Adventskalender der Denkwerkzeuge 12: Das Netz der Abstraktion

Bevor es in Kreativworkshops an die Ideenentwicklung geht, sollte man sich erst einmal darüber im Klaren sein, wofür, das heißt für welches Problem man genau Ideen entwickeln möchte.
Genau um diesen Aspekt geht es in der Phase "das Problem klären" in Creative Problem Solving (CPS).
Stellen Sie sich vor Sie habe das allgemeine Ziel Ihr Englisch zu verbessern. Nun können Sie sich überlegen, welche Möglichkeiten Sie haben, ihre Sprachkenntnisse auf Vordermann zu bringen. Vielleicht ist das aber gar nicht das wirklich wichtige Problem? Vielleicht stellen Sie fest, dass Sie zuerst daran arbeiten sollten, wie Sie etwas weniger Verpflichtungen eingehen könnten, um so mehr Zeit zu haben, um dann z.B. Ihr Englisch zu verbessern.
Deutlicher wird das vielleicht an einem etwas komplexeren Beispiel, wie es in manchen meiner moderierten Ideenworkshops schon vorgekommen ist. "Wir möchten unsere Vertriebszahlen erhöhen". Das ist ein sehr allgemeines Problem, dass so möglicherweise noch zu ungenau und zu breit für die Ideenentwicklung ist. Daher macht es, nachdem man Daten gesammelt hat, z.B. mit Unterstützung der Technik 6 Ws Sinn, das Problemspektrum etwas aufzufächern, um so Teilaspekte des Problems zu identifizieren oder eine Priorisierung vorzunehmen, um dann in der Phase der Ideenentwicklung zu sehen, welche Lösungmöglichkeiten es gibt.

Abstrakter und handlungsorientierter
Ein Denkwerkzeug, das ich heute vorstellen möchte ist das Netz der Abstraktion, dessen Ziel es ist den Fächer der Perspektiven, wie man ein Problem betrachten kann, zu erweitern. Erweitern, in dem man das Problem abstrakter formuliert und erweitern, in dem man das Problem noch handlungsorientierter formuliert.

So funktioniert es:
Ich kann es hier nur exemplarisch vorführen. Sie sollten sich zur Durchführung mindestens 20 Minuten Zeit nehmen.


  1. Schreiben Sie ihr Ziel in die Mitte eines Blattes, z.B. Es wäre super, wenn ich mein Englisch verbessern könnte.
  2. Nun fragen Sie sich Warum? und schreiben die Antwort oberhalb Ihres Ziels, z.B. Weil ich meine beruflichen Qualifikationen verbessern möchte..
  3. Nun fragen Sie Warum noch? und schreiben eine Antwort in die gleiche Ebene. Auf diese Weise erhalten Sie drei bis vier Antworten auf einem abstrakteren Level
  4. Nun können Sie das Gleiche noch einmal für die so neu gefundenen Antworten wiederholen und so ein weiteres Level der Abstraktion einführen.
  5. Um konkreter zu werden, gehen Sie zum ursprünglichen Ziel in der Blattmitte zurück und fragen Was hält mich davon ab? und Was hält mich noch davon ab? Auf diese Weise bekommen Sie Antworten die etwas konkreter werden. Eine Antwort könnte sein Weil ich keine Zeit habe.
  6. Auch hier können Sie zwei Ebenen entwickeln.
  7. Nun identifizieren Sie die Fragestellung an der Sie arbeiten möchten.


Wenn man das Netz einmal entwickelt hat, entsteht ein breiterer Blick auf das Problem und nicht selten stellt man fest, dass die Herausforderung auf die man seine Energien konzentrieren sollte, eine andere als die ursprünglich gedachte ist. Kann sein, muss aber nicht!

Klicken Sie zum Vergrößern des Beispiels auf das Bild.

Trackbacks

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Kommentare

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  1. Stefan schreibt:

    Hey Florian!
    Schön, dass du mal alle Denkmethoden in einem Adventskalender zusammenstelltst.
    Sehr gute Idee, wie ich finde und vielleicht geht uns allen auch ein Licht auf oder vielleicht zwei, noch besser drei oder vier; spätestens dann steht die Lösung vor der Tür. Und wenn die fünfte Kerze brennt haste Weihnachten verpennt (fügt immer mein Sohnemann hinzu).

    Alles Gute
    Stefan

  2. Andreas Weinberger schreibt:

    Servus Florian,

    vielen Dank für die Mühe die du dir mit dem Adventskalender machst - tolle Anregungen die man hier findet.

    Ich hab gerade auch schon geschrieben dass dein Adventskalender eine wohltuende Abwechslung zu dem ganzen Advents-SPAM ist.

    Viele Grüße

    Andreas

  3. Florian Rustler schreibt:

    Hi Andreas,

    du schreibst, du hast "gerade auch schon geschrieben"...
    Bloggst du wieder? Wenn ich auf dein Blog gehe, finde ich da nach wie vor den Post vom 05. April 2008.

    Gruß

    Florian

  4. Andreas Weinberger schreibt:

    Ich hab das in meinen XING-Status geschrieben - das Blog liegt weiterhin brach aber die Finger jucken immer mehr:-)

  5. Florian Rustler schreibt:

    Na hoffentlich jucken sie bald so stark, dass du es nicht mehr aushältst und schreiben musst :-) Unser Austausch war immer sehr spannend, ähnlich wie mit Stefan hier.

  6. Florian Rustler schreibt:

    Hallo ihr beiden!

    Es freut mich, dass ihr meinen Adventskalender hilfreich findet. Ich hoffe, ich habe noch ein paar nützliche Werkzeuge parat!

    Viele Grüße

    Florian


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