Ziele

Mittwoch, 27. Dezember 2006

Nur noch ein paar Tage, dann kommt das neue Jahr und spätestens um Mitternacht beim Anstoßen auf 2007 ist es dann soweit: Es ist Zeit für die guten Vorsätze. "In diesem Jahr werde ich..." Oft sind die Vorsätze schnell wieder vergessen, verdrängt oder gebrochen. Dabei sind Ziele sinnvoll und wichtig. Im weitesten Sinne ist das richtige Setzen von Zielen auch eine Arbeitstechnik, und eine sehr grundlegende noch dazu.

Warum Ziele?

Vor jedem Handeln sollte man sich fragen, was man eigentlich erreichen möchte. Ein Ziel stellt für das Gehirn eine Art Fokus dar, der die Aufmerksamkeit bündelt und lenkt. Ziele sorgen für mehr Klarheit im Denken und Handeln und fördern die Konzentration auf das, was man erreichen möchte.

Ziele kann man sich für große Dinge setzen, wie die Vorsätze für das neue Jahr, die Jahresziele in der Arbeit, aber auch im Kleinen, zum Beispiel beim Lesen eines Sachbuchs (beim Lesen eines Romans ist es vielleicht schöner, kein Ziel zu haben, sondern einfach nur die Geschichte zu genießen). Sogar beim Lesen eines Sachbuches sollte man sich zu Beginn die Frage stellen, was man eigentlich wissen möchte, also was man mit diesem Buch erreichen möchte. Das hilft ungemein. Ähnlich wie bei einem Interview fragt man auch nicht, "was wissen Sie?", sondern man stellt eine konkrete Frage, auf die man sich eine Antwort erhofft.

Neben der Konzentration des Denkens und Handelns ermöglichen Ziele, seinen Fortschritt zu kontrollieren. Ich kann überprüfen, ob und wie weit ich meinem Ziel näher gekommen bin.

Ziele ja, aber wie?

Ziele sollten herausfordernd sein, damit die Motivation entsteht, diese auch zu erreichen. Dennoch ist es wichtig, Ziele realistisch zu setzen. Wenn ich relativ unsportlich bin und mit dem Laufen beginnen möchte, ist die Marathon-Distanz vielleicht nicht das naheliegendste Ziel, vielleicht reichen 10 Kilometer für erste auch aus. Da sind wir bei einem wichtigen Punkt: Ziele sollten nicht nur erreichbar sein, sie sollten sogar so formuliert sein, dass die Möglichkeit besteht, diese zu übertreffen! Wenn etwas besser läuft als erwartet, wenn man sich sozusagen selbst überrascht und seine Ziele übertrifft, dann setzt das Gehirn den Botenstoff Dopamin frei. Dopamin wird immer dann freigesetzt, wenn Menschen Glück empfinden und wirkt sich auf unser Gedächtnis aus. Wird Dopamin freigesetzt, dann wird der Teil des Gehirns aktiv, der für das Hier und Jetzt zuständig ist, d.h. es wird gelernt; eine positive und erfolgreiche Handlungsweise wird gespeichert. Das sorgt dafür, dass wir uns verbessern und motiviert sind weiter zu machen. (Mehr zur Funktionsweise von Dopamin im Post vom 04.12.06)

Sind die Ziele zu hoch gesteckt und nicht erreichbar, dann frustriert uns das eher und die Motivation für weitere Handlungen sinkt entsprechend. Die Unterschied zwischen erreichbaren Zielen und zu hoch gesteckten Zielen ist oft nur gering!

Wenn man sich Ziele setzt, dann sollte man das schriftlich machen. Im beruflichen Umfeld ist das ganz selbstverständlich, aber auch für private Ziele und Vorsätze ist dieses Vorgehen sinnvoll. Durch das Aufschreiben der Ziele werden diese verbindlicher und konkreter und damit wahrscheinlicher erfüllt: Ich habe die Ziele stets vor mir liegen, ich werde daran erinnert und ich sehe genau, was ich mir vorgenommen habe. Am besten, man notiert sich noch eine Datum, an dem die Ziele spätestens erreicht sein sollten.

Für langfristige Ziele z.B. über einen Zeitraum von fünf Jahren, spricht Paul Kohtes in seinem Buch "Dein Job ist es, frei zu sein" lieber von Visionen. Ziele seien da viel zu starr und zu detailliert und suggerierten eine Planbarkeit, die nicht existiere. Nach kurzer Zeit muss man meist schon feststellen, dass sich die so toll geplanten Ziele nicht erreichen lassen, da sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Eine Vision von der Zukunft, ermögliche da die Freiheit auf Veränderungen zu reagieren und dennoch das Handeln zu leiten, ohne sich in zu vielen unrealistischen Details zu verirren.


Kreativität – Teil 1: Definition und Konzept

Montag, 25. Dezember 2006

In letzter Zeit ist Kreativität wieder in alle Munde. Die Wirtschaftswoche hat der Kreativität eine dreiteilige Serie gewidmet und das im Moment viel zitierte Buch von Richard Florida The Rise of the Creative Class spricht sogar von einer kreativen Klasse, die die Entwicklung der Gesellschaft entscheidend beeinflusst.
Doch was heißt Kreativität? Sprechen wir da wirklich alle von der selben Sache?

Im Open Directory Project wird Kreativität folgendermaßen definiert:
Kreativität bezeichnet die Fähigkeit intelligenter Lebewesen, neue und ungewöhnliche Lösungen für Problemstellungen zu finden. Voraussetzung für Kreativität ist die Fähigkeit, Dinge und Vorgehensweisen frei und neu kombinieren und entwickeln zu können. Ein wesentlicher Bestandteil ist oft die Fähigkeit, produktiv gegen Regeln zu denken und zu handeln (also: nicht nur zu kombinieren) und damit auch neue Regeln aufzustellen.

Ein aufschlussreiches Buch über Kreativität ist im Jahr 2005 von Rainer M. Holm-Hadulla erschienen: Kreativität – Konzept und Lebensstil.
Kreativität ist nach Holm-Hadulla das Zusammenspiel von (1) Begabung, (2) Motivation, (3) Persönlichkeit und den (4) Rahmenbedingungen des Denkens. Kreativität kann sich dabei in verschiedenen Domänen äußern und ist über diese Domänen nur begrenzt miteinander vergleichbar. Unterschieden werden die Bereiche Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung ist Kreativität keineswegs auf die Kunst beschränkt, auch wenn sie dort am einfachsten sichtbar ist und sicherlich am ehesten ausgelebt werden kann. Auch – man glaubt es kaum – in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist Kreativität möglich und nötig, denn nur durch kreatives Handeln entsteht Fortschritt.

Begabung

Ebenfalls im Gegensatz zur manchen Definitionen von Kreativität ist diese nicht unabhängig von Intelligenz, aber auch keinesfalls mit Intelligenz gleichzusetzen. Dennoch ist Intelligenz ein entscheidender Faktor für das Entstehen von Kreativität. Intelligenz wird definiert als eine geistige Fähigkeit, die das (1) Erkennen von handlungsrelvanten Eigenschaften und die (2) zielgerichtete Veränderung dieser Eigenschaften ermöglicht. Intelligenz steht dabei in engem Zusammenhang mit Denken und Problemlösen. Auch bei der Intelligenz gibt es keine einheitliche Intelligenz, die man entweder hat oder nicht hat, sondern man unterscheidet auch hier verschiedene Bereiche, in denen sich Intelligenz ausdrücken kann, u.a. sprachliche Intelligenz, logische Intelligenz, aber auch inter- und intra-personale Intelligenz.
Ohne Intelligenz ist es nur schwer möglich, bestehende Dinge neu zu kombinieren und damit kreative "Produkte" hervorzubringen. Wenn man sich bekannte kreative Persönlichkeiten ansieht, wird man feststellen, dass diese auch ausgesprochen intelligent in Bezug auf ihre Domäne waren.
Ein weiterer Faktor, der hier eine wichtige Rolle spielt, ist Wissen. Erst mit einer soliden Grundlage an Wissen, können Menschen überhaupt erst neue Kombinationen und Wege erfinden. Um Neues schaffen zu können, muss zuerst das Vorhandene verstanden werden. Das erklärt, warum viele Wissenschaftler und Künstler erst im fortgeschrittenen Alter ihr kreatives Potenzial entfalten.

Motivation

Neben der Begabung spielt die Motivation kreativ sein zu wollen eine Rolle. Je höher diese ist, desto wahrscheinlicher wird sich die vorhandene Begabung auch entfalten können. Empirische Studien haben außerdem herausgefunden, dass besonders intrinsische Motivation Kreativität fördert, da intrinsisch motivierte Personen sich mit größerer Wahrscheinlichkeit intensiv einer Aufgabe widmen und dadurch eher auf kreative Lösungen kommen.

Persönlichkeit

Als wichtigsten Aspekt sieht Holm-Hadulla die Perönlichkeit. Eine kreative Persönlichkeit lässt sich durch das Akronym (Kurzwort, das aus zusammengerückten Anfangsbuchstaben gebildet ist, z. B. UNO) FASZNATION beschreiben.
D.h. eine kreative Persönlichkeit zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Flexibilität innerhalb der jeweiligen Domäne. Diese wird in der Politik zwangsläufig geringer ausfallen, als in der Kunst.
  • Assoziatives Denken: Je stärker dieses ausgeprägt ist, desto mehr Denk-Möglichkeiten eröffnen sich (Assoziatives Denken wird z.B. durch das Mind Mapping sehr gefördert, durch die Vorgehensweise Schlüsselwörter auf Zweige zu schreiben und dadurch immer neue Assoziationen zu ermöglichen). Wichtig ist es dabei, eine Balance zwischen Träumerei und Spinnerei auf der einen Seite und der Realisierung und Umsetzung auf der anderen Seite zu finden. Auch dieser Aspekt wird oft bei Kreativität vergessen. Kreativität heißt nicht, lediglich kreative Ideen zu haben. Von Kreativität spricht man erst dann, wenn diese Ideen auch umgesetzt werden, was leider meist der schwierigere Teil ist.
  • Selbstvertrauen: Eine kreative Person benötigt ausreichend Selbstvertrauen, um seine Ideen auch umzusetzen und sich nicht von den Meinungen und Kommentaren der anderen entmutigen zu lassen.
  • Zielorientierung: Diese ist ganz wichtig, um dem Handeln eine Richtung zu geben. Die Ziele sollten am besten schriftlich festgehalten werden und trotz aller Visionen erreichbar und realistisch sein.
  • Intelligenz: Diesen Punkt habe ich unter Begabung bereits angesprochen
  • Nonkonformismus: Kreativität zeichnet sich immer dadurch aus, dass bestehende Denk- und Handlungsmuster verlassen werden und durch Neuschöpfung neue Muster entstehen. Dies setzt voraus, dass man bereit ist, gegen den Strom zu schwimmen.
  • Authentizität: Das Gefühl, selbstverantwortlich einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Erlebt man sein Handeln nicht als sinnvoll und Möglichkeit sich selbst zu verwirklichen, ist es nur schwer möglich, seine Motivation über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten.
  • Transzendenz: Kreative Menschen werden nach Holm-Hadulla in ihrem Handeln von Werten getrieben, die über das eigene Ego hinaus gehen. Sie sind damit "über sich hinaus".
  • Interesse: Eine Grundvoraussetzung für jedes kreative Handeln
    Originalität: Diese muss man zulassen, man kann diese allerdings nicht wollen oder wünschen.
  • Neugier: Die Eigenschaft immer wieder weitere Fragen zu stellen und Dinge zu hinterfragen. Neugier ist dabei flankiert durch Sicherheit in die eigene Person und durch Sicherheit der Rahmenbedingungen, in der eine Person lebt.

Rahmenbedingungen

Eine Person kann noch so motiviert sein und über die nötige Begabung verfügen, wenn die Rahmenbedingung es nicht zulassen, dann wird Kreativität sich nicht oder nur schwer entfalten können. Im Kontext von Unternehmen heißt dies z.B., dass Mitarbeiter die Freiheit haben müssen, neue Ideen nicht nur zu denken, sondern diese auch zu äußern, dass Ausprobieren und auch Scheitern möglich sein muss und nicht sofort mit negativen Sanktionen belegt werden. Aus vielen guten Ideen bleiben meist nur ein paar übrig, die dann wirklich erfolgreich umgesetzt werden können, leider weiß man das oft erst, wenn man damit gescheitert ist. Das heißt, vor allem ein positives Umfeld ohne Druck fördert Kreativität. Wird jemand unter Stress gesetzt, dann wird das Gehirn sich auf vorhandene Routinen konzentrieren, neue Ideen entstehen so garantiert nicht.

Im zweiten Teil werde ich der Frage nachgehen, wie der kreative Prozess aussieht und ob man Kreativität fördern und lernen kann.

Positive Emotionen und Kreativität

Mittwoch, 20. Dezember 2006

Auf der heutigen Wissen-Seite (Seite 18) der Süddeutschen Zeitung wird auf einen Artikel aus der aktuellen Online-Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Science verwiesen. Der dortige Artikel beschreibt eine Studie in der der Einfluss positiver Emotionen auf die Aufmerksamkeit und das Denken beschrieben wird.
So fördert gute Laune Kreativität und das Entstehen neuer Ideen, führt aber auch dazu, dass sich Versuchspersonen leichter ablenken lassen, da gehirninterne Filtersysteme abgesenkt werden. Dies führt allerdings auch dazu, dass Reize einfacher miteinander verknüpft werden können und so leichter kreative Ideen entstehen. Der Artikel der Süddeutschen Zeitung behauptet, dass Leute, die in negativer Stimmung sind, sich leichter auf "alltäglichen Kleinkram" konzentrieren können, da sie weniger leicht abgelenkt würden.
Prof. Manfred Spitzer (siehe auch das Post zum Vortrag von Manfred Spitzer auf dem Methodenkongress) beschreibt in seinem Buch Lernen, dass positive Emotionen mit einer erhöhten Lernleistung einhergehen, besonders wenn es darum geht, sich neue Dinge zu merken und neue Ideen zu produzieren. Allerdings kann auch Stress zu erhöhter geistiger Leistungsfähigkeit führen, allerdings nur in Bezug auf geistige Routinen, also "alltäglichen Kleinkram". Diese Aussage deckt sich wiederum mit dem heutigen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung. Was unter Stress nicht möglich ist, ist das Entstehen neuer kreativer Ideen.
Dieses Phänomen hat vielleicht jeder schon einmal beobachtet, der neuen Stoff oder eine neue Technik gelernt hat, diese eigentlich auch benutzen konnte, dann aber in einer Stresssituation wieder in die alten Handlungsmuster zurück gefallen. Hier kommen nun wieder die lange verankerten Routinen zum tragen und überschreiben sozusagen die noch nicht tief verankerten Lerninhalte.

Warum Denkwerkzeuge?

Dienstag, 19. Dezember 2006

Vor kurzem bin ich gefragt worden, warum ich überhaupt ein Blog über Denk-, Lern- und Arbeitstechniken, oder Denkwerkzeuge schreibe? Gute Frage!
Meine Motivation ist es, noch mehr Leute damit bekannt zu machen, Einsatzmöglichkeiten aufzuzeigen und auch von den Erfahrungen anderer zu lernen und damit meine Seminare weiter zu verbessern. Dazu hoffe ich natürlich, noch mehr Kommentare zu den Posts zu erhalten. Aber ich weiß, das dauert...

Warum sind Denkwerkzeuge wichtig? Wir leben in einer Informationsgesellschaft, in der der Umgang mit Informationen und die Fähigkeit des Einzelnen Informationen und Wissen zu strukturieren, zu organisieren und auch zu kommunizieren eine sehr wichtige Rolle spielt. Richard Florida spricht in seinem Buch "the rise of the creative class" sogar von einer kreativen Gesellschaft und meint damit den hohen Prozentsatz an Kopfarbeitern, die in modernen Gesellschaften die entscheidende Rolle für die Wertschöpfung spielen.
Für all diese Menschen können Denkwerkzeuge eine Hilfe sein. Jeder Kopfarbeiter kann mit diesen Techniken sein Denken und Arbeiten verbessern. Der Name Werkzeuge sagt es schon: man kann diese Techniken für alles mögliche einsetzen, wie ein Werkzeug. Für unterschiedliche Aufgaben gibt es unterschiedliche Werkzeuge. Grundsätzlich ermöglichen uns Werkzeuge Dinge zu tun, die wir ohne das Werkzeug nur schwer oder mit mehr Aufwand durchführen können. Jeder kann selbst entscheiden, wann und wie er ein Werkzeug einsetzen möchte. Keiner soll zwangsbeglückt werden, aber grundsätzlich glaube ich, dass es für jeden eine Hilfe darstellen kann.
Da ich bis jetzt sehr viel vom Einsatz dieser Techniken profitiert habe und weiterhin davon profitiere, versuche ich, in Seminaren diese Techniken möglichst vielen Leuten zu vermitteln. Mit diesem Blog hoffe ich, einen noch größeren Kreis an Menschen zu erreichen.

Tony Buzan bringt iMindMap-Software auf den Markt

Samstag, 16. Dezember 2006

EDIT: Den zweiten, aktuelleren Text vom 18.08.2007 finden Sie hier.

Tony Buzan, der Erfinder des Mind Mapping, versucht nun ebenfalls im Mapping-Software Markt Fuß zu fassen. Nachdem er früher Fremdsoftware unterstützt hat, wagt er sich nun mit einem eigenen Produkt auf den Markt: iMind Map.

Noch ist das Produkt in der Betaphase, es werden sicherlich (vor allem hoffentlich!) noch einige Veränderungen und Verbesserungen hinzukommen.
In meinem Post vom 12. Dezember bin ich auf die Unterschiede in Erstellung, Aussehen und Einsatz zwischen Mind Mapping und Business Mapping eingegangen. Business Maps, die mit dem - den Markt dominierenden - Mindjet MindManager erstellt werden, unterscheiden sich auch auf den ersten Blick optisch erheblich von nach den Mind Mapping Regeln erstellten Mind Maps. Siehe Bilder im Post vom 12.12.06. Buzans iMindMap ist allein optisch wesentlich näher am ursprünglichen Mind Mapping geblieben, wie es vom Erfinder der Technik auch nicht anders zu erwarten war. Nach eigenen Angaben wollte er mit iMindMap eine Software schaffen, mit der man richtige Mind Maps am Computer erstellen kann.


Die Bedienung

Die Bedienung der Software ist völlig anders als z.B. die des MindManager; iMindMap ist in erster Linie eine Software für Tablet-PCs, wo man mit Stift auf dem Bildschirm schreiben kann. Dann kommt bei der Bedienung sicherlich ein richtiges Mind Mapping-Gefühl auf, das auch das haptische Erlebnis mit einschließt, da man die Zweige völlig frei zeichnen kann (im Gegensatz zur Tablet-Version des Mindjet MindManager). Die Bedienung mit Maus und Tastatur ist leider nicht nur relativ umständlich, sondern auch sehr langsam, da man die Zweige mühsam mit der Maus ziehen muss. Das kann man sicher üben, aber der Geschwindigkeitsvorteil des Mind Mapping geht hier verloren, anders als z.B. beim MindManager, wo man neue Zweige mittels Tastendruck einfügen kann und damit sehr schnell ist.
Zweige lassen sich flexibel in alle Richtungen drehen und verschieben, andererseits lassen sich die Zweige nur am hinteren Ende der Zweige anordnen, nicht aber an der Unterseite der Zweige, wie man das beim Mind Mapping tun kann.

Die Features

Noch zeichnet sich die Software durch sehr wenige Features aus, vor allem im Bereich der grundlegenden Erstellung der Maps. So kann man bis jetzt weder Verbindungspfeile, noch Rahmen, noch Klammern hinzufügen. Erweiterte Funktionen des Business Mapping wie z.B. Suchfunktionen und Filterfunktionen fehlen ebenfalls.
Allerdings gibt es die Möglichkeit, Links zu anderen Dateien und Websites zu erstellen, sowie Textnotizen einzufügen. Aus meiner Sicht äußerst negativ zu bewerten ist, dass die Software nach dem Hinzufügen von Links etc. keinerlei Symbole anzeigt, dass sich an einem entsprechenden Zweig eine Zusatzfunktion befindet. D.h. wenn man nach der Erstellung ein iMindMap-Map betrachtet, dann ist nicht ersichtlich, an welchen Zweigen sich Links oder Notizen befinden.
Es gibt die Möglichkeit, in über 320.000 Bildern zu stöbern und diese in die Maps einzubauen. Jedoch ist dazu immer ein Internetverbindung nötig. Möchte ich also einen Vortrag mitmappen und habe keine Online-Verbindung, sind die Bilder nicht zugreifbar. Die Suche nach Bildern funktioniert ausschließlich über Suchbegriffe und die liefern leider nie das, was ich mir erhofft habe, es gibt außerdem keinerlei Kategorien zum blättern und schmökern. Die Anordnung und Skalierung der Bilder ist ebenfalls äußerst mühsam und umständlich; und leider verändern sich die Bilder, sobald man einen Zweig nachträglich bewegt, so dass man diese erneut nachbearbeiten muss.
Es gibt einen Präsentationsmodus, der sich von der Bedienung her allerdings noch in keinster Weise für Präsentationen vor einem größeren Publikum eignet.

Fazit

In der jetzigen Version kann ich das Produkt nicht empfehlen. Noch gelingt der Spagat zwischen Mind Mapping (mit Papier und Stift) und Business Mapping nicht. iMindMap bietet einige wenige Elemente des Business Mapping, wie Links und Notizen, bleibt allerdings bezüglich des Funktionsumfangs weit hinter anderer Software zurück. Auf der anderen Seite sind die grundlegenden Möglichkeiten des Mind Mapping noch nicht in die Software übertragen worden, so gibt es keine Möglichkeit Pfeile, Rahmen etc. zu erstellen. Da ziehe ich es weiterhin vor, meine händisch erstellen Mind Maps einzuscannen und so auf dem PC abzulegen, oder diese in einem Sketchbook-Software auf dem Tablet-PC zu erstellen.

Mind Mapping und Business Mapping

Dienstag, 12. Dezember 2006

Um den Begriff Mind Mapping herrscht leider immer noch, oder besser schon wieder einige Unklarheit. Zugegeben ist es für jemanden, der sich nicht intensiv damit beschäftigt, nicht leicht, hier den Überblick zu behalten. Was ist Mind Mapping, was ist Business Mapping oder digitales Mapping oder Computer-Mapping? Begriffe gibt dazu reichlich.

In den meisten Foren oder Usergroups im Internet wird Mind Mapping meist mit computergestützten Visualisierungen, die ihren Ursprung im Mind Mapping haben, gleich gesetzt.

Ich werde versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen:

Mind Mapping

Mind Mapping ist eine grafische Technik, um Informationen und Gedanken zu visualisieren, die in den 70er Jahren vom britischen Wissenschaftsjournalisten und Lernforscher Tony Buzan entwickelt wurde. Buzan orientierte sich dabei an damals neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Funktionsweise unsere Gehirns und die Art und Weise, wie Menschen lernen.
Vor diesem Hintergrund entwickelte er die Technik des Mind Mapping, die einigen wenigen, aber festen Regeln folgt. Ziel Buzans war und ist es, die unterschiedlichen Herangehensweisen unseres Gehirns Information abzuspeichern (Stichwort: Mehrfachkodierung) in einer Technik zu verbinden und damit eine "gehirngerechte" und hoch effektive Herangehensweise zu schaffen, die den Menschen beim Denken unterstützt.

Zu den Prinzipien des Mind Mapping gehört u.a. die Regel, nur mit Schlüsselwörtern zu arbeiten, d.h. nur ein Wort auf jeden Zweig zu schreiben. Einerseits unterstützt dieses Vorgehen unser Gehirn, Inhalte in Form von Schlüsselkonzepten abzuspeichern, andererseits sorgt die Einwortregel dafür, dass das Denken in alle Richtungen offen bleibt und Mind Maps sich in unterschiedliche (Denk-)Richtungen entwickeln können. Je mehr Wörter ich verwende, desto festgelegter ist meine Denkrichtung.
Mind Mapping ist eine Technik mit Papier und Stift und hat zuerst einmal nichts (!) mit bestimmter Software (wie z.B. MindManager) zu tun.
Beim Erstellen und Zeichnen von Mind Maps mit Papier und Stift finden eine Reihe wichtiger gedächtnispsychologischer Effekte statt, die für das Lernen und Merken, sowie für das Entstehen kreativer Prozesse sehr wichtig sind. Diese Prozesse, ausgelöst z.B. durch das selbst Zeichnen und das haptische Anfertigen der Mind Maps mit Papier und Stift, finden beim Einsatz von PC und
Software nicht statt.
Von daher versteht man unter Mind Maps das Erstellen von Gedankenkarten mit Papier und Stift, die den Mind Mapping Regeln (dazu in einem späteren Post mehr) folgen.
Ergänzende Information finden sich auf der creaffective-Website.


Business Mapping/ Digitales Mapping/ Computer-Mapping

Die Begifflichkeit ist hier noch nicht einheitlich (ich verwende den Begriff Business Maps, da diese vor allem in Unternehmen zum Einsatz kommen), gemeint ist das Erstellen von digitalen Maps mithilfe des Computers und Software, wie z.B. Mindjet Mindmanager.
Business Maps haben Ihren Ursprung in der Technik des Mind Mapping und folgen ähnlichen Prinzipien wie das Mind Mapping. So entwickeln sich auch Business Maps vom Zentrum des Blattes radial nach außen und Informationen werden ebenfalls auf Zweigen angeordnet. Business Maps bieten teilweise weniger als Mind Maps (besonders im Hinblick auf Lernen und Merken) und teilweise erheblich mehr als diese, da die Grundprinzipien des Mind Mapping mit den Möglichkeiten moderner PCs verbunden werden und sich dadurch Möglichkeiten eröffnen, die weit über Papier und Stift hinaus gehen. (ergänzende Infos finden Sie hier.)
Business Maps eignen sich hervorragend zum Planen und Präsentieren von komplexen Themen und sich ständig verändernden Inhalten. Im Gegensatz zu Mind Maps werden Business Maps meist mit mehreren Wörtern pro Zweig angefertigt, um diese selbst erklärend zu machen; ein Mind Map ist vor allem für den Ersteller der Gedankenkarte hilfreich und ist nicht selbst erklärend.

Dadurch, dass Business Maps mit PC erstellt werden, können sie beliebig verändert und weiter verarbeitet werden. Das setzen von Hyperlinks von einzelnen Zweigen zu beliebigen Sprungzielen ermöglicht eine Art des Wissensmanagements, wie es mit Papier und Stift unmöglich ist. Für das Merken und Lernen von Inhalten, sowie für kreative Prozesse und Brainstorming eigenen sich Business Maps nur bedingt, da das selbst Zeichnen und das Erfinden eigener Bilder und Symbole, sowie das haptische Erlebnis des Arbeitens mit Papier und Stift für das Einprägen von Inhalten sehr wichtig ist.


Mind Mapping und Business Mapping ist daher nicht gleich zu setzen, vielmehr sollten die beiden Techniken als komplementär verstanden werden. Je nach Anforderung und Einsatzgebiet kann die eine oder andere Technik eingesetzt werden.

Methodenkongress - Teil 3

Samstag, 9. Dezember 2006

Mit aktivierenden Methoden vom Wissen zur Handlungskompetenz (Prof. Wahl)



Das Wichtigste in Kürze:

  • Größtes Problem in der Didaktik ist es, Gelerntes auch in Handeln überzuführen.
  • Lernen hängt von den Faktoren Vorkenntnisse, Intelligenz und Motivation ab.
  • Lernen läuft in drei Phasen ab:

    • An bisheriges Handeln und Wissen anknüpfen
    • Das aktive Lernen von neuen Inhalten
    • Neues Handeln in Gang bringen.

  • Durch aktivierende Methoden kann der Übergang vom Wissen zum Handeln erleichtert werden.


Prof. Wahl, Leiter des Kontaktstudiums Erwachsenenbildung, an der pädagogischen Hochschule Weingarten versuchte in seinem Vortrag Auswege für das im Unterricht und Training oft vorkommende Eunuchenproblem zu finden. Von einem Eunuchenproblem spricht man, wenn jemand weiß, wie es gehen müsste, es aber nicht tun kann. Daher bedarf es aktivierender Methoden, die dem Lernenden auch zu neuem Handeln verhelfen.

Ob und wie gut jemand lernt, hängt von drei Faktoren ab: Den (1) Vorkenntnissen, der (2) Intelligenz und der (3) Motivation.
Im Gegensatz zur Volksmeinung hat sich laut Wahl in empirischen Studien gezeigt, dass vor allem die Vorkenntnisse entscheidend sind. Hat jemand Wissen, an das er anknüpfen kann, dann fällt es um so leichter, neues Wissen hinzuzufügen. Hier besteht das sogenannte Wissensparadox: Wer hat, dem wird gegeben. Wer nicht hat, dem wird genommen.
Intelligenz fasst Prof. Wahl vor allem als Dekodierkompetenz auf, das heißt wie gut jemand in der Lage ist Aufgaben zu begreifen, zu dekodieren.
Motivation ist ein Faktor der das Lernen unterstützt und voranbringt und besonders auffällt, wenn er nicht vorhanden ist, aber sie spielt nach Prof. Wahl nicht die herausragende Rolle, die man ihr oft zuschreibt.





Aktivierende Methoden müssen auf allen drei Ebenen des Lernens greifen. Diese Phasen sind nach Prof. Wahl:
(1)An bisheriges Handeln und Wissen anknüpfen
(2)Das aktive Lernen von neuen Inhalten
(3)Neues Handeln in Gang bringen

In der ersten Phase geht es darum, vorhandenes Wissen abzurufen und zu ordnen. Dies ist auf viele Weisen möglich, wobei Prof. Wahl explizit die kognitive Karten (z.B. Mind Maps) anspricht, um wissen abzurufen.
In der zweiten Phase geht es darum, neue Inhalte aufzunehmen. Ideal dafür ist die Sandwich-Methode, die abwechselt zwischen passiven Phasen, wo die Lernenden Wissen lediglich aufnehmen und aktiven Phasen, wo das Wissen gleich erprobt und angewendet wird. Das Abwechseln der Phasen erinnert dabei an einen Sandwich, der aus verschiedenen übereinanderliegenden Schichten besteht. Der Wechsel zwischen passiven und aktiven Phasen hilft, die kurze Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen zu überbrücken. Im Schnitt kann sich niemand länger als lediglich 15 Minuten konzentrieren.

Auch während der zweiten Phase können wieder Mind Maps zum Einsatz kommen. Nun werden sich nicht dazu benutzt, Wissen lediglich abzurufen, sondern dafür, neue Inhalte bewusst zu ordnen und zu strukturieren. Ein Beispiel für eine solche Struktur, in Form einer Vortragsmitschrift findet sich am Ende des ersten Blog-Eintrags zum Methodenkongress vom 04.12.06.

Die dritte und letzte Phase wird oft unterschätzt. Hier versucht man mittels Vorsatzbildung und innerer Bilder das neu gelernte Handeln in den Alltag mitzunehmen. Nach Prof. Wahl werden in Seminaren oft viele Dinge gelernt und auch angewandt, aber nach dem Seminar nicht mit in den Alltag mitgenommen. Erheblich unterstützt werden kann dies durch schriftliche Vorsätze und Ziele, die einen gewissermaßen in die Pflicht nehmen, die Vorsätze auch umzusetzen.
Hilfreich ist es auch, sich ein inneres Bild der Umsetzung zu machen. Dabei stellt man sich möglichst ausführlich und detailgenau vor, wie man das neue Wissen anwendet und umsetzt. Dieses Bild fungiert wie eine Art Plan oder Vision auf die man nun hinarbeiten kann.

Methodenkongress - Teil 2

Donnerstag, 7. Dezember 2006

Für den ersten Teil lesen Sie den Beitrag vom 04.12.06

Systemische Methoden in der Didaktik (Prof. Reich)


Das Wichtigste in Kürze:

  • Bei systemischen Methoden spielen die Beziehungen zwischen den Personen eine wichtige Rolle, diese haben daher immer Vorrang.
  • Lernen wird neben Beziehungen beeinflusst durch Vorwissen und Motivation.
  • Beispiele für systemische Methoden sind Feedback, zirkuläres Fragen und paralleles Denken.


Nach dem Vortrag und dem anschließenden Forum von Manfred Spitzer, ging es für mich in das zweite Forum mit Prof. Reich.
Prof. Kersten Reich (Prof. für Pädagogik an der Universität Köln) wollte mit seinem Vortrag "Systemische Methoden in der Didaktik" einen Einblick geben, wie systemische Methoden, die bisher vor allem in der Beratung eingesetzt wurden, für die Didaktik genutzt werden können.
Systemische Methoden stammen aus dem Konstruktivismus, der grob vereinfacht gesagt, die Welt durch die Brille von Systemen betrachtet (so ist auch der Mensch ein System) und davon ausgeht, dass sich diese Systeme gegenseitig beeinflussen, bzw. selbst hervorbringen. Im Sinne von menschlichen Systemen heißt das, dass vor allem die Beziehungen zwischen den Menschen eine entscheidende Rolle spielen, daher auch der überwiegende Einsatz dieser Methoden in der Beratung und dem Coaching.


Nach dieser Denkweise laufen beim Lernen drei Prozesse ab:

  • Konstruktion
  • Rekonstruktion
  • Dekonstruktion


Konstruieren: Der Lernende setzt die neuen Inhalte mit bestehenden Denk-Mustern und sich selbst in Beziehung, damit werden neue Assoziationen gebildet. Welche neue Assoziationen gebildet werden, hängt von bestehendem Wissen und Erfahrungen ab.
Danach versucht der Lernende den Lerngegenstand sinnvoll zu rekonstruieren, nur wenn das gelingt, kann man auch lernen. Schließlich wird der Lerninhalt dekonstruiert, d.h. entweder verändert oder wieder vergessen.
Beim Lernen sind drei Elemente besonders wichtig: Es muss (1) Vorwissen in irgend einer Form vorhanden sein, damit ein Lernender die neuen Inhalte mit Bekanntem verknüpfen kann. Prof. Wahl wird das Vorwissen in seinem Vortrag am nächsten Tag sogar höher gewichten, als die Motivation, die in der "Alltagstheorie" und von vielen "Gurus" immer als der wichtigste Faktor für erfolgreiches Lernen betrachtet werde.
Neben dem Vorwissen ist (2) der Kontext ein weiterer Aspekt. Der neue Lerninhalt muss in einen bestehenden eingefügt werden, er steht nicht abstrakt für sich. Übertragen auf Unterricht und Trainings heißt das, die Lernenden viel ausprobieren zu lassen und dadurch unterschiedliche Zugänge zum Thema zu ermöglichen, um Erinnerungen und Assoziationen zu bilden.
Die (3) Beziehungen zwischen Lehrendem und Lernendem sind nach Prof. Reich am wichtigsten. Die emotionale Komponente spielt für den Lernerfolg eine entscheidende Rolle, das bedeutet einerseits, dass sich der Trainer oder Lehrer um ein angenehmes und lernförderliches Klima kümmern muss und andererseits, dass Probleme auf der Beziehungsebene immer Vorrang vor allem anderem haben müssen.

Systemische Methoden

Im Anschluss versuchte Prof. Reich einige der systemischen Methoden an konkreten Beispielen näher zu erläutern.
Denn meisten bekannt, aber wahrscheinlich nicht bewusst, dass es sich um eine systemische Methode handelt, ist das Feedback. Richtig angewendet drückt der Feedbackgeber sein Empfinden und seine Wahrnehmung der Handlungen des anderen aus.
Eine weitere Technik ist z.B. das zirkuläre Fragen, bei dem man versucht, eine Situation aus Sicht eines anderen zu sehen. Anstelle von "Warum schreien die Männer?" würde man nach dieser Technik fragen "Was glaubst du, denkt Petra, wenn sie sieht, dass um sie herum alle Männer schreien?". Das klingt sehr kompliziert an und ist es auch! Es ist ziemlich schwer, diese Art von Fragen zu bilden. Sinn und Zweck für Unterricht und Trainings ist es, die Lernenden ein Situation aus sicht eines anderen analysieren zu lassen. Dadurch erweitert man seine Perspektiven und ist gezwungen viel stärker über ein Thema zu reflektieren.

Zum Abschluss verwies Prof. Reich auf Edward deBono und sein Konzept des parallelen Denkens. Für mich war dieser Teil natürlich besonders interessant, da mein Seminar 5-Typen-Denken, auf diesem Konzept basiert. Paralleles Denken heißt, ein Thema bewusst von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und diese Blickwinkel alle in die Betrachtung mit einzubeziehen. Denkrollen oder Denktypen, die für den Zeitraum einer Denkrunde eingenommen werden, erleichtern es, in Richtungen zu denken, die nicht unbedingt den eigenen entsprichen.
So kann man z.B. die Frage ob man seinen momentanen Job wechseln sollte und ein anderes Angebot annehmen sollte nach verschiedenen Denktypen analysieren und so ein umfassenderes Bild dieser Frage bekommen und seine Entscheidung leichter und/oder fundierter treffen.

Die Universität Köln hat einen Online-Methodenpool entwickelt, der verschiedenste didaktische Methoden und Techniken vorstellt und ausführlich erklärt.

Methodenkongress – Teil 1

Montag, 4. Dezember 2006

Das Wichtigste in Kürze:


  • Transfer von Wissenschaft in die Praxis erfolgt zu langsam
  • Wir lernen Details und Einzelheiten nur schlecht, unser Gehirn sucht nach Regeln und Mustern
  • Stress und Angst verhindern das Lernen und zerstören Kreativität
  • Positive Emotionen und Lernen hängen systematisch eng zusammen


Unter dem Motto "vom Wissen zum Handeln" fand am 01. und 02. Dezember der Münchner Methodenkongress statt. Zwei Tage lang weihten die Vertreter der Wissenschaft aus Neurobiologie, Pädagogik und Psychologie die Praktiker in Form von Vorträgen und Workshops in die neusten Forschungsergebnisse ein. Ziel der Methodenkongresse, die an sechs Stationen in ganz Deutschland stattfanden, ist es, das Wissen und die Erkenntnisse in die Praxis, d.h. an die Schulen, Universitäten und Unternehmen zu bringen, um es dort anzuwenden und umzusetzen.
Egal ob Student, Mitarbeiter, Dozent oder Führungskraft, wir alle sind Lernende und manchmal auch Lehrende. Um mit der Vielfalt der sich ständig wechselnden Medien und der damit verbundenen Informationsflut umgehen zu können, brauchen wir geeignete und wirkungsvolle Methoden, das Wissen zu vermitteln und aufzunehmen.

Manfred Spitzer: „Deutsche sind Weltmeister im Trennen von Müll und Kindern“

Den Auftakt machte Manfred Spitzer, Gründer des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen in Ulm und wohl der in der Öffentlichkeit bekannteste deutsche Neurowissenschaftler. In seinem Vortrag Gehirnforschung und Lermmethodik ging er vor allem auf die neurobiolgischen Grundlagen des Lernens ein.
Die Hirnforschung und die Pädagogik haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht, die leider gar nicht oder nur viel zu langsam in der Praxis ankommen; mit negativen Konsequenzen, wie Spitzer fürchtet: "Wenn der Transfer nicht klappt, dann nähen wir in 20 Jahren die T-Shirts für die Chinesen."




Unser Gehirn ist eine Lernmaschine, wir lernen also immer, die Frage ist nur, was wir lernen und ob wir das lernen, was gerade von uns verlangt wird. Unser Gehirn ist grundsätzlich schlecht auf das Lernen von Einzelheiten oder Details eingestellt, ganz einfach deshalb, weil sich das Auswendiglernen von Details in der Evolution als nicht überlebenswichtig herausgestellt hat, sondern eher Ballast darstellt und daher meist genauso schnell wieder vergessen wird, wie er für Prüfung gelernt wurde. Das zeigte sich eindrucksvoll daran, das fast alle im Saal anwesenden Teilnehmer an einfachen Wissensfragen für die Grund- und Mittelstufe grandios gescheitert sind.
Unser Gehirn sucht vor allem nach Mustern und Regeln. Mit einem Verständnis von Mustern und Regeln kann man in den meisten Situationen adäquat reagieren, ohne Details wissen zu müssen. Wenn ich die Grammatik einer Sprache beherrsche, kann ich selbst Sätze bilden und komme nur mit Stichwörtern aus, die die wichtigsten Wissensinhalte repräsentieren. Es besteht keine Notwendigkeit, alle Sätze Wort für Wort aufzuschreiben oder gar auswendig zu lernen. Dieses Prinzip macht sich u.a. die Methode des Mind Mapping zu nutze.

Welche Faktoren beeinflussen nun das Lernen?

Nach Spitzer ist dies einmal die Wiederholung. Je öfter ich eine Sache wiederhole und übe, desto wahrscheinlicher bleibt diese in meinem Gedächtnis. Wer mit der Hand eine heiße Herdplatte berührt, muss das allerdings nicht mehrmals wiederholen, bis er es verstanden hat, dass dieses Verhalten unvorteilhaft ist. Wer sich Hals über Kopf verliebt, muss den Namen der/des Angebetete(n) meist auch nur einmal hören, um sich diesen merken zu können. Wenn Emotionen an einem Lernvorgang beteiligt sind, geht das lernen bedeutend schneller.
Der Schluss vieler Lehrer und Führungskräfte, dass unter Angst und Druck deshalb die beste Leistung erbracht wird, ist allerdings grundlegend falsch. Wer unter Angst und damit Stress lernt, behält zwar unter Umständen den Lerninhalt, speichert aber damit gleichzeitig die Angst mit ab. Immer wenn diejenige Person an den Inhalt denkt, steigt die Angst und das Stresserlebnis wieder mit hoch. Dies führt auf lange Sicht sogar zu einem beschleunigten Absterben von Gehirnzellen und ist damit doppelt negativ. Wenn unter Angst und Stress gelernt wird, wird jegliche Kreativität im Keim erstickt. Neue Ideen und Möglichkeiten entstehen so sich nicht, im Gegenteil, "Angst zerstört Kreativität." Daher Spitzers Seitenhieb auf das deutsche Schulsystem, das Kinder bereits in der Grundschule unter enormen Stress setzt, weil alle Schüler nach der vierten Klasse in eine Schublade sortiert werden. Ein anderer Referent drückte es folgendermaßen aus: "In Deutschland haben wir wahrscheinlich das schlechteste Schulsystem der Welt, trotzdem haben wir einige der besten Schulen."

Freude – der Lernturbo

Genau den gegenteiligen Effekt haben positive Emotionen. Wird mit Freude oder positiven Emotionen gelernt, werden im Gehirn Glückshormone freigesetzt. Es wird das gleiche Zentrum im Gehirn aktiv, dass auch bei Drogensüchtigen während des Drogenkonsums aktiv wird. Immer dann, wenn wir beim Lernen Freude empfinden und positiv von uns selbst überrascht werden, wird das Frontalhirn aktiviert, das unser Arbeitsgedächtnis beinhaltet: Es wird gelernt, die Verhaltensweise, die uns gerade positiv überrascht hat, wird gespeichert! D.h. immer dann, wenn wir plötzlich etwas können, wenn etwas besser läuft als erwartet, wird diese Verhaltensweise gelernt. Diese Art zu lernen, hat früher das Überleben gesichert. Die Grundregel hierfür lautet daher: "Positive Emotionen und Lernen hängen systematisch eng miteinander zusammen."

Im anschließenden Forum konnte Spitzers Ergebnisse in der Diskussion noch weiter vertieft werden. Ein wichtiger Punkt, der hier zu Sprache kam: Nicht nur der Lernende muss Spaß haben, sondern vor allem zuerst einmal der Lehrende. Wenn ich als Lehrer, als Trainer, als Führungskraft von dem was ich tue überzeugt bin, wenn es mich begeistert, dann kann ich diese Begeisterung auch auf andere übertragen. Andersherum gilt diese Kenntnis natürlich auch. Wenn ich selbst keine Lust habe, kann ich nicht erwarten, anderen etwas beizubringen.

Das Mind Map zum Vortrag von Manfred Spitzer (zum Vergrößern auf das Bild klicken):



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Samstag, 2. Dezember 2006

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