Bessere Mitschriften mit Mind Mapping - Sachtexte aus unterschiedlichen Perspektiven lesen

Vor einiger Zeit habe ich das Vorgehen Rein und Raus Schreiben vorgestellt. Rein und Raus Schreiben ist eine Vorgehensweise, mit der man beim Anfertigen von Mitschriften seine eigenen Gedanken, die einem während des Lesens oder Zuhörens kommen, im Rahmen der Mitschrift festhalten kann. Wenn wir einen Text lesen und uns Notizen dazu machen, kommen uns oft Ideen oder wir werden an etwas erinnert. Diese Gedanken können mit dem Vorgehen gut fest gehalten werden, um so noch mehr aus der Lektüre eines Textes zu ziehen.

Manchmal kann es sinnvoll sein, diese Vorgehensweise noch zu erweitern und die Gedanken mehrerer Rollen festzuhalten. Die meisten von uns befinden sich ja in mehreren Rollen gleichzeitig, die wir so für das Lesen von Sachtexten nutzen können.
Angenommen ich lese einen Text über den Einfluss der Raumeinrichtung auf die Kreativität der Menschen im Raum, dann könnte ich diesen Text aus mehreren für mich sinnvollen Blickwinkeln betrachten und mir entsprechend Notizen machen. Ich könnte mehrere Perspektiven parallel einnehmen und den Text unter diesen Brillen lesen.
Denkbare Rollen in meinem Beispiel könnten sein. Wissenschaftler, Trainer und Unternehmensgründer (Bild 1). Jede Rolle stellt einen Aufmerksamkeitsfokus dar mit dem ich den Text betrachte. Die Notizen, die sich jede Rolle macht, können durchaus sehr unterschiedlich sein.



Ich mache meine Notizen grundsätzlich in Form von Mind Maps und habe auch die Technik Rein & Raus-Schreiben mit Mind Maps vorgestellt. Auch das Einnehmen mehrerer Rollen gleichzeitig lässt sich wunderbar mit Mind Maps abbilden.
So könnten eingehende Notizen in schwarz fest gehalten werden und für jede Rolle eine spezifische Farbe definiert werden (ähnlich wie in der obigen Tabelle), die für die weiterführenden Gedanken dieser Rolle stehen (Bild 2).

Mitschriften mit Mind Mapping

Die Anzahl der Rollen die man gleichzeitig einnehmen kann und damit die Anzahl der Brillen mit der man einen Text gleichzeitig lesen kann, ist sicherlich begrenzt. Ich persönlich arbeite mit 2 – 3 Perspektiven, die für den jeweiligen Text Sinn machen.
Diese Vorgehensweise ist natürlich wunderbar kombinierbar mit anderen Techniken zum effektiveren Lesen. Diese habe ich z.B. in meiner zweiteiligen Serie die Pyramide des Bücherlesens vorgestellt.

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Kommentare

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  1. chiochip schreibt:

    Hallo Florian,

    könnte man die Technik des "Rein & Raus-Schreiben" mittels Mind Maps dahingehend erweitern oder sogar vereinfachen, in dem man alle "rein"-Gedanken über bzw. links vom Ast und alle "raus"-Gedanken unter bzw. rechts vom gleichen Ast notiert?

    Gruß Stefan

  2. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Stefan,

    ich denke vom Platz und von der Optik ist dein Vorschlag her schwierig. Beim Mind Mapping sollen ja alle Infos auf Zweige geschrieben werden, um die Klarheit der Struktur zu erhalten. Außerdem werden Zweige immer nach außen entwickelt, um flexibel zu bleiben.
    Die "Rein"-Gedanken stellen ja die Äste dar, es sind sozusagen die "Fakten" aus dem Text. Nun bleibt die Frage, wie du deine eigenen Gedanken "Raus" festhalten kannst. Im traditionellen Mind Mapping würdest du diese auf Zweige schreiben.
    Mit Software wären natürlich andere Möglichkeiten denkbar, wie z.B. eine Kommentar-Blase überhalb des Zweiges etc.

    Florian

  3. chiochip schreibt:

    Hallo Florian,

    grundlegend soll die oben abgebildete Map ja auch nicht verändert werden.

    Auch der Inhalt von "Rein" steht nach wie vor "links" vom Ast.

    Aber der Inhalt von "Raus" steht zusätzlich "rechts" vom Ast.

    links und rechts bedeuten die Lageorientierung in Pfeilrichtung.

    Rein
    |--------------->
    Rein |
    0-------------->|
    Raus | Rein
    |-------------------->
    Raus

    Gruß

  4. Florian Rustler schreibt:

    Hi Stefan,

    probiere dieses Vorgehen mal aus und lass mich wissen, wie es dir damit geht.
    Ich befürchte, dass die visuelle Klarheit darunter leiden wird, Zweige oben und unten zu beschriften, besonders wenn das Map komplex wird. Deshalb wird beim Mind Mapping auch ausschließlich auf (oberhalb) die Zweige geschrieben.

    Viele Grüße

    Florian

  5. chiochip schreibt:

    Mach ich!

  6. Andreas Lercher schreibt:

    Hallo Florian,
    das Festhalten spontan einfallender Gedanken machen Marion und ich schon seit langem mit parallel geführten MindMaps. Wir nennen das Collage-Mapping. Ich habe einfach immer ein Reserveblatt mit und notiere mir darauf diese Gedanken, auch zu unterschiedlichen Themen. Strukturiert wird mittels Symbolen oder Farben. Je nach dem was ich gerade zur Hand habe. Wir haben das auch in unsere Trainings integriert. Funktioniert sehr gut.

  7. Florian Rustler schreibt:

    Servus Andreas,

    das ist natürlich auch eine interessante Möglichkeit. Heftet ihr das Collage-Map dann an das andere Mind Map dran?
    Interessant bei dem von mir beschriebenen Vorgehen finde ich z.B. auch die Möglichkeit per Software bestimmte Perspektiven über Filterfunktion ein oder auszublenden.

    Viele Grüße

    Florian

  8. Andreas Lercher schreibt:

    Meistens ist es so, dass die neu einfallenden Gedanken mit dem UrsprungsMap wenig oder gar nichts gemein haben. Es passiert einfach durch intensives und fokussiertes Mappen, dass einzelne Begriffe andere, scheinbar unpassende Assoziationen auslösen. Wenn man dann ganz genau nachforscht kommt man drauf, dass es irgendwie doch eine Verbindung gibt. Dennoch habe ich mit angewöhnt alles was da rein kommt auf ein exta Map zu schreiben. Diese Gedanken werden später dort hin übertragen wo sie hingehören - Kalender, Ideenkcontainer, to-do, ...

    :o) Andreas

  9. Florian Rustler schreibt:

    Hi Andreas,

    ich mache es so, dass ich nur Gedanken auf mein Map schreibe, die zu einer der Rollen passen. Wenn es etwas ist, dass mit etwas ganz anderem zu tun hat, dann schreibe ich das in mein Notizbuch, dass ich für Getting Things Done verwende.

    Viele Grüße

    Florian


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