Analoge Kreativität

Donnerstag, 28. Februar 2008

Letzte Woche habe ich endlich das lang ersehnte Buch Presentation Zen (wie das gleichnamige Blog) von Garr Reynolds bekommen.
Reynolds zeigt in diesem wunderbaren Buch wie man mit Powerpoint & Co. wieder das erreicht, wozu es ursprünglich gedacht war: Den Redner in seiner Rede zu unterstützen (nicht zu ersetzen), einen inspirierenden und anregnenden (keinen quälend langweiligen) Vortrag zu halten.

Ein Abschnitt des Buches widmet sich der Vorbereitung eines Vortrags. Dabei machte Reynolds eine interessante Beobachtung: Richtig gute Redner und kreative Köpfe arbeiten besonders am Anfang erst einmal völlig ohne Computer, während sich unerfahrene und/ oder verfahrene Präsentatoren sofort an die Kiste setzen und anfangen, Folienvorlagen zu sortieren.

Das weg vom Computer ermöglicht uns erst einmal einen Fokus auf das eigentliche Problem, auf die Hauptfragen und die Kernbotschaft. Wir werden nicht von den ganzen technischen Möglichkeiten abgelenkt.
Das Herumspielen und Herumzeichnen ist dabei keineswegs verlorene Zeit, die man sich hätte sparen können, wenn man sich gleich an den Computer gesetzt hätte. Im Gegenteil, Kreativität benötigt Zeit (siehe hierzu diesen Post)! Das Überarbeiten ist Teil des wichtigen Prozesses des Verarbeitens von Gedanken­strukturen und Assoziationen. Für viele Menschen – Sie vielleicht eingeschlossen? - ist es darüber hinaus einfach ein anderes Gefühl, ein anderes Erleben, mit Papier und Stift zu arbeiten, als lediglich auf Tastatur und Maus beschränkt zu sein. Dieses Gefühl ist besonders für Kreativität sehr wichtig! In diesem Zusammenhang bin ich einem anderen Beitrag auch darauf eingegangen, warum ich Mind Mapping mit Papier und Stift trotz der vielen hilfreichen und sinnvollen Möglichkeiten von Software nach wie vor für wichtig und in vielen Fällen für angebracht halte.

Buchbesprechung: 4-Hour Workweek

Samstag, 23. Februar 2008

In meinem letzten Post habe ich das Buch schon angesprochen, in Zusammenhang mit Effektivität. Nicht nur in Punkte Effektivität passt dieses Buch thematisch gut zu diesem Blog, sondern auch hinsichtlich Kreativität. Jemand der kreativ ist, sieht die Dinge oft anders als der Großteil seiner Mitmenschen, was man von Tim Ferriss wahrlich behaupten kann.

Ziel: New Rich als Lebensstil
Mit dem Buch möchte Tim Ferriss den Lesern den Weg hin in die Gruppe der New Rich zeigen, auf Deutsch vielleicht am besten mit den neuen Reichen übersetzt, im Gegensatz zu Neureichen. Neue Reiche zeichnen sich durch einen Lebensstil aus, den man sonst den Millionären zutraut. Sie sind Herr ihrer Zeit, d.h. sie bestimmen wann sie was wo tun, im Gegensatz zu den Bürosklaven, die täglich von 9 bis 17 Uhr, je nach Branche und Kontinent wesentlich länger in Büros verbringen und dem Leben vom Bürofenster aus zusehen. Mittel auf dem Weg dort hin ist es, die Korrelation von Einkommen und Arbeitszeit aufzuheben: in möglichst wenig Zeit und mit wenig Aufwand ausreichend (nicht so viel wie möglich!) Geld für den Lebensstil der New Rich zu gewinnen.

Prämissen
Ferriss selbst trifft einige Annahmen:


  • In Hinblick auf Arbeit glaubt er nicht an die Berufung, eine Tätigkeit, die einen voll und ganz erfüllt und die man nicht als Arbeit im Sinne von Mühe und Anstrengung empfindet.
  • Außerdem gibt es kein Glück (siehe hierzu meinen Post zu Matthieu Ricard) im Sinne eines dauerhaften Zustandes, sondern es geht eher darum, das Leben mit aufregenden und erinnerungswürdigen Momenten und Aktivitäten zu füllen.
  • In Ruhestand zu gehen, ist der größte anzunehmende Unfall und sollte nur im absoluten Notfall einer Arbeitsunfähigkeit in Betracht gezogen werden. Statt dessen plädiert er dafür, die freie Zeit vom Renteneintritt bis zum Tod über das Leben zu verteilen und häufig Mini-Ruhestände einzuführen.
  • Umsetzbar ist dieses Konzept nur für Menschen, die eine Tätigkeit haben, die nicht nach Zeit gemessen werden muss. Eine Krankenschwester oder Portier im Hotel, die eine fest definierte Zeitspanne anwesend sein müssen, haben hier keine Chance.


Der Weg: DEAL und DELA (für Angestellte)
Vier aufeinanderfolgende Schritte sind notwendig, um das Ziel zu erreichen (ich verwende die englischen Begriffe aus dem Buch):

  • Definition
  • Elimination
  • Automation
  • Liberation


Definition: Das Traumziel festhalten und den Weg dorthin planen
Der erste Schritt besteht darin ein Ziel zu definieren, welche man bald erreichen möchte (innerhalb von 6 – 12 Monaten). Im Buch wird darauf ausführlich in der Übung des Dreamlining eingegangen. Das Ziel kann mehrere Ziele in Punkte Haben, Sein und Tun behinhalten. z.B. In 12 Monaten möchte ich fließend Japanisch sprechen und zwei Monate in Kyoto verbracht haben.

Elimination: Einfachheit statt beschäftigt sein
Um eine Chance zu haben, die Dinge zu tun, die man wirklich möchte, muss man einerseits die eigene Produktivität stark erhöhen und andererseits all die Dinge, die man glaubt machen zu müssen, radikal einschränken oder streichen. In diesem Abschnitt gibt Ferriss ganz konkrete Tipps, wie man es schafft, Unterbrechungen soweit wie Möglich zu reduzieren und Aufgaben zu Gruppieren, um diese dann stapelweise abzuarbeiten. In Hinblick auf E-Mail Management hat Ferriss das Vorgehen im Lifehacker-Blog beschrieben.

Automation: Das Leben Outsourcen und eine Geldmaschine erschaffen
Dieser Teil ist meiner Meinung nach der visionärste von allen. Alle Tätigkeiten, die man nicht abschaffen kann, sollte man soweit wie möglich automatisieren, z.B. Junkmailfilter bei E-Mails. Ist dies nicht möglich, dann sollte man diese outsourcen. Der englischsprachige Mensch kann viele Tätigkeiten nach Indien auslagern und sich dort einen Virtual Assistent mieten, der dann grundlegende Geschäftskorrespondenz für einen erledigt, oder sich z.B. um das Pflegen der eigenen Website kümmert.
Das wichtigste – hier liegt der Knackpunkt – ist eine Geldmaschine, die man sich schaffen muss. Diese ist idealerweise ein Produkt (keine Dienstleistung, den diese ist nicht skalierbar), das über einen hochautomatisierten Webshop verkauft wird. Ferriss' eigene Cashcow heißt BrainQuicken. Alle anderen Tätigkeiten, wie Versand, Rechnungstellung, Kundenkorrespondenz lagert man aus, bzw. holt sich Leute, die das für einen machen. Dies nennt Ferriss dann MBA – management by absence.

Liberation: endlich frei!
Ist man endlich soweit und hat es nach einer Anlaufphase geschafft, seine Geldmaschine so zu gestalten, das diese fast ohne einen auskommt (vier Stunden pro Woche sollten reichen, daher der Buchtitel), dann ist man frei zu reisen und den wiederkehrenden Mini-Ruhestand zu genießen.
Für alle die noch im Reich des Bullshit (aus dem Buch Wir nennen es Arbeit) gefangen sind – also angestellt sind – kommt der Schritt der Freiheit vor der Automatisierung. Der Angestellte muss es zuerst schaffen, die Erlaubnis zu bekommen, einen Großteil seiner Arbeitszeit von zu Hause aus arbeiten zu dürfen. Nur wenn es keine willkürliche Anwesenheitszeiten gibt, hat man wirklich Anreize produktiv und hoch effektiv zu arbeiten:
"The world has agreed to shuffle papers between 9:00 AM and 5 PM, and since you are trapped in the office for that period of servitude, you are compelled to create activities to fill that time." S. 73

Fazit
Dieses Buch ist extrem provokativ geschrieben und verfehlt sein Ziel nicht, viele der Dinge in Frage zu stellen, die unsere Gesellschaft und unsere Kultur als gegeben hinnimmt. Vieles der oben beschriebenen Vorgehensweisen klingt auf den ersten Blick utopisch, ist es allerdings nicht. Ferriss gibt eine Menge praktischer Tipps und Vorschläge zur Umsetzung, die wirklich funktionieren. Für deutschsprachige Leser, gibt es Blog, dessen Autoren versuchen, Ferriss' Konzept in die Tat umzusetzen.

Zum Schluss wie immer mein Mind Map zum Buch (erstellt mit iMindMap):
zum vergrößern klicken

Effektivität und Effizienz – wie Denkwerkzeuge dabei helfen können

Sonntag, 17. Februar 2008

Im Moment lese ich gerade das Buch The 4-Hour Workweek von Timothy Ferriss. Äußerst provokativ geschrieben, aber Provokationen sind ja bekanntlich eine Methode, um bestehende Denkbahnen zu verlassen und neue Möglichkeiten zu entdecken und über das Gewohnte nachzudenken.

Es gibt einen schönen Abschnitt zum Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz:

Effectiveness is doing the things that get you closer to your goals. Efficiency is performing a given task (whether important or not) in the most economical manner possible. Being efficient without regard to effectiveness is the default mode of the universe.
S. 67
What you do is infinitely more important than how you do it. Efficiency is still important, but it is useless unless applied to the right things.
S. 68

Oft ist wird die Frage nach dem Ziel, die Frage, wo die Reise überhaupt hingehen soll, ausgelassen. Einmal, weil wir uns dann, wie Ferriss schreibt, so manch unbequemer Einsicht stellen müssten, andererseits weil wir oft glauben, dass es sowieso klar ist, was das Ziel ist. Oft ist es das nicht! AGO ist ein Denkwerkzeug, das hier unterstützen kann. AGO steht für Aims – Goals – Objectives und soll für die Dauer des Werkzeugs die Aufmerksamkeit bewusst auf das Ziel lenken und mögliche Alternativen durchspielen. Solange bis das Ziel geklärt ist. In dieser Form kommt es auch in der TO-LO-PO-SO-GO-Methode zum Einsatz.
Ist ja total simpel! Gut so! Es geht nur darum, unsere Aufmerksamkeit bewusst auf diese Frage zu lenken. Die Krux mit der Aufmerksamkeit ist, dass wir diese meist nicht bewusst steuern, sondern diese durch Emotionen und Interesse geleitet wird. Hier hilft AGO.
Idealerweise schaffen wir es, dass AGO zu einer Gewohnheit wird und am Anfang jedes Denkprozesses, jeder Besprechung etc. steht.

TO-LO-PO-SO-GO: Anwendungsbeispiel und MindManager-Vorlage

Mittwoch, 13. Februar 2008

Bisherige Artikel der Serie:



In den ersten fünf Artikeln habe ich erklärt, wie das Prozesswerkzeug TO-LO-PO-SO-GO funktioniert. Nun braucht es ein Anwendungsbeispiel, für diejenigen, die die Methode zum ersten Mal verwenden. Den Denkprozess habe ich mit MindManager visualisiert. Für Interessierte habe ich die in den Bildern dieses Posts abgebildete Grundstruktur als MindManager-Vorlage zum Einsatz erstellt. Diese gibt es hier zum herunterladen.

In der Vorlage gibt es zu jeder Stufe eine Kurzanleitung in den Textnotizen des Maps sowie einen Link auf die Blogartikel, für alle die es noch einmal ausführlich nachlesen möchten. Wer keinen MindManager hat, bekommt die Lite-Version der Software bis Ende März umsonst über mich!

Das Beispiel
Um es für mich einfacher zu machen, nehme ich ein Thema, das für mich selbst relevant: Ich möchte dieses Blog irgendwie bekannter machen.

Ich habe meine Gedanken in das Map geschrieben. Die Ergebnisse zur Verdeutlichung noch einmal in Stichpunktform zum querlesen:

TO: Zielfindung
Die Bekanntheit erhöhen, d.h. mehr Besucher und Verlinkungen.
Der Aufwand muss überschaubar, kostengünstig und skalierbar sein, außerdem sollten die Ergebnisse stufenweise ausführbar sein.


LO: Infosammlung
Emotionen:
  • Ich habe Lust!
  • Es macht Spaß das Blog zu entwickeln.
  • Ich bin neugierig was passiert.
Fakten:
  • 3000 Besucher/ Monat: Besucherzahlen ansteigend, Kommentare nicht, Nischen-Blog
  • Verlinkungen steigen an
  • Haupt-Referrer: Google (.de, images.google.de), creaffective-Website und andere Blogs
  • Besucher fast alle aus Deutschland
  • Suchbegriffe, über die Leute zu mir kommen:
    • häufig: iMindMap, Kreativität, MindManager
    • selten: Mind Mapping (zuweit unten im Google-Ranking), Denktechniken (kennt wohl keiner)

  • Posts: 2 / Woche
  • Mindjetaktion läuft sehr gut
Fragen:
  • Verweildauer?
  • Themen: welche sind interessant, attraktiv bzw. wie lassen sich diese so verpacken
  • Auffindbarkeit des Blogs: Wie erhöhen und verbessern?



PO: Ideensammlung

  • Verlinkungen erhöhen durch
    • Kommentare auf anderen Blogs, in Online-Zeitschriften
    • Querverweise
    • Gastbeiträge in
      • Blogs
      • Newsletter
      • Zeitschriften

  • Engagement in

    • wikipedia
    • Foren
    • Xing

  • Verweiseise
    • Seminarunterlagen
    • creaffective-Website

  • Auffindbarkeit verbessern:

    • Schlüsselwörter: griffiger, allgemeiner
    • Bilder: Flickr
    • Videos: Youtube
    • SEO: statische Seiten

  • Sprachen: Englisch, Chinesisch
  • E-Mail
    • Signatur: Blogartikel, Bilder, Spruch, Hinweis
    • Header

  • Aktionen
    • Gratissoftware
    • Downloads
    • Wettbewerbe
    • T-Shirts
    • Umfragen
    • Einschicken: Maps, Zeichnungen


  • Blog-Inhalte
    • Interviews
    • konkreter
    • ändern: Form, Format, Länge


  • Kooperationen

    • Softwarehersteller
    • Verlage: Rezensionen


  • Blog-Verzeichnisse: z.B. Technorati



SO: Ideen verdichten
Hier stehen nun die Ideen, die ich in die nächsten Runde genommen haben. Diese werden nun verändert und weiterentwickelt:

  • Verlinkungen erhöhen durch
    • Kommentare: Blogs, Zeitschriften
    • Querverweise
    • gegenseitige Gastbeiträge in

      • Blogs
      • Newsletter
      • Zeitschriften

  • Xing:
    • Mind Mapping Gruppe
    • Profil verändern

  • Seminarunterlagen
  • creaffective-Website:
    • Verweise bei den Zusatzinfos
    • Im creaffective Ressourcencenter

  • Auffindbarkeit
    • Videos: Youtube
    • SEO:statische Seiten
    • Bilder mit gut auffindbaren Namen

  • Aktionen
    • Gratissoftware
    • Downloads

  • Inhalte
    • Interviews
    • konkrete Beispiele
    • Lange Artikel in kleine gut findbare Häppchen unterteilen

  • Kooperationen
    • Softwarehersteller
    • Verlage
    • Rezensionen


GO: nächste Schritte festlegen
Wie auf dem Map ersichtlich, habe ich die einzelnen Punkte nun priorisiert:

1.Inhalte
2.Verlinkungen
3.Aktionen
4.Auffindbarkeit
5.Kooperationen

Am Ende der Anwendung des Werkzeugs wird nun die Verbindung zur TO-Phase hergestellt. Ich habe konkret umsetzbare Ziele, um die Bekanntheit zu erhöhen, dich ich nun stufenweise umsetzen kann.

Fremdsprachen lernen mit Mind Maps

Freitag, 8. Februar 2008

Hallo Herr Rustler

Sie haben schon über Mind Mapping und Lernen geschrieben. Mich würde interessieren, wie man Mind Maps für Fremdsprachen einsetzt. Ich frische im Moment mein Englisch auf frage mich, ob mir Mind Maps dabei helfen?

Danke schon mal für Ihre Antwort!

Raphael


Man kann Mind Mapping auch zum Lernen von Fremdsprachen einsetzen. Ich habe die Technik in der Vergangenheit bei Französisch und Spanisch angewandt.

Ich sehe folgende Bereiche, wo sich der Einsatz besonders anbietet:

  • Wortfelder
  • Vorbereitung von Vorträgen


Wortfelder
Ein Mind Map kann eine Vokabelliste nicht ersetzen, allerdings eignet es sich hervorragend zur Erstellung von Wortfeldern, um sich Vokabular zu einem neuen Thema zu erarbeiten. Man kann dabei so vorgehen, dass man sich zuerst ein Wortfeld in seiner Muttersprache erstellt und dann die Entsprechungen in der Fremdsprache dazu sucht. Eine Alternative ist es, die Sprachen zu mischen und unbekannte Wörter danach schrittweise in die Fremdsprache zu übersetzen.

Vorbereitung von Vorträgen
Auf meiner Website habe ich ein Beispiel für ein Mind Mapping Vortragsmanuskript. Ein solches kann man auch in einer Fremdsprache erstellen. Dadurch dass ausschließlich Schlüsselwörter verwendet werden, ist man gezwungen, frei zu sprechen und selbstständig ganze Sätze zu bilden. In der Muttersprache ist das kein Problem in der Fremdsprache ist das ein sehr gute Übung freies Sprechen zu trainieren. Ich empfehle, immer einen Testlauf zu machen, dadurch fällt es dann vor den Mitschülern wesentlich leichter.

Auch Grammatik kann man mit Hilfe von Mind Maps lernen. Unten stehend ist ein Beispiel, wie ich Mind Mapping vor einigen Jahren zum Französischlernen eingesetzt habe. Ich habe eine Mitschrift zum subjunctive erstellt, die mir als Überblick diente. Das ersetzt ein Grammatikbuch natürlich nicht, aber es hilft sehr gut, sich schnell einen Überblick zu verschaffen und bereits Gelerntes zu wiederholen.

Software-Update für das Gehirn: PMI – jetzt aufspielen :-)

Donnerstag, 7. Februar 2008

Für die neue Ausgabe des DIALOGUS-Magazins habe ich einen Artikel zu PMI beigesteuert. PMI steht für Plus – Minus – Interesting und ist ein simples aber hoch effektives Werkzeug für das Denken. Um die Ergebnisse des Denkens zu visualisieren, habe ich vor einiger Zeit eine MindManager-Vorlage entwickelt, die den Denker unterstützt. Mit dabei bei der Vorlage ist ein Beispielvideo, das die Anwendung von PMI mit MindManager veranschaulicht.

Kreativität in Unternehmen

Samstag, 2. Februar 2008

Zumindest in den Medien und in Sonntags- und Motivationsreden ist Kreativität ein Top-Thema, das für den zukünftigen Erfolg von Unternehmen in der globalisierten Welt eine wichtige Rolle spielt. Zurecht! Für Unternehmen, egal welcher Branche ist es wichtig, Kreativität zu fördern und deren Ergebnisse zu nutzen. Doch wie? Welches sind die Rahmenbedingungen, unter denen Kreativität am besten gedeiht? In diesem Zusammenhang wird oft auf eine bis heute wichtige Feldstudie von Teresa Amabile verwiesen, die 2002 in Harvard Business Review erschienen ist.

Amabile untersuchte in einer qualitativen Langzeitstudie das Verhalten von 177 Wissensarbeitern aus 22 Projektteams in sieben amerikanischen Unternehmen. Der Studie beschäftigte sich mit der Frage, wie Kreativität, Stress und Zeitdruck zusammenhängen.

Hoher Zeitdruck meistens tödlich für Kreativität
Sowohl in Situationen unter großen Zeitdruck als auch in Situationen mit wenig oder gar keinem Druck können in Puncto Kreativität sowohl negative als auch positive Ergebnisse entstehen.

In Situationen mit sehr hohem Druck ist es meist so, dass kaum kreative Leistungen vollbracht werden. Im Gegenteil, die von Amabile untersuchten Personen fühlten sich wie der Hamster im Laufrad. Gekennzeichnet waren diese Hamsterrad-Zustände durch fehlenden Fokus und ein gehetzt sein mit vielen Aufgaben- und Situationswechseln. Besonders fatal: Die Unfähigkeit zu kreativen Leistungen der so Gestressten hielt über mehrere Tag an, auch wenn der Stresszustand bereits vorbei war.

Ein Gegenbeispiel bei dem unter extremem Zeitdruck Kreativität gezeigt wurde, ist die von Amabile zitierte NASA-Mission, in der von Ingenieuren innerhalb weniger Stunden ein Luftfilter konstruiert werden musste, um die Besatzungsmitglieder vor dem Tod zu bewahren. Dass es trotz des Drucks geklappt hat, ist sicherlich eine Ausnahme! Jedoch konnten einige Faktoren isoliert werden, die sich auch in anderen Situationen Gültigkeit haben. Die beteiligten Ingenieure hatten das Gefühl, auf einer Mission zu sein. Es gab ein Ziel das erreicht werden musste und die Dringlichkeit wurde als wichtig und sinnvoll empfunden, nicht als willkürlich. Alle Beteiligten konnten sich ausschließlich auf das zu lösende Problem konzentrieren, alle anderen Unterbrechungen wurden unterbunden. Es zeigte sich auch, dass besonders Kleingruppen von zwei oder drei Personen die besten Ergebnisse bringen.

Wenig Druck alleine reicht nicht!
Wenig Druck ist kein Garant für kreative Leistungen. Typisches Beispiel sind endlose Besprechungen. Hier herrscht zwar kein Druck, aber die Beteiligten spulen den Tag wie "Autopilot" einfach ab. Das Engagement ist gering, die Anzahl der Interaktionspartner hoch und das Gefühl nichts bewegen zu können, stark ausgeprägt.
Ganz anders sieht es aus, wenn Menschen zeitliche Freiräume bekommen, um spielerisch zu erkunden und zu entdecken. Immer wieder genannt werden hier Unternehmen wie 3M oder Google, die ihren Mitarbeitern einen gewissen Prozentsatz Ihrer Arbeitszeit zum Spielen überlassen, um an Dingen zu arbeiten die für einen persönlich interessant sind, egal ob diese der Firma nutzen oder nicht.
Der Mensch benötigt Zeit, um Dinge zu durchdenken und zu verarbeiten oder einfach rumzuprobieren. Neue Lösungen finden sich meist, durch vorher unvorhergesehene Kombination, einen Umstand, den sich Kreativitätstechniken zu Nutze machen.
Auch hier zeigte sich wieder, dass besonders die Menschen die besten kreativen Ergebnisse produzierten, die zu zweit oder maximal zu dritt arbeiteten:
"Having a single focal point to bounce new ideas off of might help people stay oriented toward the work on these more relaxed days, in contrast to having many 'playmates' at once."

Handlungsempfehlungen für Führungskräfte
Der Status quo in den untersuchten Unternehmen war der, dass die Menschen sich über zunehmenden Druck beklagen oder Ihre Situation so wahrnehmen. Druck entsteht dabei besonders durch enge Deadlines und die Anforderung, viele Dinge auf einmal machen zu müssen und dabei ständig aus der Konzentration gerissen zu werden. Ein Zustand der sich heute wohl wenig verbessert hat und auch auf Deutschland zutrifft!

Manche, die Kreativität hemmende Faktoren, lassen sich möglicherweise nicht einfach abstellen, dennoch gibt es nach Amabile einige Möglichkeiten, wie Führungskräfte eine Kultur der Kreativität fördern können:
"The best situation for creativity is not to be under the gun. But if you can't manage that, at least learn to dodge the bullets."


  1. Extremen Druck vermeiden!

  2. Schutzräume schaffen
    Dies können zeitliche Freiräume sein, in denen Mitarbeiter zum Spielen (ein Wort das für viele erst einmal gar nicht zum Geschäft passt) und Erkunden ermuntert werden und die sie wirklich nutzen können.
    Schutzräume sind allerdings auch Zeiten, in denen Menschen konzentriert und ohne Unterbrechungen an einer Sache arbeiten können. Das kann praktisch bedeuten, Ruheräume bereit zu stellen oder einfach zu akzeptieren, dass Menschen für eine gewisse Zeit ihr Telefon umleiten und die E-Mails nicht lesen.

  3. Ziele sollten machbar und realistisch sein und vor allem eindeutig und frühzeitig kommuniziert werden.

  4. Bei Deadlines dafür sorgen, dass diese als sinnvoll und wichtig wahrgenommen werden.

  5. Menschen, die kreative Leistungen erbringen müssen, sollten sich für diese Aufgabe einen oder wenige Sparringspartner suchen und große Gruppen vermeiden.

Amabiles Studie zeigt sehr schön, dass Kreativität nichts Angeborenes oder Gottgegebenes ist, das der eine hat und der andere nicht. Ob Kreativität entsteht, hängt auch davon ab, ob die Umstände und die Unternehmenskultur Kreativität zulassen. Hier können Führungskräfte, aber auch jeder einzelne ansetzen.

Und zum Schluss meine Visualisierung zum Artikel (klicken um zu vergrößern):
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