n) Fragen zu finden ist das Challenge Mapping. Oft gibt es dann während der Formulierung unterschiedlicher Fragen ein Aha-Erlebnis und es kristallisieren sich interessante Fragen heraus.

Und wer weiß, vielleicht hilft manchen dann auch meditieren und trommeln um auf Antworten zu kommen.

Denken – kreativ, professionell und systematisch

Dienstag, 11. August 2009

Meine Kollegin und Mitbegründerin des Münchner Denkclubs Ruth Pink hat kürzlich ein neues Buch veröffentlicht: Denken - kreativ, professionell und systematisch. In diesem Pocket Business Buch erfährt der Leser auf 120 DIN A6 Seiten eine Menge praktische und anwendbare Hinweise zum Themenbereich Denken und Problemlösung.

In Kapitel 1 Denken und Lernen gibt es wichtige Hintergrundinformationen dazu, wie wir denken und lernen. Aus der Seele spricht mir, dass Ruth mit einigen Mythen aufräumt, z.B. der Trennung der linken und rechten Gehirnhälfte und angeblicher Typen, die sich daraus ableiten lassen.

In Kapitel 2 Vertikales und laterales Denken erfährt der Leser den Unterschied dieser beiden Arten des Denkens, die in dieser Form erstmalig von Edward de Bono so benannt wurden. Beide Arten des Denkens habe ihren Sinn, gut ist es zu wissen, wann man was gebraucht.
Im darauf folgenden Übungsteil kann der Leser einige von de Bono entwickelten Denkwerkzeuge kennenlernen uns ausprobieren. Einige davon habe ich in kürzerer Form auch bereits auf diesem Blog in meinem Adventskalender der Denkwerkzeuge vorgestellt. In Ruths Buch gibt es weitere mit einem Übungsteil zum ausprobieren.

In Kapitel 3 geht es um Kreativität, die Grundprinzipien der Kreativität und einige weitere Denkwerkzeuge, die uns beim kreativen Denken unterstützen, wie z.B. de Bonos 6 Hüte und Methoden der Provokation.

Kapitel 4 zeigt den Zusammenhang zwischen systematischer Problemlösung und Kreativität, zwei Dinge die eng miteinander verknüpft sind. Ruth arbeitet hier mit einem 5-Phasenmodell, das dem vom mir häufig verwendeten Creative Problem Solving Modell ähnelt. Auch hier bekommt der Leser wieder einige Techniken vorgestellt, die ihn dabei unterstützen können.

Besonders im Organisationskontext findet kreative Arbeit nicht nur alleine statt, sondern meist im Team. Was es hierbei zu beachten gibt, schildert Ruth in Kapitel 5. Hier gibt es wichtige Grundregeln für Kreativprozesse in Teams, damit ein Brainstorming wirklich einem Brainstorming im Sinne des Erfinders wird und keine "Ja, aber..." Laberrunde.

Sehr hilfreich finde ich auch die Übersichtseiten mit einem Glossar der verschiedenen Denkweisen und den Kreativtipps.

Konkret und live in München
Wie kreative Problemlöseprozesse konkret ablaufen können und wie das für Organisationen gewinnbringend genutzt werden kann, möchten Ruth und ich am 20. November bei der IHK in München vorstellen.

Die eigene Vision auf den Weg bringen – Sommerakademie für Visionautik in Berlin

Sonntag, 2. August 2009

Eine Vision, einen Traum, eine Idee von der Zukunft haben zum Glück viele Menschen. Das gibt uns Ziele, Kraft und lässt uns positiv in die Zukunft blicken. Leider bleibt es dabei oft in der Traumphase. Es wäre wirklich schön, wenn..., aber ich weiß nicht wie. Es ist nicht leicht von der noch "spinnerten" oder "unrealistischen" Idee zu einer konkreten, realistischen und umsetzbaren Lösung zu kommen. Diejenigen die es schaffen und z.B. erfolgreich ein Unternehmen gründen sind uns oft ein Beispiel, dass es möglich ist. Trotzdem gibt es oft die Stimme im Kopf, die Gründe liefert, warum es bei der eigenen Vision doch nicht so leicht ist und warum wir besser noch damit warten sollten...

Die eigene Vision konkret werden zu lassen, dabei möchte die erste internationale Sommerakademie für Visionautik Anfang September im HUB Berlin unterstützen. Jutta und Boris Goldammer verwirklichen mit dieser Sommerakademie ihre eigene Vision: Menschen dabei zu unterstützen, Träume real werden zu lassen.



Visionäre werden dabei von einer Reihe meist ehrenamtlich engagierter Unterstützer begleitet. Auch ich werde für zwei Tage mit meinen Prozessen der kreativen Problemlösung mit dabei sein und in Workshops und Coachings Menschen dabei zu unterstützen, ihre Idee konkreter werden zu lassen. Denn: es ist viel leichter eine verrückte Idee realistisch zu machen, als eine langweilige Idee mit Leben zu füllen.
Ein Vorgehen, wie man eine Vision entwickelt und zu konkreteren Zielen herunterbricht habe ich in meiner dreiteiligen Artikelserie "Wie man eine Vision, Mission und strategische Ziele entwickeln kann" in Ansätzen vorgestellt.

Ich freue mich auf eine schöne Akademie mit vielen inspirierenden Ideen.