War es ein evolutionärer Vorteil, nicht kreativ zu sein?

Freitag, 30. Januar 2009

Gestern Abend bei unserer Denkclubsitzung hat sich eine hoch spannende Diskussion entwickelt. Die These lautet: Es brachte dem Menschen lange Zeit einen evolutionären Vorteil, nicht kreativ zu sein!

Schnelles Urteil anstelle der Suche nach Alternativen
Hintergrund und Ausgangspunkt der Diskussion war die Unterscheidung zwischen divergierendem und konvergierendem Denken, also einem Denken das unzensiert in die Breite geht und nach Quantität strebt (divergierend) und einem Denken, dass eng, fokussiert und bewertend vorgeht (konvergierend).
Die Trennung dieser beiden Phasen des Denkens divergierend und konvergierend ist essentiell für die Entwicklung neuer Ideen und Lösungen und sollte Grundbestandteil eines jeden Kreativtrainings oder Kreativworkshops sein.

Wir kennen es alle, dass die meisten Menschen (das kann man ohne Übertreibung sagen) sehr schnell eng und fokussiert denken und schnell ein Urteil fällen und große Schwierigkeiten haben, die Beurteilung zurück zu stellen und offen für Alternativen zu bleiben. Während meiner Facilitator-Ausbildung in den USA habe ich dafür den Begriff "Krokodil-Reaktion" gelernt. Eine Krokodil-Reaktion spielt auf die Metapher des Reptiliengehirns an, ein evolutionär älterer Teil unseres Gehirns, in dem z.B. die Amygdala sitzt, die aktiviert wird, wenn Angst und negative Emotionen im Spiel sind. In solchen Situationen, z.B. wenn ich auf dem Waldboden eine Schlange sehe, brachte es einen evolutionären Vorteil, schnell und sozusagen automatisch zu handeln. Es ist sozusagen eine Überlebensreaktion. Diese zeigt sich heute noch schön in Diskussionen, wenn Menschen den Status quo in Gefahr sehen und nun alle Mittel darauf verwenden, diesen zu verteidigen.
Die Hirnforschung hat auch gezeigt (siehe das Buch Lernen von Prof. Manfred Spitzer), dass in Situationen, in welchen die Amygdala aktiviert wird, ein enger und routinenhafter Stil des Denkens aktiviert wird und geistige Transferleistungen oder das Entwickeln neuer Lösungen nur sehr eingeschränkt funktionieren.

Gezielt in neuen Bahnen denken
Ein weiterer Faktor, der hinzu kommt und auf den auch Edward de Bono in seinem Buch lateral thinking hingewiesen hat, ist, dass sich im Gehirn angelegte Denkmuster mit der Häufigkeit ihrer Benutzung verstärken. Je öfter man also eine Spur im Schnee austritt, desto tiefer und fester wird diese. In der Psychologie spricht man hier auch von sogenannten "Skripten", die ablaufen, wenn ich in einen bestimmten Kontext gerate.

Aus diesen hirnbiologischen Gründen neigen wir schnell dazu schnell, bestehende Denkmuster abzurufen (das ist effizient) und neue Dinge schnell auch in bereits angelegten Kategorien zu beurteilen. Die brachte in der Evolution durchaus viele Vorteile, besonders wenn sehr schnelle Entscheidungen (Überlebensreaktionen) gefordert waren.
Das Problem heute ist, dass diese Denkeffizienz oft keine Vorteile mit sich bringt, sondern im Gegenteil: Wenn wir immer so denken, wie wir schon immer gedacht haben, werden wir auch genau das wieder erhalten, was wir schon immer gemacht haben.

Vor diesem Hintergrund hat Edward de Bono auch seine Techniken des lateralen Denkens entwickelt (z.B. Erzwungene Verbindung), die den Denker bewusst aus der Denkbahn werfen und ihn sozusagen zwingen, einen neuen Weg zu suchen. De Bono und auch sein ehemaliger Partner Michael Hewitt-Gleeson argumentieren außerdem, dass die westliche kulturelle Software, das konvergierende Denken in besonderem Maße betont und wir hier im Westen von klein auf auf schnelles Urteilen sozialisiert werden.

Zum Glück lässt sich eine Haltung, in der vorschnelles Beurteilen verhindert und divergentes Denken ermöglicht wird, trainieren und durch den Einsatz von Denkwerkzeugen gezielt ermöglichen.

Strukturiert neue Lösungen finden – Tagesveranstaltung bei der IHK München

Mittwoch, 28. Januar 2009

Am 20. November 2009 veranstalten Ruth Pink und ich in Kooperation mit der IHK München eine Tagesveranstaltung Strukturiert neue Lösungen finden - wie man Probleme kreativ bearbeitet

Das Programm – zwei Halbtagestrainings von zwei Trainern für alle Teilnehmer
Bis zu 30 Teilnehmer erleben in insgesamt vier über den Tag verteilten Kurztrainings eine praktische Einführung in Techniken zum Finden und Generieren von Ideen und eine Anwendung des kreativen Problemlöseprozesses mit Creative Problem Solving.

Ein ausführliches Programm findet sich auf der Website der IHK.

Begonnen und abgerundet wird der Tag mit allen Teilnehmern und Ruth und mir im Plenum.

Der Nutzen
Führungskräfte, Geschäftsführer und Projektmanager, erleben eine praktische Einführung mit konkreten Übungen und Anwendungsfällen in die Möglichkeiten und den Nutzen von Techniken und Vorgehensweisen zur kreativen Problemlösung. Mit dieser Veranstaltung können Interessierte die Chancen und Möglichkeiten von Kreativtechniken und Verfahren zur kreativen Problemlösung sozusagen testen, bevor diese in größerem Stil in das Unternehmen getragen werden.

Diese Gelegenheit ist selten, da Ruth und ich fast ausschließlich mit geschlossenen Gruppen kundenintern arbeiten.

Die Pyramide des Bücherlesens – Teil 2

Freitag, 23. Januar 2009

In Teil 1 habe ich die ersten beiden Stufen meiner Pyramidenmetapher vorgestellt. In diesem zweiten Teil möchte ich mich zur Spitze der Pyramide hocharbeiten.
Stufe 3: Regelmäßig wiederholen
Der Psychologe Ebbinghaus hat vor über 100 Jahren mit seiner Vergessenskurve bereits gezeigt, dass wir viel der neu gelernten Inhalte bereits nach kurzer Zeit wieder vergessen. Wie hoch dieser Prozentsatz des Vergessens genau ist, darüber gibt es keine genauen Angaben, fest steht jedoch, dass der Mensch vieles wieder vergisst und das schon nach sehr kurzer Zeit nach dem Lernen. Deshalb betonen Lernforscher die große Bedeutung der Wiederholung. Sowohl Prof. Stangl als auch John Medina, Autor des Buches "brainrules" (siehe hier seine Regeln zum Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis), weisen darauf hin, dass neue Lernstoff innerhalb von 24 Stunden wiederholt werden sollte und dann in regelmäßigen Abständen. Was genau regelmäßig heißt, lässt sich auch nicht definitiv sagen. Sicherlich nicht jeden Tag, aber sicherlich auch nicht einmal alle drei Jahre.

Da ich von jedem Sachbuch, das ich lese, eine Mind Map Mitschrift anfertigen, kann ich diese in kurzer Zeit (ca. 10 – 15 Minuten) wiederholen und mir so die Inhalte des Buches sofort wieder präsent machen. Dieses regelmäßige Wiederholen ist besonders für die Prüfungsvorbereitung wichtig, durch das Wiederholen der Mind Map Mitschriften, lässt sich sehr viel Zeit sparen, da ich für die Prüfung nicht die Bücher noch einmal lesen muss. Ich persönlich habe mir ein Buchwiederholungsschema angelegt. Dieses besteht aus einer nach Kalenderwochen sortierten Liste aller meine Buchmitschriften. Pro Woche wiederhole ich 2 – 3 meiner Mitschriften, pro Jahr habe ich somit jedes meiner gelesenen Bücher ein bis zweimal wiederholt.

Eine besondere Art der Wiederholung, die sich besonders zur Prüfungsvorbereitung anbietet oder wann immer ich viele Inhalte wiederholen muss, ist der Lernspaziergang. Hierbei verbindet man körperliche Bewegung an der frischen Luft mit dem Wiederholen des Lernstoffs.

Stufe 4: Es anderen erklären
Ob Sie die Inhalte eines Buches wirklich beherrschen und verstanden haben, merken Sie spätestens dann, wenn Sie es anderen Menschen erklären. Deshalb kann es eine tolle Übung sein, die Inhalte des gelesenen anderen vorzustellen. Dies kann ganz einfach in einem zehnminütigen Gespräch mit einem Freund oder Kollegen passieren. Wenn Sie mit Mind Mapping arbeiten, dann empfehle ich, Ihre Mind Map Mitschrift des Buches als Redemanuskript zu verwenden (Teilnehmer meiner Seminare kennen diese Übung). Dieser Vortrag lässt sich sehr schön mit dem Vorgehen des Lernspaziergangs verbinden.


Die Grundlagen anwenden
Ich bin sicher, wenn Sie das grundlegende Vorgehen der Pyramide anwenden, lassen sich bereits große positive Veränderungen erzielen. Das Vorgehen alles mit Mind Maps zu machen, ist dabei nicht zwingend notwendig, bringt allerdings großen Mehrwert.
Gewöhnen Sie sich als ersten Schritt an, bei Sachbüchern grundsätzlich Mitschriften anzufertigen. Wenn Sie das geschafft haben, können Sie die anderen Pyramidenstufen aufsetzen.

Die Pyramide des Bücherlesens – Teil 1

Mittwoch, 21. Januar 2009

Stellen Sie sich vor, Sie lesen ein Sachbuch, das Sie für Ihre Arbeit oder Ihr Studium benötigen. Während des Lesens markieren Sie sich mit dem Leuchtmarker einige wichtige Stellen. Nachdem Sie das Buch gelesen stellen Sie es wieder in das Regal zurück. Als Sie eine Woche später einem Kollegen etwas zum Inhalt des Buches erzählen sollen, merken Sie, dass Sie das meiste bereits schon wieder vergessen haben und sogar Schwierigkeiten haben, die Grundaussagen noch zu rekonstruieren. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Wenn man wie oben beschrieben an Sachbücher herangeht, dann ist das leider zu erwarten. Das liegt in der Funktionsweise unseres Gehirns begründet. Wer Inhalte eines Sachbuches nicht nur lesen muss, sondern diese auch für die weitere Arbeit benötigt, oder wer es einfach schade findet, nach dem Lesen eines Buches bereits nach einer Woche fast nichts davon behalten zu haben, für den möchte ich ein anderes Vorgehen vorstellen. Ich nenne es die Pyramide des Bücherlesens. Dieses Vorgehen übe ich mit Teilnehmern meiner Mind Mapping Seminare und speziell in Mind Mapping Seminaren für das Studium.

Die Pyramide steht als Metapher für ein bestimmtes Vorgehen, das auf vier aufeinander aufbauenden Schritten besteht. Ziel dieser Herangehensweise ist es, nach dem Lesen eines Sachbuches mehr zu behalten und mit relativ geringem zeitlichen Aufwand sich die Inhalte eines Sachbuches wieder präsent zu machen.



Die Basis: Mitschriften anfertigen
Es ist für unser Gehirn schlicht und einfach unmöglich, sich auch nur die wichtigsten Inhalte eines Buches einfach nur dadurch zu behalten und nachhaltig zu verstehen, dass wir diese einmal lesen. Die Lernspsychologie und die Pädagogik betonen hier die Bedeutung von Mitschriften. Prof. Stangl von der Universität Linz, der ein wirklich großartige Sammlung von Lerntipps aufbereitet hat, bezeichnet Mitschriften als schriftliches Gedächtnis, das wir benötigen, um uns die Inhalte zu merken. Er gibt folgende Tipps, was man beim anfertigen von Mitschriften beachten sollte:

  • Stichwörter in nicht-linearer Folge anordnen
  • nicht alles wörtlich mitschreiben
  • Das Gehörte in Beziehung zu bereits Bekanntem setzen!
  • Das Gehörte strukturieren!
  • System von Abkürzungen und Symbolen entwickeln!
Für regelmäßige Leser dieses Blogs: Kennen Sie eine Technik, über die ich dauernd schreibe und die all diese Anforderungen berücksichtigt?
Ja, es schreit gerade zu nach Mind Mapping.

Für alle, die sich mit der Technik ausreichend sicher fühlen, empfehle ich, die Mitschriften in Mind Mapping Form anzufertigen, da diese eine Menge an Vorteilen gegenüber linearen Zeilenteppichen aufweist.
Infos zu Mind Mapping:Ich persönlich bin dazu übergegangen, meine Mind Map Mitschriften elektronisch zu erstellen mit der Software iMindMap und einem Tablet-PC.

Stufe 2: Eigene Gedanken eintragen
Wenn man etwas liest, ist es selten so, dass man von einem Thema überhaupt keine Ahnung hat und alles neu ist. Im Gegenteil, meist lesen wir Bücher in unserem Fach- oder Interessensgebiet und während des Lesens kommen uns eine Menge Ideen und Assoziationen zu anderen Inhalten. Diese sollten Sie unbedingt aufschreiben. Wenn diese Gedanken thematisch zum Thema passen und es sich nicht um Ideen handelt, die in eine ganz andere Richtung führen, dann sollten Sie diese Gedanken zu Ihren Buchmitschriften hinzu schreiben. Dadurch schaffen Sie zusätzlich Lernanker, um die Inhalte zu verarbeiten und Sie erweitern den Kontext des Gelesenen durch eigene Anmerkungen. Besonders spannend finde ich es, diese eigenen Gedanken nach einiger Zeit beim Wiederholen (siehe Stufe 3) der Inhalte wieder zu lesen und zu erweitern.
Auch für das Eintragen von eigenen Gedanken zu den Mitschriften bietet Mind Mapping ein in Bezug auf den Schreibprozess und die Visualisierung vorteilhaftes Vorgehen an.
Wie genau das funktioniert, habe ich in einem Artikel zu Rein und Raus Schreiben erklärt.



In Teil 2 werde ich die Stufen 3 und 4 vorstellen.

Die Mind Mapping Regeln als Video

Sonntag, 18. Januar 2009

Vor zwei Jahren habe ich hier auf dem Blog eine dreiteilige Serie über die Mind Mapping Regeln veröffentlicht (Teil 1, Teil 2, Teil 3). Wer mit Mind Mapping effektiv arbeiten möchte und die Möglichkeiten dieser Technik wirklich nutzen möchte, der sollte nach diesen Grundregeln vorgehen. Vielen Menschen fallen schriftliche Erklärungen schwer und bevorzugen eine andere Form der Informationsvermittlung. Deshalb möchte ich ein 12 minütiges Video (Quicktime) zur Verfügung stellen (das für eine Buchproduktion entstanden ist), in dem ich die Grundregeln des Mind Mapping erkläre. Die Qualität ist nicht die beste, aber ich denke, man kann das Wichtigste sehen.








Mind Mapping Software mit Tagcloud-Funktion

Dienstag, 13. Januar 2009

Vor ein paar Wochen habe ich mit einem Bekannten darüber gesprochen, welche sinnvollen Funktionen wir uns für Mind Mapping Software noch wünschen würden.
Eine Funktion die einen wirklichen Mehrwert bieten könnte und die nicht schwer umzusetzen sein dürfte, wäre eine Tagcloudfunktion. Meines Wissens bietet bisher keines der Mind Mapping Programme dieses Extra an.
Blog-affine Leute kennen den Begriff Tagcloud wahrscheinlich, für alle, denen dieser Begriff nichts sagt hier noch einmal eine Erklärung. Das englische Wort tag bedeutet so viel wie Schlagwort. Diese Schlagwörter werden in Web 2.0. Applikationen, wie z.B. Mister-Wong oder z.b. beim Musiknetzwerk lastfm dazu benutzt, um Inhalte durch die Nutzer beliebig verschlagworten zu lassen. Die von den Nutzern vergebenen Schlagworte können nun in Schlagwortwolken (Tagclouds) visuell dargestellt werden. Oft zeigt die Darstellungsgröße eines Schlagwortes die Häufigkeit an, mit der es vergeben wurde. Besonders wichtige Themen können so z.b. fetter und größer dargestellt werden als eher unbedeutende Themen.

Mind Map mit Tagcloud-Ansicht
Spannend wäre es nun, wenn man dieses Prinzip der Darstellung von Inhalten auch auf elektronische Mind Maps übertragen würde. So könnte z.B. ein Mind Map automatisch nach Schlagworten analysiert werden und das Ergebnis als Tagcloud dargestellt werden. Wie das Aussehen könnte habe ich in der unten stehenden Fotomontage einmal angedeutet. Mindjet MindManager wurde hier mit der Mister-Wong Tagcloud versehen.

Diese parallele, aber visuell anders strukturierte, Darstellung eines Mind Maps Inhaltes bietet folgende Mehrwerte:

  • es wäre eine andere Sicht auf die Inhalte eines Mind Maps möglich.
  • Inhalte werden neben der hierarchisch strukturierten Darstellung des Mind Maps unabhängig von ihrer Verortung innerhalb des Maps quantitativ dargestellt.
  • auf diese Weise kann ein Informationsgewinn entstehen, da noch eine weitere „Dimension“ zum Inhalt des Mind Maps hinzukommt.
Mit dieser Möglichkeit wären einige Kombinationen denkbar
  • Bei einem Klick auf ein Schlagwort in der Tagcloud könnte dieses innerhalb des Mind Maps hervorgehoben oder gefiltert werden.
  • Es könnten Tagclouds von mehreren Mind Maps oder verlinkten Mind Maps erstellt werden. Dies wäre besonders für das Wissensmanagement mit Mind Mapping Software interessant.
  • Im Bereich des Wissensmanagements wäre es auch sehr spannend, eine Tagcloud mit allen Begriffen einer Sammlung verschiedener Maps zu haben und bei einem Klick auf ein Schlagwort, alle Mind Maps angezeigt zu bekommen, die das entsprechende Schlagwort enthalten. Es könnte eine Art Mapverwaltungseditor entstehen, der alle Maps nach verschiedenen Schlagworten und anderen Kriterien sortiert, ähnlich wie der Editor der Software snagit von Techsmith (Mit snagit lassen sich Schnappschnüsse des Bildschirms machen und verwalten).
  • Es könnte automatische Analysen gefahren werden, die z.B. von der Tagverteilung Mind Maps mit hoher Übereinstimmung finden.
Meiner Meinung nach wäre dieses Feature eine wirklich sinnvolle Kombination der Möglichkeiten sich ständig aktualisierender elektronischer Schlagwortlisten und Mind Mapping.
Vielleicht greift es ja ein Hersteller auf?! Ich freue mich über Kontakt und stehe gerne mit Ideen zur Verfügung.



EDIT am 27.01.09
Stefan Scheurer hat diese Idee sowie einige Gedanken von zwei anderen Posts aufgriffen und sich Gedanken über Lernfunktion für Mind Mapping Software gemacht. Sehr interessant und lesenswert.



Kopf schlägt Kapital

Donnerstag, 8. Januar 2009

Wer eine Geschäftsidee hat und ein Unternehmen gründen möchte, der wird wahrscheinlich früher oder später eine Gründerberatung aufsuchen oder an einem Gründerseminar teilnehmen. Dort wird dann wahrscheinlich mit Freude zur Kenntnis genommen, dass Sie eine Gründungsidee haben, um Ihnen dann sofort rechtliches und betriebswirtschaftliches Wissen beizubringen, welches Sie für die Umsetzung Ihrer Idee brauchen.
Dieser Schwerpunkt auf Betriebswirtschaft ist laut Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship an der FU Berlin und Autor des kürzlich erschienen Buches Kopf schlägt Kapital der traditionelle Weg an Unternehmensgründungen heranzugehen und seiner Meinung alles andere als der geeignetste Weg. Von der ganz anderen Art ein Unternehmen zu gründen und von der Lust, ein Entrepreneur zu sein, darum geht es in diesem Buch. Beide Versprechen können erfüllt werden!

Faltin geht von zwei Prämissen aus:

  • Es kommt vor allem auf eine richtig ausgestaltete Unternehmensidee oder das richtige Entrepreneurial Design an, weniger auf Kapital oder das Management. Dies besonders am Anfang des Unternehmens.
  • Fast jeder "normale" Mensch hat das Zeug und heute auch die Möglichkeiten zu gründen. Dies besonders wenn ein Unternehmen nach dem Komponentenprinzip aufgebaut wird, d.h. es greift auf bestehende, funktionierende Komponenten zurück.
Auf die Idee kommt es an
Nicht in erster Linie auf die betriebswirtschaftliche und rechtliche Umsetzung einer Idee komme es an, sondern auf die Idee selbst und deren systematischer, kontinuierlicher und beharrlicher Ausgestaltung. Die Geschäftsidee werde immer einfach als gegeben hingenommen, sie aber sei es gerade, die maßgeblich den Erfolg eines Unternehmens bestimme und an dieser Idee müsse so lange gefeilt werden, bis die Qualität stimme. Nur so können innovative anstatt imitativer Unternehmen gegründet werden. Welchen Prinzipien (Einfachheit, Skalierbarkeit, geringe Risiken) und Anforderungen diese Geschäftsidee genügen muss, wird im Buch ausführlich erläutert.
Faltins Betonung des Ideenkindes ist natürlich für mich als Moderator für kreative Problemlöseprozesse besonders spannend und interessant, da er davon ausgeht, dass eine (Geschäfts-)Idee eben nur teilweise vom Himmel fällt und dass diese vor allem systematisch und strukturiert entwickelt und verbessert werden kann und muss und dass es hierfür Methoden gibt.

Ähnlich wie man im Rahmen der kreativen Problemlösung mit Techniken (ich nenne diese Denkwerkzeuge) zur Generierung und Entwicklung von Ideen und Konzepten arbeitet, listet Faltin in seinem Buch sieben Techniken zur Ausarbeitung eines Entrepreneurial Design, die den potenziellen Gründer bei der Entwicklung seiner Unternehmensidee unterstützen können. Ich finde, diese erfüllen eine ganz ähnliche Funktion, allerdings sehr spezifisch für den Bereich der Ausarbeitung eines Unternehmenskonzeptes, wie Denkwerkzeuge im breiteren Sinne. Faltins beschriebene Techniken sagen dem Gründer nicht, was er machen soll, sondern in welche Richtung er Denken soll, z.b. die Techniken Potenzial in Vorhandenem entdecken und Funktion statt Konvention.
Ich glaube sogar, dass man Faltins Techniken sehr fruchtbar in Creative Problem Solving integrieren kann.

Innovative und lesenswerte Anleitung für Entrepreneure
Günter Faltin ist in mit Kopf schlägt Kapital eine innovative Anleitung für potenzielle Gründer gelungen. Innovativ in dem Sinne, dass die im Buch das bisherige – aus der traditionellen Industriegesellschaft kommende - Paradigma an Gründungen heranzugehen, verlässt und in Kapitel 10 explizit neues Denken fordert und erklärt.
Eine Anleitung in dem Sinne, da Faltin sein Modell - nach dem auch von ihm gegründete Teekampagne und die CO2-Kampagne entstanden sind - als Blaupause für andere Gründungen sieht und dies an einigen Beispielen verdeutlicht.
Und das Buch hält, was auf dem Cover steht: Mein bekommt richtig Lust ein Unternehmen zu gründen.

Den nächsten Workshop der Stiftung für Entrepreneurship möchte ich auf keinen Fall verpassen, ich bin schon sehr gespannt, Faltins Prozess einmal live zu erleben.

Mit Mindjet MindManager effektiv Ideen entwickeln

Montag, 5. Januar 2009

Überall ließt und hört man: Neue Ideen benötigen wir, gerade jetzt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten: "Dann lassen Sie sich mal was einfallen!"
Ideen kommen zwar teilweise durch Zufall und glückliche Fügungen, aber dies ist nicht zum Glück ausschließlich so. Im Gegenteil, im Rahmen des Adventskalenders der Denkwerkzeuge habe ich gezeigt, wie man Ideen sehr systematisch entwickeln und weiterentwickeln kann und dass der Zufall ein bewusstes Element im Rahmen eines strukturierten Prozesses ist. Dieser kann komplex sein, deshalb werde ich bei wichtigen und großen Themen als Moderator gebeten, diesen zu moderieren.
Es muss aber nicht immer ein moderierter Ideenworkshop sein, mit ein paar einfachen Regeln kann auch jeder Einzelne systematischer als bisher etwas für die Entwicklung von Ideen hin zum konkreten Handlungsplan tun.
In diesem Post möchte ich zeigen, wie Einzelne und Teams einen einfachen Prozess der Ideenentwicklung mit Hilfe von Mindjet MindManager effektiv und verständlich gestalten und visualisieren können.

Schritt 1: Die Ausgangsfrage formulieren
Um Ideen zu entwickeln, benötigt man immer eine konkrete Frage. Als Anwendungsfall nehme ich mein eigenes Thema, dass für mich im Moment wichtig ist und zu dem ich Ideen benötige: Wie lauten alle Themen, über die ich 2009 auf meinem Blog berichten könnte?

Alle im Artikel gezeigten Bilder können mit einem Klick vergrößert werden.

Schritt 2: Ideen generieren
Nun benötige ich Ideen. Dafür sollte man sich ca. 20 Minuten Zeit nehmen (auch alleine!). Am besten Sie schreiben alle Ihre Einfälle erst einmal völlig unstrukturiert herunter. Dafür gibt es im MindManager die äußerst praktische Funktion Brainstorming starten und das Programm liefert sogar eine Timer-Funktion mit, den man auf 20 Minuten einstellen kann (beide Funktionen im Menü unter Extras).

Wichtig, für die Phase der Ideenfindung sollten die Grundregeln dieser Art des Denkens beachtet werden. Also vor allem: keine Zensur und so viel und so wild wie möglich. Schreiben Sie alles und wirklich alles, was Ihnen einfällt, auf. Wenn Ihnen die Ideen ausgehen, habe ich ebenfalls im Rahmen meines Adventskalenders der Denkwerkzeuge ein paar Techniken gezeigt, die Ihnen auf die Sprünge helfen können.

Das Endergebnis mit Gedankensammlung mit MindManager sieht man in Bild 1.

Bild1

Schritt 3: Die besten Ideen auswählen
Wie auf Bild 1 ersichtlich, habe ich eine ganze Menge an Einfällen generiert, von denen wahrscheinlich aber nicht alle gut sein werden. Nun geht es darum, aus dieser unstrukturierten Menge der Ideen die besten zu markieren. Diese werden nun mit Hilfe der MindManager Funktion Icon-Markierungen Aufgabenprioritäten mit roten Einsern versehen (siehe Bild 2)

Bild2

Schritt 4: Die besten Ideen filtern
Bild 3Bild 4
In meinem konkreten Fall habe ich ca. 50% meiner Ideen für gut befunden und möchte diese weiter bedenken. Nun nutze ich die Funktion Powerfilter von MindManager (siehe Bild 3 & 4), um nur diejenigen Ideen anzuzeigen, die mit einer roten Eins versehen wurden, alle anderen Ideen sollen ausgeblendet werden. Das Ergebnis sieht man auf Bild 5.

Bild 5

Schritt 5: Ideen kategorisieren
Nachdem ich meine Ideen ausgewählt habe, müssen diese handhabbarer gemacht und in eine Struktur gebracht werden, sozusagen die Königsdisziplin des MindManagers. Deshalb beende ich nun den Brainstorming-Modus und erstelle mir eine Reihe von Hauptzweigen um das Zentralthema der Map. Diese Hauptzweige dienen mir als Platzhalter für Kategorieüberschriften, die noch hinzugefügt werden müssen. Zuerst teile ich meine gefilterten Ideen jedoch nach bestimmen Gemeinsamkeiten in Blöcke ein bzw. hefte diese als Unterzweige hinter einen der Platzhalter (siehe Bild 6)

Bild 6

Schritt 6: Kategorien beschriften
Nun, nachdem ich meine Ideen in Cluster sortiert habe, beschrifte ich diese, in dem ich Überschriften auf die Hauptzweige eintrage (Bild 7). Jetzt, wo alle guten Ideen zugeteilt wurden, kann ich auch den Ausschuss löschen. Dazu deaktiviere ich den Powerfilter, so dass jetzt wieder die bisher ausgeblendeten Ideen sichtbar werden (Bild 8 ). Diese kann ich nun markieren und löschen. Von allen anderen Ideen entferne ich nun die rote Einser, die ich vorher zum Filtern zugeteilt habe.

Bild 7
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Bild 8

Schritt 7: Kategorien überarbeiten
Einige Kategorien benötigen eventuell noch etwas Feinschliff oder ich möchte einige Ideen doch zu anderen Kategorien zuordnen. Dies mache ich jetzt. Weitere Ideen, die in die bestehenden Kategorien passen und die mir jetzt einfallen, trage ich ggf. ein (Bild 9).

Bild 9

Schritt 8: Ideen priorisieren
Wie man sieht, ist mir doch einiges eingefallen, das ich in diesem Jahr auf meinem Blog umsetzen können. Die wichtigsten Kategorien oder Einzelideen priorisiere ich, indem ich die Funktion Aufgabeninfo von MindManager nutze. Nun kann ich wieder mittels Powerfilter filtern und mir so meine wichtigsten Maßnahmen für dieses Jahr anzeigen lassen (Bild 10).

Bild 10

Mittels der Funktion Aufgabennotizen kann ich außerdem Deadlines vergeben, bis wann ich etwas bearbeitet haben möchte, oder wann ich mit etwas beginne. So kann ich auf die Ideenentwicklung gleich eine einfache Handlungsplanung folgen lassen, alles in MindManager. Leute, die mir helfen können, bestimmte Themen umzusetzen, werden mit helfe der Ressourcen-Funktion zum jeweiligen Zweig hinzu geschrieben. (Bild 11).

Bild 11

Dieses Vorgehen eignet sich sehr gut für die vielen kleineren Fragestellungen mit denen jeder von uns fast täglich konfrontiert ist. MindManager kann dabei eine sehr hilfreiche und vielfältige Hilfe sein, mit der man den ganzen Prozess strukturieren kann.

Das europäische Jahr der Kreativität und Innovation

Donnerstag, 1. Januar 2009

Für das Jahr 2009 hat die Europäische Union das Jahr der Kreativität und Innovation ausgerufen. Das freut mich natürlich als Trainer und Moderator für kreative Problemlöseprozesse besonders und ich hoffe, dass ich im Rahmen meiner Möglichkeiten etwas zu den offiziellen Zielen dieses Jahres beitragen kann. Für mich besonders relevant ist das Ziel "developing a wider understanding of the innovation process", weil es dasjenige ist, zu dem ich am ehesten beitragen kann und wo meiner Meinung nach der größte Aufklärungsbedarf herrscht.

Auch in 2009 werde ich weiterhin mit ein bis zwei Artikeln pro Woche rund um die Themen Kreativität, die Entwicklung neuer Ideen und kreative Problemlösung schreiben. Eine grobe Themensammlung ist bereits erfolgt, die großen Brocken sind also bereits eingezogen.

Auch der Münchner Denkclub, der sich in einem kleineren Kreis mit dem Einsatz und der Anwendung von Denkwerkzeugen, d.h. Techniken des bewussten Denkens zur Entwicklung von Ideen und Problemlösung beschäftigt, wird in das zweite Semester gehen.

Schließlich habe ich für 2009 noch ein paar weitere Überraschungen in Hinblick auf den Einsatz von Techniken für mehr Kreativität und Innovation geplant, die ich ankündigen werde, sobald diese in trockenen Tüchern sind.

Europäische Botschafter für Kreativität und Innovation

Für das Jahr der Kreativität und Innovation hat die Europäische Union einige Botschafter benannt, von denen zwei den Lesern dieses Blogs bekannt sein dürften.
Der eine ist Richard Florida, der mit seinem Buch The Rise of the Creative Class für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat und der Bedeutung der Kreativen neuen Auftrieb gegeben hat.

Der zweite ist – und das freut mich ganz besonders – Edward de Bono, den ich in mindestens in jedem zweiten Post erwähne, weil er so unglaublich viel für den bewussten Einsatz von Denkwerkzeugen und damit Techniken für die Entwicklung neuer Ideen und Betrachtung von Problemen beigetragen hat. Auf der EU-Website gibt es bereits ein Interview mit ihm, in dem er noch einmal betont, dass Kreativität als Grundvoraussetzung für Innovation nicht auf "Künstler" und künstlerische Aktivitäten beschränkt ist, sondern das jeder Mensch kreativ ist und Kreativität in vielen Bereichen ausgedrückt werden kann und sollte. Er plädiert außerdem dafür, Kreativität nicht nur als hohles Schlagwort zu begreifen, sondern besonders die bewusste Entwicklung von Ideen und die Planung von deren Umsetzung ernst zu nehmen. Nach de Bono sollte das Thema Kreativität in Unternehmen genauso ernst genommen werden, wie Finanzen und Recht und es sollte eine zuständige Person geben, die sich mit Kreativität, Kreativitätstrainings und der Organisation des Umsetzungsprozesses befasst.

In diesem Sinne wünsche ich einen guten Start in das Jahr der Kreativität und Innovation 2009.