Der Mythos der beiden Gehirnhälften

Vor mehr als 30 Jahren wurde der amerikanische Mediziner Roger Sperry weltweit mit seiner "Split-Brain"-Forschung bekannt. Grundlage bildete seine Forschung an Epilepsiepatienten, denen die Verbindung zwischen den beiden Hirnhemisphären corpus callosum durchtrennt wurde.
Dadurch konnte herausgefunden werden, dass die Gehirnareale für unterschiedliche geistige Fähigkeiten an verschiedenen Orten der Hemisphären angeordnet sind.
Die Schlussfolgerung, dass der Mensch deshalb mal die eine oder die andere Hemisphäre benutzt bzw. die eine andere oder andere Hemisphäre vernachlässigt, konnte nicht nur nicht bewiesen werden, sondern ist bereits seit mehreren Jahren widerlegt. Der Mythos der Gehirnhälften suggeriert seit Jahren, dass es in unserem Gehirn bei bestimmten geistigen Tätigkeiten, z.B. Sprechen oder Rechnen in der einen Hälfte ganz kräftig knistert, während die andere untätig in unserem Kopf liegt.
Auch die Behauptung das bestimmte Übungen deshalb besonders die eine oder andere Gehirnhälfte stärken oder stimulieren gehört in die Märchenkiste.

Durch moderne Technik kann man unserem Gehirn heute sehr schön beim Denken zusehen. Je länger man das Gehirn beobachtet und je mehr man davon versteht, desto deutlicher wird, dass bei den allermeisten Denkoperation die unterschiedlichsten Bereiche des Gehirns gleichzeitig aktiv sind (vgl. z.B. Spitzer: Lernen, 2003).
Um effektiv zu lernen und zu arbeiten ist es trotzdem äußerst hilfreich, wenn man weiß, wie unser Gehirn lernt und wie das bei verschiedenen Menschen unterschiedlich abläuft. Etwas mehr dazu in meine Post vom Methodenkongress: Teil1, Teil2, Teil 3

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Kommentare

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  1. Stefan Moser schreibt:

    Grüß Sie Hr. Rustler,

    mich eingeschlossen nehmen viele diese, ich weiß, überholte Ansicht als Metapher für verschiedene Operationsmodus in denen wir uns befinden können. In einem logisch-analytischen, einem ganzheitlichen, einem reflexartigen oder einem versuchsartigen Stadium. Um einige zu nennen.

    Es ist somit als Bild immer noch gut. Wenn man es verwendet, dann aber nur mit dem Hinweis dass man nun mit einem Modell (und NUR mit einem Modell) operiert - mit dessen Hilfe man etwas thematisch behandeln kann.

    Denn um bei jeder Methode oder Thema den vollen neurobiologischen Hintergrund zu geben ist meistens die Zeit zu kurz. :-) Da helfen oft die von den meisten bevorzugten Schwarz / Weiß Bilder (nö, in diesem Fall Links / Rechts) eben gewaltig.

  2. Florian Rustler schreibt:

    Ich kann gut nachvollziehen, dass man nicht immer alles wissenschaftlich bis ins kleinste Detail erklären kann. Da gebe ich Ihnen recht, dass man deshalb mit manchmal vereinfachenden Darstellungen und Erklärungen arbeiten muss.

    Was ich am oben genannten Beispiel schwierig finde, ist, dass es meistens nicht als Modell zur Vereinfachung verwendet wird, sondern den Leuten als Tatsache verkauft wird. Ich denke, nicht einmal als Modell ist es nötig. Man kann sehr gut die unterschiedlichen Operationsmodi - wie Sie es nennen - erklären, ohne auf dieses Hirnhälftenmodell zurückgreifen zu müssen.

  3. Stefan Moser schreibt:

    Es kommt wahrscheinlich unserer dualen Weltanschauung der Gegensätze so herrlich entgegen. Und ist darum a.) populär und b.) so schnell integriert bei denen die es nicht kennen.

    Schöne Grüße!
    Stefan


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