Creativity-Factory: Kollektive Ideenmaschine über das Internet?

Ich habe eine Idee, die mir schon lange Zeit im Kopf herumschwirrt, in die ich schon etwas Hirnschmalz hineingesteckt habe, die aber noch wesentlich mehr Zeit und Energie benötigt. Ich möchte das trotzdem einmal vorstellen und bin gespannt auf Meinungen:

Ich denke an eine Online-Plattform zur Ideengenerierung und Entwicklung. Ich sehe eine Mischung aus Forum und Social Network, wo Leute/ Firmen/ Organisationen Ideen einstellen und diese von Usern im Netz weiterentwickeln lassen.
Den Mehrwert, den ich dabei sehe, ist, dass man Ideen von einer großen Menge an Leuten weiterspinnen lassen kann und man dadurch viel mehr Möglichkeiten und Umsetzungsmöglichkeiten sowie am Ende auch bessere Qualität erreichen kann.

Das Besondere an dieser Plattform ist der Einsatz von Denkwerkzeug-Wizards, die einem helfen, das Denken bewusst in bestimmte Richtungen zu lenken. Diese Wizards enthalten Denktechniken z.B. 6 hats von Edward DeBono, SWOT-Analyse etc., die den User leiten.
Welcher Wizard zum Einsatz kommt, könnte der User selbst entscheiden, oder der "Einsteller" einer Idee vorschlagen, weil er z.B. das Denken in eine bestimmte Richtung lenken möchte.

Ein typischer Ideen-Prozess könnte folgendermaßen aussehen:

1. Einstellen einer Idee mit der Bitte um Weiterentwicklung.
2. User entwickeln die Idee weiter, mithilfe des Einsatzes von Wizards oder im Freestyle Modus.
3. Die weiterentwickelten Ideen können wiederum aufgegriffen werden.
4. Aus den vielen Ansätzen greift der „Einsteller“ einige raus, die nun in die nächste Stufe gehen -> Release 1
5. Die Release 1 – Idee kann nun wieder mithilfe bestimmter Wizards und Kriterien verfeinert werden.
6. Der Einsteller schließt irgendwann die Idee.
7. Nun geht es in die Bewertungs- und Diskussionsphase
8. ... habe ich mich noch nicht überlegt...

Ziel soll sein, eine Idee soweit zu entwickeln, dass diese in die Umsetzung gehen kann.
Wie hoffentlich deutlich wird, handelt es sich um eine Mischung aus kreativem und strukturiertem Prozess, der die Denkpower vieler Leute nutzen soll.

Viele Fragen habe ich mir dazu schon gestellt, aber nur teilweise beantwortet, z.B.


  • soll es Userprofile geben?
  • soll es Rollen geben? z.B. Ideensponsor und Teilnehmer
  • wie motiviert man User an Ihre Denkpower zur Verfügung zu stellen? z.B. durch raten der Einfälle und damit ein Punktekonto ähnlich wie bei E-Bay.
  • wie könnte ein Preismodell für Firmen aussehen, die die kollektive Intelligenz nutzen wollen?
  • gibt es einen weiteren Extra-Service, z.B für das Strukturieren und Moderieren des Prozesses?
  • Was kostet die Programmierung etc?


Um das gesamte Konzept niederzuschreiben, bräuchte ich noch viel Zeit. Meine Hauptinteresse wäre erst einmal Meinungen zur Akzeptanz und Umsetzbarkeit eines solchen Tools zu erfahren.
Warum gebe ich eine solche Idee preis? Meine Philosophie ist, dass vielen Ideen nichts wert sind, wenn diese nichts umgesetzt werden. Ideen haben ist leicht, aber Umsetzen sehr schwer.

Ein Denkwerkzeug, dass ich für Ihre Gedankenexperimente vorschlage ist das 6-hats-framework von DeBono. Folgende Fragen können helfen:

  • Wie ist Ihr Gefühl, Ihr Eindruck, wenn Sie das hören (ohne logische Begründung!)
  • Welche Fakten haben wir? Welche Fragen müssen noch beantwortet werden?
  • Warum könnte es scheitern? Wo liegen Schwierigkeiten?
  • Warum könnte es klappen? Was ist positiv daran?
  • Welche weiteren (provokanten) Ideen, Hypothesen etc. gibt es noch, die dem Ganzen eine neue Richtung verleihen könnten?


Ich bin gespannt und hoffe auf Beiträge!

Trackbacks

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Kommentare

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  1. Harald Schmid schreibt:

    Die Idee klingt gut.

    Es wird eine Herausforderung sein, die Frage nach dem Urheberrecht einer Idee zu beantworten. Gehört zum Beispiel die Idee immer dem, der sie veröffentlicht hat? Oder kann ich durch wesentliche Überarbeitung einen Anteil an der Idee erwerben.

    Sprich: Welchen Vorteil habe ich als Nutzer davon, wenn ich die Idee eines anderen weiter entwickle?

    Eine Lösung für dieses Problem wäre, wenn die Plattform nicht öffentlich zugänglich wäre, sondern einzelne Gruppen für sich sind.

  2. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Harald,

    danke für deinen Beitrag!
    An die Frage des Urheberrechts habe ich auch schon gedacht. Ich weiß hier auch noch keine genaue Antwort. Eine Idee alleine, ohne Umsetzung, ohne Verfahren etc. lässt sich ja schlecht schützen! Deshalb gehört diese prinzipiell erst einmal niemandem.
    Ich hatte überlegt, dass der Sponsor/ "Einsteller" das Recht hat, die Idee irgendwann zu schließen und damit nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen.
    Eine weitere Nutzung, an die ich gedacht habe, ist es, Gruppen oder Unternehmen geschlossene Gruppen zu ermöglichen, in die nur bestimmte Leute eingeladen werden können.

    Ein weiterer Aspekt ist die Frage, welche Motivation ein Nutzer hat, seine Ideen beizutragen. Hier gibt es wohl wieder mehrere Möglichkeiten:
    - Wenn es geschlossene Gruppen sind, z.B. Firmen und Organisationen, dann entfällt diese Frage.
    - Wenn es offene Gruppen sind, könnte das für viele einfach Spaß an der Freude sein, für andere würde möglicherweise ein Ranking oder ein Aktivitätsindex einen Anreiz darstellen. Möglich wäre auch, wenn jemand sehr gute Beitrage liefert und es handelt sich um einen for-profit Ideensession, dass man in eine geschlossene Phase einlädt, wo es um die konkrete Umsetzung geht und er womöglich auch finanziell beteiligt wird?
    Ihr habe mir hier noch kein ausgefeiltes System überlegt.

  3. Harald Schmid schreibt:

    Ich würde die Plattform grundsätzlich für alle zugänglich machen. Denn wozu jemanden ausschließen? Gleichzeitig würde ich es den idea creators überlassen, welchem Kreis sie ihre Idee vorstellen wollen.

    In der Vorlesung "Innovative Unternehmer" an der TU München habe ich mit einem ähnlichen Tool gearbeitet. Technische Grundlage war ein Forum, dessen Verwendung nach einer bestimmten Innovationsmethode erfolgte. Ich habe damit positive Erfahrungen gemacht.

  4. Florian Rustler schreibt:

    Da hast du natürlich recht, man sollte die Plattform grundsätzlich für alle offen lassen. Ich meinte, dass es die Möglichkeit geben muss, geschlossene Gruppen einzurichten, z.B. für Unternehmen etc.

    Hast du noch weitere Infos zu dieser Innovationsmethode? War das ein spezielles Forum? Oder ein normales Forum, das lediglich nach einer bestimmten Methodik benutzt wurde?

  5. Peter schreibt:

    Tolle Idee.
    Ich bin schon lange auf der Suche nach so einer Plattform. Unbedingt realisieren (lassen).
    Ich würde auf jeden Fall mitmachen (als Ideengeber und "Einsteller")

  6. Florian Rustler schreibt:

    Hallo Peter,

    ich würde das sehr gerne realisieren und stecke viel Hirnschmalz rein, wie sowas genau aussehen könnte, das möchte ich allerdings nicht alles hier posten. Die Realisierung wäre sehr aufwändig und teuer, aber ich gebe nicht auf :-)

    Viele Grüße,

    Florian

  7. Marcus Berthold schreibt:

    Hallo Peter,

    wir haben in den letzten 18 Monaten eine solche Ideenplattform realisiert und seit 1. April online geschaltet. www.brainfloor.com
    Bin auf Dein / Euer Feedback gespannt und sage schon mal danke für Eure Impulse!
    Viele Grüße von Marcus


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