Adventskalender der Denkwerkzeuge 15: Mind Mapping

Mind Mapping gehört eigentlich nicht in einen Adventskalender der Denkwerkzeuge, da Mind Mapping kein Denkwerkzeug ist, in dem Sinne, wie ich Denkwerkzeuge definiere. Mind Mapping sagt dem Denker nicht, was er bedenken soll bzw. in welche Richtung er denken soll. D.h. Mind Mapping strukturiert das Denken eines Individuums oder einer Gruppe nicht! Im Gegenteil, der Nutzer eines Mind Maps gibt einem Thema eine individuelle Struktur und diese ist bei jedem Menschen anders. Mind Mapping auch keine Kreativitätstechnik (eine Untergruppe der Denkwerkzeuge) oder gar eine Technik für das Brainstorming, davon rate ich sogar explizit ab; warum das so ist, habe ich hier beschrieben.
Das Mind Mapping kein Denkwerkzeug ist, ist ein Vorteil für Mind Mapping, denn sonst wäre der Einsatz wesentlich beschränkter. Ein Denkwerkzeug ist meist für einen bestimmten Zweck entwickelt worden, z.B. lohnenswerte Ziele zu identifizieren (Wunschdenken) oder das Problem eingrenzen (Netz der Abstraktion oder Aussagenstarter). Mind Mapping ist viel breiter! Mind Mapping wird als das Schweizer Taschenmesser für das Gehirn bezeichnet, weil es wesentlich mehr kann. Mit Mind Mapping lassen sich vielfältige Informationen strukturieren und visualisieren (z.B. ganze Bücher oder Mitschriften von Vorträgen), daher ist die Anwendung keinesfalls nur auf die Ideenentwicklung beschränkt. Das Mind Mapping lediglich eine Kreativitätstechnik sei, lese ich eigentlich nur in Texten, wo man bei Lesen bereits merkt, dass die Autoren nicht mit Mind Mapping arbeiten und wirklich verstanden haben, wie die Technik funktioniert.

Warum ich Mind Mapping dennoch hier vorstelle? Weil sich die Technik sehr gut eignet, um manche Denkwerkzeuge zu visualisieren oder sogar einen ganzen Problemlöseprozess. Wie das mittels Software (in diesem Fall Mindjet MindManager) funktionieren kann, habe ich hier gezeigt. Da Menschen besonders stark auf visuelle Informationen reagieren und man durch visuelle Information Zusammenhänge ausdrücken kann, wie es mit Wörtern nur schwer möglich ist, setze ich die Technik gerne als Instrument der Visualisierung für manche Denkwerkzeuge ein.

Bild 1 stellt eine Visualisierung der des Denkwerkzeugs Hervorheben dar, welches ich gestern vorgestellt habe. Die orangen Cluster symbolisieren die mit der unstrukturierten Technik Aussagenstarter gefundenen Problemcluster, die gelben könnten nachträglich hinzugefügt worden sein.

So funktioniert es:
Mind Mapping nach Tony Buzan arbeitet nach einer Reihe einfacher Regeln, die ich in einer dreiteiligen Serie vorgestellt habe: Teil 1, Teil 2, Teil 3.

Mind Mapping Kalender
Auf imgriff habe ich vor einigen Tagen einen interessanten Post über das Chronotbook der japanischen Firma Muji gefunden. Das Chonotbook stellt eine Art visuellen Kalender zur Zeitplanung dar. Diese Vorlage ein wenig weitergesponnen und einmal herumexperimentiert, wie eine visuelle Tagesplanung in einer Kombination mit Mind Mapping aussehen könnte.
Beim Chronotebook (siehe Bild 2) gibt es jeweils für Vormittag und Nachmittag einen Zeitkreis.

Der Vorteil besteht darin, dass man die verplanten Zeitstücke sieht. In Kombination mit Mind Mapping (Bild 3) könnte man nun die Ereignisse in Form von Zweigen an den Zeitkreis dranhängen und damit nicht nur das Ereignis an sich, sondern auch die Details in Form von Unterzweigen anschließen. Mit speziellen Farbcodes und Symbolen wie bei Mind Mapping könnte man noch mehr Infos hineinpacken. Angst, dass der Kreis überfüllt wird hätte ich nicht (zumindest nicht beim Großteil der Menschen), zumindest wenn in den Kalender nur Dinge hinein kommen, die an einen spezifischen Zeitpunkt gebunden sind (wie z.B. eine Besprechung) und der Kalender nicht als Todo-Liste mit verwendet wird.

Trackbacks

  1. Adventskalender der Denkwerkzeuge 24: Besser denken mit Denkwerkzeugen

    So, das wars, so schnell sind 24 Folgen des Adventskalender der Denkwerkzeuge vorbei. Ich hoffe, es war der eine oder andere hilfreiche Anregung für Sie dabei! Mir ist bewusst, dass man diese vielfältigen Denkwerkzeuge nicht vom lesen alleine lernt. Viele

Kommentare

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  1. chiochip schreibt:

    Hey Florian!

    Das Chronotbook in Verbindung mit einer Mind Map entspricht ja den symbolischen Mind Map's wie ich sie in meinem Blog beschrieben habe.

    Die Symbolmap führt bekannte und grundlegende Aussagen symbolischer Elemente mit den visuellen Reizen und Gliederungsmöglichkeiten der Mind Map zusammen und am Ende steht eine weitaus aussagekräftigere "hybridere" Map als es die Mind Map je sein könnte.

    Hier übernimmt das Symbol als zusammenführendes Element die Rolle der Zentripetalen und der Mind Map Gedanke die Rolle der zentrifugalen Kraft im gedanklichen Weltbild. Alles steht im Gleichgewicht, -wunderbar!

    Außerdem ist die Symbolmap längst nicht so hierarchisch wie die Mind Map, da die Symbole dir beim Erinnern den Quereinstieg in die Hierarchie erleichtern.

    Ich würde sagen, dass wahrscheinlich alle Mind Map Programme die falsche Schwerpunkte legen. Es wird sich um Import-, Export-Formate gekümmert und kollaboratives Arbeiten in den Himmel gehoben, Videos abgespielt, aber die individuell visuellen Fähigkeiten des Anwenders werden nicht herausgefordert.

    Zu deutsch und weil ich grad gut drauf bin: Die Programme werden langweiliger statt aufregender, noch schlimmer: die Mind Maps verkümmern zur hierarchischen Datenbank, -also Stand 1950!!!

  2. Florian Rustler schreibt:

    Hi Stefan,

    ja, ich habe beim Zeichnen des Chronomaps an dein Blog denken müssen, weil es mich sehr daran erinnert hat.
    Die Maps, so wie oben abgebildet entsprechen voll und ganz dem Konzept von Mind Mapping. Das Besondere daran ist, dass die Zentralidee ein besonders ausgefeiltes Bild darstellt, das in sich bereits eine Menge an Informationen beinhaltet. In diesem Fall handelt es sich um ein Bild, das relativ allgemeinverständlich ist und somit auch von anderen schnell begriffen werden kann.

    Deine Aussagen über Mind Mapping Software sprechen aus meiner Sicht einen wichtigen Punkt an, dass "Mind Mapping Software" visuell immer standardisierter wird und Mind Maps lediglich zu einem reinen Strukturbaum verkümmern. Ich finde iMindMap geht hier noch einen anderen Weg. Mit ein Grund für diese Problematik ist aus meiner Sicht, dass wir das visuelle Denken mit beginn der Schulzeit systematisch ausgetrieben bekommen und viele Leute daher es einfach nicht mehr gewohnt sind, auch visuell zu denken. Aus dieser Warte ist für viele, besonders wenn sie sich mit visuellen Techniken nicht beschäftigt haben, die "hierarchische Datenbank" wahrscheinlich noch am ehesten zugänglich und daher entwickelt sich der Trend dorthin.
    Ich mache die Erfahrung in meinen Seminaren, dass die Teilnehmer, nachdem sie sich ein paar Stunden mit Mind Maps beschäftigt haben, die visuell herausfordernderen Darstellungen meist ansprechender finden und die Möglichkeiten sehen.

    Gruß

    Florian

  3. chiochip schreibt:

    Hey Florian!

    Nicht Bild! Sondern Symbol!! Ganz wichtig!!! Sonst kommt noch jemand auf die Idee und nimmt ein Foto als zentralen Punkt der Symbolmap und es gibt schon wieder Wildwuchs. Ein Bild hat nicht die zusammenführende Kraft wie ein Symbol.

    Ich glaube, dass die Leute der Bilderflut (Informationsflut) unterliegen. Visuelles knock out infolge permanenter visueller Impression. Dagegen hilft nur der gute alte Wasserfarbkasten.

    mfg Stefan

  4. Florian Rustler schreibt:

    Hi Stefan,

    ich glaube, wir haben wieder unterschiedliche Begrifflichkeiten, meinen aber das Gleiche. Ich unterscheide zwischen Symbol, das ich auch als Icon bezeichne, Bild und Foto.
    Ein Symbol sind bei mir kleine grafische Elemente, die immer in der gleichen Form wiederkehren und immer die gleiche Bedeutung. Im Falle der Chronomap wäre das Zentralbild als Symbol zu bezeichnen, da hast du recht.
    Ein Bild ist ein visuelles Unikat, das verwendet wird um einen speziellen Sachverhalt oder ein Thema visuell darzustellen.
    Ein Foto kann man ja sowieso nur bei digitalen Maps verwenden, das kommt jedoch nicht oft vor.

    Gruß

    Florian

  5. chiochip schreibt:

    Hoi Florian!

    Nimm Rücksicht, ich nehm's mit den Begriffen scheint's nicht immer so genau.
    Aber mit Symbol meine ich grafische Elemente die mehr als ein bloßer Hinweis auf irgend etwas sind. Sie stehen für eine Einstellung und lösen auch Gefühlsregungen aus. Ich habe Bezüge zu bestimmten Formen, weiß aber nicht wieso. Da bin ich noch am experimentieren.

    Gutes Nächtle


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