Von kindlichen und erwachsenen Unternehmen

Das Handelsblatt vom 16.4. berichtet im Artikel "Nimmerland ist zu entspannt..." über das Google Forschungszentrum in Zürich. Nach dem Artikel steckt Google im Moment in der Krise und um dieser zu entrinnen, müsse das Unternehmen "endlich erwachsen werden". Dass es so schlimm nicht sein kann, haben die gestrigen Quartalszahlen gezeigt.
So wie ich den Artikel interpretiere – vielleicht liege ich ja komplett falsch – wird das Kindliche vor allem an Googles Verspieltheit und der für ein ernsthaftes Büro ungewöhnlichen Freiheiten und der ungewöhnlichen Art und Weise, seine Arbeitsstätten auszustatten, festgemacht.
Genannt werden die ominpräsenten Whiteboards in den Büros, damit jede Idee sofort festgehalten und von anderen weiterentwickelt werden kann, Besprechungskabinen, Verbindungsrutschen, ein Ruheraum mit Aquarien usw. Vor der Einrichtung des Büros wurden Mitarbeiter nach Ihren Wünschen und Träumen befragt, um so ein "IT-Nimmerland" zu schaffen.

Nach dieser Beschreibung zu urteilen hat Google aus meiner Sicht sehr viel richtig gemacht, um eine Umgebung zu schaffen, die Kommunikation und Bewegung ermöglicht und vor allem die Kreativität der Mitarbeiter anregt und freisetzt. Die Freiheit auch mal ohne großen Druck an Ideen zu arbeiten, diese auszuprobieren und zu verwerfen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende etwas innovatives dabei heraus kommt. Die im Artikel beschriebene Büro klingt sehr danach als hätte man sich bemüht, eine gehirngerechte Arbeitsumgebung zu schaffen. Was gehirngerecht bedeuten kann, vermittelt das Buch und die Website Brainrules.

Kreativität alleine ist zwar keine hinreichende Bedingung für unternehmerischen Erfolg, aber in vielen Branchen eine zunehmend notwendige. Die Krux der kreativen Ideen ist, dass man diese im Voraus meist selten planen und sich logisch erschließen kann, sondern dass diese nachdem sie entdeckt wurden erst im Nachhinein als logischer Schritt erscheinen. So muss man einfach ausprobieren und spielen! Daher ist für viele Unternehmen zu hoffen, dass sie wieder etwas kindlicher werden.

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Kommentare

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  1. Réka schreibt:

    Ich bin mir nicht sicher, ob alle Extras im Google-Büro die Kreativität befördern, aber mit der Grundidee bin ich weitgehend einverstanden.

    Ich glaube, dass es sowohl viele Unternehmen, als auch viele Leute gibt, die zu erwachsen sind. Sie sind nicht neugierig, oder sogar wenn sie neugierig sind, wagen sie nicht, eine Frage zu stellen. Sie beschäftigen sich zu viel damit, was die anderen Leute denken, und vergessen eine eigene Meinung zu bilden.

  2. Florian Rustler schreibt:

    Leider wird uns die Lust am experimentieren und ausprobieren, das automatisch mit einer gewissen Verspieltheit einher geht, schon in der Schule ausgetrieben.
    Ein zweiter Faktor, den Sie auch ansprechen, ist meiner Meinung nach die Einstellung zu Fehlern. Für viele ist es sehr schwer einen Fehler als eine Rückmeldung zu einer Handlung zu sehen, die es uns ermöglicht, unser Verhalten anzupassen und zu verbessern. Statt dessen ist ein Fehler etwas, vor dem alle Angst haben und den man unbedingt vermeiden sollte.
    Natürlich entscheidet auch der Kontext, wie tolerant man gegenüber Fehlern sein darf. Es gibt Situationen, wo es nicht um das Ausprobieren von Neuem geht, sondern darum, alles ganz genau richtig und nach Vorschrift zu machen.


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