Ist Mind Mapping eine Kreativitätstechnik?

Montag, 29. September 2008

In vielen Publikationen wird Mind Mapping als eine Kreativitätstechnik beschrieben und vorgestellt. Das legt den Schluss nahe, als könne der Einsatz von Mind Mapping Einzelnen und Gruppen gezielt beim Finden neuer Ideen helfen.
Ich selbst bin zertifizierter Mind Mapping Trainer, Menschen die mit mir zu tun haben, wissen, dass ich Mind Mapping für fast alles nutze. Ich glaube allerdings trotz der Vielfältigkeit von Mind Mapping nicht, dass diese als Kreativitätstechnik bezeichnet werden sollte. Trotzdem kann Mind Mapping für kreative Prozesse zum Einsatz kommen.
Um das zu erklären sollte ich erst einmal definieren, was ich unter den jeweiligen Begriffen verstehe.

Mind Mapping – eine Technik zum visualisieren und strukturieren
Auf meiner Website habe ich Mind Mapping nach Tony Buzan folgendermaßen beschrieben: "Durch Mind Mapping können komplexe Informationen auf gehirngerechte Weise visualisiert, strukturiert und organisiert werden. Die Methode hilft Wissenarbeitern schnell und einfach den Überblick zu behalten, Komplexität zu reduzieren und Inhalte optimal zu verarbeiten und auf diese zuzugreifen."
Wer schon mal mit Mind Maps gearbeitet hat, weiß, dass man damit bis auf Abläufe so gut wie alles visualisieren kann, z.B. die Inhalte von Vorträgen, Büchern, Besprechungen und diese Inhalte auch bewusst strukturieren kann und muss.
Mind Mapping gibt somit gewisse Regeln vor, wie Inhalte dargestellt werden. Mind Mapping gibt allerdings keinerlei Denkempfehlungen! D.h. Mind Mapping sagt dem Anwender nicht, in welche Richtung oder nach welchen Aspekte der Nutzer denken kann. D.h. Mind Mapping ist WIE aber nicht WAS.

Kreativitätstechniken als Unterkategorie von Denkwerkzeugen
Dem Nutzer Hinweise zu geben, wie er denken könnte, das ist die Aufgabe von Denkwerkzeugen. Diese werden folgendermaßen definiert: "Eine strukturierte Strategie, die das Denken eines Individuums oder einer Gruppe fokussiert, organisiert und leitet."
Unter dem Begriff Kreativitätstechniken lässt sich grundsätzlich jede Technik verstehen, die im kreativen Prozess zum Einsatz kommen kann. Die meisten Menschen denken dabei wohl eher an eine Technik, die beim Finden neuer Ideen hilft. In der Kreativitätsforschung spricht man hier von ideational thinking tools, also Denkwerkzeuge speziell für die Ideenfindung. Beispiele dafür sind z.B. SCAMPER, Zufallswort und als Rahmen drum herum Brainstorming.
Eine Kreativitätstechnik wie z.B. Zufallswort gibt dem Benutzer eine Verbindung zwischen einem Problem und einem zufällig gewählten Wort vor und weißt ihn an, zu denken, wie diese Verbindung genau aussehen könnte.
Man kann von Mind Mapping erst einmal nicht erwarten, dass man allein durch den Einsatz von Mind Mapping neue Ideen generiert. Trotzdem fördert die Erstellungsweise von Mind Mapping, besonders der Einsatz von Schlüsselwörtern den Fluss von Assoziationen (Bild 1) und damit auch die Wahrscheinlichkeit, Themen von anderen Blickwinkeln zu sehen und damit neue Zusammenhänge zu erschließen. Ein Beispiel gibt es hier.



Nicht für Brainstorming geeignet
Definitiv nicht einsetzen sollte man Mind Mapping für das Brainstorming! Brainstorming wird definiert als "der Versuch einer Gruppe, Lösungen für ein spezifisches Problem zu finden, durch das Anhäufen einer Vielzahl von Ideen." Dieses Anhäufen von Ideen geschieht dabei mit dem Ziel, so viele Ideen wie möglich zu finden, unabhängig von deren Qualität und dieses Vorgehen ist erst einmal unstrukturiert. Es werden einfach sämtliche Ideen unstrukturiert gesammelt. Mind Mapping als eine Technik, die auf Grund ihrer Erstellungsweise immer eine Struktur schafft, wäre hier das falsche Werkzeug, da es eine Struktur herstellt, wo noch keine sein sollte.

Keine Kreativitätstechnik – aber trotzdem sinnvoll im kreativen Prozess
Obwohl Mind Mapping alleine meiner Meinung nach keine Kreativitätstechnik ist, lässt sich diese sinnvoll im kreativen Prozess einsetzen, um z.B. andere Denkwerkzeuge zu visualisieren, die sich z.B. mit der Bewertung von Ideen befassen (z.B. PMI), mit der Diagnose des Problems oder einem kompletten kreativen Problemlöseprozess (wie z.B. mit TOLOPOSOGO), inklusive Brainstorming. Hilfreich ist Mind Mapping auch, wenn es darum geht, in der Bewertung der Ideen diese dann in bestimmte Kategorien einzuteilen und sortieren. Schön gelöst hat dies meiner Meinung nach der Brainstorming-Modus der Software Mindjet Mindmanager, wo erst einmal unstrukturiert alle Ideen gesammelt werden, um diese dann im zweiten Schritt zu strukturieren.

Rechtshirner, Linkshirner, kreative Chaoten and other bullshit

Donnerstag, 25. September 2008

Wie heißt es doch so schön in Eric Amblers Buch Dirty Story: "Never tell a lie when you can bullshit your way through". Ich will also weder die Zeitschrift junge karriere noch Cordula Nussbaum und ihr Buch der Lüge bezichtigen; ich habe Frau Nussbaums Buch ja noch nicht einmal gelesen. Deshalb möchte ich zum Begriff Bullshit greifen, der kein Schimpfwort ist, sondern Äußerungen beschreibt, die eng mit dem Humbug verwandt sind und sich von der Lüge untescheiden. Was ich heute gelesen habe, war der Artikel in der Oktoberausgabe der junge karriere "Die Zukunft gehört den Chaoten" und hier wird leider wieder mit einigen alten Mythen und schlicht falschen Aussagen über das Gehirn und Kreativität hantiert, die unsere Welt so schön einfach erscheinen lassen.

Nichts gegen Populärwissenschaft, man kann nicht alles im Format von Science oder Nature Artikeln publizieren, aber auch Populärwissenschaft zeichnet sich dadurch aus, dass ihr Futter aus aktueller wissenschaftlicher Forschung stammt und gewissen Gütekriterien entsprechen.
Schon gar nicht mehr aktuell schon inzwischen schon über 10 Jahre alt sind Forschungsergebnisse, die mit dem Mythos von Links und Rechtshirnen aufräumen. Umso trauriger, dass der Artikel nur von diesen Halbwahrheiten strotzt.
Hier ist nun mal das kritische Denken angesagt (im Gegensatz zu anderen Arten des Denkens, die ich auf diesem Blog oft beschreibe), dessen Ziel es ist, ein Theorie durch begründete Argumente zu verifizieren.

Mythos 1: Es gibt Rechts- und Linkshirner
Begonnen hat das Ganze mit der Splitbrainforschung von Prof. Sperry, der unterschiedliche Aktivitäten und eine Arbeitsteilung in den beiden Hirnhälften des Neokortex nachweisen konnte. Bei bestimmten Aufgaben schien mal die eine Hälfte aktiver und mal die andere. Von Sperry und seinem Forscherteam wurden allerdings nie die Behauptungen aufgestellt, dass sich nun alle Menschen in Links- und Rechtshirner aufteilen lassen und dass sich nun über unterschiedliche Merkmale verfügen, wie sie die Welt wahrnehmen (z.B. abtrakt oder konkret) und wie sie Informationen organisieren (z.B. sequentiell oder durcheinander). Hier gibt es übrigens tatsächlich unterschiedliche Stile, die allerdings nichts mit den Hirnhälften zu tun haben. Seit über 10 Jahren ist Grundkonsens der Hirnforschung, dass diese Hypothese der strikten Trennung nicht zu halten ist. Für zwei nichtwissenschaftliche Artikel siehe hier und hier. Ein anderes populärwissenschaftlich geschriebenes Buch vom Neurobiologen John Medina zeigt schön, wie einzigartig jedes Gehirn in Aufbau und Funktionsweise ist und wie haltlos und irreführend diese Einteilung ist.
Mit dieser inzwischen mehrfach widerlegten Behauptung der beiden getrennten Heimsphären arbeiten leider auch noch viele Anbieter von Mind Mapping einer Technik, die die Arbeitsweise (und unterschiedliche Arten Informationen zu organisieren) unseres Gehirns unterstützt, aber nicht weil sie die angeblich dominante linke und die arme unterdrückte rechte Gehirnhälfte zusammenbringt.

Mythos 2: Kreative sind chaotisch und strukturierte Menschen sind eher unkreativ
Jeder Mensch ist kreativ und kann sich kreativ ausdrücken! Eine ausführlicheren Überblick über Definitionen von Kreativität gebe ich im nächsten Post.
Ruth Pink hat es in ihrem Buch bewusst kreativ mal schön ausgedrückt. Kreativität ist "strukturiertes Chaos". Ja, es ist etwas dran, dass das finden neuer Denkmuster und die Neukombination bestehender Elemente oft und meist unlogische Wege nimmt (ein Beispiel siehe hier) und nehmen muss. Das heißt jedoch nicht, dass kreative Leute generell chaotisch sind und strukturierte Leute unkreativ. Im Gegenteil, die Kreativitätsforschung zeigt seit Ende der 50er Jahre, dass es einen strukturierten Ablauf gibt, dem kreatives Denken folgt. Und es gibt unterschiedliche Stile der Kreativität, eine These, die in einer Vielzahl an wissenschaftlichen Studien bestätigt werden konnte.

Mythos 3: Kreativ wird man, wenn man die rechte Hirnhälfte stärkt
Das sind sozusagen zwei falsche Aussagen gepaart (in einem Einfall von Kreativität fällt mir hier der Begriff Bullshit2 ein).
Hierzu hat de Bono in seiner Reihe letters for thinking managers vor über 10 Jahren schon geschrieben: "There is the added danger of fatalistic categorization: 'I am left brain.' 'She is right brain,' et cetera. This gives a totally false impression—for creativity can be learned by anyone."
Kreativität äußert sich in verschiedenen Stilen und ist bei den meisten Menschen auf bestimmte Domänen beschränkt und kann von jedem Menschen gelebt werden.

Time Management for Creative People
Wie gesagt, ich habe das Buch von Frau Nussbaum nicht gelesen, ich habe bisher nur unter dem Artikel aus der jungen karriere gelitten. Den amazon Kommentaren nach zu schließen, sind da sicherlich viele nützliche und auch funktionierende Tipps drin, die sicherlich auch ohne die oben genannten Mythen funktionieren.
Ein Buch das ich gelesen habe, und das ich nur empfehlen kann ist: Time Management for Creative People von Mark McGuinness und das gibt es auch noch kostenlos.

Bewusst oder unbewusst entscheiden?

Freitag, 19. September 2008

In der gestrigen (18.09.08) Ausgabe des Handelsblatts erschien der Artikel Der Bauch ist kein guter Ratgeber von Ulrich Kraft, der sich mit einer neuen wissenschaftlichen Studie zum Einfluss des unbewussten Denkens auf Entscheidungen beschäftigt.

Da ich beide im Artikel zitierten Studien nicht gelesen habe (und aus Zeitgründen auch nicht lesen werden), kann ich diese nicht einschätzen und mich nur auf die Angaben im oben erwähnten Artikel aus dem Handelsblatt stützen.

Von unbewusst wieder zurück zu bewusst
Bis 2006 waren die meisten die Auffassung, man sollte wichtige und komplexe Entscheidungen durch Nachdenken und Abwägen treffen. Nach 2006 hat sich daran bei den meisten wohl auch nicht viel geändert, aber es kamen zumindest Stimmen und dann Buchtitel ins Spiel, die dazu rieten komplexe Entscheidungen dem unbewussten Denken zu überlassen, dem Bauch wie Ulrich Kraft das nennt. Der Wissenschaftler Ap Dijksterhuis von der Universität Amsterdam hat 2006 in einer Studie nachgewiesen, dass Menschen die komplexe Entscheidungen dem Unbewussten überlassen, die besserenEntscheidungen treffen. Definitv besser können Entscheidungen wohl nur in wissenschaftlichen Experimenten sein, in der Welt außerhalb dieser Experimente kann man besser meist gar nicht eindeutig definieren. Das unbewusste Denken sei dem bewussten Denken überlegen. "Erklärt wird die angebliche Überlegenheit des Unbewussten damit, dass die Fähigkeit, Informationen bewusst zu verarbeiten, beschränkt ist. Gilt es, viele Faktoren zu berücksichtigen, gerät diese Kapazität an ihre Grenzen. 'Menschen, die sich Entscheidungen sehr genau durch den Kopf gehen lassen, beurteilen die relative Wichtigkeit verschiedener Pro und Kontra oft falsch', meint Dijksterhuis. Unbewusstes Denken sieht er hingegen als aktiven Prozess, der Informationen optimal organisiert und gewichtet – ohne Limit."

Dieses Ergebnis ist einerseits im wahrsten Sinne des Wortes intuitiv, da wir uns auf die Intuition (nicht auf Reflexion beruhende Erkennen, Erfassen eines Sachverhalts od. eines komplizierten Vorgangs) verlassen sollen. Andererseits kontraintuitiv, da die meisten Menschen wohl dazu neigen, bei wichtigen Entscheidungen gewissenhaft zu überlegen. Laut Dijksterhuis sollten wir dies unterlassen.

Nun hat ihn Ben Newell von der University of New South Wales in Australien in einer kürzlich veröffentlichten Studie vorläufig widerlegt. Er hat in seinen Experimenten nachgewiesen, dass die unbewussten Entscheider keineswegs die besseren Entscheidungen treffen (zumindest laut Handelsblatt-Artikel). Im Gegenteil, das Unbewusste ist sehr anfällig für irrelevante Einflüsse wie z.B. den recency effect (den man auch von Vorträgen kennt). Ein sehr schönes Beispiel für weitere Einflüsse liefert auch ein Post aus dem letzten Jahr auf dem Ideentower Blog.

Bewusst die Aufmerksamkeit lenken
Die nun neu veröffentliche Studie von Ben Newell argumentiert in die selbe Richtung wie andere Forscher und Denker, wie z.B. Edward de Bono. De Bono entwickelte seine sogenannten Direct Attention Thinking Tools (DATT). Diese Denkwerkzeuge (es gibt noch eine menge anderer) lenken ausgehend von bestimmten Situationen die Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte. De Bonos These ist die, dass durch das bewusste Lenken der Aufmerksamkeit die Wahrnehmung einer Sache verändert werden kann und es absolut notwendig ist, die Aufmerksamkeit bewusst zu lenken. Man kann sich das ähnlich vorstellen wie das betrachten der gesamten Landkarte, bevor man sich für einen Weg entscheidet (siehe Bild).

Dies hat sich auch gestern im Münchner Denkclub wieder gezeigt, wo das Denkwerkzeuge PMI (Plus – Minus – Interesting) Thema des Abends war.
Denn, wenn wir die Aufmerksamkeit nicht gezielt steuern oder diese unbewusst nur auf bestimmte Elemente konzentrieren (z.B. warum etwas nicht funktioniert), kann es sein, dass uns wichtige Elemente entgehen. Unsere Logik fußt auf Wahrnehmung und logische Argumente sind meist nur so gut, wie die Wahrnehmung auf der sie basieren. Bekannt geworden sind in diesem Zusammenhang die Gorilla-Videos von Daniel Simons, Professor an der University of Illinois. Auch in der Zeitschrift GEOkompakt Nr. 15 gibt es einen Artikel von Henning Engeln (Die Erfindung des Ich), der sich mit Aufmerksamkeit beschäftigt. Dort wird Wolf Singer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung zitiert: "Ins Bewusstsein gelangt nur das, worauf die Aufmerksamkeit liegt".

Das Unbewusste ist eines von mehreren Kriterien
De Bono und auch Ben Newell betonen, dass das Unbewusste (wie Intuition oder Ahnungen, die man nicht erklären kann) einen Platz im bewussten Denken haben und berücksichtigt werden sollten, aber eben auch nur ein Aspekt unter mehreren sind. In seinem bekannten Denk-Verfahren (ein Verfahren moderiert einen Denkprozess und setzt einen großen Rahmen um einzelne Denkwerkzeuge) die 6 Hüte hat de Bono mit dem roten Hut den Ahnungen und Intuitionen einen wichtigen Platz eingeräumt.

Ich bin gespannt, wann der Gegenbeweis des Gegenbeweises aus Amsterdam kommt.

Ein digitaler Stift für Besprechungen

Dienstag, 16. September 2008

Auf diese Erfindung hat mich Alexander vom work.innovation Blog kürzlich nach unserer Denkclub-Sitzung hingewiesen: Paper Show
Ich habe vor Kurzem hier auf dem Blog über interaktive Whiteboards zum selber bauen berichtet. Mit ein paar einfach und günstig erhältlichen technischen Geräten kann man so jede Wand in ein sogenanntes Smartboard verwandeln.

Paper Show ist ein digitaler Stift, der mit dem Laptop verbunden wird. Auf speziell dafür vorgesehenem Papier kann man ganz normal schreiben und zeichnen. Alles, was auf das interaktive Papier geschrieben wird, wird dann automatisch auf den Laptop und ggf. auf eine Leinwand übertragen. Das Papier verfügt an der Seite über einige Einstellungsmöglichkeiten, so dass sich z.B. Stiftdicke und Farbe für die Übertragung an den PC verändern lassen.



Wie auch die kürzlich vorgestellten Opensource Smartboards könnte Paper Show eine flexible Alternative zu fest angebrachten Smartboards darstellen. Die Fähigkeiten des Stiftes, auch in projizierten Präsentationen herum zu malen ist sicherlich für manche Anwendungsgebiete interessant. Besonders ansprechen dürfte das Produkt diejenigen, die einfach gerne mit Papier und Stift arbeiten und das tippen und zeichnen mit einem Laptop in der Besprechung nicht mögen.

iMindMap Version 3 erschienen

Donnerstag, 11. September 2008

Seit heute ist sie erhältlich, Tony Buzans neue Version seiner Software iMindMap. In einem Interview, das ich letztes Jahr mit ihm geführt habe, wollte er sich noch nicht zu den Neuerungen äußern, um die Spannung hoch zu halten.
Neuerungen im Vergleich zur Version 2.5. gibt es jede Menge, so viel steht fest. Ich hatte als Betatester ja schon etwas länger Gelegenheit mit der Software zu arbeiten.

Drei unterschiedliche Lizenzen
Auch die Macher von iMindMap haben sich nun dazu entschlossen unterschiedliche Versionen mit abgestufter Funktionsvielfalt und gestaffelten Preisen auf den Markt zu bringen. In Zukunft hat der Nutzer die Wahl zwischen iMindMap Elements, Professional und Ultimate.

Auf einige der neuen Features, die aus meiner Sicht wichtig sind, möchte ich eingehen. Um noch einen anderen Blick auf die Software zu bekommen, empfehle ich einen Post auf dem MindMapping Software Blog.

Die Benutzeroberfläche – übersichtlich und aufgeräumt
Bild 1 zeigt die neue Nutzeroberfläche, die sich von der alten deutlich unterscheidet. iMindMap hat einige neue Funktionen bekommen, so dass sich die Macher entschlossen haben, diese nicht alle in Form einzelner Icons in den Symbolleisten zu platzieren, sondern diese in grafische Oberkategorien zusammen zu führen.


Die neuen Funktionen – eine Vielzahl an Neuerungen und Verbesserungen
Neuerungen gibt es viele, die interessantesten möchte ich herausgreifen. Für einen Gesamtüberblick über alle Neuerungen empfehle ich die iMindMap Website.

Autolayout – Drei Stile, stufenlos veränderbar
Im Nachhinein kann man es natürlich nie genau sagen, was jetzt den Ausschlag gegeben hat, aber ich erinnere mich, dass ich nach Erscheinen der Version 2 den Vorschlag gebracht habe, dass es eine Möglichkeit geben sollte, im Layout der Maps zwischen organischen Mind Maps, wie von Tony Buzan entwickelt und der linearen und starren Darstellungsweise anderer Mapping Programme zu wechseln. Genau diese Funktion gibt es nun: Die Funktion Autolayout bietet über einen stufenlos verstellbaren Regler die Möglichkeit, zwischen der linearen Ansicht (Bild 2), der organischen Ansicht (Bild 3) und der radialen Ansicht (Bild 4) zu wählen.







Bild 5 zeigt das ursprüngliche Mind Map, dass ich per Freihandmodus erstellt habe. Ist die Funktion Autolayout einmal aktiviert, gibt es keine Möglichkeit mehr, die ursprünglich selbst gezeichnete Map wiederherzustellen, daher sollte man immer ein Duplikat speichern.
Neben der Autolayout-Funktion gibt es natürlich nach wie vor die Möglichkeit die Zweige selbst zu ziehen oder mit dem Freihandmodus komplett frei zu zeichnen.



Die Autolayout-Funktion hat die positive Konsequenz, dass jetzt ähnlich wie bei MindManager unendlich viel Platz zur Verfügung steht, das Map zu zeichnen, da die Software den Platz immer wieder neu justiert und alle Zweige unterbringt.
Dabei wird in Kauf genommen, dass die so entstanden Maps einige Mind Mapping Regeln, die Tony Buzan aus gutem Grund entwickelt hat, verletzen. So rückt die Information auf den Hauptzweigen, die eigentlich direkt an das Zentrum eines Mind Maps anschließen sollte, weit nach außen, um alles unter zu bringen. Durch das Autolayout geht auch die Individualität und Einzigartigkeit der Darstellung eines Mind Maps verloren, die besonders für das Lernen und Merken wichtig ist. Schön ist, man kann mit iMindMap beides haben.

Speedmapping – Verbesserung in der Bedienung
Der Speedmapping Modus ähnelt von seiner Bedienung der Software MindManager. In diesem Modus wird das individuelle Zeichnen der Zweige unterbunden. Statt dessen wird per Tastendruck automatisch ein neuer Zweig eingefügt und von der Software automatisch platziert. Hat diese Anordnung der Zweige in der Vorgängerversion noch nicht so wirklich funktioniert, klappt es jetzt einwandfrei, ohne Überscheidungen der Zweige und in drei Stilen (linear, organisch und radial).

Projektmanagement-Funktion mit integrierten GANTT-Diagrammen
Auch hier haben sich die Macher von iMindMap an den aktuellen Entwicklungen anderer Hersteller orientiert. Sicherlich auch, um den potenziellen Nutzerkreis der Software zu erweitern.
iMindMap kommt nun mit einem integrierten Projektmanagement-Modus (siehe Bild 6), je nach erworbener Linzenz. Jeder Zweig kann nun mit Aufgabeninfos und Enddaten versehen werden. Das Ganze wird automatisch in einem GANTT-Diagramm dargestellt.



Aus meiner Sicht ist dieser Modus von der Grundidee her gut gedacht, allerdings nur beschränkt - für meine persönliche Arbeitsweise gar nicht - für die tägliche Projektarbeit tauglich: Im iMindMap Projektmanagement Modus werden automatisch alle bestehenden Zweige eines Mind Maps hinzugefügt und in das GANTT-Diagramm eingebaut. Der Nutzer hat keinen Einfluss darauf, welche Zweige aufgenommen werden und welche nicht. Bild 6 zeigt das für diesen Artikel verwendete Map, das aus 137 Zweigen besteht. D.h. im Projektmanagement habe ich 137 Aufgaben und 137 Balken im GANTT-Diagramm. Das macht das Ganze nicht nur unpraktisch, da ich die meisten Zweige gar nicht in der Projektansicht haben möchte, sondern fast unnavigierbar, da man sich in der Projektansicht fast zu Tode sucht.

Import von Freemind und MindManager Dateien
Kräftig aufpoliert wurden die Import und Exportfunktionen von iMindMap 3. Nun ist es sogar möglich MindManager Dateien zu importieren. Zumindest teilweise. Manche Bilder, Icons, Anmerkungen und Hyperlinks fallen dem Import zum Opfer. Im großen und ganzen funktioniert es allerdings gut. Bild 7 zeigt ein ursprüngliches MindManager Map, Bild 8 zeigt das importierte Ergebnis in iMindMap. Klasse finde ich, dass man nun beim importierten Map den Mapstil ändern kann (linear, organisch, radial).





Export – interaktive Präsentation und OpenOffice Unterstützung
Sehr Erfreuliches gibt es auch bei den Exportfunktionen zu vermelden. Der bisher fehlende Präsentationsmodus wird nun zumindest teilweise über die Funktion interaktive Präsentation nachgeholt. Hier wird ein Map in eine Powerpoint Datei exportiert. Per Animationsfunktion kann man dann jeden Zweig per Tastenklick einblenden. Leider hat diese Funktion bisher bei mir nie funktioniert, was möglicherweise an meiner alten Office-Version liegt.
Umso erfreulicher ist es, dass nun auch Nutzer von OpenOffice auf Ihre Kosten kommen, auch dieses wird von iMindMap 3 unterstützt, allerdings nicht die Funktion interaktive Präsentation.

Fazit
Abschließend kann ich sagen, dass sich seit der letzten Version wirklich einiges getan hat und den iMindMap Machern der Spagat zwischen wirklichen Mind Maps und den Möglichkeiten Mind Map ähnlicher Visualisierungen gut gelungen ist. Daher stimme ich der etwas plakativen Aussage auf der iMindMap Homepage zu, dass iMindMap das einzige Programm ist, mit dem man wirkliche Mind Maps erstellen kann. Und jetzt eben noch viel mehr. Eine Entwicklung der Funktionen hin zu bestehenden Programmen, vor allem MindManager, ist nicht zu übersehen.

Im erweiterten Teil gibt es meine Rückmeldung und Bewertung zur Software mit der PPCO-Methode.


"iMindMap Version 3 erschienen" vollständig lesen

Kreativitätstechniken und Risikomanagement

Mittwoch, 10. September 2008

Auf den ersten Blick mag vielen dieser Zusammenhang vielleicht nicht sofort offensichtlich erscheinen. Kürzlich bin ich auf einen sehr interessanten wissenschaftlichen Artikel zu diesem Thema gestoßen, der auf die Verbindung von Risikomanagement und Kreativitätstechniken eingeht.

Durchführungsbasiertes Risikomanagement
Im englischen Original wird hier von performance based risk management gesprochen. Dieses zeichnet sich im Gegensatz zum verordnenden Risikomanagment dadurch aus, das die einzelnen Tätigkeiten zur Gefahreneindämmung nicht genau vorgegeben sind, sondern nur relativ abstrakte Denkvorgaben gegeben werden, wie z.B. die Gefahr identifizieren, das Risiko bewerten und das Risiko kontrollieren. Ziel dieser Art des Risikomanagements ist es, das Problem auf einer möglichst hohen Ebene zu beseitigen also sozusagen an der Wurzel zu eliminieren.
Im Artikel wird das Beispiel von Hometrainern (Fahrrädern) gebracht, bei welchen Kinder immer wieder die Finger zwischen Laufrad und Kette / Seilzug bekommen. Anstatt zu überlegen, wie man den Zugang zum Seilzug besser schützen könnte, kann die Überlegung hier auch in die Richtung gehen, zu fragen, wie man einen Hometrainer komplett ohne Seilzug oder Kette bauen könnte. Damit wäre die Gefahr auf einer höheren Ebene beseitigt.

Schuldzuweisungen und die Unfähigkeit, bestehende Muster zu verlassen
Zwei Ursachen verhindern laut Autor die Elimination der Gefahren auf hoher Ebene immer wieder: In der Analyse von Problemen wird gerne große Aufmerksamkeit darauf gelegt, die Schuld beim Opfer zu suchen. Das zweite noch größere Problem ist die mentale Schwierigkeit, aus bestehenden Analysemustern auszubrechen und geistig Gefahren bergende Elemente, z.B. des Hometrainers wegzulassen (zu eliminieren) und trotzdem einen Funktionierenden Hometrainer zu haben. Hierbei fällt es den Menschen erstens schwer, ihre sofortige Beurteilung (das kann aus folgenden Gründen nicht funktionieren...) zurück zu halten und eine Idee erst einmal zu entwickeln, auch wenn es auf den ersten Blick absurd erscheint. Zweitens fällt es sehr schwer, überhaupt bestehende logische Denkmuster zu verlassen.

Unterstützung durch laterale Techniken
Der Autor spricht ein Problem dieses Risikomanagements an, dass sich in der kreativen Problemlösung immer stellt. Hat man einmal eine neue Lösungsmöglichkeit gefunden, dann ist diese im Nachhinein betrachtet offensichtlich und logisch. Der Weg dorthin ist allerdings meist absurd, unlogisch und durch logische Analyse nicht zu erreichen. Im Gegenteil, wir benötigen etwas, dass uns aus unserer bisherigen Denkbahn wirft und an eine Stelle bringt, wo uns unser bisheriges Denken nicht hilft bzw. wo wir durch bisheriges Denken niemals hingekommen wären. Hier müssen wir nun durch Herumprobieren versuchen, einen Rückbezug zur Problemlösung zu finden (Siehe Bild).

Liest man die Berichte von Forschern, was zu Ihrer Erfindung geführt hat, dann findet man dort oft ein zufälliges Ereignis, das das Denken des Forschers aus der Bahn geworfen hat.

Aus dem Prozess der kreativen Problemlösung können nun zwei Dinge helfen: Erst einmal die Grundregeln des divergierenden (eine Breite suche nach vielen verschiedenen und neuartigen Alternativen) Denkens zu erklären und nach diesen vorzugehen und mit Denkwerkzeugen (in diesem Fall auch Kreativitätstechniken) genannt, zu arbeiten, die uns einen Spurwechsel im Denken ermöglichen. Beispiele dafür habe ich auf diesem Blog schon mehrere gebracht, z.B. hier. Diese Techniken ermöglichen es damit, das zufällige Ereignis, das uns aus der Bahn wirft bewusst herbei zu führen.


"Kreativitätstechniken und Risikomanagement" vollständig lesen

Auftakt zum erweiterten Münchner Denkclub

Freitag, 5. September 2008

"Willkommen im Club" hieß gestern Abend um 20 Uhr zu Auftaktveranstaltung des erweiterten Münchner Denkclubs. Wie erhofft, haben sich 11 Leute eingefunden, um sich über das Konzept eines Denkclubs und unsere geplanten Inhalte zu informieren und das ganze gleich mal praktisch auszuprobieren.
Sollten die gestrigen Teilnehmer bleiben (die meisten werden es!), verspricht es eine sehr interessante Runde zu werden, da Leute mit verschiedenen Hintergründen, aus unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlichen Berufen (und natürlich auch Studenten) dabei sind.

Ein Versuchslabor des Denkens
Wie an anderer Stelle berichtet, hatte das gestrige zwanglose Treffen vor allem den Zweck, den Interessenten das Konzept Denkclub und den Sinn und Zweck vom gemeinsamen Denken mit Denkwerkzeugen vorzustellen.
Wie es die nächsten Treffen ablaufen wird, habe ich auch kürzlich geschildert.

Ein Denkclub ist ein geschützter Raum für alle Teilnehmer, um gemeinsam Denkwerkzeuge auszuprobieren zu üben, damit sein Denken zu verbessern und natürlich, um dabei viel Spaß zu haben.

Denkwerkzeuge: Strategien des Denkens

Unter dem Begriff Denkwerkzeug können sich beim ersten Hören vielleicht nicht alle etwas vorstellen. Ein Denkwerkzeug ist "eine strukturierte Strategie, die das Denken eines Individuums oder einer Gruppe fokussiert, organisiert und leitet". Davon gibt es eine ganze Menge, die zu Beginn aufgrund einer bestimmten Situation entstanden sind, allerdings in der Anwendung keinesfalls auf diese begrenzt sind.
Im kommenden Halbjahr wird es uns thematisch um die wahrnehmungslenkenden Denkwerkzeuge gehen. Denn, wie wir gestern gesehen haben: Die logischen Schlussfolgerungen, die wir ziehen, sind meist immer nur so gut, wie die Wahrnehmungen auf welchen Sie basieren. Und: Die meisten Fehler im Denken sind nicht logischer Art sondern Fehler, die auf Wahrnehmung basieren.


PMI und die Steuerzahler

Um das Ganze einmal konkret zu erleben haben wir die Denktechnik PMI (Plus – Minus – Interesting) nach Edward de Bono ausprobiert. Thema: "Steuerzahler sollten selbst entscheiden, wofür ihre gezahlten Steuern eingesetzt werden."
Vor dem Einsatz und nach dem Einsatz von PMI haben wir die Standpunkte (bin dafür, bin dagegen, weiß nicht) per Handzeichen abgefragt. Sehr spannend war zu sehen, wie sich nach 15 Minuten Einsatz der Denktechnik die Meinungen verschoben haben und zwar einfach erst einmal nur dadurch, dass alle in der Gruppe Ihre Aufmerksamkeit mittels PMI gelenkt haben und sich dadurch die Wahrnehmung geändert hat.
Wir waren uns nach diesem kurzem Appetithappen gestern einig: Wenn wir zu 11 angefangen hätten zu diskutieren, ob man diesen Vorschlag nun umsetzen sollte oder nicht ... dann hätte es wahrscheinlich schnell wie in einer sonntäglichen Polittalkshow ausgesehen. Jeder hat seine Meinung, die natürlich die richtige ist und die er nur äußerst ungern ändern möchte. Und wir wären nicht annähernd so weit gekommen.

Diesmal bin ich nicht der einzige, der über den Denkclub bloggt. Zwei der Teilnehmer dürften dem einen oder anderen Leser ebenfalls bekannt sein: Ruth Pink, die auch schon im kleinen Denkclub mit dabei war, und Alexander Greisle, der nun neu dazu gestoßen ist.

creaffective Asientour im Oktober und November

Dienstag, 2. September 2008

Es hat doch einige Zeit gedauert, alles abzustimmen, aber nun stehen die Daten für die creaffective Asientour 2008 fest: vom 13. Oktober 2008 – 19. November 2008 werde ich für bestehende und neue Kunden in Taiwan und Hong Kong Vorträge, Seminare und Innovationsworkshops geben. Nachdem es letztes Jahr nur ein kurzer Aufenthalt war, werde ich in diesem Jahr wieder längere Zeit vor Ort sein.


Der erste Teil meiner Tour führt mich nach Taiwan (ein Land, das unbedingt einen Besuch wert ist und leider viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt), die zweite Station meiner Reise wird mich nach Hong Kong führen. Nächstes Jahr steht Peking auf dem Programm.




Hauptsächlich interne Veranstaltungen
In Hong Kong werde ich ausschließlich kundeninterne Trainings und Innovationsworkshops geben, in Taiwan wird es in Kooperation mit dem ECCT auch offene Termine für Mind Mapping und Denk- und Kreativitätstechniken für europäische Unternehmen vor Ort geben. Den Rest der Zeit in Taiwan stehe ich für interne Veranstaltungen zur Verfügung. Einige Termine sind bereits vergeben, ich habe allerdings bewusst einen längeren Zeitraum gewählt, um noch für weitere Anfragen Spielraum zu haben. Falls also deutschsprachige Leser dieses Blogs vor Ort arbeiten, freue ich mich über eine Nachricht.

Auf Englisch und Chinesisch
Die offenen Termine (diese finden sich auf der englischen Startseite meine Homepage) werden auf Englisch statt finden, interne Trainings können neben Englisch auch auf Chinesisch gehalten werden. Möglicherweise wird es auch offene chinesischsprachige Trainings geben, da sich eine Kooperation mit einem großen taiwanesischen Wirtschaftsmagazin anbahnt.

Tee und Majiang
Ich freue mich auf alle Fälle sehr, wieder längere Zeit in Asien zu verbringen. Neuen Tee zu entdecken und Majiang zu spielen.