Softwaretest: Inforapid KnowledgeMap 2007 – Teil 1

Vor kurzem bin ich auf Inforapid KnowledgeMap 2007 aufmerksam geworden. Ich wollte ursprünglich mal schnell (2-3 Stunden) das Programm testen und einen kurzen Testbericht schreiben, sowie ich das bei Buzan iMindMap gemacht habe.

Jetzt muss ich feststellen, dass es so schnell nicht gehen wird, dafür ist das Programm zu mächtig und zu komplex. Ich werde daher zuerst einen ersten Teil einstellen, der sich auf das Visualisierungsprogramm bezieht. Der Post wird auch Herrn Straub, dem Programmierer der Software geschickt, der ja vielleicht einen Kommentar dazu verfassen wird, um einige der Fragen zu klären, die ich hier aufwerfe.
Wie im ausführlichen Handbuch des Programms nachzulesen, besteht das Programm aus zwei Komponenten:


  • einem Grafikprogramm, mit dem man schicke Visualisierungen machen kann und
  • dem KnowledgeMap-Server, eine Art Content-Management-System mit dem man Wissensnetze generieren kann.

In diesem Post möchte ich mich erst einmal nur dem Grafikprogramm widmen. Ich werde mich dabei auch wieder an den Inhaltspunkten orientieren, die ich bei Buzans iMindMap verwendet habe.

Die Bedienung
Gleich beim ersten Start des Programm fällt die große Vielfalt an Möglichkeiten auf. Das Programm bietet sehr viele Möglichkeiten der Visualisierung von Wissenslandkarten, Organigrammen, Entscheidungsbäumen, Projektstrukturplänen und Mind Maps. Das ist sehr positiv, denn man ist nicht auf nur eine Form der Visualisierung beschränkt, das bringt allerdings auch Komplexität mit, die ich, nach vier Stunden Test noch nicht richtig durchdrungen habe.
Die Software lässt sich relativ einfach bedienen, meiner Meinung ist sie jedoch nicht so intuitiv, dass man zum Spielen erst einmal ohne Handbuch auskommt, wie das z.B. bei Buzans iMindMap der Fall war. Hier würden mir einige Einführungs-Flash-Filme gut gefallen, die die grundlegende Bedienung des Programms erläutern und das Blättern des Handbuchs verringern. Allerdings ist es bei einem so funktionsreichen Programm auch nicht zu erwarten, dass das ganze völlig selbsterklärend statt findet. Nicht umsonst gebe ich Business Mapping Seminare um den Teilnehmern die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und Funktionen des Mindjet MindManagers zu erklären.

Die Features
An Features habe ich vermutlich nur einen Bruchteil dessen ausprobiert, was das Programm kann. Grundsätzlich kann man mit dem Grafikprogramm von InfoRapid KnowledgeMap verschiedenste Visualisierungen erstellen, die man auf unterschiedliche Weise anordnen und formatieren kann und außerdem mit interaktiven Möglichkeiten versehen kann. Einen ersten Einblick in die Möglichkeiten sieht man bei einem Blick auf die Symbolleisten.


Am rechten Rand befindet sich eine Stichpunktliste und ein Eigenschaften-Menü, wo weitere Einstellungen möglich sind.

Ganz Klasse fand ich die Funktionen Entscheidungsbaum und Lernmodus. Beim Entscheidungsbaum werden je nach Entscheidung nur die Felder geöffnet, die mit der aktuellen relevanten Auswahl zu tun haben, alle anderen Felder rücken in den Hintergrund und werden minimiert.
Im Lernmodus werden die zusätzlichen Texte, die unter den einzelnen Elementen stehen ausgeblendet und nur bei einem Mouse-Over eingeblendet.


Als schwierig und für mich nicht intuitiv habe ich die Anordnen der einzelnen Elemente empfunden. Sobald ich Autolayout-Funktion des Programms deaktiviert habe, konnte ich zwar die Elemente anordnen, allerdings ist dann bei einem Wechsel der Anordnung von z.B. der vertikalen zur kreisförmigen Anordnung schnell ein Durcheinander entstanden, das nur schwer wieder zu kontrollieren war.

Man kann auch Mind Maps mit Inforapid KnowledgeMap erstellen, dafür gibt es sogar einen eigenen Button. In den Beispieldateien gibt es ein Beispiel für ein Mind Map, mit auf Zweigen geschriebenen Schlüsselwörtern und Bildern. Ich selbst habe es leider nicht hinbekommen, die Rahmen um die Stichpunkte komplett zu entfernen, so dass wie ein Mind Map aussah. Sehr schön ist dabei die Möglichkeit, zu jedem Zweig mit einem Mouse-Over Zusatzinformationen einblenden zu können. Damit lassen sich Maps selbsterklärend gestalten. Ein Beispiel dazu gibt es auf http://www.knowledgemaps.info/
Für den Mind Mapper gewöhnungsbedürftig ist die automatische Leserichtung des Programms, das die Map von links oben beginnt, wohingegen man beim Mind Mapping rechts oben beginnt und dann im Uhrzeigersinn bis nach links oben mappt.

Der Clou des Ganzen ist der HTML-Export bei der die Wissenskarten mit samt aller Hyperlinks ins Internet gestellt werden können.



Fazit
Das Grafikprogramm von Inforapid KnowledgeMap 2007 ist ein sehr umfangreiches und mächtiges Programm mit dem man eine Vielzahl interaktiver Visualisierungen erstellen kann. Die grundlegende Bedienung ist relativ schnell erlernbar, um die Funktionen dann wirklich auf seine Bedürfnisse zugeschnitten benutzen zu können, bedarf es etwas mehr Zeit des Übens und Ausprobierens.
Sowohl das Programm, als auch die davon erzeugten Visualisierungen sind optisch sehr ansprechend und dürften jedem visuellen Menschen viel Freude bereiten.
Das Anordnen der einzelnen Visualisierungselemente könnte noch intuitiver gestaltet werden. Wünschenswert wären außerdem kleine Icons, die auf einen Blick kennzeichnen hinter welchen Elementen sich mehr befindet, z.B. ein Hyperlink oder zusätzlicher Text.
Die HTML-Exportfunktion bietet eine sehr schöne Möglichkeit, die Visualisierungen mit wirklich allen Inhalten (im Gegensatz zu Mindjet MindManager) ins Netz zu stellen. Das ist für interaktive Wissenskarten ein großer Vorteil
Bei Gelegenheit werde ich mir den KnowledgeMap Server ansehen...

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Kommentare

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  1. Ingo Straub schreibt:

    Hallo Herr Rustler,

    vielen Dank für Ihren umfangreichen Test und die ausführlichen Kommentare. Bitte lassen Sie mich kurz auf Ihre Fragen und Anregungen eingehen.

    Sie haben recht, die Layout-Möglichkeiten überfordern einen zunächst. Daher sollte man am Anfang auch das automatische Layout verwenden. Dabei kann für jede Hierarchieebene eine von elf möglichen Anordnungen ausgewählt werden. Dies kann z.B. eine Baumdarstellung oder die bei MindMaps übliche kreisförmige Anordnung der Stichpunkte sein. Der Vorteil beim automatischen Layout ist, dass man beim Einfügen oder Löschen von Stichpunkten das Diagramm nicht wieder händisch neu layouten muss. Mit der Zeit gibt es dann aber immer wieder Situationen, in denen man die automatisch gelayouteten Positionen von Hand ändern möchte. Dazu bietet das Programm drei Möglichkeiten:

    1.) Der Stichpunkt wird absolut positioniert und hat eine fixe Position im Diagramm. Auch wenn sich die Positionen der restlichen Elemente durch den automatischen Layout-Algorithmus ändern, seine Position bleibt immer gleich.
    2.) Der Stichpunkt wird relativ zu seiner gelayouteten Position verschoben. Ändert sich seine automatisch gelayoutete Position, so wandert der Stichpunkt mit, sein Abstand zur automatisch gelayouteten Position bleibt aber gleich.
    3.) Der Stichpunkt wird relativ zu seinem Elternelement angeordnet. Verschiebt sich das Elternelement, so wandert der Stichpunkt um denselben Betrag mit.

    Setzt man diese Layoutmöglichkeiten richtig ein, so kann man die Stichpunkte fast beliebig positionieren, ohne dass beim Einfügen oder Löschen von Stichpunkten das Layout immer wieder von Hand angepasst werden muss.

    Um einen Stichpunkt bei einer MindMap ohne Rahmen darzustellen müssen Sie die Farbe des Stichpunkts auf TRANSPARENT setzen. Anschließend können Sie noch die Option "Breite an Text anpassen" auswählen, um die Länge des Zweigs automatisch an die Textlänge anzupassen. Ihre Formatierungen können Sie übrigens mit dem Befehl "Formatierung übertragen" per Zwischenablage auf andere Stichpunkte übertragen. Mit dem Befehl "Als Anfangsformatierung übernehmen" können Sie zusätzlich noch festlegen, dass neue Stichpunkte gleich entsprechend Ihren Vorstellungen formatiert erstellt werden.

    Als nächstes planen wir, kurze Einführungsvideos zu erstellen, die anhand einfacher Beispiele anschaulich die Bedienung des Programms zeigen.

    Wir freuen uns schon auf Ihre Anregungen zum KnowledgeMap-Server.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ingo Straub

  2. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Herr Straub,

    vielen Dank für Ihre Antwort! Da habe ich noch einiges gelernt.
    Ich bin schon gespannt den KnowledgeMap-Server zu testen.

    Herzliche Grüße,

    Florian Rustler

  3. karl Heinz schreibt:

    Hallo Miteinander,

    Ich danke erst einmal dem Autor des Testberichtet. Auch wenn er nur den ersten Teil beschrieben hat.
    Ich selber bin schon seit meiner Studienzeit auf der Suche nach einem geeigneten Programm zum Thema Knowledge Management. Das „InfoRapid“ scheint das Ideale Programm zu sein. Ich werde erst einmal die Vorgänger Version testen, sollte sie mir Zusagen bin ich gerne bereit die 45 € zu investieren um die neuste Version zu kaufen, darüber hinaus wäre das bestimmt auch noch was für unser Unternehmen in dem ich Arbeiter. Momentan sieht unser Knowledge Management so aus, das unser Abteilungsleiter alles weiß, da er ein fotografisches Gedächtnis hat. Leider wird er in ein paar Jahren in Rente gehen müssen... und bis dahin muss der Wissenstransfer abgeschlossen sein...!
    Ich wünsche dem Programmiere von InfoRapid noch viel Erfolg mit seiner Software......

  4. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Karl Heinz,

    Sie sprechen da ein wichtiges Problem an: Wissen ist immer an eine Person gebunden, wenn diese Person das Unternehmen verlässt, dann ist oft auch ein Großteil seines Wissen weg, wenn es nicht übergeben wurde. Dabei ist nicht möglich und wahrscheinlich auch nicht sinnvoll wenn derjenige einfach alles niederschreibt, da kommt dann wahrscheinlich niemand mehr mit zu recht, oder möchte das lesen.
    Manche Unternehmen experimentieren deshalb inzwischen mit anderen Techniken, wie z.B. Storrytelling, wo Wissensträger versuchen ihr Wissen in interessante Geschichten zu packen, die für die Zuhörer interessanter sind und die man sich besser merken kann.
    Eine andere Möglichkeit ist es, Wissen nicht nur auditiv zu verpacken, sondern es zu visualisieren. Dies kann mit Wissenskarten, mit Mind Maps oder anderen Visualisierungstechniken geschehen, in die sich die Leser explorativ einarbeiten können.
    Ein Umsetzungsbeispiel, wo komplexe Wissenstrukturen mit einer Mischung aus Artikeln und Mind Maps umgesetzt wurden ist das FIS, das Forschungs-Informations-System (http://www.forschungsinformationssystem.de/). Hier navigiert der User erst mittels Business Maps durch ein Thema, bis er an einen entsprechenden Fachartikel gelangt, den er dann lesen kann. Der Vorteil des Systems ist, dass sich Benutzer viel leichter im Wissensdschungel zurecht finden. Dafür gibt es auch Testzugänge, vielleicht können Sie es ja mal ausprobieren.

    Herzliche Grüße,

    Florian Rustler

  5. Ingo Straub schreibt:

    Hallo Karl Heinz,

    InfoRapid KnowledgeMap würde Sie bei dem Wissenstransfer mit Sicherheit sehr gut unterstützen. Zum einen kann Ihr Abteilungsleiter sein Wissen übersichtlich in MindMap-Form als KnowledgeMaps erfassen und dort z.B. Hyperlinks auf weiterführende Dokumente einfügen. Anschließend können Sie die KnowledgeMaps zusammen mit den restlichen (WinWord-, PDF-, usw.) Dokumenten mit dem KnowledgeMap-Server indizieren. Er stellt eine Web-Benutzeroberfläche zur Verfügung, über die jeder Mitarbeiter in Ihrer Firma die Dokumente ähnlich wie bei Google durchsuchen kann und der z.B. aus WinWord-Dokumenten automatisch eine graphische KnowledgeMap mit den wichtigsten Inhalten generiert. Gleichzeitig zeigt er auch noch alle anderen Dokumente, die dasselbe Thema behandeln, an.

    Viel Spaß beim Ausprobieren!
    Ingo Straub


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