Wie man eine Vision, Mission und strategische Ziele entwickeln kann - Teil 2

Donnerstag, 25. Juni 2009

Im ersten Teil habe ich eine Möglichkeit vorstellt, welche Vorgehensweisen man einsetzen kann, um eine Vision zu formulieren.
Um die Metapher noch einmal aufzugreifen: Wir haben jetzt die Zielkugel beim Boccia formuliert, wir wissen also in welche Richtung wir gehen.
Eine weitere Möglichkeit, die gefundene Vision konkreter werden zu lassen, ist das Denkwerkzeug DRIVE (Hurson. Think Better. 2009). DRIVE ist ein Akronym und steht für die englischen Begriffe Do's, Restrictions, Investment, Values und Essential Results. Ziel von DRIVE ist es, eine Reihe von Kriterien zu definieren, die erfüllt sein müssen, wenn man seine Vision leben möchte. Diese Kriterien dienen dazu, zu erkennen, ob wir uns der formulierten Vision annähern.

Bild: DRIVE-Tabelle

So funktioniert es: Wie alle mit Creative Problem Solving assoziierten Denkwerkzeuge bestehen diese aus zwei getrennten Denkphasen, dem divergierenden Denken und dem konvergierenden Denken.
In der divergierenden Phase werden zu jedem der fünf Oberthemen eine breite Reihe von Optionen generiert.
Stellen Sie sich folgende Fragen: Wenn Sie eine Lösung gefunden haben, die Sie Ihrer Vision näher bringt...

Do: was soll diese Lösung tun? Was muss diese erreichen?
Restrictions: Welche Veränderungen und welche Wirkungen sollen vermieden werden?
Investments: Welche Ressourcen (zeitlich, finanziell, etc.) sind Sie bereit zu investieren, wo sind Ihre Limits?
Values: Nach welchen Werten möchten Sie leben, müssen Sie leben können, damit Sie Ihrer Vision näher kommen?
Essential Outcomes: Wie lauten absolute Musskriterien, die unbedingt erfüllt sein müssen?

Nachdem Sie eine breite Liste an Optionen generiert haben, geht es in der konvergierenden Phase darum, diese vorsichtig und mit Bedacht durch zu sehen und auf einige wenige (maximal 8 – 9) Kriterien einzugrenzen. Warum? Sie werden später Ihre Situation mit diesen Kriterien vergleichen, um so festzustellen, ob und wie Nahe Sie Ihrer Vision gekommen sind. In einer Gruppe wird dies wesentlich mehr Zeit benötigen als alleine.
Jetzt haben wir zumindest eine Vorstellung davon, wie wir unsere Vision erkennen.

In Teil 3 folgt eine Möglichkeit, wie man einen strategischen Plan aus der Vision ableitet.

Fallbeispiel: Eine Kultur der Innovation schaffen – Rich Products USA

Montag, 15. Juni 2009

Wir müssen innovativer sein! Diese Appelle hören wir immer wieder. Viele Menschen fragen sich: Was heißt das konkret? Was können wir tun? Ich denke, es gibt hier oft eine Lücke zwischen den abstrakten Appellen und dem konkreten Handeln.
Einen Ansatz konkrete Veränderung herbeizuführen aufzuzeigen sehe ich über den Einsatz von Verfahren der kreativen Problemlösung, wie z.B. Creative Problem Solving, die, wenn sie richtig eingesetzt werden, die Kultur einzelner Teams und schrittweise auch größerer Teile eines Unternehmens beeinflussen können.

Ein Unternehmen, das vor über 10 Jahren im kleinen Rahmen angefangen hat, Führungskräfte in Verfahren der kreativen Problemlösung zu schulen ist Rich Products in Buffalo, USA, welches ich vergangene Woche besucht habe. Rich Products ist ein großer amerikanischer Hersteller von gefrorenen Nahrungsmitteln und Lieferant von Backzutaten aus Milchersatz.
Es ist beeindruckend zu sehen und zu hören, wie sich die Kultur schrittweise verändert hat und wie Prinzipien des kreativen Denkens und der kreativen Problemlösung sich in allen Teilen des Unternehmens niederschlagen. Unten stehend Bilder der Eingangshalle (Bild 1 und 2) und des Konferenzraumes (Bild 3).





Zwei Vollzeit Prozessmoderatoren/ Facilitators
Ich arbeite als externer Prozessmoderator/ Facilitator für Innovationsworkshops mit verschiedensten Kunden, meist im Rahmen von Workshops von ein oder zwei Tagen. Rich Products leistet sich zwei Vollzeit Facilitators, spezialisiert auf Verfahren der kreativen Problemlösung, die den Teams für Besprechungen und Workshops zur Verfügung stehen. Hauptaufgaben der beiden sind die Durchführung von Strategieworkshops und Innovationsworkshops bestehend aus Kunden und Rich-Mitarbeitern zur Entwicklung neuer Produkte.

Der Besprechungsraum – eine Artefakt der kreativen Kultur
Als erstes wurden wir in den Besprechungsraum geführt. Was für ein Anblick. Alles voller Spielsachen und eigens angefertigten Blöcken für die Technik des Rein und Raus schreiben (Bild 4).




Denken Sie jetzt: "Spielsachen? Wir sind doch nicht im Kindergarten, es geht um wichtige Geschäftsentscheidungen und die Entwicklung neuer Produkte, die bares Geld bringen sollen." Keine Angst, Sie sind zwar verdorben, aber nicht unwiderruflich. Auch den Rich Managern ging es am Anfang so. Nun beschweren sie sich jedes Mal, wenn die Spielsachen nicht da sind, denn sie haben es immer und immer wieder erlebt, wie Spaß, eine entspannte Stimmung und die Freiheit kindlich zu sein (nicht kindisch!), die Produktivität steigert und Innovationen fördert, so Michael Galante einer der beiden Facilitators, der uns durch das Unternehmen geführt hat. Wichtig ist natürlich, dass diese Verspieltheit richtig gesteuert wird, daher die Verfahren der kreativen Problemlösung. Wer sich mehr Innovation wünscht, muss auch die materiellen und kulturellen Bedingungen dafür schaffen. Galante gibt zu, dass es ein langer Weg war, der Jahre gedauert hat.

Mit den Führungskräften beginnen
Absolut wichtig war, dass die Bemühungen, eine Kultur der Innovation zu schaffen und den Menschen zu ermöglichen, kreativ zu denken und zu handeln von den Führungskräften ausgehen müssen. Deshalb hat man damals bei Rich Products auch begonnen ein Trainingsprogramm in Creative Problem Solving für Führungskräfte aufzusetzen. Zwei Facilitators die immer vor Ort sind, sind dabei natürlich eine große Hilfe, da sie den Führungskräften ständig als Ansprechpartner und Coach zur Verfügung stehen können.

Wie man eine Vision, Mission und strategische Ziele entwickeln kann - Teil 1

Dienstag, 9. Juni 2009

Ende August werde ich als Coach und Facilitator an der ersten internationalen Sommerakademie der Visionautik mitwirken.
Worum geht es da? Es geht darum, Menschen, die eine "Idee, eine vage Ahnung oder ein konkretes Projekt haben" zu helfen, diese Vision konkret werden zu lassen.

Ganz nach meiner Vision möchte ich Menschen dabei unterstützen, ihre Kreativität real und konkret werden zu lassen und ein positives Ergebnis zu produzieren.

In dieser Artikelserie möchte ich in kondensierter Form zeigen, wie ein Prozess aussehen kann, eine Vision zu artikulieren und diese in einen Handlungsplan mit konkreten Schritte zu überführen.

Warum, Was und Wie?
Was bedeuten die drei Begriffe Vision, Mission und strategische Ziele. In der Forschung gibt es auch hier mal wieder unterschiedliche Ansichten. Ich möchte die Begrifflichkeiten von John Maxwell und seinem Buch "The 21 irrefutable laws of leadership" verwenden.

Eine Vision antwortet auf die Frage des "Warum?". Sie vermittelt das große Ganze und antwortet auf die Frage, warum ein Mensch oder eine Unternehmen etwas tut.
Beispiel: Mit creaffective gebe ich Trainings zu Kreativität und kreativer Problemlösung und moderiere Innovationsworkshops. Warum? Weil ich Kreativität real und konkret für die Geschäftswelt machen möchte. Das ist meine Vision.


Eine Mission antwortet auf die Frage des "Was?" und fokussiert damit auf den Zweck. Die Mission oder mehrere Missionen leiten sich aus der Vision ab.
Meine Mission mit creaffective ist es, "effektive Prozessmoderation (Facilitation), Trainings und Beratung unter Verwendung von verschiedenen Verfahren der kreativen Problemlösung anzubieten".
Es gäbe auch viele andere Mission, die sich aus meiner Vision ableiten können, die aber nicht meine sind, die vielleicht von anderen Anbietern abgedeckt werden könnten, z.B. "Ich möchte Unternehmen helfen, ihre Ideen in Form von Prototypen zu bauen und durch Beratung beim Bau der Prototypen real werden zu lassen."


Strategien antworten nach Maxwell auf die Frage des "Wie?" und geben damit Schritte vor, wie eine Person oder ein Unternehmen sich seiner Mission und Vision annähern kann.
Zum Beispiel "Ich werde ein e-book schreiben, um viele Unternehmen auf die essenzielle Bedeutung von Kreativität und den Zusammenhang mit Innovation aufmerksam zu machen, um damit auch Aufmerksamkeit für meine Dienstleistungen zu schaffen."


Schritt für Schritt mit Verfahren der kreativen Problemlösung
Verfahren zur kreativen Problemlösung, wie das Creative Problem Solving (CPS) Verfahren, mit dem ich unter anderem arbeite, können Individuen und Unternehmen dabei als Orientierungsmodell helfen, diese Schritte konkret herunterzubrechen und je nach Bedarf, eine Vision, eine Mission und einen strategischen Handlungsplan und Lösungen zur Umsetzung der Strategien zu entwickeln.
Illustration 1 zeigt das CPS Modell und die einzelnen Schritte von CPS, die je nach Bedarf zum Einsatz kommen können.




Eine Vision entwickeln – den Sog in die Zukunft erzeugen
Haben Sie für sich persönlich eine Vision, die Ihnen die Frage des „Warum?“ für ihr berufliches und/oder privates Leben beantwortet?

Wenn Sie als Individuum oder als Unternehmen (z.B. ein Gründungsprojekt) Ihre Vision erst noch finden müssen oder diese verändern, dann gibt es hier eine Reihe von Denkwerkzeugen, die Sie dabei unterstützen können. Hier auf dem Blog kann ich diese zumindest anreißen und vorstellen, erfahrbar machen kann ich Sie nur bedingt.

Ein einfaches Werkzeug, dass für viele Menschen gut funktioniert (zumindest, wenn sie angeleitetet werden) ist die "Erdachte Zukunft".
Wenn Sie eine vage Idee haben, was sie treibt, dann besteht das Vorgehen der Erdachten Zukunft darin, einen Bericht oder Zeitungsartikel zu schreiben, der z.B. fünf Jahre in der Zukunft spielt und einen Tag oder eine Episode beschreibt, wie ihr Leben ist, wenn Sie Ihre Vision erreicht haben.
Es geht darum, sich mental die Zukunft so genau wie möglich und so detailliert wie möglich vorzustellen und möglichst mit allen Sinnen zu erleben und zu spüren. Es ist wie eine Übung im Tagträumen. Es geht nicht darum, dass das Ganze möglichst realistisch sein muss, im Gegenteil, es geht darum, dass Sie Ihre Vision der Zukunft begeistern muss, dass Sie Lust bekommen, es anzupacken. Es geht darum, dass dieses Bild so stark wird, dass ein Sog in die Zukunft erzeugt wird, der Sie motiviert. Aus diesem Artikel kann dann eine Satz herausdestilliert werden, der Ihre Vision ausdrückt wie in meine creaffective Beispiel von oben und möglicherweise auch eine Mission.

Aber das ist doch nicht ein zu eins zu umsetzbar, werden die Kritiker jetzt sagen.
Jep, ist es vielleicht nicht. Darum geht es auch (jetzt) noch nicht.

Ohne Vision keine Richtung
Tim Hurson bringt in seinem schönen Buch "think better" den Vergleich mit dem Boccia Spiel.
Stellen Sie sich die Vision als die kleine Zielkugel im Boccia vor. Es ist beim Boccia unmöglich, dass Ihre Kugel exakt auf der Zielkugel landet. Es geht beim Boccia darum, möglichst nah an die Zielkugel heranzukommen. Aber: Ohne die Zielkugel kein Spiel. Sie wüssten gar nicht, in welche Richtung Sie Ihre Kugeln werfen müssen. Mit der Erdachten Zukunft und Ihrer Vision verhält es sich ähnlich. Sie werden diese vielleicht nicht eins zu eins erreichen, aber ohne Ihre Vision wären Sie orientierungslos. Wie heißt es in Alice im Wunderland sinngemäß. "Wenn du nicht weißt, wohin du willst, dann ist es egal welchen Weg du nimmst."


In Teil 2 werde ich zeigen, wie dies Vision mit konkreten Kriterien hinterlegt werden kann und wie man daraus einen strategischen Plan ableiten kann.

CoWorking News gestartet

Freitag, 5. Juni 2009

Entstanden in den USA verbreitet sich CoWorking auch immer mehr in Deutschland.
CoWorking? Laut Wikipedia.com ist CoWorking ein "…emerging trend for a new pattern for working. Typically work-at-home professionals or independent contractors or people who travel frequently end up working in relative isolation. Coworking is the social gathering of a group of people, who are still working independently, but who share values and who are interested in the synergy that can happen from working with talented people in the same space."
Aus unserem gemeinsamen Interesse an CoWorking haben Alexander Greisle, Felix Schürholz und ich beschlossen ein deutschsprachiges Online Magazin ins Leben zu rufen, das sich mit dem Phänomen und seiner Entwicklung in Deutschland beschäftigt: Die CoWorking News. Um später auch einmal über Deutschland hinaus berichten zu können, haben wir den englischen Namen gewählt.
Das hinter CoWorking mehr steckt als eine Bürogemeinschaft, oder ein Businesscenter, darüber wollen wir unter anderem in unserem Magazin berichten.

Kreativität auf Chinesisch

Donnerstag, 4. Juni 2009

Seit heute ist die neue Ausgabe des Dialogus Magazins online. Für alle, die sich für das Thema Kreativität interessieren, ist diese Ausgabe genau das richtige. Ich habe im Artikel Kreativität auf Chinesisch meine Erfahrungen aus Taiwan eingebracht.

Kreativität ist nicht Künstlertum – Maslows zwei Dimensionen der Kreativität

Dienstag, 2. Juni 2009

Kreativität wird von vielen Menschen mit Künstlern und künstlerischer Ausdrucksfähigkeit assoziiert. Das ist aus zwei Gründen bedauerlich:

1. Kreativität wird auf Kunst reduziert und wird damit der Bedeutung von Kreativität nicht gerecht. Bis heute gibt es in der Kreativitätsforschung keine allgemeingültige Definition von Kreativität, sondern viele Definition, die aus unterschiedlichen Herangehensweisen abgeleitet werden können (siehe dazu meine Artikel über das 4P-Modell der Kreativität).
Keine der Definitionen beschränkt das Ergebnis der Kreativität auf einen bestimmten Bereich, wie die Kunst. Viele Definitionen von Kreativität beinhalten das Erschaffen von etwas das neu und in irgendeiner Form nützlich ist. Das Ergebnis kann dabei überall auftreten, in der Kunst, im Handwerk, in der Buchhaltung, im Alltag.

2. Die einseitige Reduzierung von Kreativität auf Kunst impliziert immer auch, dass Kreativität etwas ist, was nur wenige Menschen haben oder ausdrücken können. Es gibt durchaus auch in der Kreativitätsforschung einige wenige Wissenschaftler, die diese elitäre Form der Kreativität propagieren. Damit wird ausgeschlossen, dass Kreativität etwas ist, dass jeder Mensch hat und das jeder Mensch ausdrücken kann. Die meisten Forscher vertreten die Auffassung, dass Kreativität etwas ist, dass man ganz bewusst verbessern und erlernen kann. Jeder Mensch kann das! Dazu gibt es auch Studien, die die Wirkung von affektiven und kognitiven Techniken zur Förderung der Kreativität und Kreativtrainings (ich nenne diese Trainings zur systematischen Ideenentwicklung) aufzeigen.

Zwei unabhängige Dimensionen der Kreativität
Dennoch gibt es Menschen, die ein besonderes Talent haben, wie z.B. Künstler wie van Gogh oder Picasso, oder Wissenschaftler wie Albert Einstein. Diese Menschen bringen kreative Leistungen auf einem Level das auch mit Training wahrscheinlich nicht erreichbar ist.
Der durch seine Bedürfnispyramide (die übrigens in dieser Form als widerlegt gilt) bekannt gewordene Psychologe Maslow unterscheidet zwei unabhängige Dimensionen von Kreativität: Kreativität basierend auf einem speziellen Talent und Kreativität basierend auf Selbst-Verwirklichung.

Menschen die ein spezielles außergewöhnliches Talent haben, haben meist Leistungen verbracht, für welche sie von einer großen Zahl von Menschen anerkannt und wert geschätzt werden. Von diesen Menschen gibt es per Definition nur wenige.
Auf Selbst-Verwirklichung basierende Kreativität kann jeder Mensch ausdrücken. Es handelt sich um geistig gesunde Menschen, die ständig an sich wachsen. Kreativität drücken sie dann aus, wenn sie ihre Stärken zum Einsatz bringen und etwas tun, womit sie ihren Präferenzen gerecht werden, d.h. sich selbst verwirklichen. Csikszentmihalyi hat in diesem Zusammenhang den Begriff Flow geprägt.



Illustration 1 zeigt die beiden von einander unabhängigen Dimensionen und die unterschiedlichen Quadranten in den Menschen sich danach befinden können.
Interessant ist an der Maslowschen Unterscheidung in zwei Dimensionen die Konsequenz, dass Menschen mit einem speziellen Talent nicht über eine gesunde Psyche verfügen müssen (aber natürlich können), um ihr Talent ausdrücken zu können. Vielleicht kommt daher auch der Spruch „Genie und Wahnsinn liegen oft nah bei einander“ und die Beobachtung, dass die Geschichte voll von neurotischen kreativen Genies war und ist.