Wege aus der "Krise": Optimierung des kreativen Prozesses

Samstag, 28. Februar 2009

Die aktuelle Ausgabe des Wirtschaftsmagazins brand eins trägt den richtigen Titel: "Gute Nachrichten. - Schwerpunkt Unternehmer". Ricard Matthieu hat in seinem Buch "happiness" die Idee einer Zeitung ausschließlich für gute Nachrichten vorgestellt, meinte dann aber gleich einschränkend, dass diese dann wohl keiner lesen wolle. Ich sehe es genau anders herum, ich kann die ausschließlich negativen Artikel nicht mehr lesen und freue mich daher sehr über eine komplette brand eins Ausgabe, die sich nur mit guten Nachrichten beschäftigt.

Krise oder Chance – eine Frage der Wahrnehmung
In meinen Kreativtrainings beginne ich zum Einstieg gerne mit einigen Wahrnehmungsübungen, die (noch einmal) bewusst machen, welche Bedeutung unsere Wahrnehmung für unser Handeln und für die "logischen Entscheidungen" hat, die wir auf der Wahrnehmung aufbauen. Obwohl die beobachtbaren und messbaren Fakten, die gleichen sind, können diese von zwei Menschen ganz unterschiedlich wahrgenommen werden und in der Folge völlig andere Handlungen auslösen. Die Wahrnehmung ist wie die Brille auf die Welt. Ich nenne das simple Beispiel vom Schwarzseher, der sich einseitig auf die Probleme fokussiert und einem anderen Menschen, der mehr auf die Chancen und Möglichkeiten achtet. Beide werden sehr unterschiedlich handeln, obwohl sie die gleichen Fakten vor sich haben. Das bewusste Bewerten von Ideen durch gezielte Steuerung der Wahrnehmung ist ein wichtiges Element bei der Entwicklung neuer Lösungen.



Zumindest aus den Medien – brand eins ist eine positive Ausnahme - habe ich den Eindruck, als würden wir uns im Moment ausschließlich an den Problemen und Gefahren festbeißen. Diese einseitige Fokussierung auf das Negative führt dann fast zwangsläufig zu einem mindset (die einseitige Überbetonung eines Aspektes auf Kosten von anderen vorhandenen Aspekten), das alle positiven Aspekte und Potenziale ausblendet. Damit ich nicht missverstanden werde: Ich will keine Schönfärberei betreiben und vorhandene Schwierigkeiten einfach ignorieren.

Brand eins zeigt Beispiele, welchen positiven Möglichkeiten und Chancen der gegenwärtige Auftragsrückgang vieler Unternehmen auch ermöglicht. Z.B. bietet die jetzt ruhigere Zeit, die Möglichkeit an wichtigen strategischen Entscheidungen für die Zukunft zu arbeiten, neue Ideen zu erarbeiten und Bestehendes weiter zu verbessern.

Sonst hieß es ja immer, "wir haben keine Zeit, neue Lösungen zu entwickeln, da das Alltagsgeschäft uns voll in Beschlag nimmt". Nun sollte es doch etwas mehr Luft geben, wichtige strategische Entscheidungen für die Zukunft anzugehen, die sonst zwar immer als wichtig, aber als weniger dringend als das Abarbeiten von Aufträgen angesehen wurde. Laut brand eins haben viele Unternehmen jetzt andere Gründe, die Chance, etwas mehr Zeit zum Nachdenken zu haben, nicht zu nutzen.

Prozessoptimierung – auch für den kreativen Prozess
Johann Soder von SEW-Eurodrive erklärt im Interview, wie sein Unternehmen die Zeit jetzt für die Optimierung bestehender Prozesse nutzt, um dann noch besser für die Zukunft gerüstet zu sein. Im Gegensatz zu den Produktionsprozessen, die in der Vergangenheit bereits sehr viel Aufmerksamkeit erhalten hätten, betrachte SEW-Eurodrive nun verstärkt Forschungs- und Entwicklungsprozesse, die bisher eher vernachlässigt wurden und nun optimiert und in bestimmten Aspekten auch "knallhart und straff" organisiert werden könnten.

Prozesse kann man optimieren. Die meisten Unternehmen denken dabei an Produktions- und Vertriebsprozesse, SEW-Eurodrive beschäftigt sich nun mit F&E-Prozessen. Ich behaupte, dass es sich sehr lohnt, einen noch viel grundlegenderen und allgemeineren Prozess zu optimieren, der aus meiner Erfahrung selten auf dem Radar ist, ja oft noch nicht einmal als Prozess erkannt wird: Der Kreativprozess Einzelner und Teams.

Auf Probleme und Herausforderungen mit offenem Ende neue Lösungen zu entwickeln, ist ein kreativer Prozess. Dieser lässt sich wie andere Prozesse auch analysieren, gezielt steuern und optimieren. Viele Teams arbeiten beim Nachdenken nach neuen Lösungen nach keinem expliziten Prozess oder in einer nicht optimalen Abfolge ihrer Prozessschritte. Hier sind große Steigerungen möglich, um in kürzerer Zeit neue und funktionierende Lösungen für Probleme und Herausforderungen zu entwickeln.

Im Gegensatz zur den von Johann Soder angesprochenen straffen Prozessen in der Forschung und Entwicklung, sind Modelle der kreativen Problemlösung flexibler, offener, aber dennoch strukturiert. Ein Beispiel eines solchen Verfahrens ist der Creative Problem Solving Prozess, mit dem ich meine Workshops moderiere.
Unten stehende Grafik zeigt die drei Komponenten und eine detaillierte Sicht der Stufen von Kreativprozessen.



Strukturiert zu neuen Lösungen – die Schritte der Optimierung
Allgemein gesprochen würde ich folgende Schritte zur Verbesserung von Kreativprozessen in Organisationen vorschlagen.

  1. Verständnis schaffen
    Wie gesagt, aus meiner Erfahrung - sowohl im Rahmen von Vorträgen, als auch bei Moderationen und Trainings – ist vielen Menschen ein expliziter Prozess der Kreativität nicht bekannt. Viele verstehen Kreativität als ein unstrukturiertes und chaotisches Etwas, dass einen per Zufall ereilt. Die Kreativitätsforschung hat uns gezeigt, dass Kreativität ein sehr bewusster und strukturierter Prozess sein kann und dass man die dafür notwendigen Denk- und Verhaltensweisen erlernen kann.

  2. Status quo analysieren
    Vor konkreten Maßnahmen kann man eine Bestandsaufnahme, ob und wie sich Kreativität jetzt entwickeln kann. Hierzu kann das Modell der 4Ps herangezogen werden. Innerhalb einzelner Teams kann man mit Hilfe von Instrumenten (z.B. Foursight) die Problemlösepräferenzen der Teammitglieder messen, einerseits, wiederum um Verständnis zu schaffen, andererseits, um konkrete Maßnahmen abzuleiten.

  3. Veränderungen einführen
    Änderungen können an drei der vier Elemente des 4P-Modells ansetzen, Person, Prozess und Klima. Möglichkeiten dazu sind gezielte Trainings zur kreativen Problemlösung oder das Erarbeiten von Lösungen auf bestehende Herausforderungen in moderierten Workshops, die auch die Vermittlung der eingesetzten Verfahren und Techniken zum Ziel haben können. Eine Unterscheidung der Bergriffe Workshop und Training habe ich kürzlich vorgenommen. Trainings machen besonders bei Führungskräften Sinn, die aufgrund ihrer Position das Gelernte in die Teams tragen können. Moderierte Workshops mit einem zusätzlichen Schwerpunkt auf Vermittlung von Fähigkeiten machen besonders bei Gruppen Sinn, die danach in dieser Konstellation weiter arbeiten.

Kreativität - Level und Stil

Dienstag, 24. Februar 2009

Was haben die folgenden beiden Situationen gemeinsam?
Ein Ingenieur nimmt eine kleine, aber gut durchdachte Veränderung an einem Motorrad vor, die dazu führt, dass dieses in Zukunft noch weniger Sprit verbraucht. Ein anderer Ingenieur stellt ein völlig neues Motorradkonzept vor, dass die bisherigen Vorgehensweisen komplett über den Haufen wirft.

Die Gemeinsamkeit: Das Produkt beider könnte als hoch kreativ von Kollegen eingeschätzt werden. Obwohl beide ein hohes Level an Kreativität bewiesen haben, unterscheiden sie sich in einem grundlegend: Ihrem Stil der Kreativität.
Der eine zeigt ein hohes Level innerhalb bestehender Muster, der andere bewegt sich außerhalb bestehender Muster.
Der Brite Michael Kirton hat daher die Unterscheidung zwischen Level und Stil der Kreativität getroffen. Um die Unterschiede zu verdeutlichen, habe ich für eine englischsprachige Veranstaltung im letzten Jahr ein kurzes Video produziert.













Vielen Dank auf diesem Wege noch einmal an EMI Music Japan Inc., die mir die Nutzung der Instrumentalversion von Jamosas "Tegami" gestattet haben.

Kreativtraining, Kreativseminar und Kreativworkshop

Sonntag, 22. Februar 2009

Gibt es dar einen Unterschied zwischen einem Seminar, einem Training und einem Workshop? Mir fällt auf, dass viele Gesprächspartner die Begriffe oft synonym verwenden.
Ich treffe folgende Unterscheidungen, die für mich als Auftragnehmer und Anbieter von sowohl Kreativworkshops als auch Kreativtrainings und anderen Trainings einen großen Unterschied machen.

Seminar/ Training = Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten

Die Begriffe Seminar und Training sind für mich gleich bedeutend. Bei einem Seminar geht es um die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten. D.h. es steht das Erlernen von Kreativtechniken im Vordergrund. Ziel eines Kreativseminars ist es, den Teilnehmern die Inhalte so zu vermitteln, dass diese damit nach dem Seminar alleine weiter arbeiten können und diese eigenständig anwenden können. In einem Kreativseminar werden Kreativtechniken an konkreten Beispielen der Teilnehmer geübt, es geht allerdings vornehmlich um das Üben und Erlernen der Kreativtechniken. Das bedeutet, dass Teilnehmer in einem Seminar nicht unbedingt Lösungen auf ein Problem erarbeiten, sondern alles unter dem Aspekt der Übung von Techniken steht.

Kreativworkshop = Erarbeiten von konkreten Ergebnissen

In einem Kreativworkshop in dem ich als Prozessmoderator auftrete geht es darum, konkrete Ergebnisse auf eine bestimmte Fragestellung / ein Problem zu erarbeiten. Eine grobe Eingrenzung findet vor dem Workshop in einem Gespräch zwischen dem Moderator und dem Auftraggeber statt. Ziel des Workshops ist es Kreativtechniken so auszuwählen und einzusetzen, dass sie dem Kunden helfen, Lösungen auf sein Problem zu erarbeiten, sie sind dabei nur Mittel zum Zweck. Wenn ich einen Kreativworkshop als Prozessmoderator leite, sind keine Vorkenntnisse in Kreativtechniken nötig. Ich erkläre diese im Workshop so, dass alle Teilnehmer diese unter Anleitung sofort auf die gegebene Aufgabenstellung anwenden können. Die Techniken richten sich immer nach dem Stand des Problems bzw. dem Ergebnis. Es wird so lange gearbeitet, bis ein Ergebnis erzielt und ein Handlungsplan erstellt wurde.
Es gibt allerdings auch in einem Workshop die Möglichkeit, diesen so zu gestalten, dass die Teilnehmer die Techniken danach selbst einsetzen können. Dazu muss dann noch etwas mehr Zeit eingeplant werden. Dies macht dann Sinn, wenn eine Gruppe nach dem Workshop gemeinsam weiter arbeitet.

PowerPoint ist tot – es lebe Prezi

Dienstag, 17. Februar 2009

Na ja, so schnell aussterben wird PowerPoint wohl nicht, aber bald wird es eine Software geben, die Präsentationen der ganz anderen Art möglich macht. Neue Software für dies und das wird fast täglich angekündigt, aber Prezi wird meiner Meinung nach etwas wirklich Großes werden. Selten bin ich so fasziniert und begeistert vor einer neuen Software gesessen.

Nichtlineare Präsentationen
Nach Prof. Edward Tufte, einer der wohl bekanntesten Kritiker von PowerPoint, ist der kognitive Stil von PowerPoint schuld an den meist miserablen Präsentationen ist und nicht die Unfähigkeit des Nutzers. Er schreibt: "PowerPoint is like being trapped in the style of early Egyptian flatland cartoons rather then using the more effective tools of Renaissance visual representation."

Für Tufte ist eine lineare Abfolge von Folien und Aufzählungslisten nicht der beste Weg, komplexe Zusammenhänge darzustellen. Wobei PowerPoint natürlich auch anders nutzen kann als lediglich zur Aneinanderreihung von Aufzählungslisten.

Prezi geht einen ganz anderen Weg, einen nicht-linearen Weg: Bei Prezi ist die gesamte Präsentation auf einer großen weißen Fläche angeordnet. Der Nutzer wird durch einen vom Ersteller der Präsentation vordefinierten Pfad durch Elemente auf der weißen Fläche geführt, wobei das jeweilige Element dann vergrößert dargestellt wird. Gleichzeitig ist es aber auch möglich den Vergrößerungsfaktor zu verändern und so weitere oder sogar alle Elemente auf der Leinwand zu sehen (siehe Bild 1). Mit einem Klick auf ein beliebiges Objekt wird dies fokussiert und vergrößert. Es entstehen Zooming-Presentations.
Auf diese Weise kann ähnlich wie bei einem Mind Map (eine ebenfalls nicht-lineare Visuaslisierung) gleichzeitig das große Ganze und die Details gesehen werden. Durch die Anordnung der Elemente im Raum können so Sinnzusammenhänge mit wesentlich mehr Möglichkeiten dargestellt werden als in einzelnen aufeinander folgenden Folien.



Kinderleicht zu bedienen
Noch befindet sich das Programm in der Beta-Phase. Ich habe die Gelegenheit an dieser Test-Phase teilzunehmen. Das Programm ist wirklich kinderleicht zu bedienen und kommt mit einer kleinen Anzahl kreisförmiger Bedienungselemente aus (siehe Bild 2) die am linken Bildschirmrand angeordnet sind.
Alle weiteren Bedienelemente bestehen aus vier Navigationselemente am rechten unteren Bildschirmrand (siehe Bild 2) und einem aus drei Manipulationskreisen (Bild 4). Sobald man ein Objekt anklickt, kann man es mit Hilfe der drei Kreise beliebig vergrößern, verschieben und rotieren.



Online und offline
Das Programm basiert auf einer Flashtechnologie. Erstellt werden die Präsentationen online. Man kann diese dann mit einem Klick für andere freigeben, die sich dann durch einen Online zur Verfügung gestelleten Flashfilm klicken. Siehe dazu die Beispiele auf der Prezi-Homepage.
Wer seine so erstellten Präsentation offline nutzen und zeigen möchte, kann diese herunterladen. Die fertige Präsentation wird dann in einen Flashfilm konvertiert, der sich offline ausführen und im Vollbildmodus ansehen lässt.



Ich freue mich schon, meine nächsten Vorträge mit einer Prezipräsentation zu unterstützen! Ich glaube, dieses Programm hat das Potenzial wirklich etwas einen innovativen Mehrwert in die foliengeprägte Präsentationslandschaft zu bringen.

Lernen im 21. Jahrhundert

Freitag, 13. Februar 2009

Während der letzten Wochen habe ich in verschiedenen Büchern und Artikeln einige Thesen zum Lernen gelesen. Der gemeinsame Nenner dieser unterschiedlichen Quellen: Die Art und Weise, wie Lernen heute in Schulen, Universitäten und Organisationen organisiert und institutionalisiert wird, vermittelt uns nicht die notwendigen Kompetenzen und Geisteshaltungen, die wir für eine nicht vorhersagbare und sich ständig wandelnde Zukunft benötigen. Im Gegenteil, unser Erziehungssystem stamme aus der Zeit der Industrialisierung, wo es vor allem auf standardisiertes und vorhersagbares Wissen und Fähigkeiten ankam.

Einige Beispiele:

Bildung vorher und nachher
Aus dem Buch "Wir kündigen! Und definieren das Land neu" von Dagmar Deckstein, Peter Felixberger, Michael Gleich, Wolf Lotter aus dem Jahr 2005:
"Vorher:
Herkunft, Bildung und finanzielle Ausstattung der Eltern bestimmen immer noch darüber, was aus unserem Nachwuchs wird. Überdies beherrscht der Bildungskanon des 19. Jahrhunderts die Lehrpläne. Der Staat verordnet unnützes und veraltetes Wissen.

Nachher:
Bildung fördert nicht nur die Lust, ein Ich zu sein. Sie ist der Schutzpanzer gegen die medial vermittelten Sinnlosigkeitsdrogen. Und sie ist die einzige Chance, sich in der entfesselten Arbeitsgesellschaft einen Marktnischenplatz in den vorderen Reihen zu sichern. Bildung verliert ihren Beschulungscharakter und regeneriert zum angeleiteten Autodidaktentum." (S. 29)

Das Unterrichtsdesign gestalten
Aus dem Buch "The Accelerated Learning Handbook" von Dave Meier aus dem Jahr 2000, S. 182:

  • Old belief: Learning is the absorption of information.
    New belief: learning is the creation of meaning, value, and actionable knowledge by the learner.
  • Old: Learning is an individualistic endeavor.
    New: Learning improves greatly in a social environment rich in collaboration and human interaction.
  • Old: Knowledge is mainly verbal and cognitive.
    New: Knowledge involves the whole body/mind, the emotions, the senses, and all aspects of intelligence.
  • Old: Standardization saves time and money.
    New: One-size-fits-all solutions waste money. Learning works best in an option-rich, multipathed environment.
  • Old: We must test for immediate recall as part of the learning program.
    New: Long-term performance, not immediate recall, is the aim of learning.
  • Old: Learning requires a controlled delivery system.
    New: Learning is hampered by too much structuring and too much external, hierarchical control.
  • Old: Learning is serious business.
    New: Learning is best when done in the spirit of joy and playfulness.


Ken Robinson: "If you're not prepared to be wrong, you'll never produce anything original."
Im Moment lese ich gerade das neue Buch von Ken Robinson "The Element", in welchem er die Bedeutung des Elements beschreibt. Das Element ist die Sache, in der sich individuelle Leidenschaft und Begabung treffen. Nur hier könne sich die Kreativität eines jeden Menschen optimal entfalten. Unser Schulsystem und das einseitige Festhalten and logisch-mathematischer Intelligenz macht es besonders Kindern sehr schwer ihr Element zu finden.
Einige der Inhalte finden sich in seiner TED-Rede aus dem Jahr 2006.




Wo stehen wir?
Die Zitate sind bereits einige Jahre alt. Wenn wir uns den Status quo ansehen, sind wir meiner Meinung nach immer noch im Vorher oder in den alten Glaubenssätzen verhaftet. Sind die von den zitierten Autoren neuen Lösungen die richtigen?

Neue Ideen für Vorträge und Präsentationen entwickeln

Dienstag, 10. Februar 2009

Stellen Sie sich vor, Sie müssen einen interessanten und packenden Vortrag zu einem für viele Menschen relativ "trockenen" wirkenden Thema halten, z.B. Datensicherheit. Viele Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen sind nicht wirklich für das Thema sensibilisiert und sind mit einer Präsentation der Datensicherheitsrichtlinien nur mäßig zu begeistern.
Mit solchen und ähnlichen Themen beschäftigen sich die Klienten von Präsentationscoach Dr. Michael Gerharz. Er hilft seinen Klienten dabei, diese Themen so gut und ansprechend wie möglich zu präsentieren und die Botschaft an den Mann und an die Frau zu bringen.
Im Moment hat er auf seinem Blog das Schwerpunktthema Kreativität für welches ich einen Beitrag beigesteuert habe. Ich durfte mir genau zu obigen Thema Gedanken machen und zeige, wie man mit dem Einsatz eines Verfahrens zur kreativen Problemlösung auf neue Ideen kommt, Datensicherheit spannender zu verpacken.

Beschreibbare Tapeten

Sonntag, 8. Februar 2009

Wäre es nicht super, wenn man in einem Raum die komplette Wand als Schreibfläche nutzen könnte, um dort nach Belieben Ideen festzuhalten und zu zeichnen?
Es gibt Whiteboards in den üblichen Größen und sogar überdimensionierte Whiteboards, die die Größe der ganzen Wand einnehmen können.
In einer Sendung des Arte Magazins Chic bin ich auf beschreibbare Tapeten aufmerksam geworden. In Frankreich hat die Firma The Collection diese entwickelt. Das Unternehmen gibt sich jedoch größte Mühe nicht im Internet gefunden zu werden.
Ein ähnliches Produkt mit dem Namen VAN DER ROLLE bietet die Firma GMK aus Deutschland an. Deren Tapete lässt sich als Schreib- und Projektionsfläche nutzen und hat im Gegensatz zu Whiteboards den Vorteil, dass diese dünn, leicht und flexibel zuschneidbar ist. Ich vermute mal, dass die Tapete auch günstiger ist, als ein Whiteboard, das muss ich aber erst noch herausfinden.

Definitiv eine interessante Möglichkeit, um den Raum als flexible Schreibfläche zu nutzen.

Ich sehe eine Reihe von Vorteilen:

  • die Schreibfläche ist nicht auf die Fläche eines Whiteboards, eines Papiers oder eines Bildschirms begrenzt
  • man kann so mehr auf einmal sehen und festhalten
  • die Tapete lässt sich als Ideenspeicher nutzen, ähnlich wie bei der Methode des Brainwriting
  • man kann so über einen längeren Zeitraum Ideen entwickeln
  • es entsteht ein anderes positives Raumgefühl
  • statt nur zu sitzen kann man nun in Bewegung und im Stehen arbeiten
  • die Energielevel der Teilnehmer einer Besprechung ist höher, wenn sich nicht alles ausschließlich im Sitzen abspielt


Ideen-Mining: Gezielt nach neuen Lösungen graben

Dienstag, 3. Februar 2009

In der gestrigen Ausgabe des Handelsblatts gab es einen interessanten Artikel ("Denkfabrik aus Laien und Profis") zum Thema moderierte Ideenentwicklung oder Ideen-Mining wie es im Artikel genannt wurde. Beim Ideen-Mining, das als Dienstleistung von einigen deutschen Universitäten angeboten wird, wird in einem moderierten Workshop mit einer gemischten Teilnehmergruppe aus Organisationsvertretern und Studenten gezielt nach neuen Ideen für bestimmte Herausforderungen gesucht. Im Artikel war das z.B. die Motivation des Ground-Handling Personals am Flughafen Köln Bonn. Einige weitere Beispiele, die ich bereits mit Gruppen bearbeitet habe, finden sich im Abschnitt Innovationsworkshops auf meiner Website. Grundsätzlich eignen sich diese Workshops immer dann, wenn es sich um Probleme geht, deren Lösung offen ist, d.h. es ist vorab nicht ersichtlich, wie genau eine Lösung aussieht und wie genau man dort hinkommt. Das Besondere am Konzept der Unis ist das unbedingt Studenten als Ideengeber an den Workshops teilnehmen.

Ablauf eines Workshops
Auch wenn die interviewten Professoren nicht zu viele Details des Ablauf preisgeben wollten, wurde doch in dem Artikel schön deutlich, dass es sich um einen Workshop handelt, der mit einem Prozess gesteuert wird, der sehr ähnlich dem von mir verwendeten Creative Problem Solving Verfahren ist.
Das grobe Verfahren habe ich in Bild 1 einmal visualisiert. Ein moderierter Workshop zur Entwicklung neuer Lösungen auf bestehende Herausforderungen lässt sich dabei grob in die unten stehenden Schritte unterteilen. Der Trichter symbolisiert das Vorgehen dabei insofern schön, als dass die Inhalte im Verlauf des Prozesses immer spezifischer und fokussierter werden. In jeder Stufe des Trichters kommen dabei unterstützende Techniken zum Einsatz (siehe hierzu meine Serie zu Denkwerkzeugen), die helfen, das Ziel des jeweiligen Prozessschrittes effektiver zu erreichen, z.B. das Finden neuer Ideen oder das Bewerten und Weiterentwickeln erster Rohideen.



Die Zusammensetzung eines Ideen-Mining Workshops
Im Artikel wurde auch grob beschrieben, aus welchen Teilnehmern sich ein moderierter Ideenworkshop zusammensetzt. Auch dies habe ich in Bild 2 einmal visualisiert. Der Problemeigentümer, also die Person oder Personengruppe, die die inhaltlichen Entscheidungen trifft, wird Klient genannt. Mit dem Klienten findet normalerweise auch vorab immer ein Gespräch zur Planung des Workshops statt. Neben dem fachnahen Klienten gibt es eine Ressourcengruppe, die sich auch aus fachfremden und fachnahen Personen zusammen setzt. Im Beispiel des Artikels sind es Studenten, dies muss aber nicht unbedingt so sein, das hängt ganz vom Problem ab. Wichtig ist, dass im Workshop insgesamt eine Mischung aus Internen und Externen, Fachexperten und Fachfremden vertreten ist.
Klient und Ressourcengruppe arbeiten gemeinsam an der Lösung des Problems. Gesteuert wird der Problemlöseprozess von einem Prozessmoderator. Dieser sorgt dafür, dass zu richtigen Zeit in die richtige Richtung gedacht wird und die Regeln der jeweiligen Phase eingehalten werden. Nur so ist es möglich, in kurzer Zeit wirklich neue umsetzbare Lösungen zu entwickeln.



Und hier liegt dann auch der große Mehrwert für den Klienten. Es wird durch einen richtig zusammengesetzten Workshop und einen Prozessexperten möglich, Lösungen zu erarbeiten, die viel Zeit und Geld sparen und die der Klient alleine in dieser Form so nicht oder nur mit einem wesentlich größeren Zeit- und Personalaufwand erarbeitet hätte.