Die 4Ps der Kreativität – Teil 3: Das Klima (Ende)

Das Klima (Press in Mel Rhodes 4P-Modell genannt) bildet den Rahmen, der die Elemente Person und Prozess umschließt und die Grundlage dafür schafft oder entzieht. Relevant ist das für alle Menschen, die nicht alleine arbeiten, sondern innerhalb einer Organisation tätig sind.

Klima nicht gleich Kultur
Bevor ich die zwei großen Namen der (Betriebs-)Klimaforschung in Zusammenhang mit Kreativität vorstelle, möchte ich eine Abgrenzung zum ebenfalls häufig verwendeten Begriff der Unternehmenskultur schaffen.
Ich arbeite mit Ekvalls Klimadefinition, die Klima folgendermaßen definiert: "recurrent patterns of behavior, attitudes, and feelings that characterize life in an organization". Damit unterscheidet sich das Klima von der Kultur und kann als eine Manifestation der Unternehmenskultur gesehen werden. Das Klima ist zeitlich weniger stabil als die Unternehmenskultur und kann schneller verändert und beeinflusst werden. Ich nutze ebenfalls Ekvalls Definition von Unternehmenskultur: "Patterns of basic assumptions, values, beliefs, symbols, and meaning that define the standards, norms, and expectations of how people should think, feel and behave."

Der Einfluss des Klimas
Beschäftigt man sich mit der Rolle von Betriebsklima und Kreativität und Innovation, kommt man um zwei großen Namen nicht herum: Teresa Amabile und Gören Ekvall. Beide haben jeweils Jahrzehnte lange Forschungsarbeit auf diesem Gebiet betrieben und wichtige Grundlagen geschaffen.
Beide haben das Klima als eine Einflussfaktor eine Vielzahl von Prozessen innerhalb von Organisationen identifiziert wie z.B. Kommunikation, Lernen, Motivation, Entscheidungsfindung, Problemlösung und Kreativität.

Das Klima innerhalb einer Organisation kann zwischen Abteilungen und Teams ziemlich unterscheiden, im Gegensatz zur Kultur, die sich meist auf die gesamte Organisation erstreckt.

Die Rolle der Führungskräfte
Der größte singuläre Faktor der laut Ekvall 30 – 60% (!) der Unterschiede im Klima erklärt, sind die Führungskräfte! Etwas prägnanter formuliert heißt das: Wenn das Klima innerhalb eines Teams oder einer Abteilung von den Mitgliedern als positiv wahrgenommen wird, dann besteht eine 30 – 60% Chance, dass die jeweilige Führungskraft etwas sehr richtig gemacht hat. Das gilt natürlich auch für ein negativ wahrgenommenes Klima.

Amabiles Stimulatoren und Hindernisse
Teresa Amabile hat im Rahmen Ihrer Forschungsarbeiten einige grundlegende Faktoren identifiziert, die Kreativität am Arbeitsplatz fördern oder behindern (Ich habe bereits an anderer Stelle schon einmal über Elemente dieser Faktoren berichtet). Daraus abgleitet wurden dann sechs Mythen über Kreativität, die ich in einem der nächsten Posts vorstellen möchte. Damit werde ich dann die Liste der kursierenden Mythen erweitern.

Stimulatoren der Kreativität sind nach Amabile:

  • Freiheit
  • effektives Projektmanagement
  • adäquate Ressourcen
  • eine Atmosphäre der Zusammenarbeit
  • Anerkennung
  • ausreichend Zeit
  • Herausforderung
Hindernisse der Kreativität:
  • zu viel Bürokratie
  • unangemessene Belohnungen
  • Mangel an Kooperation
  • Desinteresse von Seiten der Organisation
  • zu wenige Ressourcen
  • Zeitdruck
  • den Druck, den Status quo zu erhalten
Die Quelle dieser Angaben findet sich im erweiterten Post dieses Artikels, für alle die, die sich ausführlich damit beschäftigen möchten.


Ekvalls Klimadimensionen
Teilweise sehr ähnliche Elemente hat Ekvall im Rahmen seiner Forschungen zu den Klimadimensionen gefunden. Er hat insgesamt 10 Dimensionen identifiziert, von welchen neun eine positiven Einfluss auf Kreativität ausüben und einer negativ wirkt.

Positive Dimensionen:
  • Herausforderung
  • Freiheit
  • Unterstützung von Ideen
  • Vertrauen und Offenheit
  • Dynamik und Lebendigkeit
  • Humor und Verspieltheit
  • Debatten (inhaltliche Zusammenstöße)
  • Risikofreudigkeit
  • Zeit Ideen zu entwickeln
Negative Dimensionen:
  • Konflikte (definiert als Spannungen auf der persönlichen Ebene)
Auch hier verweise ich auf die Quellenangaben für alle die, die es genauer wissen möchten.

Führungskräfte als wirksamster Ansatzpunkt
Sowohl Amabile als auch Ekvall betonen in Ihren Veröffentlichungen immer wieder die Bedeutung der Führungskräfte und deren große Einflussmöglichkeiten im positiven wie im negativen Sinne. Diese können als erstes durch ein Bewusstsein und Verständnis der Zusammenhänge des kreativen Klimas, aber auch des kreativen Prozesses sehr viel Positives bewirken.
Im Rahmen von Trainings zur Steigerung kreativer Problemlösekompetenzen versuche ich dem in sofern Rechnung zu tragen, als ich versuche, besonders die Führungskräfte meiner Kunden als Teilnehmer zu gewinnen und mit diesen zu beginnen. In den nächsten beiden Wochen werde ich bei einem Kunden in Hong Kong (Station zwei der creaffective Asientour) die 40 obersten Führungskräfte trainieren, also eine ideale Grundlage, um positive Auswirkung innerhalb des Unternehmens zu schaffen.


Literaturangaben:

  • Burnside, R.M., Amabile, T.M., & Gryskiewicz, S.S. (1988). Assessing organisational climates for creativity and innovation: Methodological review of large company audits. In Y. Iijiri & R.L. Kuhn (Eds.), New directions in creative and innovative management (p. 169 – 185). Cambridge, MA: Ballinger.
  • Ekvall, G., & Ryhamnar, L. (1999) The creative climate: Its determinants and effects at a swedish university. Creativity Research Journal, 4, 303-310.
  • Ekvall, G. (1997). Organizational conditions and levels of creativity. Creativity and Innovation Management, 4, 195-206.
  • Ekvall, G. (1996). Organizational climate for creativity and innovation. European Journal of Work and Organizational Psychology, 1, 105-123.

Trackbacks

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Kommentare

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  1. Stefan schreibt:

    Hey Florian!

    Der "Klimafaktor" ist, wie ich finde, dass bisher schillerndsde Element und schwer greifbar.

    Grundsätzlich würde ich den Punkt "effektives Projektmanagement" in der Hierachie ganz oben ansiedeln:
    Effektives Projektmanagement strukturiert (auch zeitlich) das Projekt, schafft Raum (ausreichend Zeit, Freiheit) und bietet adäquate Ressourcen, wo Anerkennung und eine Atmosphäre der Zusammenarbeit gedeihen können.

    "Herausforderung" beziehe ich mehr auf das Individuum und passt so ganz und gar nicht (für mich) in's Klima. Aber gut, ich weiß ja nicht wie Frau Amibis dies meint.

    Aber meine Argumentation bezogen auf die Hierachie basiert auf der Überlegung, was ich zuerst tun würde um eine kreativförderliches Klima gezielt zu erhalten.

    Effektives Projektmanagement verhält sich zu den Kollegen, wie der Rechtsstaat zu seinen Bürgern. Nur ein Rechtsstaat bietet höchst mögliche Gedankenfreiheit für alle gleichzeitig solange keine Überreglementierung erfolgt. Die Diktatur schränkt sie ein. Auf dieser Analogie lässt sich einiges ableiten (Transformation und Vergleich). Mal sehen, was da noch so kommt an Kommentaren!!!

    Gruß Stefan

    P.S.
    Ich bin ja ganz schön gespannt, auf die sechs Mythen über Kreativität!

  2. Florian schreibt:

    Hi Stefan,

    du hast sicher recht, Faktoren wie Klima und Kultur sind schwer zu greifen und deshalb auch besonders schwer zu messen.

    Den Begriff "Challenge" definiert Ekvall folgendermaßen: "The emotional involvement of the members of the organization in its operations and goals." Feststellen lässt das nur im Verhalten jedes Einzelnen, beeinflusst wird das wiederum vom vorherrschenden Klima.

    Interessant ist, dass der Faktor "effektives Projektmanagement" bei Amabile auftaucht nicht aber bei Ekvall. Ich habe das bisher auch nicht besonders auf dem Schirm gehabt, finde deine Ausführungen dazu aber sehr interessant. Da kommt deine Tätigkeit durch!
    Ob es eine Hierarchie der Faktoren und deren Umsetzung gibt ist mir nicht bekannt.

    Gruß

    Florian

  3. Stefan schreibt:

    Hallo Florian!

    Na ja, solange niemand das Gegenteil behauptet, steht in der Hierachie das Projektmanagement ganz oben und ist förderlich für das B-Klima ;-).

    "Projektmanagement" wie auch "Management" sind ja Begriffe der jüngeren Historie und bestehen wahrscheinlich erst seit der Industrialisierung (organisierte Massenproduktion, Verteilung der Arbeit). Wahrscheinlich sind die Begriffe "Unternehmenskultur" und "Betriebsklima" erst später aufgekommen.

    Also, auch an der Historie gemessen würde ich Management und die spezifische Form des Projektmanagementes ganz oben ansiedeln.

    Wichtig erscheint mir auch die Struktur der Organisation oder vieleicht m.a.W: Kann jemand am Fliesband (am Ende des Produktionsprozesses), auch bei gutem Betriebsklima und gesunder Unternehmenskultur, kreativ sein?

    Eigentlich eher weniger!

    Kreativität ist in der Hierachie der Firmenorganisation eher oben (Boss und oberes Management) angesagt. Die am Ende des Produktionsprozessen haben eher mal Einfluss auf die Optimierung des Produktionsprozesses.

    Also nach dem "Geschreibsel" würde ich sagen hat das Management bzw. die Organisationsform einer Firma enormen Einfluss auf die Stimulierung von Kreativität.

    Gruß Stefan

  4. Réka schreibt:

    Debatten vs Konflikten
    In meinem ehemaligen Lehrbuch stand, dass es ungefähr eine gesunde Menge von Konflikten existiert. Zu wenige Konflikte signalisieren meistens ein anregungsarmes Klima, zu viele Konflikte verhindern die Arbeit.
    Wahrscheinlich ist der Inhalt der Konflikte von größerer Bedeutung. Ist es ein persönlicher Angriff oder ein fachlicher Meinungsunterschied? Oft sind private Streite als fachliches Problem verkleidet, aber die Mitglieder des Teams wissen meistens Bescheid, worum es sich wirklich handelt.

    Die Rolle der Führungskräfte ist unstreitbar. Ich bin immer skeptisch, wenn ich über ein riesiges Unternehmen höre, das eine wunderbar einheitliche Unternehmenskultur hat. Auf die Erfahrungen der Mitarbeiter haben die direkte Umgebung, Kollegen und der Chef eine viel größere Wirkung, als irgendwelche „corporate policies“.
    Auch über Google habe ich schon gelesen, dass ein bedeutender Anteil der mittleren Manager keine Zeit für die „Freitagsprojekte“ erlaubt. Falls es wahr ist, taugt diese schöne Initiative für die betroffenen Mitarbeiter nicht zu viel.

  5. Florian schreibt:

    Hi Réka,

    ich glaube, der Inhalt der Konflikte, wie du es beschreibst, lässt sich über die von Ekvall benutzten Definition erklären.
    "Debate" wir definiert als "Encounters and clashes between viewpoints, ideas and differing experience and knowledge". Diese Art der Debatten wird als positive für das Klima gesehen, da so eine inhaltliche Weiterentwicklung entstehen kann, im Gegensatz zu einem Klima, in dem niemand den Status quo in Frage stellt.
    Konflikt definiert Ekvall als "The presence of personal and emotional tensions (in contrast to idea tensions in the debates dimension) in the organization." Diese Art von rein persönlichen Konflikten haben sich als negativ herausgestellt.

    Gruß

    Florian

  6. Réka schreibt:

    [...]Florian Rustler stellt eine weitere wichtige „Zutat“ der Kreativität vor: das Klima.[...]

    Dieser Eintrag wurde als „Artikel des Tages für Multiprojecter� nominiert. Hier kannst du bis 04.11.2008. 23:59 die anderen Kandidaten besichtigen und für deinen Lieblingsartikel stimmen. Wir würden uns freuen, deine Meinung zu hören.

  7. Andy schreibt:

    Du hast die Wahl auch noch gewonnen Flo. Glückwunsch ;-)


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