Die Top 10 der deutschen Weiterbildungsblogs

Mittwoch, 30. April 2008

Heute wurde ich wirklich überrascht! Gegen Mittag flatterte die Zeitschrift wirtschaft + weiterbildung ins Haus. Diese hat in ihrer aktuellen Ausgabe die 10 wichtigsten Weiterbildungs-Blogs gekürt. Unter dem Titel 10-Bildungs-Blogger, die Sie kennen sollten wurden die Blogger, deren Blogs auf den Top 3 landeten ausführlich vorgestellt zusammen mit einem Ranking und einer Stärken-Schwächen-Analyse aller 10 prämierten Blogs. Auf Platz 7 landete: Das creaffective-Blog

Die prämierten Blogs:

Platz 1: Weiterbildungsblog.de
Platz 2: Simons Systemische Kehrwoche
Platz 3: Mwonlineblog
Platz 4: E-learning-blog
Platz 5: Personaler Online
Platz 6: robertfreund
Platz 7: creaffective-Blog
Platz 8: E-Denkarium
Platz 9: The Future of Learning
Platz 10: Informelles Lernen

Sehr interessant finde ich die Sicht der Redaktion zu den Stärken und Schwächen dieses Blogs. Diese möchte ich Ihnen nicht vorenthalten und bin auf Ihre Meinung gespannt:

Stärken: Nützliche Denkanstöße zu aktuellen Themen, Veranstaltungstipps, Arbeitshilfen in Sachen Kreativität.
Schwächen: Zu lange Texte, Vorliebe für überladene grafische Darstellungen


Es freut mich, dass die Techniken und Vorgehensweisen, die ich vorstelle, als hilfreich empfunden werden, ab und zu bekomme ich per Mail nette Rückmeldungen, auch wenn es sich leider nicht in den Kommentaren niederschlägt.
Ich vermute, mit den überladenen Grafiken sind die Mind Maps gemeint, die ich regelmäßig poste. Diese sind in der Tat voll, jedoch sind diese nicht zum lesen gedacht, sondern sollen beispielhaft veranschaulichen, wozu man Mind Maps einsetzen kann und welche Möglichkeiten die Techniken bietet.

Ich freue mich über Anregungen und Meinungen!

Neuerscheinung: Rhetorik und Präsentationen

Freitag, 25. April 2008

Pünktlich zum Symposion Lernen lernen ist das Buch Rhetorik und Präsentationen in der Sekundarstufe 1 und 2 von Wolfgang Endres und Moritz Küffner erschienen, das dann auf dem Symposion auch gleich vergriffen war.

Einige der Referenten haben es während ihrer Vorträge und Workshops beim Symposion erneut betont: Lehrer werden vor allem hinsichtlich der kognitiven Kompetenz ausgebildet, d.h. sie absolvieren ein Fachstudium. Leider bekommen sie in ihrer Ausbildung viel zu wenig Hilfsmittel für die eigentliche Vermittlung des Stoffs an die Hand. Dabei spielen diese weichen Faktoren, wie das Auftreten, die Körperhaltung und auch die Fähigkeit Gruppen zu leiten und Inhalte gehirngerecht zu vermitteln eine zentrale Rolle für den Lernerfolg und die Motivation der Schüler.

Hier setzt das Methodenmagazin an: In fünf Kapiteln bekommen Lehrerinnen und Lehrer wichtige Hinweise und praktische Übungen an die Hand, um auch in Hinblick auf Rhetorik, Stimmeinsatz und Körperhaltung zu überzeugen. Es gibt zwei Ausgaben des Buches mit unterschiedlichen Schwerpunkten, einmal auf die Sekundarstufe 1 und einmal auf Sekundarstufe 2. Neben Rhetorik, Körpersprache, Stimmeinsatz und Körperhaltung werden auch Feedback- und Visualisierungsmethoden angesprochen. Dafür haben sich die beiden Autoren sechs Gastautoren an Board geholt, die jeweils zu Ihren Spezialgebieten ein Kapitel gestaltet haben. Ich bin mit dem Mind Mapping als Methode für das Lehren und Lernen vertreten.

Training auf DVD
Methoden, die ja immer auch auf konkretes Verhalten abzielen, rein in Textform zu präsentieren ist schwierig. Deshalb kommt das Methodenmagazin mit einer DVD, auf der alle Kapitel noch einmal mit konkreten Übungen vertieft werden, um den Nutzen des Buches zu erhöhen. Wenn die Leser des Buches beim Zuschauen und Üben genauso viel Spaß haben, wie wir bei den Dreharbeiten, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Interview mit Dr. Andreas Gößling über kulturelle Viren und andere "Programme"

Montag, 21. April 2008

Während des Symposions Lernen lernen (hier geht es zum ersten Bericht) in Bad Wörishofen hatte ich die Gelegenheit mit Dr. Andreas Gößling über sein neues Buch zu sprechen, dessen Thesen er in einem Vortrag und einem Workshop auf dem Symposion vorgestellt hat.

Über den Autor:
Dr. Andreas Gößling, 1958 geboren, studierte Germanistik, Politikwissenschaften und Publizistik und promovierte über die Prosa des (vaterlos aufgewachsenen) Thomas Bernhard. Er hat einen dreibändigen Kommentar zu Robert Walsers Romanen verfasst und lebt mit seiner Frau als freier Schriftsteller in Coburg. Dort schreibt er Romane für erwachsene ("Faust, der Magier", 2007) und jugendliche Leser ("Der Sohn des Alchimisten", 2007) sowie Sachbücher zu kulturgeschichtlichen und aktuellen Themen. Im April 2008 ist im Verlag Zabert Sandmann sein Sachbuch "Die Männlichkeitslücke – warum wir uns um die Jungs kümmern müssen" erschienen.





Florian Rustler: Sie haben das Buch "Die Männlichkeitslücke" geschrieben, zu dem Sie hier auch einen Vortrag gehalten haben. In Ihrem Buch diagnostizieren Sie eine Krise unserer Jungen, die sich unter anderem darin äußert, dass die Gewalt unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern zunimmt, dass ein immer niedriger Prozentsatz von ihnen auf das Gymnasium geht, was später zu steigender Erwerbslosigkeit führt, und darin, dass sie weit häufiger als Mädchen von stressbedingten psychischen Krankheiten betroffen sind. Als einen zentralen Grund haben Sie das in unserer Gesellschaft vorherrschende Vaterbild und, damit verbunden, unsere Vorstellungen von Männlichkeit genannt. Das Vaterbild führen Sie zurück auf Abraham und dessen Beinahe-Opferung seines Sohnes Isaaks. In diesem Zusammenhang haben Sie den Begriff des "Abraham-Programms" und des "Abraham-Paradoxes" geprägt, das uns bis heute beeinflusst. Was muss man sich darunter vorstellen?

Dr. Andreas Gößling: Das Abraham-Paradox habe ich unter der Schlagzeile "zeugen, um zu opfern" zusammengefasst: Der Vater privilegiert seinen erstgeborenen Sohn in einer Weise, die man aus der langen Geschichte des Patriarchats kennt. Auf der anderen Seite wird der Sohn auf ein bestimmtes Männlichkeitsbild verpflichtet und hat damit oft nicht die Chance, seine Persönlichkeit so zu entfalten, wie es vielleicht seiner Individualität entsprochen hätte; stattdessen muss er sich so entwickeln, wie es erforderlich ist, um die Tradition der Väter fortzuführen.

Was ist das Ziel dieser Opferung?

Es geht dabei um die Mehrung des Ruhms und der Macht der Sippe und des Gottes, d.h. es geht darum, die Söhne in den Dienst der Überväter zu stellen. Man kann Gott im Bund mit Abraham als das Über-Ich ansehen, das die Pläne schmiedet, denen die Söhne gehorchen müssen.

Dieses Abraham-Programm, behaupten Sie, läuft auch heute noch ab.

Es handelt sich hierbei um eine psychohistorische Einschleifung, die bis heute wirksam ist, sich tief in unserer Kultur eingeprägt hat und uns zur zweiten Natur geworden ist. Deshalb ist es auch so leicht, diese mit unserer biologischen Natur zu verwechseln. Ich meine allerdings nicht, dass die Szene mit Abraham und Isaak eine historische namhaft zu machende Szene ist, sondern dass es sich hierbei um eine wirkmächtige Metapher handelt, eine Art mythischer Urszene unserer "abrahamitischen" Kultur.

Wie lief die Weitergabe des Abraham-Programms über Jahrtausende ab? Wird dieses von Generation zu Generation weitergegeben?

Der Aufstieg der abrahamitischen Religion ist mit dem Aufkommen der Schrift auf das Sakralste verbunden – denken Sie nur an die Übergabe der Gesetzestafeln durch Gottvater höchstpersönlich. So wurde das Abraham-Programm in Stein gemeißelt und von einer Generation zur nächsten als göttliches Gebot übermittelt. In diesem Fall handelt es sich um eine nicht schwer zu begreifende Tradierung – ein Programm, das Jahrtausende lang von den Priestern gepredigt und in den Sippen und Familien vor allem durch die väterliche Erziehung an die Söhne weitergegeben worden ist.

Den meisten Menschen, die ein solches Programm - in Ihrem Falle nun das Abraham-Programm - weitergeben, ist das vermutlich gar nicht bewusst.

Dieses Muster ist lange Zeit sehr bewusst überliefert worden. Im Mittelalter wurden Isaak und Jesus den Jungen als musterhaft gehorsame Söhne dargestellt, die auf Befehl ihrer Väter zum Selbstopfer bereit waren. Irgendwann ist dieses Programm dann den Menschen unserer Kultur so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass es als Bestandteil der menschlichen Natur missverstanden wurde.

Kann man dieses Programm mit einem kulturellen Virus vergleichen, das von einem zum anderen überspringt und sich über die kulturelle Sozialisierung verbreitet?

In gewisser Weise schon. Es verbreitet sich über vielerlei Ebenen, allerdings rätselt die Wissenschaft, allen voran die Psychologie, bis heute darüber, wie genau solche Programmierungen über die Jahrtausende hinweg funktionieren. Man versucht sich dann mit Konstruktionen wie C.G. Jungs "Archetypen"-Lehre oder mit den "morphogenetischen Feldern" von Sheldrake etc. zu helfen. Es hat auf alle Fälle etwas "Seuchenartiges", allerdings nicht vorrangig im destruktiven Sinn. Lange war das Abraham-Programm ja äußerst produktiv – der Nutzen für die Gesellschaft und die Einzelnen übertraf die Kosten bei Weitem. Das trifft heute nicht mehr zu – die Jungs bezahlen immer noch den Preis, den man früher entrichten musste, um dem "starken Geschlecht" anzugehören; aber die "patriarchale Rendite" wird längst nicht mehr ausgezahlt. Wir müssen also dringend eine Möglichkeit finden, dieses Programm sozusagen abzuschalten.

Gibt es aus Ihrer Sicht weitere solcher Programme, die bis heute in unserer Gesellschaft vorherrschen? Für mich besonders interessant ist dabei immer die Art und Weise unseres logisch-argumentativen Denkens, die sich auf die griechischen Naturphilosophen Platon und Aristoteles zurück verfolgen lässt und die unsere Gesellschaft heute dominiert. Welche weiteren unbewussten Verhaltensweisen sehen Sie?

Da gibt es sicherlich noch eine ganze Reihe. Eine rätselhafte Sache, die mit dem Abraham-Programm direkt in Verbindung steht, ist beispielsweise der Umstand, dass in der Geschichte einzig die Europäer versucht haben, die Welt in globalen Dimensionen zu erforschen und zu erobern. Andere Völker sind ja bekanntlich zu Hause geblieben. Es handelt sich um ein aus dem Gebot "mehret euch und bekämpfet eure Feinde" hervorgegangenes Expansionsprinzip, das in unserem Leistungs- und Wachstumsdenken bis heute sehr wirksam ist.

Wie erkennt man solche Programme? Wie kommt man auf die Idee, dass hier ein Programm am Werk ist, das man auf historische Wurzeln zurückführen kann?

Ich denke, eine Voraussetzung ist eine gewisse Distanz zur eigenen sozialen und kulturellen Umwelt. Alle anderen marschieren wie selbstverständlich mit, man selbst tritt einen Schritt heraus, fragt sich, ob das alles wirklich gerade so organisiert sein muss, wie man es in seiner sozialen Umgebung vorfindet, und beginnt darüber nachzudenken.

Sie versuchen nun Alternativen zum Abraham-Programm zu zeigen. Als Beispiele nennen Sie Förderväter für Kinder und Jugendliche, ähnlich wie ein Mentoring-Programm. Wie sehen konkret Schritte zur Änderung eines kulturellen Programms aus?

Ich denke, der erste Schritt muss darin bestehen, dass man eine breite gesellschaftliche Debatte anstößt. Dabei möchte ich die falsche Selbstverständlichkeit in Frage stellen, dass wir unter dem "Vater" immer nur den biologischen Erzeuger und möglichst auch noch den Partner der Mutter verstehen. Denn anhand der Kulturgeschichte lässt sich zeigen, dass es schon immer andere Varianten von Vaterschaft gegeben hat, die auch in unserer Kultur gelebt worden sind.

Wie sind die Reaktionen der Leute?

Diese verlaufen entlang der ganzen Bandbreite menschlichen Verhaltens. Manche Männer reagieren betroffen oder empört, auch wenn sie die empirischen Ergebnisse, die ich zur "abrahamitischen" Abrichtung der Söhne durch die Väter anführe, nicht in Frage stellen. Von Seiten der Mütter gibt es prinzipiell zustimmende Reaktionen, aber auch manchmal sehr skeptische nach dem Motto "wie soll diese Förderväter-Initiative denn in der Praxis funktionieren?". Dabei gibt es – etwa in den USA, aber auch hierzulande – bereits eine ganze Reihe bewährter Ansätze, an die man anknüpfen kann.

Hängen die Reaktionen der Menschen damit zusammen, dass Sie versuchen, ein Programm umzukrempeln, das wir von dem Zeitpunkt, ab dem wir bewusst denken können, in uns verankert haben?

Ja, die oft zu beobachtende Abwehr erklärt sich sicherlich auch damit , dass es sich um eine frühkindlich geprägte Denk- und Empfindungsebene handelt. Ich habe beim Schreiben des Buches selbst gemerkt, wie ich immer wieder gegen tief internalisierte Denk- und Fühlgewohnheiten ankämpfen musste. Das Befremden, das auftritt, wenn wir damit konfrontiert werden, ist sehr stark.

Wird es leichter, je mehr man sich das Alternativprogramm bewusst macht und reflektiert?

Man muss bedenken, dass bei jedem Menschen bezüglich seiner Kindheit starke Verdrängungs- und Verklärungstendenzen aktiv sind. Wer möchte schon als "gestört" gelten oder gar ein "Opfer" sein? Deshalb schönt man oft seine Kindheit auch wider besseres Wissen.

Von kindlichen und erwachsenen Unternehmen

Freitag, 18. April 2008

Das Handelsblatt vom 16.4. berichtet im Artikel "Nimmerland ist zu entspannt..." über das Google Forschungszentrum in Zürich. Nach dem Artikel steckt Google im Moment in der Krise und um dieser zu entrinnen, müsse das Unternehmen "endlich erwachsen werden". Dass es so schlimm nicht sein kann, haben die gestrigen Quartalszahlen gezeigt.
So wie ich den Artikel interpretiere – vielleicht liege ich ja komplett falsch – wird das Kindliche vor allem an Googles Verspieltheit und der für ein ernsthaftes Büro ungewöhnlichen Freiheiten und der ungewöhnlichen Art und Weise, seine Arbeitsstätten auszustatten, festgemacht.
Genannt werden die ominpräsenten Whiteboards in den Büros, damit jede Idee sofort festgehalten und von anderen weiterentwickelt werden kann, Besprechungskabinen, Verbindungsrutschen, ein Ruheraum mit Aquarien usw. Vor der Einrichtung des Büros wurden Mitarbeiter nach Ihren Wünschen und Träumen befragt, um so ein "IT-Nimmerland" zu schaffen.

Nach dieser Beschreibung zu urteilen hat Google aus meiner Sicht sehr viel richtig gemacht, um eine Umgebung zu schaffen, die Kommunikation und Bewegung ermöglicht und vor allem die Kreativität der Mitarbeiter anregt und freisetzt. Die Freiheit auch mal ohne großen Druck an Ideen zu arbeiten, diese auszuprobieren und zu verwerfen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende etwas innovatives dabei heraus kommt. Die im Artikel beschriebene Büro klingt sehr danach als hätte man sich bemüht, eine gehirngerechte Arbeitsumgebung zu schaffen. Was gehirngerecht bedeuten kann, vermittelt das Buch und die Website Brainrules.

Kreativität alleine ist zwar keine hinreichende Bedingung für unternehmerischen Erfolg, aber in vielen Branchen eine zunehmend notwendige. Die Krux der kreativen Ideen ist, dass man diese im Voraus meist selten planen und sich logisch erschließen kann, sondern dass diese nachdem sie entdeckt wurden erst im Nachhinein als logischer Schritt erscheinen. So muss man einfach ausprobieren und spielen! Daher ist für viele Unternehmen zu hoffen, dass sie wieder etwas kindlicher werden.

Symposion Lernen lernen: Prof. Martin Korte – Wie lernt der Mensch?

Dienstag, 15. April 2008

Teil 1 der Artikelserie zum Symposion Lernen lernen in Bad Wörishofen vom 11. bis 13 April 2008.

Das Wichtigste in Kürze

  • Einflussfaktoren des Lernens:

    • Aufmerksamkeit/ Konzentration
    • Motivation
    • Gefühle (positive und negative)

  • Das Gehirn kalkuliert im Voraus die Erfolgswahrscheinlichkeit des Lernprozesses.
  • Intrinsische Motivation kann durch künstlich erzeugte extrinsische Motivation gesenkt werden und damit den Lernerfolg mindern.




Wie angekündigt möchte ich einige der Vorträge des Symposions hier auf dem Blog zusammenfassen und vorstellen.
Den Einstieg beim 10. Symposion Lernen lernen in Bad Wörishofen machte Prof. Dr. Martin Korte mit seinem Vortrag Wie lernt der Mensch? Konzentration und Motivation im Kontext der neurobiologischen Lernforschung. Korte ist Professor für zelluläre Neurobiologie an der TU Braunschweig und forscht über die Grundlagen von Lern- und Gedächtnisvorgängen.

Was beeinflusst lernen?
Neben den grundlegenden Voraussetzungen von genügend Sauerstoff, Energie, Bewegung und Flüssigkeit sind es vor allem drei Dinge: Aufmerksamkeit/ Konzentration, Motivation und damit verbundene Gefühle. Ähnlich hat es auch Prof. Wahl bei einem Vortrag in 2006 beschrieben, von dem ich ebenfalls berichtet habe.

Aufmerksamkeit – ein gehirninterner Kampf um Ressourcen
Ob man einer Sache folgen kann hängt davon ab, ob diese so interessant ist, dass das Gehirn ausreichend Ressourcen zuweist, um uns damit weiter zu beschäftigen. Bei all den auf uns eintreffenden Reizen findet ein ständiger Verteilungskampf um die kostbare Ressource Aufmerksamkeit statt. Je klarer eine Aufgabe formuliert ist und je mehr Strukturen zu einem Thema bereits in unserem Gehirn angelegt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf etwas lenken können. Grundsätzlich selektieren wir ständig, es ist sogar Aufgabe unseres Denkens andauernd bewusst und unbewusst zu selektieren. Dies kann dazu führen, das wir bei der Konzentration auf eine Sache, die uns stark in Anspruch nimmt, andere Faktoren völlig ausblenden. Um das zu verdeutlichen zeigte Prof. Korte die bekannten Gorillaversuch von Daniel Simons.

Motivation: Bitte herausfordernd, aber auch erreichbar
Ob jemand motiviert ist oder nicht, hängt auch davon wie herausfordernd eine Aufgabe ist. Sowohl Überforderung als auch Unterforderung sind dabei zu vermeiden. Bei Überforderung entsteht ein Gefühl von Ohnmacht, was zu einer Stressreaktion führt. In diesem Zustand können wir lediglich gut verankerte Routinen ausführen, allerdings nichts dazu lernen. Außerdem besteht die Gefahr, dass wir einen Lerninhalt zusammen mit negativen Emotionen abspeichern, was dazu führt, dass wir in Zukunft versuchen, diese Themen zu meiden. Jeder der in der Schule schon mal gezwungen wurde vor der ganzen Klasse vorzusingen, weiß wovon ich spreche.
Wenn ein herausforderndes Ziel (überraschend) erreicht wird, dann reagiert das Gehirn mit der Ausschüttung von Dopamin, einem Glückshormon. Davon können wir nie genug bekommen und deshalb schaffen wir damit beste Voraussetzungen noch mehr lernen zu wollen, um wieder eine kleine Dopamindusche zu erhalten.

Der Hippocampus – der Dirigent des Gedächtnisses
Bei der Frage, ob wir Lerninhalte speichern können, spielt der Hippocampus eine entscheidende Rolle. Besonders nachts wiederholt und verarbeitet dieser die am Tag erhaltenen Eindrücke. Je mehr bestehende Assoziationen oder Ankerpunkte zu einem Thema bereits vorhanden sind, desto besser können wir daran anknüpfen und desto eher geht das Gehirn von einer hohen Erfolgswahrscheinlichkeit beim Lernen aus. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass unser Oberstübchen besonders im Schlaf aktiv ist, da es die Tageseindrücke verarbeitet. Deshalb ist ausreichend Schlaf sehr wichtig. Man konnte sogar zeigen, dass ungenügender Schlaf oder Unterbrechungen des Schlafes uns daran hindern, uns Dinge zu merken.

Tipps für Lerner
  • Der Lernende sollte versuchen, vor allem Zusammenhänge und Muster zu verstehen. Durch das Verständnis der zugrunde liegenden Muster können viele Dinge erschlossen werden.
  • Lerninhalte sollten möglichst ausprobiert werden, um unserem Gehirn verschiedene Lernkontexte zu bieten.


Hinweise für Lehrer
  • Die individuellen Vorerfahrungen des Lernenden sollten ermittelt/ verstanden werden. Nur wenn der Einzelne Informationen mit seinen Vorerfahrungen sinnvoll verknüpfen kann, kann er neue Inhalte lernen.
  • Metaphern helfen, neue Inhalte schneller zu verankern, da sie Anknüpfungspunkte zu bestehendem Wissen liefern.
  • Ist ein Lernender erkennbar intrinsisch motiviert, sollte man vermeiden, diesem zusätzlich noch externe Anreize zu geben, da sonst die ursprünglich intrinische Motivation zerstört werden könnte.

Nach dem Symposion Lernen lernen

Montag, 14. April 2008


Es waren drei sehr schöne und interessante Tage in Bad Wörishofen. Wolfgang Endres und sein Team haben ein abwechslungsreiches Symposion mit interessanten Rednern und Referenten rund um das Thema Lernen organisiert. Die Vorträge, die ich besucht habe, werde ich in den nächsten Tagen häppchenweise vorstellen. Es ist viel Stoff für eine Reihe von Artikeln entstanden. Besonders schön war die motivierende Atmosphäre, der Tatendrang der Teilnehmer und die interessanten Gespräche und Interviews am Rande der Veranstaltung.

Sehr viel Spaß gemacht haben mir meine beiden Mind Mapping Workshops mit engagierten und hoch motivierten Teilnehmern und den interessanten Gesprächen im kleinen Kreis nach den Workshops. Ich bin sehr gespannt, in der Zukunft von Ihnen zu hören und über Ihre Projekte auf dem Laufenden gehalten zu werden.
Der Schnappschuss ist während meines Workshops am Samstag Nachmittag entstanden.

Mind Mapping Vortrag in Koblenz

Sonntag, 13. April 2008

Am kommenden Donnerstag, den 17. April werde ich einen Vortrag Mind Mapping -
Ein Universalwerkzeug zur Visualisierung, Strukturierung und Planung
in Koblenz halten.
Die Veranstaltung wird organisiert vom VDI in Kooperation mit der IHK Koblenz.
In meinem interaktiven Vortrag werde ich eine Einführung in die Technik des Mind Mapping geben, d.h. alle Zuhörer werden Gelegenheit haben, selbst ein Mind Map zu erstellen. Außerdem werde ich anhand vieler Beispiele Einsatzstrategien und Möglichkeiten der Technik aufzeigen.

Vortragsort: Fachhochschule Koblenz, Neubau, Konrad-Zuse-Straße 1; Raum 009
Beginn und Dauer: 16:30 für 90 Minuten

Der Vortrag ist kostenlos, im Moment sind über 100 Personen angemeldet, es gibt aber sicherlich noch Plätze.

Hier geht es zur Anfahrtsskizze.

Symposion Lernen lernen in Bad Wörishofen

Donnerstag, 10. April 2008


Von morgen bis Sonntag findet in Bad Wörishofen das 10. Symposion Lernen lernen statt. Zielgruppe sind Lehrerinnen und Lehrer, die sich über neue Lern- und Lehrmethoden informieren möchten und sich über ihre gegenseitigen Erfahrungen austauschen möchten.
Ich werde mit zwei Mind Mapping Workshops (am Samstag und Sonntag) mit von der Partie sein. Ich bin schon sehr gespannt auf die vielen interessanten Vorträge und werde, ähnlich wie 2006 bei meinem Besuch des Methodenkongress (Beitrag 1, Beitrag 2, Beitrag 3), hier auf dem Blog berichten.

Ich freue mich, den einen oder anderen von Ihnen persönlich auf dem Symposion kennen zu lernen! Symposion heißt ja in seiner ursprünglichen Wortbedeutung zusammen trinken, auch dazu wird es sicherlich Gelegenheit geben :-)

Warum Bambi gefährlicher ist als der Weiße Hai

Sonntag, 6. April 2008



Was glauben Sie, wodurch mehr Menschen sterben (wählen Sie jeweils eine der beiden Möglichkeiten aus):


  • Durch Mord oder Selbstmord?
  • Durch Überschwemmungen oder Tuberkulose?
  • Durch Tornados oder Asthma?
  • Durch Haie oder Rehe?


Die Antworten für die USA:
Durch Selbstmord, durch Tuberkulose, durch Asthma und Rehe. (In den USA ereignen sich weit häufiger Autounfälle mit Wildtieren als Angriffe von Haien auf Schwimmer oder Surfer).
Alle Beispiele habe ich aus dem Buch made to stick entnommen.

Haben Sie das eine oder andere Mal grob daneben gelangt? Finden Sie die Ergebnisse nicht besonders intuitiv? Dann könnte das daran liegen, dass unsere Intuition uns des öfteren einen Streich spielt. Wir halten oft das für richtiger, an das wir uns besser erinnern können. Die Psychologie spricht hier vom Verfügbarkeits-Bias. Wir halten dasjenige für wahrscheinlicher, das stärker in unserem Gedächtnis verankert ist, also verfügbarer ist. Meist sind die Dinge besser verankert, die besonders starke Emotionen hervorrufen und uns deshalb lebhafter in Erinnerung bleiben, wie z.B. Bilder von Haien, grausamen Morden, Bildern von Überschwemmungen oder Tornados.

Dieser Verfügbarkeits-Bias ist ganz natürlich, wir können ihn also nicht unterdrücken. Man kann jedoch versuchen, bewusst noch andere Erklärungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Dabei helfen können uns – wie könnte es auf diesem Blog auch anders sein – einfache und schnelle Vorgehensweisen, die unsere Aufmerksamkeit noch einmal bewusst auf andere Aspekte lenken: Denkwerkzeuge. Wer mehr dazu wissen möchte, dem empfehle ich das Schlagwort Denkwerkzeuge rechts in der Seitennavigation anzuklicken.