Brainfloor: Online-Plattform zur Ideenentwicklung

Dienstag, 27. Mai 2008

Über einen Kommentar zu einem ziemlich alten Eintrag, über eine Kreativitätsfabrik, auf diesem Blog bin ich letzte Woche in Kontakt mit den Machern von Brainfloor gekommen. Das Team aus Österreich hat im April Brainfloor gestartet, eine Plattform zur Entwicklung von Ideen, die sich das Crowdsourcing-Prinzip zu nutze macht. D.h. die Masse wird in den Ideenfindungsprozess eingebunden. Diese vielen Ideengeber heißen bei Brainfloor Brainworker.

Das Prinzip: Ideen von vielen, aber nur für wenige sichtbar
Brainfloor arbeitet mit sogenannten Ideenlounges, ein geschützter Bereich innerhalb der Brainfloor Plattform. Dort können Kunden Aufgaben ausschreiben für die sie Ideen der Brainworker haben möchten. Brainworker können nun Ihre Ideen eingeben. Allerdings sieht diese nur der Auftraggeber, also der Kunde. Das System funktioniert ein wenig wie eine einseitige Membran. Man kann etwas hineingeben, es dringt aber nichts nach außen. Damit soll verhindert werden, dass gute Ideen für einen Kunden von Zuschauern oder Konkurrenten einfach übernommen werden. Somit erhoffen sich die Gründer, Ängste bei Firmen gegenüber öffentlichen Ideenfindungsprozessen abzubauen. Die Kunden spezifizieren auch, wie viele Ideen sie mindestens haben möchten. Wenn diese Zahl erreicht ist, ist die Sitzung beendet.

Der Nutzen für die Brainworker: Bares Geld für gute Ideen
Jede Idee wird in der geschlossenen Lounge vom Kunden mit Schulnoten bewertet. Dazu können bis zu zehn vom Kunden eingesetzte Bewerter gleichzeitig Noten vergeben. Aus den Bewertungen werden dann Durchschnittnoten gebildet. Erhält eine Idee Noten von 1 bis 3, gibt es dafür Geld, sogenannte Brainchips. Diese können dann gegen Sachleistungen oder Geld eingetauscht werden.

Fazit – PMI
Zur umfassenden Betrachten von Ideen, Konzepten etc. eignet sich – wie aufmerksame Leser dieses Blogs wissen – das Denkwerkzeug PMI (Plus – Minus – Interesting). Mit diesem möchte ich den momentanen Stand von Brainfloor aus meiner Sicht nun scannen:

Plus

  • optisch schöne Umsetzung
  • geschlossene Foren für Kunden, dadurch weniger Angst vor Ideenklau
  • Monetäre Belohnungen für Ideen
  • umfangreiche Benotungsfunktion von Ideen, dadurch wird Auswahl erleichtert
  • Bewertung durch mehrere Bewerter möglich
  • Anzahl der gewünschten Ideen einstellbar
  • Brainworker haben weniger Hemmungen wirklich ausgefallene Ideen zu äußern als Mitarbeiter der Auftraggeber
Minus
  • keine Sichtbarkeit bestehender Ideen für Brainworker, dadurch können bestehende Ideen nicht weitergesponnen werden
  • keine Moderator möglich, der in den Prozess unterstützend eingreifen kann
  • lediglich Ideenfindungsphase wird abgebildet, Weiterentwicklung ist nicht mit Unterstützung der Brainworker möglich
Interesting
  • es wäre interessant zu sehen, wie sich die Ideen entwickeln würden, wenn diese für Brainworker sichtbar wären
  • es wäre interessant zu sehen, ob es in Zukunft die Möglichkeit gibt, mit Moderatorfragen eine Richtung für Brainworker vorzugeben
  • es ist interessant zu wissen, wie häufig Ideen doppelt genannt werden, dadurch dass Brainworker bestehende Ideen nicht sehen können
  • es wäre interessant, Brainworker auch in die Weiterentwicklung der Ideen nach einer ersten durch den Kunden einzubinden
  • es ist interessant zu wissen, wie sich Brainchips auf die Motivation und das Engagement der Brainworker auswirken


Die weiteren Pläne – Version 2, dann international
In einem Telefonat mit Herrn Karner beschrieb dieser die weiteren Pläne: Für das Frühjahr 2009 ist die Version zwei geplant. Lassen wir uns überraschen, welche Veränderungen vorgenommen werden. Nach der Einführung von Version 2 in 2009 ist dann die Ausweitung auf den englischen Sprachraum geplant.

Denkclub München in größerer Runde ab September 2008

Freitag, 23. Mai 2008

Der Münchner Denkclub wird ab September 2008 vergrößert und institutionalisiert. Inzwischen gibt es uns in München bereits ein Jahr, allerdings waren wir bis jetzt im kleinen Kreis von nur 5 Personen in Privatwohnungen der Mitglieder. Das wird sich jetzt bald ändern. Seit einiger Zeit arbeiten wir an der Erweiterung, um den Denkclub an sich zu vergrößern und Denktechniken allgemein bekannter zu machen. Dazu wird es auch bald eine eigene Website geben.

In Zukunft werden wir uns in einem öffentlichen Raum treffen, den wir dafür anmieten. Am 4. September 2008 ist das Kick-Off, eine zwanglose Einführungsveranstaltung für alle Interessierten, die mehr erfahren möchten. Wir hoffen, dass wir danach auf eine Gruppe von ca. 10 Personen kommen, die sich dann 14-tätig an einem zentralen Ort in München trifft. Immer donnerstags von 20 – 22 Uhr.

Das Curriculum des ersten Halbjahres
Inhaltlich werden wir uns die ersten zehn Sitzungen mit Edward de Bonos Wahrnehmungswerkzeugen beschäftigen. Einige davon, habe ich bereits hier auf dem Blog vorgestellt (siehe Schlagwort thinking club in der Seitennavigation). Mit diesen Werkzeugen, kann man unter anderem folgende Denkaufgaben bearbeiten:


  • eine Situation ganzheitlich und umfassender betrachten
  • alle für eine Entscheidung relevanten Faktoren identifizieren
  • die unterschiedlichen Folgen einer Handlung bedenken
  • das Ziel genau bestimmen
  • Alternativen und Optionen generieren
  • die wichtigen Prioritäten finden
  • die Denkweise andere Beteiligter erkunden

Für wen ist ein Denkclub geeignet?
Alle Menschen, die erkannt haben, dass Denken eine Fähigkeit ist, die trainiert und verbessert werden kann und die Lust haben, Denktechniken auszuprobieren. Denken können wir von Natur aus alle, aber:
Everyone solves problems, in the same way that everyone has music in their soul. But people who take music lessons and practice tend to play better.
Darum soll es im Club gehen.

Vortrag zum Thema Denkwerkzeuge bei der IHK Würzburg

Mittwoch, 21. Mai 2008

Helmut Broichhagen, der Leiter des Denkclubs Würzburg hält am 6.6. einen Vortrag Kreativer denken, effektiver arbeiten, mehr erreichen – Einladung zu Denkschule. Alle, die sich für das Thema Denkwerkzeuge interessieren und die Gelegenheit nutzen möchten, diese auch einmal praktisch zu erleben und zufällig auch noch in Würzburg wohnen, sollten sich diese Chance nicht entgehen lassen.

Für alle, die in Mainz wohnen: Dort werde ich am 26.11.08 einen interaktiven Vortrag zum Thema Denkwerkzeuge beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) halten.

Anbei die Flyer zur Veranstaltung. Zum Vergrößern klicken! Achtung am Freitag ist Anmeldeschluss!





 

Ein Büro für den Kreativitätsprozess

Montag, 19. Mai 2008

Das Projekt Office 21 des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation hat Kreativitätsprozesse untersucht und daraus ein Bürokonzept entwickelt, welches Kreativität architektonisch unterstützt und fördert: Interactive Creativity Landscape (ICL).

In einem wissenschaftlichen Artikel (Haner, Udo-Ernst: « Spaces for Creativity and Innovation in Two Established Organizations », CREATIVITY AND INNOVATION MANAGEMENT, 2005, 3, p. 288-298) beschreibt Udo-Ernst Haner, der am Forschungsprojekt beteiligt ist, sehr schön die unterschiedlichen Prozesse und Denkmodi, die in während der unterschiedlichen Phasen von Kreativitäts -und Innovationsprozessen (Kreativität und Innovation sind nicht deckungsgleich, hängen allerdings zusammen und weisen sehr ähnliche Charakteristika auf) auftauchen.

Die Denk-Modi
Verteilt über die Phasen (hier gibt es unterschiedliche Modelle, wie viele das genau sind und ob und in welcher Reihenfolge diese ablaufen) gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Denk-Modi: divergierend und konvergierend.

Beim divergierend Denken geht es darum, das Denken in viele Richtungen zu lenken, es sozusagen auseinander zu treiben, um möglichst viele Ideen und Ansätze zu generieren. Man kann diese Phase auch als die Ideenfindung oder Ideengenerierung bezeichnen. Dazu habe ich auch in meinen Posts zum lateralen Denken und TO-LO-PO-SO-GO mehr geschrieben.



Beim konvergierenden Denken, geht es darum, das Denken wieder zu fokussieren und dann Ergebnisse des divergierenden Denkens zu bewerten und weiter zu entwickeln. Diese Phase kann man auch als die Phase der Ideenbewertung bezeichnen.



Einzel- und Gruppenarbeit
Während eines Kreativitäts- und Innovationsprozesses gibt es außerdem Phasen, wo der Einzelne auf sich gestellt ist um z.B. zu recherchieren und analysieren oder auch nur um sich auszuruhen und die Ideen reifen zu lassen und Phasen, wo eine Gruppe zusammen trifft und gemeinsam arbeitet. Auch diese unterschiedlichen Aspekte des kreativen Prozesses werden in der ICL berücksichtigt.

Beides, sowohl die unterschiedlichen Denk-Modi als auch Einzel- und Teamprozesse, wurden in das Design der ICL eingearbeitet.

Zwei Arten von Kreativität

Mittwoch, 14. Mai 2008

Der britische Forscher Michael Kirton unterscheidet zwei Arten von Kreativität: adaptive (anpassende) und innovative (radikale) Kreativität.

Die erste zeigt sich in Form von kleinen Änderungen, die das bestehende Konzept weitgehend unverändert lassen und durch kleine Verbesserungen Mehrwert und Neues schaffen. Ein Beispiel ist die stetige Weiterentwicklung von Automobilen. Die zweite Art der Kreativität, ist der radikale Durchbruch, durch den etwas völlig Neues entsteht, wie z.B. die Entwickelung des Internets.


Japan vs. USA

Die adaptive Kreativität haben die Japaner perfektioniert und ihr System des Kaizen, der stetigen Verbesserung in aller Welt bekannt gemacht. Miller, Vehar und Firestien glauben, dass die Amerikaner vor allem nach der zweiten Art der Kreativität streben und die kleinen Veränderungen nicht wirklich als Kreativität betrachten. Nachteil dieser Einstellung ist laut den Autoren, dass gute Ideen, die noch nicht marktreif sind, nicht nachhaltig und ausdauernd genug weiter entwickelt werden. Beispiele für Erfindungen, die ihren Anfang in den USA hatten, dort aber nicht zur Marktreife entwickelt wurden sind das Fax und die Videotechnologie.

Ich frage mich gerade, wo Deutschland bei diesen beiden Polen einzuordnen ist? Ich würde uns eher in Richtung Japan platzieren.

Anderes Ergebnis je nach Kreativitätstechnik
Auch bei den Kreativitätstechniken gibt es Techniken, die der jeweiligen Seite (adaptiv oder innovativ) entsprechen. Strukturierte Techniken versprechen (sicher ist das natürlich nicht) schnellere und einfacher umsetzbare Ergebnisse. Beispiel für so eine Technik ist Brainwriting. Bei intuitiv orientierten Techniken ist die Wahrscheinlichkeit (auch hier, garantieren kann man nichts) höher, dass wirklich neue Ideen entstehen, die allerdings auch ihre Zeit zur Reifung und Entwicklung brauchen. Beispiele für diese Techniken sind Zufallsbilder, Zufallswörter oder spezielle Traumreisen.

PPCO – Methode der Ideenbewertung und der Verhaltensrückmeldung

Donnerstag, 8. Mai 2008

PPCO steht für Pluses, Potentials, Concerns und Overcome Concerns. Die Methode bietet sich an, um eine Idee zu bewerten (negativ und positiv), ohne dabei das Potenzial der Idee zu zerstören oder den Urheber zu demotivieren. PPCO ist außerdem eine Möglichkeit, konstruktiv Rückmeldung zum Verhalten von anderen zu geben und diesen dafür zu öffnen, aber auch, um seine eigene Leistung einzuschätzen.

Viele von uns neigen dazu, erst einmal die Schwachpunkte einer Idee oder einer Leistung heraus zu picken und damit möglicherweise, das Ideenpflänzchen zu zerstören, bevor es richtig aufgeblüht ist. Analog dazu kann dieses Verhalten dazu führen, dass das Gegenüber "zu macht". PPCO beginnt damit, die positiven Punkte zuerst zu nennen.

Die vier schriftlichen Schritte:

Pluses (5 – 7 Stück):
Was gefällt Ihnen an der Idee, am Verhalten? Nennen Sie spezifische Punkte!

Potentials (5 – 7 Stück):
Welche zukünftigen Optionen und Möglichkeiten könnten sich daraus ergeben? Eingeleitet mit Es könnte sein, dass...

Concerns:
Welche Schwierigkeiten und Probleme sehen Sie? Versuchen Sie, diese als offene Fragen zu formulieren: Wie könnte man...?
z.B. Wie könnte man verhindern, dass die Leute nur kurze Zeit auf der Website verweilen?

Overcome Concerns:
Hier pickt man sich die wichtigsten Probleme heraus und versucht nun mindestens 15 Ideen zu generieren, wie man diese Probleme lösen könnte. Die erfolgversprechendsten kann man dann so weiter entwickeln, dass daraus eine konkrete zielführende Handlung ableitbar ist.

Noch eindeutiger wird die Methoden, wenn diese entsprechend visualisiert wird, z.B. so:


Die Methode ähnelt der Denktechnik PMI (Plus, Minus, Interesting), mit der man in kurzer Zeit einen ausgewogenen Überblick zu einem Thema, einer Idee oder Frage erhält. PPCO ist jedoch ausschließlich zu Bewertung gedacht und hat als Besonderheit den Teil Overcome Concerns, wo dezidiert Lösungsvorschläge für Schwachstellen erarbeitet werden. PMI ist im Gegensatz nicht zum Bewerten gedacht, sondern lenkt die Wahrnehmung lediglich, um ein Thema zu scannen.

Biete Beratungsprojekt, suche Interessenten: Wissensmanagement- System auf Mind Mapping Basis

Montag, 5. Mai 2008

Warum nicht mal andersherum? Ich biete ein Beratungsprojekt, auf das ich wahnsinnig Lust hätte und suche jetzt ein Unternehmen, das an der grundlegenden Idee Interesse hat. Ich würde mich freuen, in einen Gedankenaustausch zu treten und diese Idee gemeinsam weiterzuentwickeln und anzupassen: Ich habe sehr große Lust, ein Unternehmen/ eine Organisation bei der Einführung eines Computer-Mind Mapping basierenden Wissensmanagementsystems zu beraten.

Bei Beratungsunternehmen kommen normalerweise Kunden mit Anfragen und Problemen, für die sie sich von der Beratung eine Lösung erhoffen. In der aktuellen Brand eins (Mai 2008) ist ein sehr inspirierender Artikel über das niederländische Beratungsunternehmen Kessels & Smit und einen der Mitarbeiter, der das Prinzip umgedreht hat. Er hat Unternehmen und bestehende Kunden mit einem Projektvorschlag kontaktiert, der in selbst begeisterte, um zu sehen, was diese darüber denken.

Grundidee: Wissen mit Mind Maps speichern und vernetzen
Mind Maps eigenen sich hervorragend dazu, komplexe Themen und Wissensstrukturen in verdichteter Form grafisch zu visualisieren und damit den Zugang zu Themen zu erleichtern, Komplexität zu reduzieren und die Verarbeitungsgeschwindigkeit zu erhöhen.
Computergenerierte Mind Maps bieten darüber hinaus den Mehrwert, dass diese miteinander verknüpft werden können, wodurch wirklich ein Wissensnetz entsteht und komplexes Wissen navigierbar gemacht werden könnte.

Die Vorteile einer Mind Mapping basierten Vorgehensweise

  • Inhalte werden dem Gehirn über verschiedene Kanäle dargeboten: Wörter, Bilder, Farben und räumliche Verortung von Wissensinhalten).
  • Komplexität wird erheblich reduziert, ohne zu simplifizieren.
  • Der einfache Zugang zu einem Thema ist leichter möglich.
  • Verstehen und Navigieren in Themen wird erheblich beschleunigt.
  • Es ist weniger Information zu lesen, da diese auch grafisch visualisiert wird.
  • Wissen in grafischer Form kann man schneller behalten.
  • Mind Maps lassen sich schnell und einfach erstellen.


Wie konkret?
Es gibt bereits ein System, das mit rudimentären, rein auf Wörtern basierenden Mind Maps arbeitet. Das Forschungs-Informations-System (FIS), darüber habe ich bereits berichtet. Hier wurde das Grundprinzip für die Primärnavigation umgesetzt, um Politikern den Zugang zu wissenschaftlichen Information zu den Themen Mobilität und Verkehr und Raumentwicklung zu bieten.
Weitere Gedanken zu diesem Thema habe ich mir hier gemacht.

Ich freue mich über Kontakt: rustler(at)creaffective.de

Symposion Lernen lernen: Prof. Bauer – Motivation durch Beziehung

Freitag, 2. Mai 2008

Folgende Artikel zum Symposion sind bereits erschienen:
Teil 1: Prof. Martin Korte - Wie lernt der Mensch?
Teil 2: Interview mit Dr. Andreas Gößling


Das Wichtigste in Kürze:

  • Motivation ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für den Erfolg des Schulsystems
  • Motivation führt zu höherer Leistung und ermöglicht kreatives Denken
  • Beziehungen sind eine notwendige Bedingung für Motivation
  • Der Mensch verfügt über Spiegelneurone, die bei abhängig von den Handlungen anderer aktiviert werden



Das Wissenschaft motivieren kann, zeigte der Vortag von Prof. Joachim Bauer, der nach seinem Vortrag von Wolfgang Endres den Spitznamen Prof. Aufbauer verliehen bekam.
Grundgedanke des Vortrags war, dass die Leistungsbereitschaft und der Lernerfolg eines jeden Menschen neben anderen Faktoren besonders von seiner Motivation abhängt. Ist Motivation vorhanden, kommt es im Gehirn zur Ausschüttung einiger wichtiger Botenstoffe, wie Dopamin und körpereigener Opioide, die für Freude und Wohlbefinden sorgen.
Stimuliert werden kann das Motivationssystem durch Musik, durch Bewegung (wer sich für neurobiologische Hintergründe interessiert, dem empfehle ich Brainule #1 von John Medina) und Beziehungen.

Beziehungen als Ziel jedes Handelns
Positive Beziehungen zu anderen Menschen sind einerseits Grundvoraussetzung für Motivation. Sind diese nicht vorhanden, führt dies zu dauerhaften Stressreaktionen und damit zu Angstzuständen und Aggression.
Gleichzeitig sind Beziehungen immer auch mit Ziel unserer Handlungen. Wir alle benötigen Zuwendung (z.B. durch Gespräche oder auch nur Blickkontakt), Anerkennung und Bestätigung durch andere Menschen.

Spiegelneurone und das Potenzial positiver Ansteckung
Seit einigen Jahren weiß man von so genannten Spiegelneuronen in unserem Gehirn. Diese werden durch Handlungen anderer aktiviert und ermöglichen Empathie (Verständnis für das Innenleben anderer Menschen) sowie Modellernen, indem wir den Handlungen und Bewegungen anderer zusehen, um dann eigene Verhaltensweisen zu formen.
Durch Spiegelneurone kann gut erklärt werden, warum jeder durch sein Verhalten und sein Auftreten andere anstecken kann, im positiven wie im negativen Sinne. Sichtbar wird eine solche Ansteckung z.B. beim Gähnen. Ich musste einmal einen Vortrag aushalten, indem sich der Redner 90 Minuten ununterbrochen geräuspert hat. Man konnte ich richtig sehen, wie sich bei den Zuhörern ein Unwohlsein und Kratzen im Hals entwickelte.

Nicht nur auf den Inhalt kommt es an
Durch diese Ansteckungsmöglichkeit ergeben sich vielfältige Chancen, wie Trainer, Lehrer aber selbstverständlich auch Führungskräfte in Unternehmen Ihre Schüler, Kursteilnehmer oder Mitarbeiter positiv beeinflussen können und somit deren Motivation steigern können. Allein durch entsprechendes positives Auftreten, Beachtung und Aufmerksamkeit für jeden einzelnen ist hier viel möglich. Durch wohl gemeinte (konstruktive) Rückmeldung zur individuellen Leistung erhalten Schüler und Seminarteilnehmer wichtige Hinweise zur Verbesserung. Im Gegenzug sollte es selbstverständlich sein, dass jeder Schüler, jeder Seminarteilnehmer oder Mitarbeiter absoluten Schutz vor Beschämung und Vorführen vor dem Rest der Gruppe hat. Hier reicht eine Beschämung, um einem Menschen für den Rest seines Lebens negativ zu prägen. Mit Grauen, aber gleichzeitig so, als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich an eine Musikstunde in der vierten Klasse, in der ich gezwungen wurde alleine vor der gesamten Klasse zu singen.
Solche grundlegenden Verhaltensweisen von Lehrern, Trainern und Führungskräfte sind genauso wichtig wie interessante und gut strukturierte Inhalte oder Fachkompetenz.