Schnelllesen: Die Mind Mapping Lesetechnik

Samstag, 27. Oktober 2007

In den ersten beiden Posts habe ich das Konzept des Schnelllesens und die dahinter stehenden Techniken allgemein vorgestellt. Im dritten Teil soll es nun darum gehen, den Schnellleseansatz in Kombination mit Mind Mapping vorzustellen.

Das wichtigste in Kürze:


  • Die Technik eignet sich für Sachbücher
  • Der Leseprozess besteht aus mehreren Durchgängen, im Verlauf derer das Buch mehrmals bearbeitet wird. Trotzdem spart man sich viel Zeit!
  • Insgesamt werden drei Mind Maps (Hintergrundwissen-Map, Ziele-Map und Lese-Map) angefertigt.


Das Prinzip
Die Mind Mapping Lesetechnik hilft beim Be­arbeiten und Exzerpieren (Mitschriften anfertigen) umfangreicherer Sachtexte: Egal ob in der Arbeit oder im Studi­um, oft müssen wir Fach- und Sachbücher mit für uns wichtigen Informationen lesen und ver­arbeiten. Es geht hier also ganz explizit nicht um Literatur, die ich zum Genuss lese, sondern um eine Vorgehensweise, möglichst effizient relevante Informationen aus Sachtexten zu erhalten.
Die Mind Mapping Lesetechnik ist ein modula­rer Ansatz, der Konzepte aus dem Schnelllesen und dem Mind Mapping vereint und einen öko­nomischeren Umgang mit und eine intel­ligentere Herangehensweise an Sachtexte ermöglicht.
Die Technik ist vom Vorgehen her wie die russischen Matroschka-Schachtelpuppen aufge­baut. Vom Äußeren des Textes dringt man in immer kleineren Schritten nach innen vor. Je nach Text und Leseziel kann man die kom­plette Modulpalette einsetzen oder lediglich die ersten Schritte anwenden.

Das Vorgehen
Das Vorgehen untergliedert sich in folgende, auf einander aufbauende, Schritte:

Vorbereitung

  1. Überfliegen: Das zu lesende Buch wird erst einmal überflogen. Ziel ist es, einen Grundeindruck und einen grundlegenden Überblick über die Struktur des Buches zu erhalten. Bei diesem ersten Überfliegen, wird nicht gelesen, sondern jede(!) Seite des Buches lediglich ca. ein- bis zwei Se­kunden angesehen. Nach diesem Über­fliegen habt man einen Eindruck von der Schwierigkeit und der Struktur des Buches und weiß möglicherweise schon genauer, welche Abschnitte man davon wirklich lesen muss. Bei einem Sachbuch wird man in den seltensten Fällen wirklich alles lesen müssen.

  2. Bearbeitungszeitraum festlegen: Es ist sinnvoll sich einen realistischen Bearbeitungszeitraum zu überlegen in dem man das Buch lesen möchte. Dieser persönliche Stichtag wird immer wieder antreiben! Wer meint, alle Zeit der Welt für ein Buch zu haben, der wird wahrscheinlich auch alle Zeit der Welt brauchen! Wichtig ist, dass der festgelegte Zeitraum realistisch ist, sonst entsteht eher Frustration anstatt Mo­tivation.

  3. Hintergrundwissen abrufen: Besonders beim Lesen von Sachbüchern zu einem be­stimmten Thema, ist es in den wenigsten Fällen so, dass man als Leser zu diesem Thema noch überhaupt nichts weiß. Meis­tens hat man irgendeine Art von Vorwissen.
    Bevor man anfängt zu lesen, ist es hilfreich ein wenig Zeit aufzuwenden, um be­reits vorhandenes Wissen noch einmal präsent zu machen. Dies geschieht in Form eines Brainstormings mit Hilfe von Mind Mapping. Es wird ein erstes Mind Map (Hintergrundwissen-Map) angefertigt.

  4. Fragen&Ziele festlegen: Bevor man anfängt zu lesen, sollte man sich konkrete Fragen und Ziele festlegen: "Was möchte ich wissen?" "Wann weiß ich, dass ich alles not­wendige gelesen habe und das Buch weg­legen kann?"
    Das Gehirn braucht einen Fokus, mit dem es den Text bearbeitet. Es ist unmöglich, alles zu lesen und auch zu verstehen! Je genauer man weiß, was man eigentlich sucht, desto kon­zentrierter wird man an das Buch her­angehen. Es ist wie bei einem Interview: Ich habe konkrete Fragen und erwarte konkrete Antworten darauf.
    Die Fragen und Ziele kann man mithilfe eines zweiten Mind Maps (Ziele-Map) visualisieren oder sich in einer anderen Form aufschreiben. Die Fragen und Ziele sollten beim Lesen in Sichtweite sein!


Lesen
Bis jetzt hat man noch nichts gelesen, der Lesevorgang beginnt jetzt.

  1. Überblickslesen: Nun wird zum ersten Mal richtig gelesen. Dabei arbeitet man sich in mehreren Durchgängen vom Äußeren immer tiefer in die Details vor. Muss man z.B. ein Kapitel eines Buches lesen, so wird zu­erst Einleitung und Zusammenfassung gelesen. Die daraus entnommenen Informationen trägt man in ein drittes Mind Map (Lese-Map) ein. Dieses Mind Map wird nun mit fortschreitendem Leseprozess kontinuierlich erweitert.

    Oft ist es so, dass Einleitung und Zu­sammenfassung bereits einen Großteil der im Kapi­tel stehenden Informationen enthal­ten. Möglicherweise sind die dort stehenden Informationen schon ausreichend, um die gestellten Fragen zu beantworten und die Leseziele zu erreichen. Für diesen Fall kann man das Buch zur Seite legen! Es besteht kein Grund noch weitere Zeit aufzuwenden. Ist das Ziel noch nicht er­reicht, erleichtert man sich durch das Überblickslesen auf alle Fälle die weitere Lese­arbeit, da man nun bereits eine Grobstruk­tur des zu Lesenden Kapitels kennt.

    Jetzt werden Zwischenüberschriften, Tabellen, Bilder und so weiter betrachtet und etwaige In­formationen in das Mind Map eingetragen.

  2. Vorschau: Je nach Struktur des Buches liest man in diesem Schritt die jeweils ersten und letzten Paragraphen eines je­den Kapitelabschnitts und trägt die dar­aus ge­wonnen Informationen in das Lese-Map ein.
    Hier gibt es kein absolut richtiges Vorge­hen. Das hängt immer auch etwas mit der Art und der Struktur des Buches zu­sammen.
    Manchmal ist es sinnvoll, die ersten und letzten Paragraphen zu lesen, manchmal kann es auch sinnvoll sein, die ersten und letzten Sätze eines jeden Paragraphen zu lesen.

  3. Vertiefung: Sollten die Leseziele noch nicht erreicht sein. Liest man alle Absätze im Detail. Das Lese Map wird um um alle neuen Informationen erweitert! Besonders schwierige Stellen, die auch nach mehrmaligem Lesen nicht verständlich sind, kann man vorerst einmal zurück stellen. Zum Schluss werden diese Stellen noch einmal vertieft bearbei­tet. Möglicher­weise klärt sich deren Be­deutung im wei­teren Verlauf des Buches.

  4. Schwierige Stellen: In diesem Schritt be­arbeitet man die vorher markierten schwie­rigen Stellen noch einmal. Das bis hierher angefertigte Lese-Map hilft vielleicht dabei, den Sinn der Stellen im Hinblick auf das große Ganze zu klären.


Hier ist der Vorgang des Lesens und das Erweitern des Lese-Maps noch einmal verdeutlicht.


Fazit:
Die hier vorgestellte Lesetechnik ist von der Vorgehensweise dem Aufbau eines Mind Maps ähnlich. Zuerst befindet man sich auf der Stufe der Hauptäste, dann arbeitet man sich immer weiter ins Detail vor. Deshalb ist diese Technik in insgesamt acht aufeinander aufbau­ende Abschnitte eingeteilt. In den Schritten 5 – 8 wird das Lese-Map kontinuierlich erweitert und ergänzt
Der ständige Blick auf das große Ganze (Mind Map) und das vorherige Wissen um den Rahmen des Textes erleichtert das Lesen.
Abgesehen davon, dass man mit dieser Technik sein Textverständnis erhöht, kann man sich durch diese ökonomische Herangehensweise darüber hinaus noch sehr viel Zeit sparen. Gut möglich, dass man sein Leseziel bereits nach Schritt 6 erreicht hat. Man kann das Buch dann getrost zu Seite legen und sich mühe­volles, aber ergebnisloses Weiterlesen ersparen.

Mind Map-Konferenz in Singapur

Freitag, 19. Oktober 2007

Vom 14 bis 15 November wird in Singapur die Global Mind Map Conference 2007 statt finden. Zwei Tage wird zu den Bereichen „Personal“, „Education“ und „Business“ in Vorträgen und Workshops alles rund um Mind Maps und gehirngerechtes Lernen und Arbeiten besprochen.
Die meisten Redner kommen aus Asien, allerdings wird auch Tony Buzan mit dabei sein, der Erfinder des Mind Mapping, den ich kürzlich interviewt habe.
Schade, dass es in Singapur ist, da werde ich wohl nicht dabei sein können :-(

Interview with Tony Buzan

Dienstag, 16. Oktober 2007

Ich freue mich sehr, Tony Buzan, den Erfinder des Mind Mapping für ein Interview gewonnen zu haben. Nachdem Tony Buzan Mind Mapping weltweit als Denktechnik bekannt gemacht hat, hat er kürzlich die Software iMindMap gestartet, über die ich bereits mehrmals berichtet habe.





Florian Rustler: Mr. Buzan, can you summarize very briefly what Mind Mapping is and what are its advantages?

Tony Buzan: Dear Florian, thank you for your very considered questions. A Mind Map is a powerful graphic technique which provides a universal key to unlock the potential of the brain. It harnesses the full range of cortical skills – word, image, number, logic, rhythm, colour and spatial awareness – in a single, uniquely powerful manner. In so doing, it gives you the freedom to roam the infinite expanses of your brain. The Mind Map can be applied to every aspect of life where improved learning and clearer thinking will enhance human performance. I have spent my lifetime researching the brain, learning, memory and creativity and the Mind Map is the culmination of my work.


Florian Rustler:
In recent years there are a lot of computer generated Maps and other visualizations that don’t stick to the Mind Mapping rules sometimes don’t even look like Mind Maps but are announced as "Mind Maps". People also increasingly associate Mind Mapping with Software only and not with the technique as invented by you. How do you feel about this?

Tony Buzan: This is a very good question. Over the last two decades I have worked closely with many software companies in the aim to help them produce a computer program that can fully duplicate the infinite visual variety and brain friendliness of hand drawn Mind Maps. Unfortunately, none managed to achieve this, and I therefore considered them ‘proto-mind maps.’ This was why I set out to find a team that could replicate a true Mind Map process on a computer. The result was iMindMap.


Florian Rustler: Where do you see the major difference between hand drawn Mind Maps and computer generated Mind Maps (that stick to the Mind Mapping rules, as for example Mind Map created with iMindMap)?

Tony Buzan: A Mind Map is a Mind Map, whether drawn on paper or on a computer. Paper based Mind Mapping is always available – we don’t need anything but coloured pens. Whilst, computers do allow us to link to more information, to modify and to share more easily, it is actually the Mind Mapping process that is of most importance.


Florian Rustler: End of last year you launched your new Mind Mapping Software: iMindMap. What was you motivation for doing so?

Tony Buzan: iMindMap was launched as an Early Adopter / Beta product in January 2007 and was released officially in August 07. The motivation was the need to find a way to ‘bridge the gap’ between the human and computer brain. Mind Mapping is about freedom. I wanted software that enabled you to create truly organic personal Mind Maps which are stimulating to the brain.

Florian Rustler: Why should people use iMindMap instead of existing software like for example Mindjet’s MindManager?

Tony Buzan: Whilst I would not comment on other software tools, I am happy to explain why iMindMap is so powerful and unique. It is the only computer software that duplicates the non-linear thinking process of natural human thought. iMindMap is a thinking tool that can help with any thinking task. It uses the correct ‘thinking formula’ in both use and appearance. It is a tool where the software does not ‘get in the way’ of the process – leading to good ‘radiant thinking’. iMindMap is software that is the‘whole brain’ alternative to linear thinking when using a computer.


Florian Rustler: Many businesses are so used to the rigid Map of MindManager. iMindMap is different and the Mind Maps created with it look different. Do you see any difficulties introducing iMindMap in a business environment?

Tony Buzan: A simple answer – no. We already have thousands of business users across the globe using iMindMap and in such a very short space of time. These include some of the world’s most powerful business leaders. iMindMap is a thinking tool for any thinking task. We are what we think and if we think better we achieve more. Good business leaders understand this and realise that good thinking, creativity, and problem solving skills are vitally important for them and their teams. In today’s fast paced environment it is the innovators that get ahead and therefore tools that can help them think creativity, such as iMindMap, are of the utmost importance.


Florian Rustler: What are future plans do you have for iMindMap? What new features can we expect?

Tony Buzan: Why spoil a surprise. iMindMap is still a young and developing child. We are working on a multitude of new and exciting features and product enhancements. We have an aggressive upgrade schedule that will see new features integrated on an ongoing and regular basis. Watch this space…


Florian Rustler: How do you see the future of Mind Mapping? What will happen in the area of computer generated Mind Maps, in the area of online Mind Mapping tools? Will people in a few years still use a simple piece of paper and a pen to mindmap?

Tony Buzan: More and more individuals, organisations, governments and businesses are adopting Mind Mapping as an effective note taking and thinking solution. We are now working on projects that impact across entire countries. It is estimated that every second, someone, somewhere, is creating a Mind Map. Advances in software will allow us to harness the power of the Mind Map with the power of the computer. Will people continue to use a simple piece of paper and pen to Mind Map – absolutely. Whether we Mind Map on a computer, or paper, the result will be the same – better thinking.

Schnelllesen – die Techniken

Sonntag, 7. Oktober 2007

In Teil1 habe ich eine generelle Einführung in das Schnelllesen und Sinn und Unsinn der Methode gegeben. In diesem Teil soll es nun darum gehen, die dahinter stehende Technik genauer vorzustellen.
Das Schnelllesen, wie ich es vorstelle, basiert zum großen Teil auf dem Konzept des Spead Reading von Tony Buzan, dem Erfinder des Mind Mapping. Spead Reading bedient sich dabei unterschiedlicher Aspekte, die man ähnlich wie bei einem Baukasten ja nach Bedarf mit einander kombinieren kann:


  • Augentechniken
  • Subvokalisation
  • Herangehensweise an Texte
  • Mind Mapping


Augentechniken

Viele Menschen fixieren beim Lesen jedes einzelne Wort und hangeln sich so Wort für Wort an einem Text entlang (Bild 1). Manche lesen einige Worte mehrmals und springen so hin und her (Bild 2). Dies erhöht die zum Lesen benötigte Zeit zusätzlich.
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Das Sichtfeld unserer Augen erlaubt es allerdings, wesentlich mehr als nur ein Wort auf einmal zu fixieren, z.B. drei oder vier Worte auf einmal. Ein Ansatzpunkt der Schnelllesetechniken ist es deshalb, das sogenannte Blocklesen einzuüben, d.h. mehrere Worte auf einmal zu fixieren und dann zum nächsten Block zu springen. Waren beim ursprünglichen Lesen acht Fixierungen pro Zeile nötig, so reduziert sich diese Zahl nun auf zwei oder drei Fixierungen (Bild 3).
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Ein weiterer Aspekt ist es, sich durch Meta-Lesen einen ersten Überblick bzw. Eindruck von einem Text zu verschaffen. Bei diesem „Wischlesen“ wird der Text mit Hilfe bestimmter Lesebewegungen gescannt (Bild 4). Ziel ist es hierbei nicht ein hohes Textverständnis zu erreichen, sondern das verstehende Lesen vorzubereiten.









Subvokalisation

Viele Menschen sprechen während des Lesens den Text im Geiste mit. Besonders langsame Leser flüstern den Text sogar vor sich hin. Das Aussprechen nimmt viel Zeit in Anspruch und bremst somit die Lesegeschwindigkeit. Das Problem dabei ist, dass dieses Subvokalisieren oft unfreiwillig oder unbewusst stattfindet. Mithilfe von Übungen wird beim Schnelllesen versucht, diese Subvokalisierung zu unterbinden bzw. am Anfang durch Übungen mit sehr hoher Lesegeschwindigkeit das Subvokalisieren unmöglich zu machen. Am Anfang wird das Textverständnis natürlich darunter leiden, da viele Leser es gewohnt sind, den Text durch Subvokalisierung zu verarbeiten.

Herangehensweise an Texte

Wie lesen Sie ein Buch? Viele Leser gehen an jeden Text wie an einen Roman heran. Sie beginnen bei Seite 1 und beenden das Lesen auf der letzten Seite. Dieses Vorgehen ist beim Roman richtig, ich möchte ja schließlich die Geschichte genießen und nicht das Ende vorwegnehmen. Muss man auf diese Art auch ein Sachbuch lesen? Nein!
Meistens beschäftigt man sich mit einem Sachbuch, weil man eine bestimmte Information sucht, weil man eine Frage beantwortet haben möchte, oder weil man ein Thema verstehen möchte. Dabei geht es nicht um den zweckfreien Lesegenuss, sondern um ein bestimmtes Ziel.
Entsprechend anders und ökonomischer kann man an diese Texte herangehen. Manche Dinge machen die meisten von uns intuitiv, z.B. erst das Inhaltsverzeichnis und die Klappentexte zu lesen. Ein weiterer Schritt kann sein, erst von allen Kapiteln Einleitung und Zusammenfassung zu lesen und den Mittelteil auszulassen. Denn: Oft kann man nach dem Lesen der Einleitung und der Zusammenfassung das Leseziel bereits erreichen und die Frage, die man an das Buch stellt, bereits beantworten. Beim Schnelllesen wird ein Text also in mehreren Durchgängen mit unterschiedlicher Intensität gelesen. Kann das Leseziel bereits in einem der ersten Durchgänge erreicht werden, dann kann das Buch weggelegt werden und der Zweck ist erfüllt. Deshalb spricht man vom ökonomischen Herangehen an Texte, denn es geht darum, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel aus dem Lesenvorgang herauszuholen. Ziel ist es nicht 100% zu lesen oder zu verstehen. Dieses Vorgehen orientiert sich an der aus der Ökonomie bekannten Pareto-Regel. In 20% der Zeit kann ich 80% der relevanten Informationen erhalten. Um die anderen 20% der Information zu erlangen, muss ich 80% der Zeit aufwenden. Hier muss jeder selbst entscheiden, wie viel Zeit er aufwenden möchten. Ich glaube, dass es in einem Großteil aller Fälle ausreichend ist 80% der Informationen verstanden zu haben.

Mind Mapping

Dieses Vorgehen des mehrmaligen Lesens nach dem Baukastensystem wird es richtig effektiv, wenn es mit Mind Mapping verbunden wird. Wie das funktioniert, werde ich im nächsten Post zeigen.

Schnelllesen – Teil 1

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Die Menge an zu lesenden Texten steigt immer weiter an. Durch das Internet und seine vielen Informationsquellen und die niedrigen Kosten diese zu verbreiten, nimmt die Datenflut immer stärker zu. Kürzlich habe ich wieder einmal in der Zeitung gelesen, dass der Großteil aller Büroarbeiter klagt, mit dem Lesen kaum mehr hinterher zu kommen und unter Informationsüberflutung zu leiden. Konsequenz: Vieles – darunter vielleicht auch relevante Information – wird gar nicht gelesen. Irgendwie muss man sich ja dagegen schützen. Deshalb haben Kurse, die Schnelllesetechniken vermitteln wieder Konjunktur.

Nicht immer sinnvoll
Ein Mann erzählt seinen Freund von seinen neuen Fähigkeiten im Schnelllesen: „Neulich habe ich 'Krieg und Frieden' in 30 Minuten schnell gelesen!“
„Echt? Wahnsinn! Und?“
„Es ging um Russland.“


Schnelllesen kann die Lesegeschwindigkeit verbessern und sehr viel Zeit sparen, ist aber nicht immer sinnvoll.
Wann setzt man es ein? Schnelllesetechniken erhöhen die Geschwindigkeit durch bestimmte Vorgehensweisen. Dabei wird der Text teilweise zerhackstückelt mehrmals gelesen und viele Dinge weggelassen, die beim normalen Lesen den Lesegenuss ausmachen. Ein Roman, den ich lesen möchte, um mich an der Geschichte und der Schreibkunst des Autors zu erfreuen ist kein Schnellleseobjekt. Ein Handbuch zur neuen Qualitätsrichtlinie, in dem ich eine Antwort auf zwei spezifische Fragen vermute hingegen schon. Schnelllesen macht also vor allem bei Sachtexten Sinn, die ich nicht zum Genuss lese. Wenn es mir darum geht in möglichst kurzer Zeit viel Information aus einem Text zu ziehen, dann helfen Schnelllesetechniken weiter. Solange es keine Internetsuchmaschinen gibt, die mir diese Arbeit abnehmen – und davon sind wir noch weit entfernt – muss dieser Suchvorgang noch von jedem Leser selbst erledigt werden.
Je nach Art des Textes wird die Lesegeschwindigkeit trotz des Einsatzes von Techniken variieren, auch das gehört zum Schnelllesen. Ein philosophisches Traktat werde ich anders lesen als einen Artikel im Focus.
Edward de Bono spricht auch von dense reading. Manche Texte müssen langsam gelesen werden, da die Informationsdichte sehr hoch ist und wir in den meisten Fällen eine gewisse Zeit benötigen, um das Geschriebene zu verstehen und zu verarbeiten.
Schnelllesetechniken erhöhen die Lesegeschwindigkeit und nehmen es in Kauf, dass nicht 100% des Textes verstanden werden, sondern vielleicht nur 80%. In vielen Fällen, auch im universitären Kontext, ist das völlig ausreichend.

Im nächsten Post möchte ich die Herangehensweisen der Schnelllesetechniken genauer vorstellen.